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16. November 2022

Rezension: "Red Riding Huntress" von Sabine Schulter und Regina Meißner


Titel: Red Riding Huntress - Dämmerwald
Autor: Sabine Schulter & Regina Meissner
Verlag: selfpublished
Preis: 14,99€ (TB)
Seiten: 380

Ich bin ein großer Fan von Märchenadaptionen und habe schon viele gelesen, die im Fantasy-Bereich angesiedelt sind. Ein noch größerer Fan bin ich bekanntlich von Sabine Schulter und tatsächlich kenne ich auch Regina Meißner schon sehr lange. Von beiden Autorinnen befinden sich viele Bücher in meinem Regal, was sicher auch ein Grund dafür ist, dass ich auf „Red Riding Huntress“ unglaublich gespannt war. Ein Fusion zweier meiner Lieblingsautorinnen aus dem deutschen Raum, die sich einer Märchenadaption zugewandt haben? Gibt es etwas Vielversprechenderes? Wohl kaum! Und obwohl meine Erwartungen wirklich hoch waren, hat mich die Geschichte der Jägerin Zinnja und des Wolf-Gestaltwandlers Diaz nicht enttäuscht! Lasst euch in eine düstere Fantasy-Welt entführen und begegnet auf dieser Reise nicht nur anderen interessanten Völkern, sondern auch den Themen Liebe und Verlust! Man darf also gespannt sein.

Zinnja ist die bekannteste Monsterjägerin des Landes und berühmt für ihre schnelle und zuverlässige Arbeit. Ungewöhnliche Vorkommnisse und dunkle Kreaturen stehen bei ihr auf der Tagesordnung. Doch dann sucht der rätselhafte Diaz sie auf. Der Gestaltwandler bittet sie um Hilfe im Kampf gegen eine Hexe, das wildeste und unberechenbarste Wesen der Welt. Zinnja lässt sich auf den Auftrag des Wolfes ein, nicht wissend, dass er ihr gesamtes Leben verändern wird.


Zunächst muss ich sagen, dass ich die Taschenbuchausgabe mit Farbschnitt besitze. Allein durch die schöne Aufmachung habe ich wirklich immer mit ganz viel Freude zu dem Buch gegriffen, denn es ist unglaublich schön gemacht. Auch das Cover passt perfekt zur Geschichte. Die Autorinnen, die dieses Buch im Selfpublishing veröffentlicht haben, haben hier wirklich keinen Fehler gemacht.
Und auch die Geschichte selbst ist das schöne Äußere wert! Der Leser folgt den beiden Protagonisten Zinnja und Diaz auf ihrer Reise durch das Land. Die Kapitel sind dabei im Wechsel verfasst und so bekommt man sowohl die Sicht der mutigen Jägerin, als auch die des loyalen Gestaltwandlers mit. Ich habe mich mehrfach gefragt, ob die Autorinnen jeweils eine Figur geschrieben haben. Denn die Perspektiven sind gut zu unterscheiden und trotzdem sehr fließend, sodass ich es wirklich nicht sagen kann. Insgesamt beginnt die Handlung recht schnell. Es dauert nur wenige Kapitel, bis die beiden Hauptfiguren aufeinandertreffen und sich auf den Weg machen. Besonders schön zu beobachten war dabei der Wandel in der Beziehung der beiden. Die Atmosphäre verändert sich mit jedem weiteren kleinen Abenteuer – und davon gibt es eine Menge. Die Mission lautet, das Rudel von Diaz vor einer bösen Hexe zu schützen, die ihnen die Fähigkeiten und das Leben nehmen will. Doch um ein so mächtiges Wesen zu besiegen, braucht man die richtigen Mittel. Diese zu beschaffen, dauert seine Zeit. Eine Zeit, die von den Autorinnen genutzt wurde, damit die beiden Protagonisten sich näher kommen können und sie viele Gefahren bestehen zu lassen. Mir gefielen viele dieser „Zwischenstopps“ sehr gut und dadurch bleibt die Geschichte konstant spannend. Zinnja und Diaz begegnen Feen, Zwergen und anderen (verfluchten) Gestaltwandlern auf ihrer Reise, was wirklich interessant ist. Und auch die schon angedeutete Liebesgeschichte ist sehr schön. Hier geht nichts zu schnell und gleichzeitig ist die Schilderung authentisch, was ich wirklich gut finde. Ich hasse es, wenn sich die Figuren sofort unsterblich verlieben…
Zinnja und Diaz sind zwei sehr starke und auch ein bisschen sture Charaktere. Muss man anfangs vielleicht mit dem sehr treuen Gestaltwandler warm werden, so ist Zinnja eine Figur, mit der man sich leicht identifizieren kann. Sie nimmt das Leben, wie es kommt und kämpft sich tapfer hindurch. Zusammen ergeben die beiden ein tolles Gespann, das sich irgendwann aufeinander verlassen kann.
Und so zieht neben der Spannung eben auch das Thema Liebe in den Roman. Doch wer einen netten Fantasy-Roadtrip inklusive Liebesgeschichte erwartet, der ist hier falsch. Und wer Regina Meißner kennt, weiß auch, dass wichtige Figuren in ihren Geschichten oft tragische Tode erleiden. Muss man sich also auf so etwas gefasst machen? Es gibt definitiv viel Schmerz , Trauer und Verlust in dieser Geschichte und ich habe zwischendurch wirklich sehr stark gelitten. Die Geschichte ist nichts für schwache Nerven, aber eben auch dadurch umso authentischer. Ich hatte mit dem Ende tatsächlich nicht gerechnet, doch auch hier muss man sagen, bleibt es spannend. Lasst euch also überraschen, ob Zinnja und Diaz die Hexe besiegen können.
Der Schreibstil der Autorinnen ist fließend und gelungen. Ich finde es sehr spannend, dass man durchaus auch am Handlungsaufbau die gemeinsame Arbeit der beiden erkennen kann. Denn man erkennt wirklich vieles aus der fantastischen Welt von Schulter, aber eben auch viel Düsteres, womit ich Meißner eher in Verbindung bringe. Zusammen haben sie wirklich eine tolle Fusion erschaffen, die sich super lesen lässt.

