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2. September 2025

Rezension [Hörbuch]: "Daughter of Chaos - Die Lüge der Götter" von A.S. Webb


Titel: Daughter of Chaos - Die Lüge der Götter
Autorin: A.S. Webb
Sprecherin: Viola Müller
Verlag: Radomhouse Audio
Seiten: 560
Dauer: 16h 52m
Preis: 29,95€
 

Es ist kein Geheimnis, dass mich alles interessiert, was mit griechischer Mythologie zu tun hat – auch im literarischen Bereich. „Alte Geschichte“ war nicht umsonst eines meiner Lieblingsmodule an der Uni. Der antike Stoff zieht mich immer wieder in seinen Bann. Deswegen horchte ich auf, als ich von „Daughter of Chaos – Die Lüge der Götter“ hörte. Der Klappentext fesselte mich sofort. Allein die Schlagwörter „Delphi“ und „Herakles“ hätten gereicht, um mein Interesse zu wecken. Also gab ich mich den mehr als 16 Stunden Hörgenuss hin…und habe es nicht bereut! „Daughter of Chaos“ ist ein spannender Auftakt mit einer tollen Interpretation des Stoffes und grandiosen Charakteren. Die Mischung aus Bezügen zur „Realität“ und eigener Fiktion ist wirklich gelungen und man weiß nie, was als nächstes passiert. Das macht dieses Hörbuch so spannend!

»Die letzte Tochter wird kommen, die Herrschaft des Donners beenden und zum Licht werden, das die Menschheit befreit.« Im antiken Griechenland leiden die Menschen unter der Tyrannei und Willkür der Götter. Doch eine alte Prophezeiung spricht von Hoffnung, von jemandem, der die Menschheit befreien wird.
Auf Naxos entwickelt Danae, Tochter eines Fischers, eines Tages mysteriöse Kräfte. Aus ihrem Dorf vertrieben, sucht sie Rat beim Orakel von Delphi – findet aber nur weitere Fragen ... aber auch Gerüchte über ein geheimes Netzwerk von Gläubigen, die schon lange auf ihre Ankunft gewartet haben. Auf der Suche nach Antworten schließt Danae sich dem Halbgott Herakles an. An seiner Seite macht sie sich auf, legendäre Monster zu jagen. Doch es sind die Götter des Olymps, auf deren Fährte Danae wirklich ist.

Eine Trilogie, der das griechische Pantheon zugrunde liegt, kann eigentlich nur eine Schwäche haben – und die hat auch A.S. Webbs „Daughter of Chaos“: Die Geschichte hat manchmal seine Längen. Mit dieser Kritik starte ich direkt, denn es ist die einzige, die ich habe. In „Die Lügen der Götter“ geht es letztendlich um ein Mädchen, das herausfindet, dass es gewisse Kräfte und eine damit verbundene Bestimmung hat. Um diese Bestimmung zu erfüllen, muss sie eine lange Reise durchmachen. Und „lang“ trifft es eben sehr gut.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert, die alle einen anderen Teil von Danaes Reise beschreiben. Sie sind sehr sinnvoll eingeteilt. Im ersten Teil befindet sich die Tochter eines Fischers noch auf ihrer Heimatinsel Naxos und ahnt nichts von ihrem Schicksal. Man merkt nur sehr schnell, dass Danae rebellischer und hitzköpfiger ist als andere Mädchen in ihrem Alter. Der zweite Teil lüftet langsam die ersten Geheimnisse und führt das junge Mädchen nach Delphi. Doch erst im dritten Teil offenbart sich das eigentliche Ziel, Danaes Gabe und das große Ganze wird sichtbarer. Auch Herakles spielt hier erst eine große Rolle. Eine lange Reise, auf der sich vor allem der Charakter der Protagonistin entwickelt und reift, kostet den Leser oder Hörer einige Zeit. Ich persönlich habe diese Zeit unglaublich gern investiert, denn ich fand jedes noch so kleine Abenteuer, jede Abschweifung total spannend. Aber generell könnte man dem Buch eben das vorwerfen. Es hat gewisse Längen.
Wie kommen diese aber zustande? Und nun beginne ich mal bei den viele großartigen Dingen dieses Buches. Ich habe bereits angerissen, dass die Protagonistin auf einer kleinen Insel aufwächst. Danae lebt als zweite Tochter bei ihrer Familie. Ihre großen Brüder sind bereits alle verheiratet und so sind nur noch ihre Schwester Alea und sie bei ihren Eltern. Der erste Teil der Geschichte widmet sich dem alltäglichen Leben. Man bekommt einen wunderbaren Eindruck, wie das einfache Leben der Menschen in der Antike war. Gleichzeitig versteht man, wie A.S. Webb diese Welt gestaltet. Die Autorin versteht die antike Welt so, dass all die überlieferten Sagen wahr sind. Sprich, es gibt die Götter. Es gibt die mythischen Wesen und Ungeheuer, die Helden und die Phänomene, die man heute kaum noch begreifen kann. Für einiges davon gibt es logische Erklärungen. Aber wenn Geister oder magische Vögel, geflügelte Pferde oder sechsarmige Monster auftauchen, dann ist das die Realität in dieser Geschichte. Ich fand das eigentlich ziemlich cool. Diese Dinge werden auch ganz selbstverständlich erzählt. So kommt der Mix aus High Fantasy und antikem Stoff wirklich gut zur Geltung. Viele der eingearbeiteten Details sind übrigens wirklich so überliefert. Natürlich handelt es sich vor allem um Stoff aus den Sagen (an dessen Wahrheitsgehalt man definitiv zweifeln darf), aber das verleiht dem Buch noch mehr Authentizität und zeigt, wie liebevoll die Autorin mit ihrer Geschichte umgeht. Ich habe beispielsweise erst einmal gegoogelt, wer alles auf der „Argo“, dem Schiff des Helden Jason, dabei war. Und tatsächlich: Herakles oder auch Atalanta waren dabei. Eben solche Details sind auch in „Daughter of Chaos“ eingearbeitet. Man muss allerdings auch sagen, dass manches ganz anders überliefert wurde und nicht ganz in die Handlung passt. Aber ich schweife ab.
Danaes Reise beginnt ganz zaghaft und es dauert eine Weile, bis das Setting aufgebaut und man in der Geschichte angekommen ist. Erst wenn der zweite Teil beginnt, wird es eigentlich so richtig spannend. Dann nehmen auch die Bezüge zur Antike zu. Die Geschichte von Theseus, Atalanta, den Amazonen Herakles und dem Orakel von Delphi spielen hier eine Rolle. Insgesamt gibt es neben der Hauptgeschichte unglaublich viele „Nebenabenteuer“, die überstanden werden müssen. Danae lernt dabei listig zu sein, manchmal zu lügen und vor allem: zu überleben. Der Charakterwandel ist grandios. Gleichzeitig bleibt sie aber authentisch und definitiv sympathisch. Sie ist eine Protagonistin, die zweifelt und unsicher ist. Die trotzdem Stärke zeigt und sich kämpferisch gibt. Grandios sind übrigens auch die Nebenfiguren. Allen voran der berühmte Herakles, der eben auch Schwächen hat. Auch die anderen Reisegefährten wie Atalanta sind interessant und sehr vielschichtig. Sie sorgen für ordentlich Gezanke und Reibereien, aber auch für lustige und herzerwärmende Momente. Trotzdem gibt es viele grausame Aspekte in der Geschichte, die zum Teil mit den Handlungen der Figuren zu tun haben. Besonders spannend fand ich übrigens Manto als Figur. Er/Sie spielt gar nicht so lange mit und trotzdem prägt er/sie die Geschichte. Das einzig wirklich Verwirrende war die „Wokeness“ dieses Charakters. Denn Manto bezeichnet sich als weder weiblich noch männlich und jeder verwendet ganz selbstverständlich im Zusammenhang mit dieser Figur das Pronomen „dae“. Ich gebe zu, dass ich anfangs dachte, es würde sich um zwei Figuren handelt: Manto und Dae. Tat es aber nicht. Ich glaube weniger, dass man es im antiken Griechenland einfach akzeptierte, wenn jemand keinem Geschlecht zugeordnet werden wollte, weshalb es für mich nicht so in die Geschichte passte. Aber okay. Warum eigentlich auch nicht?!
Die Punkte Handlung (spannend und vielseitig) und Figuren (grandios und abwechslungsreich) können wir abhaken. Bleibt noch die Sprache. A.S. Webb schreibt flüssig und sehr bildhaft. Ich fand ihren Stil für das Setting der Geschichte sehr gut. Sie scheut nicht davor zurück, auch die Schattenseiten der Geschichte darzustellen, weshalb es eben auch Themen wie Tod und gar Mord zu Hauf in „Daughter of Chaos“ gibt. Hier wird nichts geschönt und das wird dem Hörer auch transportiert. Die Sprecherin Viola Müller hat eine sehr angenehme Stimme, die ich vollkommen mit Danae identifiziert habe. Ich hatte ihre Stimme auch lange nach dem Hören noch im Kopf. Müller betont gut und nimmt den Hörer mit auf diese vielschichtige und spannende Reise.