Ihr werdet schon gemerkt haben, dass meine Kritik irgendwie fehlt. Man kann sagen, dass die Geschichte die ein oder andere Länger hat, ich empfand das aber eigentlich nicht so. Für mich ist jedes Abenteuer spannend gewesen und das Buch wusste oft zu überraschen. „Red Riding Huntress“ entführt in eine düstere Fantasy-Welt, in der eine Jägerin und ein Wolf ein beachtliches Team bilden. Themen wie Liebe, Familiensinn und Verlust spielen große Rollen, weshalb das Gesamtkonstrukt eben so gut ist. Ich vergebe deswegen die vollen fünf Sterne. Und obwohl die Protagonisten übrigens Potenzial für eine Reihe hätten, finde ich es super, dass es sich um eine abgeschlossene Geschichte handelt. So muss man immerhin nicht warten, um zu wissen, wie es mit den beiden weitergehen könnte ;)



30. November 2019

Rezension: "Die Greifenreiterin - Hoffnung" von Sabine Schulter




Titel: Die Greifenreiterin - Hoffnung 
Autor: Sabine Schulter  
Verlag: Selfpublished
Preis: 12,99€ (TB) 
Seiten: 267

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie sehr man sich in völlig fiktive Figuren, ja sogar völlig fiktive Lebewesen im Generellen verlieben kann! Denn genauso erging es mir mit dem Greifenweibchen Ferril, das natürlich eine der Hauptfiguren in Sabine Schulters „Die Greifenreiterin“ ist. Nachdem ich den ersten Band „Gefangenschaft“ gelesen hatte, ließen Ferril und seine Reiterin Rayna mich nicht mehr los. Und obwohl ich durchaus Kritik am ersten Teil hatte, wartete ich sehnsüchtig auf Band zwei. Mit dem zweiten Band „Hoffnung“ entführt uns die Autorin nicht nur erneut in die wundervolle und fantastische Welt von Ferril und Rayna, sondern schafft es auch, den Spannungsbogen zu steigern. Hut ab, denn so ist das Resultat in meinen Augen stärker, als der Auftaktband!

Nachdem die Zea-Anführerin Ti´ha sie um Hilfe gebeten hat, kehren Rayna und Hyron zu den Himmelsschwertern zurück. Dort angekommen, können sie ihre Anführer davon überzeugen, dass es für ganz Teharis von Nutzen ist, wenn Zemzee aufgehalten wird. Doch als Rayna in den Süden zurückkehrt, muss sie feststellen, dass alles nicht so einfach ist wie gedacht und Zemzee Dinge in der Hinterhand hält, die alle Kräfteverhältnisse durcheinanderwirbeln. Die Einzigen, die ihm etwas entgegensetzen können, sind die Tenga – das magiebegabte Volk, das sich bisher strikt von allen anderen fernhielt.

Als Leser kommt man bereits auf der ersten Seite wieder in Raynas und Ferrils Welt an. Es ist, als wäre man nie weg gewesen, da Band zwei unmittelbar nach dem ersten Band wieder einsetzt. Dennoch schafft Sabine Schulter es, die Ereignisse des ersten Bandes gut in die ersten Kapitel zu verweben, sodass man sofort wieder in der Geschichte ist. Und das ist gut, denn es geht auch direkt los. Man kann einen klaren Aufbau des Buches erkennen, der definitiv eine steigende Spannungskurve aufweist. Rayna und Hyron sind anfangs beim Volk der Shealif und so bekommt man einen umfassenden Einblick in die Vielfältigkeit Teharis‘. Das Volk der Shealif, aber auch das Himmelsvolk werden noch einmal ganz neu vorgestellt, was sehr viel Spaß macht. Doch nachdem die Situation klar ist, wird das Buch erst so richtig rasant. Denn die Reise beginnt und der Auftrag lautet Zemzee aufzuhalten. Doch das ist gar nicht so einfach, ist der Anführer des Nordvolkes doch viel stärker, als zunächst angenommen! Schnell ist klar: Nur die Tenga können noch helfen. Doch gerade dieses Volk hat es in „Hoffnung“ am schwersten. Die Einführung bis zur Haupthandlung gefiel mir im Großen und Ganzen sehr gut. Hier gehe ich später allerdings noch auf eine Einschränkung ein. Der Hauptteil der Handlung spielt auf einer Mission zum Tempel der Tenga. Diese Mission ist wirklich gut umgesetzt und es macht so viel Spaß den Protagonisten unter die Erde zum Heiligtum der Tenga zu folgen. Das magiebegabte Volk ist einzigartig und so ist es auch mit dieser Mission, mit dem Schauplatz und mit den Figuren. Rayna und Ferril machen sich gemeinsam mit Karim und Tack, Hyron und einem Vertreter der Tenga auf die Reise. Dieser kleine Trupp ist durch seine Mischung mehr als gelungen, sodass man mit ihnen lachen, weinen, aber auch jedes Abenteuer bestehen kann. Und von denen warten viele auf die Greifenreiter und ihre Gefährten. Die Handlung war wirklich spannend und vor allem zum Ende hin flogen die Seiten nur so dahin. 
Die Figuren tun ihr Übriges. Über Rayna und Ferril brauche ich glaube ich nicht allzu viel sagen. Die starke und eigensinnige Protagonistin bleibt ihrer Linie treu, was mir gut gefiel. Ihr Greif Ferril ist einfach einzigartig und einer der Gründe, warum man sich in die Geschichte verlieben muss. Und wenn nicht wegen Ferril, dann wegen Karim, Raynas Bruder. Mir hat es sehr gut gefallen, dass er eine größere Rolle als in Band eins bekommen hat und so erobert der beschützerinstinktgeleitete große Bruder sofort jedes Herz im Sturm. Und für den ein oder anderen Witz sorgt er obendrein. Die Chemie zwischen Rayna und Karim ist einfach grandios und auch Hyron passt gut in diese Truppe. Über den Shealif erfährt man in „Hoffnung“ noch deutlich mehr, als noch in „Gefangenschaft“. Sein Charakter wird greifbarer und seine Liebe zu Rayna immer offensichtlicher. Hiermit wäre ich aber bei meinem Kritikpunkt angelangt. Im ersten Teil des Buches geht es genau darum: die Liebe. Mir ging das Ganze etwas zu schnell und die Gefühle waren auch zu plötzlich so intensiv. Hier hätte ich mir etwas mehr Zeit gewünscht, auch wenn die Liebesgeschichte an sich ganz wunderbar ist! 
Diese (kleine) Kritik bleibt aber sehr einsam, denn insgesamt ist das Buch wahnsinnig toll. Das liegt natürlich auch am Schreibstil der Autorin. Gerade im Fantasygenre muss mit Bildern und Details gearbeitet werden und darauf versteht Sabine Schulter sich absolut. Man liest das Buch sehr schnell, kann sich alles vorstellen und fühlt sich als Teil der Handlung. 
Ein paar Worte noch zum Ende: Ich hasse Cliffhanger. Und oh Mann…das hier ist sowas von einer. Nie hätte ich gedacht, dass die Geschichte an solch einem Punkt enden könnte. Ich habe geschrien und war mehr als schockiert. Denn das Ende ist so gemein. Man MUSS einfach wissen, was nun passiert! Obwohl ich Sabine Schulter für dieses Ende wirklich ein klein wenig hasse, ziehe ich auch meinen Hut vor ihr, denn so hat sie es definitiv geschafft, meine Neugierde auf Band drei zu schüren. Ich brauche dieses Buch – und zwar schnell!