Alles in allem hat mich „Daughter of Chaos – Die Lüge der Götter“ wirklich überrascht – im positiven Sinne. Ich habe das Buch unglaublich gern gehört und wollte immer wissen, wie es weitergeht. Kommen unsere Helden ans Ziel? Wird Danae sich den Göttern stellen können? Welche Abenteuer werden noch auf dem Weg dorthin geschehen? Die ganze Reise ist spannend. Aber verlustreich. Die Entwicklung der Charaktere ist sehr gut gelungen und für jeden gibt es definitiv Figuren, mit denen man sich identifizieren kann. Stören einen die Längen nicht, hat man mit diesem Hörbuch eine Menge Spaß. Ich hatte ihn und deswegen warte ich nun gespannt auf den zweiten Teil und vergebe gern fünf Sterne für diese Reise ins antike Griechenland.



27. April 2018

Rezension: "Helden des Olymp - Der verschwundene Halbgott" von Rick Riordan



Titel: Helden des Olymp - Der verschwundene Halbgott
Autor: Rick Riordan
Verlag: Carlsen
Preis: 10,99€
Seiten: 592

Alles, was Rick Riordan anfässt, scheint zu Gold zu werden. Mit der „Percy Jackson“-Reihe wurde er weltberühmt und verlieh vielen Kindern eine Heldenfigur. Auch ich liebe diese Reihe und ich bin Rick Riordan für seine Leidenschaft zur Mythologie wahnsinnig dankbar! Denn nicht nur die Griechen haben es ihm angetan, auch die Ägypter und natürlich die Römer. An die letztgenannten wollte ich mich nun wagen, also griff ich zum ersten Teil der „Helden des Olymp“-Reihe, mit dem Titel „Der verschwundene Halbgott“. Und obwohl ich mich in gewisser Weise in diesem Riordan-Universum wie zu Hause fühle, konnte mich der Reihenauftakt nicht immer fesseln. Es gibt viele neue Elemente und Figuren, aber auch Altbekanntes. Die Mischung ist gelungen, aber die hochgelegte Messlatte konnte das Buch leider nicht erreichen.

Jason erinnert sich an gar nichts – nicht einmal an seine besten Freunde Piper und Leo. Und was hat er in Camp Half-Blood zu suchen, wo angeblich nur Kinder von griechischen Göttern aufgenommen werden? Zu allem Überfluss gehören die drei Freunde laut Prophezeiung zu den legendären sieben Halbgöttern, die den Olymp vor dem Untergang bewahren sollen. Kein Problem – Leo treibt einen mechanischen Drachen als Transportmittel auf und los geht’s! Und dann gilt es auch noch einen seit längerem verschwundenen Halbgott zu finden, einen gewissen Percy Jackson ...

Am Anfang von „Der verschwundene Halbgott“ war ich einfach nur verwirrt. Ich hatte gehört, dass die Reihe so ähnlich sein soll, wie Percy Jackson, nur eben mit den römischen Göttern. Außerdem sagte man mir, dass auch Percy eine Nebenrolle spielt. In meinen Augen machte die erste Information Sinn und ich bekam Lust auf das Buch. Die zweite allerdings ließ mich ein wenig skeptisch werden. Ich liebe Percy Jackson als Figur und Held. Aber ich mag es nicht, wenn das Geschehen aus kompletten Reihen revidiert wird, nur damit man eine Fortsetzung schreiben kann. Um es direkt zu sagen, das ist auch nicht geschehen. Und trotzdem kam ich mit diesem Mischmasch nicht ganz klar. Percy taucht das ganze Buch über nicht auf – denn um irgendwen muss es sich beim „verschwundenen Halbgott“ ja auch handeln. Und trotzdem ist er allgegenwärtig. Annabeth spielt zu Beginn des Buches eine Rolle und einen kleiner Teil findet auch im Camp Halfblood statt. Das Setting ist dem Leser also bekannt – die Figuren sind aber neue. Das Konzept an sich ist logisch und macht Spaß. Warum nicht den Leser in eine bekannte Welt entlassen und diese mit neuen Figuren füllen?! Riordans Ansatz sorgte bei mir für Begeisterung. Aber die neuen Figuren konnten es irgendwie, trotz Sympathie, nicht ausfüllen. Und der Punkt, den ich bereits angerissen habe, dass man auf das vorher Geschehene durch diese Reihe einen neuen Blickwinkel bekommen muss, gefällt mir immer noch nicht. „Percy Jackson“ endet relativ offen und natürlich gibt es ungeklärte Fragen. Aber so große unentdeckte Welten daraus zu machen, war mir suspekt. Aber trotzdem muss ich auch den positiven Faktor benennen: Und das ist das Heimatgefühl, das schon auf den ersten Seiten einkehrt. Man kennt die Welt von Camp Halfblood, die Götter, ihre Kinder und die Aufträge, die diese bestehen müssen. Das Konzept bleibt auch in diesem Buch gleich.
Kommen wir also zu den Charakteren. Neben den Bekannten, wie Chiron, Annabeth und Rachel tauchen drei neue Protagonisten auf, aus dessen Sichten das Buch auch geschrieben ist. Das ist zum einen Piper, eine Rebellin und die Tochter eines Cherokee und der Aphrodite. Anfangs empfand ich für sie keine großen Sympathien, aber mit der Zeit wird Piper ernster und akzeptiert sich selbst. Der Prozess ist schön zu beobachten, dennoch kam ich mit ihrer Art nicht immer klar. Nummer zwei im Bunde ist Leo, ein wahnsinnig talentierter Handwerker und Techniker und somit kein anderer als der Sohn des Hephaistos. Leo war für mich absolut authentisch, herrlich witzig und interessant. Er muss seine Hände immer beschäftigen und hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, was ihn super sympathisch macht. Er war mein absoluter Liebling! Und sein Metalldrache namens Festus ist das perfekte Maskottchen für das Dreierteam. Und „Dreierteam“ deutet schon an, dass noch ein Protagonist fehlt. Hierbei handelt es sich um Jason. Er ist ein schwieriger Charakter, denn er erinnert sich an rein gar nichts. Außerdem scheint er nichts über die Griechen, aber eine Menge über die Römer zu wissen. Wenn jemand beinahe nichts über sich selbst weiß, ist es schwer die Leser zu gewinnen. Ich konnte mit Jason jedenfalls nicht allzu viel anfangen. Er ist der Leader und in gewisser Weise das Gegenbild zu Percy Jackson. Und tatsächlich ist er das große Mysterium des Buches. Man möchte seine Geschichte erfahren und bekommt immer nur kleine Stückchen.
Zusammen bilden die drei ein gutes Team. Natürlich erinnert es an Percy, Annabeth und Grover, ohne allerdings an diese drei heranzukommen. Aber wahrscheinlich ist das auch einfach nicht möglich. Zu dritt müssen sie einen Auftrag für Hera durchstehen und dabei erleben sie einen Haufen Abenteuer. Davon waren manche spannender, manche etwas träge. Dennoch ist der Aufbau gelungen und unterhaltsam. Man stolpert in eine bekannte Welt und entdeckt dennoch so viel Neues! Das Grundabenteuer ist ganz in der Percy-Jackson-Manier verfasst und der Höhepunkt von Anfang an das klare Ziel. Mir gefiel das Finale wirklich gut und da zog die Spannung auch ordentlich an! Vorher hatte ich allerdings nicht immer den Drang, weiterlesen zu wollen. Und das ist sehr schade. Jason, Piper und Leo konnten mich nicht richtig fesseln, aber was ich gelesen habe, war "ganz gut". Nur eben nicht packend, wenn man es so sagen kann. Aber ich verzeihe dem Auftakt diese etwas langgezogenen Elemente, denn eine neue Reihe muss erst mal Fahrt aufnehmen. Am Ende ist vieles klarer und trotzdem bleiben wahnsinnig viele Fragen. Für mich war die große Bösewichtin von Anfang an klar ersichtlich. Es wunderte mich sogar, dass die Halbgötter so lange gebraucht haben, um zu erkennen, gegen wen sie kämpfen sollen. Der Final Fight ist wie gesagt gelungen, danach ebbt die Spannung wieder etwas ab. Der Stil von Riordan bleibt ungebrochen gut. Manchmal schweift er allerdings ein wenig aus und die Auferstehung des ein oder anderen Bösewichts weniger hätte mir durchaus gefallen. Schön war allerdings, dass immer wieder bekannte Figuren aufgetaucht sind und so auch die Jägerinnen der Artemis eine Rolle spielen. Die Kapitel sind übrigens immer aus der Sicht eines Protagonisten erzählt, so dass man zum Innenleben von Piper, Leo und Jason eine Verbindung bekommt und für Abwechslung gesorgt ist. Außerdem trägt jeder so seine Geheimnisse mit sich rum, von denen der Leser so als erstes erfährt.