„Die Greifenreiterin – Hoffnung“ ist eine tolle Fantasygeschichte, die nicht nur mit gelungenen Protagonisten (egal ob menschlich oder tierisch) aufwartet, sondern die auch in ein zauberhaftes Setting gelegt wurde. Die Geschichte hat alles, was sie braucht: Freundschaft, Liebe, Abenteuer und das ganz gewisse Etwas. Ich freue mich sehr auf den dritten Teil und verbleibe bis dahin mit 4,5 Sternen und natürlich in der „Hoffnung“, dass Band drei ganz bald erscheint.


28. Februar 2019

Rezension: "Dark Age - Bedrohung" von Sabine Schulter



Titel: Dark Age - Bedrohung 
Autor: Sabine Schulter 
Verlag: Dark Diamonds 
Preis: 3,99€ 
Seiten: 298


Ich lese jedes Buch, das aus der Feder von Sabine Schulter stammt. Aus Prinzip. Und weil man bei ihren Geschichten einfach nie etwas falsch machen kann. Sie sind voller liebevoller Details, bewegender Freundschaften und spannenden Abenteuern!
Doch ich muss zugeben, dass ich mich auf das neuste Buch kaum vorbereitet hatte. „Dark Age -Bedrohung“ landete auf meinem Reader und ich begann einfach zu lesen. Ich hatte kaum Erwartungen, abgesehen vom Namen der Autorin. Es würde sicher gut werden. Doch weit gefehlt! Ich wurde von der Geschichte absolut überrollt. Vom ersten Kapitel an war ich fasziniert. Die Handlung und seine Charaktere nahmen mich gefangen und ich wollte einfach nur weiter lesen. Tolle Figuren, ein interessantes dystopisches Setting und eine sehr coole Idee hinter der Handlung machen aus „Dark Age – Bedrohung“ ein unglaublich gutes Buch, das ich nur empfehlen kann!


Die Welt, in der Liz lebt, ist düster und bedrohlich. Seit einst ein magisches Tor geöffnet wurde, gelangen immer wieder Schattenkräfte aus der Verbannung zu den Menschen und trachten ihnen nach dem Leben. Nur die Hauptstadt gilt als einigermaßen sicher. Hier will Liz von vorn anfangen: anderer Job, andere Wohnung, andere Menschen. Doch die erste Begegnung mit dem neuen Nachbarn geht gleich schief. Nick sieht zwar unverschämt gut aus, verhält sich aber abweisend. Trotzdem knistert es nach kurzer Zeit gehörig zwischen ihnen und Liz erfährt, dass Nick seine eigene Rolle im Kampf gegen die Schatten innehat, die sie ebenfalls mitzureißen droht…