Insgesamt ist „Helden des Olymp – Der verschwundene Halbgott“ eine unterhaltsame Abenteuergeschichte, die mich aber nicht immer fesseln konnte. Das bekannte Setting erleichtert vieles, doch die neuen Figuren müssen sich erstmal beweisen. Der Stil von Rick Riordan ist wie immer lebhaft und spannend, manchmal aber auch etwas ausschweifend. Ein kleines bisschen mehr Humor hätte ich mir auch gewünscht, obwohl Leo und Trainer Hedge durchaus für gewisse Momente sorgen. Ich bin gespannt, wie es weiter geht, hatte von diesem Reihenauftakt aber etwas mehr erwartet. Und deshalb vergebe ich 3,5 Spitzenschuhe für Jason und seine Freunde.



18. Januar 2018

Rezension: "James Bond 007 - Feuerball" von Ian Fleming


Titel: James Bond 007 - Feuerball
Autor: Ian Fleming
Verlag: Cross Cult
Preis: 12,80€
Seiten: 360

Viel zu lange ist es her, dass ich zu einem der großartigen James-Bond-Bücher aus der Feder von Ian Fleming gegriffen habe. Das neunte Abenteuer des Geheimagenten wartete auf mich: „Feuerball“. Das Buch hat eine Handlung, die ich durchaus noch im Kopf hatte, auch weil ich den Film sehr gern mag. Und dennoch hat das Buch mich absolut überrascht. Denn es ist unglaublich gut! Vielleicht brauchte ich eine so lange Pause von 007, um zu merken, wie sehr mir der gute James gefehlt hat. Zumindest kann ich guten Gewissens behaupten, dass ich eine der Frauen bin, die ihm hoffnungslos verfallen ist. „Feuerball“ ist super spannend, besticht durch eine logisch durchdachte und nicht zu dick aufgetragene Geschichte und wer davon noch nicht überzeugt ist, muss einfach dem Charme von James Bond erliegen. Absolut top!

Im neunten Band verschlägt es 007 auf die Bahamas. Doch für ihn steht dort kein Urlaub an: Bond muss zwei gestohlene Atombomben ausfindig machen
Als ein Fremder auf den Bahamas ankommt, schenken ihm die Einheimischen kaum Beachtung – noch ein Auswanderer, der sein Geld an den Casino-Tischen verheizt. Aber James Bond hat alles andere als Geld im Kopf: Er hat weniger als eine Woche, um zwei gestohlene Atombomben, versteckt zwischen den weiten Korallenriffen, ausfindig zu machen. Indessen mimt er den Playboy und lernt Domino kennen, die Gespielin des geheimnisvollen Schatzjägers Emilio Largo. Während er der hübschen Italienerin näher kommt, hofft Bond mehr über Largos geheime Machenschaften herauszufinden.


Vom Cover von „Feuerball“ blickt dem Leser eine aufreizende Frau entgegen, die auf sehr komplizierte Art und Weise ihren Reißverschluss schließt. Ich liebe die Cover des Cross Cult Verlags, denn sie passen perfekt zum Charakter der Reihe und zur Figur von James Bond. Wie immer steht der Held hier im Vordergrund. Ian Fleming hat die Schreibeigenschaft, ganz gern mal abzuschweifen. Das hält sich in „Feuerball“ aber in Grenzen. Was meine ich damit? Fleming beschreibt manchmal über längere Kapitel hinweg die Geschichte von Nebenfiguren, wie hier etwa von dem Piloten Petacchi, Stavros Blofeld oder Emilio Largo. Das Kapitel handelt dann nur von dieser Nebenfigur, seinen Gedanken und Handlungen. Der Geheimagent weiß weder etwas davon, noch kommt er vor. So gewinnt der Leser einen guten Rundumblick, kann aber auch beginnen sich zu langweilen. Denn zu diesen Figuren hat man immer eine gewisse Distanz und Bond ist einfach ein Sympathieträger, den man als Hauptperson nur ungern außen vor lässt. Ich bin kein Freund dieser Kapitel, zumindest nicht, wenn sie sehr lang sind. Andererseits bekommt man in „Feuerball“ so einen tollen Einblick in den Aufbau von SPECTRE und dem Leben der Bösewichte. Das ist super interessant und spannend. Als Leser weiß man mehr, als der Geheimagent und man will ihm zurufen, was zu tun sei – aber das funktioniert nie. 
Ich bin dennoch deutlich mehr der Fan von den Kapiteln, die sich mit Bond beschäftigen. Bond ist eine großartige Figur! In „Feuerball“ setzt Fleming sich auch erstmals mit den Lastern seines Protagonisten auseinander, was mir sehr gut gefiel! Viel zu oft habe ich mich schon gefragt, wie es sein kann, dass Bond zig Zigaretten am Tag raucht und den Alkohol literweise in sich hinein kippt. Zu Beginn der Handlung wird Bond in eine Art Naturheilkundesanatorium geschickt, um sich aufpeppeln zu lassen. Ich fand den Satz „Lassen Sie es ruhig angehen, 007“ in diesem Zusammenhang absolut großartig. Bond ist ein kühler und dennoch so humorvoller Charakter. Er ist arrogant und von sich selbst überzeugt. Frauen sind Spielzeuge, Alkohol ein Muss. Er ist nicht korrekt – auch nicht politisch. Aber Bonds Figur wurde eben auch in den 50er Jahren erschaffen, weshalb ihm ein gewisses Denken zu verzeihen sei. Als Leser sollte man seiner Sprache dennoch kritisch gegenüber stehen. Trotz all seiner Mängel ist Bond für mich ein Held, der sein Leben tagtäglich riskiert. Ich finde ihn einfach unglaublich amüsant und kann diesen Mann nur feiern. 
In „Feuerball“ gibt es mehrere Gegenspieler. Der Drahtzieher ist eigentlich Blofeld, den Bond selbst aber in diesem Buch noch nicht auf dem Schirm hat. Emilio Largo ist der Stellvertreter und hier der absolute Gegner Bonds. Ich finde es immer total interessant, wenn Fleming Details über das Geheimagentenleben einbaut, von dem er selbst ja einiges wusste. Das Böse ist hier sehr gut organisiert und die Entführung der Atombomben ist im Buch um einiges logischer, als im Film. Insgesamt gefiel mir die Handlung unglaublich gut! Sie ist nicht nur spannend, sondern auch sehr intelligent durchdacht. Bond kommt eher durch Zufall an den bedeutenden Auftrag, der den Tarnnamen „Feuerball“ trägt. Alles beginnt in dieser Klinik und spitzt sich dann zu. Ich fand es auch toll, wie ahnungslos die großen Geheimorganisationen eigentlich sind und nur durch Bonds und Leiters Spekulationen kann man sich dem Feind überhaupt nähern. Leiter – Felix Leiter, auch ein toller Charakter, der hier wieder vorkommt. Als Team sind die beiden unschlagbar. Ich hatte so viel Spaß mit Bond und Leiter, ihren Dialogen und ihrem Witz! Das Ende des Buches gefiel mir außerdem super!
Weitere Charaktere, die ich noch erwähnen muss sind natürlich Largo und Domino. Largo ist ein Bösewicht der allerersten Güteklasse. Der Mann ist schlau und skrupellos und somit perfekt für einen Fall von 007. Domino ist das Bondgirl, das Geschichte mitbringt. Sie weiß, was sie will und ist deswegen genau Bonds Typ. Die Geschichte zwischen den beiden fand ich authentisch – man glaubt es kaum. Am Ende wird sie zur Heldin, was gut zu ihr passt.
Insgesamt ist die Story absolut atemberaubend! Ich habe das Buch in zwei Tagen gelesen, was aufgrund des Stils ungewöhnlich ist. Der Stil ist gut, keine Frage. Aber Fleming schweift, wie erwähnt, gerne mal ab und führt gewisse Dinge weit aus. Das ist nicht immer nötig, kann bei der richtigen Leserschaft aber auf Interesse stoßen. Und das tat es bei mir. Außerdem ist Flemings Sprachgebrauch sehr maskulin und etwas roh, aber sehr passend! „Feuerball“ ist einfach ein absolut gelungener Agentenroman, den man verschlingen muss! Bedenkt beim Stil aber, dass manche Begrifflichkeiten wirklich mit Vorsicht zu genießen sind. Aber genauso hat der gute Ian Fleming es geschrieben – und das müssen wir wohl akzeptieren.



Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht mehr, ob mich ein Bond-Roman jemals enttäuscht hat. „Feuerball“ hat es auf keinen Fall, denn das Buch ist großartig! Bond zeigt in diesem Roman durchaus Schwächen, kommt sehr menschlich herüber und ist trotzdem ganz der galante Held. Das Buch beinhaltet sehr viel Witz und Menschlichkeit. Genauso aber abgebrühten Hass in Verbindung mit der Organisation SPECTRE, von der wir sicher bald mehr lesen werden. Es geht spannend zu und es gibt eine ganze Menge Action. Doch auch ein bisschen was fürs Herz – oder zumindest fürs imaginäre Auge. Wer Lust auf einen atemberaubend guten Agentenroman hat, sollte Bond in diesem Abenteuer begleiten. Es lohnt sich! Und deswegen vergebe ich natürlich fünf von fünf Spitzenschuhen. „Lassen Sie es damit ruhig angehen, 007“! 


14. Januar 2018

Rezension: "Monstermagie" von Lisa Rosenbecker


Titel: Monstermagie
Autor: Lisa Rosenbecker
Verlag: Impress
Preis: 3,99€
Seiten: 362


Die Autorin Lisa Rosenbecker ist für mich kein unbeschriebenes Blatt. Mit jedem Buch, was ich von ihr lese, überzeugt sie mich mehr. Und das hat sich auch bei ihrem neuen Titel „Monstermagie“ nicht geändert. Ganz unabhängig von der Autorin, musste ich dieses Buch einfach lesen. Es geht um fünf knuffige, kleine Monster, die eine Macke haben und die man schon auf den ersten Blick lieben muss! So erging es mir, als für das Buch geworben wurde und deswegen BRAUCHTE ich „Monstermagie“, da ich alles liebe, in dem kleine, süße Nebenfiguren eigentlich zu Hauptfiguren werden. 
„Monstermagie“ ist genauso gut, wie erwartet. Doch es ist auch genauso schrecklich! Das Buch hat mich emotional mitgenommen, ich habe gelacht und noch mehr geweint. Wenn ein Buch die Emotionen des Lesers so gut im Griff hat, ist das ein absolutes Kompliment!


Ein Monster mit magischen Fähigkeiten adoptieren? In der Welt der 19-jährigen Leah gar kein Problem. Als Inhaberin von »Monsters & Glue« sucht sie für verlassene oder abgegebene Monster eine neue Familie. Aber mit dem friedlichen Alltag ist es vorbei, als zwei seltsame Fremde auftauchen, die sich nach Monstern mit besonderer Magie erkundigen. Allein der mysteriöse Blake, der sich plötzlich ungefragt in Leahs Leben einmischt, scheint mehr über die beiden zu wissen. Doch auch seine Geheimnisse könnten für Leah und ihre Monster gefährlich werden…

Als ich „Monstermagie“ begann, hatte ich den Klappentext nicht mehr präsent. Mir reichte die Werbung auf den sozialen Plattformen für das Buch völlig aus, um zu wissen, dass ich es lesen will. Süße Monster? Wird gelesen. Aber in „Monstermagie“ steckt mehr, als eine süße Monstergeschichte und das wird schnell klar. Der Leser lernt zu Beginn Leah kennen, die ein kleines Heim für abgegebene oder verlassene Monster mit magischen Fähigkeiten führt. Diese Monster sind absolut normaler Bestandteil des Alltags, man kann sie quasi mit Haustieren vergleichen – mit mehr Fähigkeiten und vielleicht mehr Verständnis. Was aber sofort klar wird, ist die bedingungslose Liebe, die aus jeder Zeile spricht. Leah liebt ihre fünf Monster und die Monster lieben sie. Die Beziehung zwischen diesen Wesen und der Protagonistin ist zuckersüß! Die fünf Monster sind von ganz verschiedener Art: Monty ist ein kleiner Tintenfisch, der ein rosa Ballet-Tutu trägt und mit seiner Tinte malen kann; Robby ist ein Chamäleon, das zur Hälfte immer unsichtbar ist; Pebbles ist ein süßer rosa Flauscheball auf zwei Beinen, der durch Anfälle immer kleine Stacheln ausfährt, Nuvo ist eine fluffige und fliegende Wolke, die Erinnerungsperlen erschaffen kann und dann bleibt noch die Eule Glue, die einfach alles in Schokolade verwandeln kann. Also mal ehrlich: Wie könnte man sein Herz nicht an diese fünf verlieren? Alles, was sie tun, kann den Leser zum Lachen, Schmunzeln oder Zittern bringen. Ich wollte sofort eines der Monster adoptieren. Mit all ihrer Liebe schwang für mich aber auch immer etwas Mitleid mit – denn ich hätte allen so gern ein neues zu Hause geboten.
Aber zurück zur Geschichte. Die fünf Monster sind nicht die Hauptfiguren der Geschichte, aber die Helden. Und durch sie wird das Buch absolut besonders. Leah ist eine starke Protagonistin. Sie hat eine schwere Vergangenheit hinter sich, hat aber die richtigen Werte im Leben erlernt und verkörpert diese. Ich fand sie niedlich, manchmal etwas naiv, aber ich hätte wahrscheinlich in jeder Lebenslage genauso gehandelt. Dann wäre da noch Blake, der Geheimnisvolle. Ich mochte ihn von der ersten Szene an und fand all seine Aktionen so unglaublich niedlich. Die Liebesgeschichte, die zwischen beiden entsteht, passt gut zur Geschichte. Neben all der Liebe zu den Monstern, dem Humor, der mit ihnen einhergeht und der menschlichen Liebesgeschichte gibt es aber noch den spannenden Handlungsstrang. Denn jemand hat es auf das Heim von Leah abgesehen und wie man sich denken kann, bietet das Thema der Monster noch anderes Potenzial. Bald schon kämpfen Leah, Blake und die Monster gegen eine verrückte Wissenschaftlerin und dies ist ein Kampf auf Leben und Tod. Dieser Teil der Geschichte hat sich nur langsam herauskristallisiert und manchmal fand ich die Geschichte wenig zielführend. Mir persönlich machte das nichts, denn solange Monty und Co. fröhliche Diskussionen führten, war ich zufrieden. Aber zum Ende hin geht es dann hoch her. Die Geschichte wird spannend und actionreich. Und emotional. Dieser emotionale Storyturn hat mich sehr überrascht, denn mit der Wendung hatte ich beim besten Willen nicht gerechnet. Doch Lisa Rosenbecker beweist mit dem Aufbau ihrer Geschichte Stärke. „Monstermagie“ ist gut und logisch durchgeplant. Gern würde ich spoilern und verraten, warum ich nicht vollkommen einverstanden mit dem Verlauf der Handlung bin. Mein rational denkender Verstand findet die Geschichte logisch und zu einem guten Ende gebracht. Mein Herz zerbrach in tausend Teile und ich konnte die Tränen nicht zurückhalten. Doch diese Andeutungen müssen genügen. Ich fand es bewundernswert, wie die Autorin es geschafft hat, das man sein Herz so sehr an die Geschichte hängt, dass die Emotionen am Ende vollkommen mit dem Leser durchgehen können! Kompliment dafür! Der Spannungsbogen ist auf jeden Fall vorhanden. Außerdem gibt es viel Humor und die Figuren sind toll ausgearbeitet. Ich mochte auch den Detektive Tottori sehr gern! Es gibt viele (kleine) Helden in der Geschichte und es gibt auch die richtigen Bösewichte. Es ist also an alles gedacht.
Der Stil von Lisa Rosenbecker gefiel mir wieder sehr gut. Er ist flüssig, es gibt viele Dialoge und an den richtigen Stellen schimmert Romantik oder eben Action durch. Die meisten Anteile der Geschichte sind aus der Ich-Perspektive, also von Leah, erzählt. Ein paar Kapitel sind aber auch aus Blakes Sicht verfasst, was gute Abwechslung bietet. Noch ein Wort zum Cover: Wenn man das Buch gelesen hat, macht jedes einzelne Detail Sinn! Es ist das perfekte Cover für diese Geschichte!


„Monstermagie“ hat mich überrascht! Das Buch hat mich lachen und weinen lassen und es bietet eine tolle Mischung aus Romantik und Action. Allem voran steht aber die bedingungslose Liebe, die aus jeder Zeile spricht und die natürlich mit den Monstern einhergeht. Mein Herz konnten Monty, Pebbles, Robby, Nuvo und Glue auf jeden Fall erobern. Diese fünf Charaktere machen die Geschichte besonders, aber auch die menschlichen Protagonisten sind toll. Die Spannungskurve ist wunderbar gelungen, auch wenn sie am Anfang nur sehr langsam ansteigt. Das Ende ist emotional, aber passend. Mit einem Fakt hatte ich so meine Probleme, aber ich verstehe diesen Wendepunkt. Insgesamt vergebe ich 4,5 Spitzenschuhe, die Monty seinen Tentakeln sicher sofort anziehen möchte. Hach...



29. Juli 2017

Rezension: "Book Elements - Die Magie zwischen den Zeilen" von Stefanie Hasse


Titel: Book Elements - Die Magie zwischen den Zeilen
Autor: Stefanie Hasse
Verlag: Impress
Preis: 3,99€
Seiten: 286

Der erste Teil der „Book Elements“-Reihe von Stefanie Hasse lagerte schon eine Weile auf meinem Reader. Ich musste mich ein wenig überwinden, um das Buch endlich zu lesen. Woran genau das lag, weiß ich bis heute nicht. Denn das Thema ist fantastisch und innovativ- einfach genau das Richtige für einen Buchliebhaber. Dennoch hatte ich mit der Geschichte so meine Probleme. Das Konzept überzeugt, die Umsetzung und auch die Charaktere manchmal leider nicht. Mich konnte das Buch kaum packen, weshalb es zwar ganz nett war, aber deutlich unter seinen Möglichkeiten blieb.