Ich muss ein paar Dinge vorweg nehmen. Denn die äußere Aufmachung des Buches wird der Geschichte darin einfach nicht gerecht! Weder das Cover noch der Klappentext sind besonders eindrucksvoll. Die abgebildete Frau mit der Kapuze passt zwar gut zur Geschichte und auch die Farben des Covers sind sehr schön, doch eigentlich hätte die Geschichte noch so viel mehr verdient! Einen Blickfang kann man das Cover wahrlich nicht nennen und deswegen will ich betonen, dass man dem Buch trotzdem unbedingt ein Chance geben sollte! Ich weiß, auch der Klappentext hebt sich nicht wirklich von anderen Romantasy-Büchern ab. Dunkle Welt, sie trifft ihn, er hat etwas Abwehrendes, es knistert trotzdem und so weiter und so fort… Aber meines Erachtens beschreibt das die Geschichte gar nicht so sehr! Klar, die Eckdaten stimmen alle. Liv ist neu in der Hauptstadt und hat dank ihrer besten Freundin Bea einen guten und begehrten Job bekommen. Die erste Begegnung zwischen ihrem Nachbarn und ihr ist unfreundlich, aber zwischen ihnen entsteht bald schon Freundschaft. Und dass daraus mehr werden kann, ist ja bekannt. Doch der Klappentext vergisst all die tollen Details des dystopischen Weltbildes. Die Schatten bedrohen die Menschheit und deswegen patrouillieren die sogenannten Krieger nachts durch die Stadt, um die Menschen zu beschützen. Nick, der männliche Protagonist, ist einer dieser Krieger. An seiner Seite ist seine quirlige Partnerin Maja. Beide besitzen magische Kräfte und nur mit deren Hilfe lassen sich die Schatten besiegen. Krieger können sich mit sogenannten „Quellen“ verbinden, das sind Menschen mit außerordentlich großen magischen Fähigkeiten, die es zu schützen gilt. Zu Beginn der Geschichte verschwindet die mächtigste Quelle des Landes: Noreana. Das merken auch die Schatten, weshalb sie diese Schwäche nutzen wollen. Schnell ist klar: Etwas Großes ist geplant. Und die Schatten scheinen Unterstützung zu haben. Von manchen Menschen. Aber wieso? Und was hat Liv damit zu tun?
Bei „Dark Age“ handelt es sich um eine Dilogie, dessen zweiter Teil im April erscheinen wird. Der erste Teil besteht aus 19 Kapiteln, die alle eine angenehme Länge haben. Die Kapitel werden von einem Er-/Sie-Erzähler erzählt, der mal die Innensicht von Liv und mal die Innensicht von Nick erzählt. So lernt man schnell das Innenleben beider Protagonisten kennen. Ich konnte mich sofort mit beiden identifizieren und sie waren mir auf Anhieb sympathisch. Das ist wahrlich nicht immer so bei Sabine Schulters Büchern. Einige ihrer weiblichen Protagonisten waren mir immer zu perfekt und zu sehr geliebt von anderen. Aber Liv ist anders. Sie ist sehr bodenständig und bescheiden, hat aber auch kleine Macken und wird vor allem nicht von jedem vergöttert. Sie hat eine sehr sympathische Art und trotzdem hängt eine gewisse Einsamkeit an ihr. Ich mochte ihre Herzensgüte sehr und fieberte den Liebesszenen des Buches entgegen. Und um die möglich zu machen, braucht es natürlich einen männlichen Protagonisten. Nick ist ein starker Krieger, interessant an ihm ist allerdings, dass er magisch nur gering begabt ist. Deswegen ist sein Krieger-Status ein niedriger, was ihn selbst ziemlich fuchst. Er ist hilfsbereit und sensibel. Auf der anderen Seite ist er egoistisch und griesgrämig. Er hat etwas Bad-Boy-haftes, ist aber im wahrsten Sinne des Wortes auch der „Junge von nebenan“. Ich fand ihn von Anfang an toll und die erste Begegnung zwischen Liv und Nick ist absolut gelungen. Zwischen den beiden entwickelt sich nur langsam etwas, was mir ebenfalls gefiel. Die Chemie stimmt einfach.