**Verliebe dich niemals in eine Romanfigur, denn sie könnte dich suchen kommen…**
Wenn die Menschen nur wüssten, wie gefährlich das Bücherlesen ist, wäre Lins Job um einiges leichter. Aber leider verlieben sich tagtäglich junge Frauen in Romanfiguren und ahnen dabei nicht, dass sie ihnen mit jedem schwärmerischen Seufzer ein wenig mehr Leben einhauchen – bis die Protagonisten aus den Büchern heraustreten, die Stadt unsicher machen und Lin sie wieder einfangen muss. Die unwiderstehlichen Vampire, die muskulösen Außerirdischen, die Gitarre spielenden Bad Boys … Als Wächterin der Bibliotheca Elementara kennt Lin sie alle persönlich. Alle außer Zacharias, den Protagonisten ihres Lieblingsbuchs »Otherside«, das sie entgegen aller Wächterregeln heimlich liest. Dabei ist er der einzige Romanheld, den sie gerne einmal kennenlernen würde…

Der Klappentext überzeugte mich damals sofort zum Kauf des Buches. Ein buchiges Thema, eine innovative Idee und scheinbar eine fantastische Liebesgeschichte. Das erwartete ich mir von „Book Elements – Die Magie zwischen den Zeilen“. Ich bekam Teile davon. Was Stefanie Hasse wirklich gut gelungen ist, ist die Grundidee. Für jeden Bücherwurm ist es gar nicht so abwegig, dass man Charaktere aus Büchern herauslesen kann, weil man sein Herz an sie hängt. Im ersten Moment denkt man nur, wie schön es doch wäre, eine Hermine Granger oder einen Sherlock Holmes an seiner Seite zu haben. Im zweiten Moment wird aber das Problem ersichtlich: Will man auch mit den Voldemorts oder Professor Moriatys leben? Wohl kaum. Daher ziehe ich schon einmal den Hut vor der Idee der Autorin, dass es sogenannte Wächter gibt, die die Welt vor den herausgelesenen Charakteren schützen und beide Welten trennen. Es hat mir gut gefallen, dass im Buch eine gewisse Intertextualität herrscht, die Autorin also viele Bezüge zu anderen Büchern herstellt – logischerweise. Viele davon kannte ich auch, andere nicht. Ein Pluspunkt also schon mal fürs Konzept.
Die Umsetzung des Ganzen lief manchmal aber etwas undurchsichtig ab. Der Klappentext deutete eine stringente Handlung an. Diese springt allerdings des Öfteren hin und her und verlagert ihren Fokus. Die Entwicklung an sich gefiel mir, am Ende konnte ich aber nicht mehr ganz folgen. Das war sehr schade. Dennoch ist die Geschichte spannend, da man nicht erkennen kann, wer auf welcher Seite steht. Die große Überraschung bildet hierbei das Ende. Die Entpuppung des Bösewichts war für mich absolut unerwartet! Das Finale an sich ist fulminant und trotzdem auch chaotisch.
Was mich gestört hat, waren vor allem die Charaktere. Leider konnte ich mich zu keinem Zeitpunkt mit Lin identifizieren. Sie ist sprunghaft und irgendwie leicht manipulierbar. Ich zumindest fand keinen Draht zur Protagonistin. Zach, der angekündigte Buchheld ist eigentlich nicht derjenige, der in der Liebesgeschichte eine Rolle spielt. Das wäre dann Rick. Er gefiel mir als Charakter ganz gut, hatte mehr Ecken und Kanten. Und trotzdem war er mir auch nicht authentisch genug. Die Liebesgeschichte war ganz nett, aber da ich meine Probleme mit Lin hatte, konnte auch diese mich nicht voll begeistern. Schön fand ich die Darstellung des Wächterteams, das zusammen arbeitet. Zusammenhalt und Freundschaft sind sehr wichtig für die Geschichte, was ich als Wertevermittlung immer wichtig finde. 
Was ich nicht gedacht hätte, war dass ich Probleme mit Hasses Stil hatte. Ich schweifte sehr oft ab, wenn lange Absätze kamen. Mich fesselte der Stil nicht, obwohl er für die Geschichte passend ist. Woran das lag, kann ich nicht sagen, denn die Autorin schreibt flüssig. Irgendwie war es nicht so meins. Stefanie Hasse schreibt aber durchaus mit viel Humor:
"Der Fluss führte unter einer breiten Eisenbahnbrücke hindurch, Graffitis zeugten von den fantastischen Rechtschreibkenntnissen der heutigen Jugend und ich musste unwillkürlich den Kopf schütteln." (16%)
Und vor allem mit einem Teil aus dem Epilog konnte Hasse meine Gefühle und sicher die eines jeden Buchbloggers mit ihren Worten absolut widerspiegeln, was auch einen Touch Philosophie in ihren Stil brachte:
"Denn wer nicht mehr las und fremde Welten besuchte, mit Charakteren mitfühlen und zittern konnte, war in seinem Denken eingeschränkt und schaffte Grenzen, die niemals hätten entstehen dürfen." (90%)
Der Stil hatte also auch Höhepunkte, leider aber auch Schwächen. Die Probleme häuften sich irgendwann, obwohl die Geschichte wirklich Potenzial hat. Leider konnte sie mich nicht einfangen. Dennoch glaube ich, dass manch anderer sich absolut in ihr verlieren kann und sogar kurz davor ist, Charaktere wie Lin oder Rick aus dem Buch herauszulesen.



„Book Elements – Die Magie zwischen den Zeilen“ hat eine wirklich toll ausgearbeitete Grundidee, die das Konzept des Buches bildet. Die Elemente und die Wächter fand ich super! Leider konnten die Protagonisten mich nicht überzeugen und das ein oder andere Mal stolperte ich auch über den Stil. Die Geschichte an sich ist spannend und weiß immer wieder zu überraschen. Leider konnte sie mich persönlich nicht so packen. Viel Potenzial, das nicht voll ausgeschöpft wurde, andere aber sicher vollkommen überzeugen kann. Ich vergeben  3 von 5 Spitzenschuhen.



26. April 2017

Rezension: "James Bond 007 - In tödlicher Mission" von Ian Fleming


Titel: James Bond 007 - In tödlicher Mission
Autor: Ian Fleming
Verlag: Cross & Cult
Preis: 12,80€
Seiten: 260

Als ich kürzlich in Thailand war, habe ich auch einen Ausflug in die Pang Nga Bucht gemacht. Touristisch beliebt sind die Inseln vor allem aufgrund der wunderschönen Atmosphäre. Aber es gibt dort auch einen Felsen, der durch Hollywood berühmt wurde. Beworben als: Der James Bond Felsen. Denn in „Der Mann mit dem goldenen Colt“ gibt es eine Szene, die genau dort spielt und somit eine traumhafte Kulisse hat. Für diesen Urlaub musste also auch unbedingt ein James Bond Buch mit. Entschieden habe ich mich für „In tödlicher Mission“, ein Kurzgeschichtenband. Fünf Mal darf man den Abenteuern von James Bond in diesem Buch folgen und jede Geschichte hat ihren ganz eigenen Charme. Auszeichnen tun sich alle fünf dadurch, dass es quasi Abenteuer abseits der normalen Missionen sind. Es geht etwas ruhiger, manchmal auch etwas unkonventioneller zu, als in den anderen Bond-Büchern. Doch für mich war es genau das Richtige!




Klappentext


Im achten Band von Ian Flemings James Bond begegnet der Geheimagent vom MI6 mehr als nur einem Abenteuer ..
Plötzliche Notfälle und schöne Frauen, die nicht ganz sind, was sie zu sein scheinen, sind eine Spezialität von James Bond. Wenn 007 an einem Fall dran ist, ist eines klar - das Ergebnis wird prickelnd sein! Ob er mit dem Mord eines kubanischen Gangsters in Amerika, der Zerschlagung eines internationalen Drogenrings oder einem plötzlichen Todesfall auf den Seychellen zu tun hat, Bond erledigt den Job. Mit seinem ganz eigenen charmanten und unverwechselbaren Stil.

Meinung



Ich habe schon viele James Bond Bücher gelesen und darunter war auch ein Kurzgeschichtenband. „In tödlicher Mission“ ist der zweite Band, der neben „Octopussy“, nur eine Kurzgeschichtensammlung ist. Eigentlich ist Bond kein Charakter, der in einer Kurzgeschichte am besten wegkommt, allerdings konnte mich das Buch absolut überzeugen. Insgesamt gibt es fünf verschiedene Geschichten und in jeder davon spielt James Bond eine ganz eigene Rolle. Es handelt sich hierbei mehr um die Abenteuer abseits der Weltbühne. Die Geschichten sind unterschiedlich aufregend, manche würden vielleicht sagen, dass ihnen die Spannung an gewissen Stellen fehlt, aber das empfinde ich nicht so. Ich habe mir für jede der fünf Geschichten viel Zeit genommen und nicht alle hintereinander weggelesen. So kann man die Geschichten besser verinnerlichen und im Nachhinein mehr genießen. Zumindest erging es mir so. In zwei der Geschichten ist Bond der typische Agent und vollkommen in seinem Element. In einer anderen ist Bond nur passiv beteiligt und eigentlich im Urlaub, in der nächsten wird er von M quasi privat engagiert und in der letzten ist er lediglich der Zuhörer einer erzählten Geschichte. Jede Geschichte bietet Abwechslung und einen ganz eigenen Charme. Im Allgemeinen ist das Wort „charmant“ das wohl treffendste für dieses Buch. Die Cocktailbars, die unterschlagenen Geschäfte, die schönen Frauen…hach…mich kann Ian Fleming mit seinem arroganten Protagonisten ja irgendwie immer fesseln. Die Geschichten haben wie gesagt alle einen etwas anderen Fokus. Die Titelgeschichte „In tödlicher Mission“ ist eine typische Agentengeschichte, in der Bond der Held ist, der der schönen Maid aus der Not hilft. Diese Geschichte hat viel Finesse und ist wirklich toll! Bond rächt nämlich alte Freunde von M, was einen privaten Charakter hat. „Im Angesicht des Todes“ ist ebenfalls spannend und Bond klärt das Geschehen klug auf. Diese Geschichte sagte mir nicht so sehr zu, ist aber ein guter Auftakt für das Buch. Weiter geht es mit „Ein Quantum Trost“, was wirklich eine besondere Geschichte ist. Hier ist Bond zu einer Gesellschaft am Abend geladen und es wäre unhöflich zu früh zu gehen, weshalb er gezwungen ist, noch länger mit dem Gastgeber zu reden. Dieser erzählt dann eine Geschichte über dieses gewisse Quantum menschlichen Respekts – das Quantum Trost. Diese Geschichte konnte mich persönlich total begeistern, obwohl Bond eigentlich keine Rolle in ihr spielt. Auf diese Geschichte folgt „Risiko“, in meinen Augen die schwächste der fünf Geschichten. Bond lässt einen Drogenring auffliegen – sehr agentenmäßig, sehr klassisch. Abschließen tut der Kurzgeschichtenband mit der besten Geschichte „Die Hildebrandt-Rarität“. Wer hier vielleicht an ein Kunstwerk denkt, ist auf dem absolut falschen Weg. Es handelt sich nämlich um einen Fisch…Die Geschichte entwickelt sich wirklich gut und es gibt den typischen grauenhaften Bösewicht. Aber um das alles zu verstehen, sollte man selbst zu diesem Buch greifen und seinem Charme kurzerhand erliegen. Der Stil ist typisch für Ian Fleming, manchmal etwas derb und hart, aber vor allem wie Bond selbst auch – elegant.

Fazit



Wer sich immer mal wieder mit einer netten und charmanten Agentengeschichte entspannen will, der sollte sich „In tödlicher Mission“ wirklich einmal zu Gemüte führen. Das Buch ist wirklich gut und die fünf Kurzgeschichten sind stilvoll, charmant, abwechslungsreich und spannend. Ian Fleming vermittelt immer wieder diese klassische Bond-Atmosphäre, die jede Geschichte zu etwas Besonderem macht. Natürlich gibt es Abschnitte, die nicht vor Spannung triefen und dennoch glänzen können. Ich vergebe charmante vier Spitzenschuhe. Cheers.