Da wären aber noch mehr tolle Charaktere. Ich muss allerdings betonen, dass es sehr viel weniger sind, als man bei Sabine Schulter vielleicht erwartet. Wir haben es nicht mit einer familienähnlichen großen Clique zu tun. Livs Freundin Bea und ihr Freund Christian spielen nur eine untergeordnete Rolle. Auch die Elitemitglieder, die auftauchen, bleiben eher im Hintergrund. Interessant wird es beim offensichtlichen Gegenspieler, nämlich Livs Chef. Er hat etwas Düsteres an sich, dem Liv sofort misstraut. Aber was hat er wirklich mit den Schatten zu tun? Und auf keinen Fall vergessen darf man bei den Charakteren Maja und Eremos. Maja ist tough, eine wahre Kriegerin, die weiß, was sie will. Sie ist sportlich, treu und liebeswert. Ihre fröhliche und freche Art bereichern das Buch. Die größte Bereicherung aber ist Eremos, mein absoluter Liebling. Bei Eremos handelt es sich um einen Cerberus, aber keiner aus der griechischen Mythologie. Es handelt sich um eine Art Katze mit Löwenmähne und Flügeln, die einfach nur liebenswert ist. Eremos ist eine Art kämpfendes Maskottchen, das diese Geschichte einfach so zuckersüß macht! Ich habe den kleinen „Kater“ geliebt! Das Figurenkonstrukt geht sehr gut auf. Es gibt nicht allzu viele Figuren, doch diese sind allesamt liebevol ausgearbeitet und sehr gelungen!
Fehlen also noch ein paar Worte zur Handlung. Der Start in die Geschichte ist sehr unmittelbar. Das erste Kapitel handelt nämlich nicht von Liv oder Nick. Der Leser landet direkt in einem Kampf zwischen Schatten und einer Quelle und ihrem Krieger. Bei dieser Quelle handelt es sich um die berühmte Noreana, die offenbar fliehen muss. Ein tosender Kampf bricht aus, der tragisch endet. Und nachdem dem Leser der Mund offen steht und er wissen will, wie es weiter geht, lenkt die Autorin zu einem anderen Schauplatz über und die Geschichte von Liv beginnt. Doch natürlich bleibt das erste Kapitel im Hinterkopf und es ist für die sich entwickelnden Ereignisse ziemlich wichtig. Nick und Maja müssen immer wieder gegen Schatten kämpfen und es werden von Tag zu Tag mehr. Etwas Großes scheint zu geschehen, doch als unbedeutende Krieger bekommen die beiden nicht viel mit. Erst, als sich alles zuspitzt, müssen die beiden gegen die Schatten kämpfen. Und am Ende wartet eine große Wende, mit der ich absolut nicht gerechnet hatte!
Der Spannungsbogen ist absolut gelungen! Er ist nicht immer rasant steigend, aber die Spannung geht nie verloren. Neben den Kriegerelementen wird die Liebesgeschichte nie vergessen und so kann der Leser gleich auf zwei Ebenen mitfiebern. Liv ist durch ihren Chef in die Machenschaften verwickelt und hinzukommt, dass Bea sie warnt, etwas mit Nick anzufangen. Aber warum? Die Geschichte ist nicht durchschaubar und auch wenn der ein oder andere sich seinen Teil denken kann, war ich vollkommen überrascht vom Finale des ersten Teils. Er ist rasant und bricht natürlich an der spannendsten Stelle ab. 
Und deswegen freue ich mich riesig auf den zweiten Teil! „Dark Age – Bedrohung“ hat etwas ganz Normales und dennoch etwas so Innovatives. Die Schatten sind ein tolles dystopisches Element, das sein Potenzial noch keinesfalls erschöpft hat. Das erschaffene Weltbild bietet sicher noch viele Überraschungen, auf die ich mich sehr freue. Neben einer tollen Liebesgeschichte findet man hier auch viel Spannung, Innovation, ja und sogar Diversität. Der Schreibstil ist wirklich toll und lebendig. Ich flog nur so durchs Buch – und an meiner Seite natürlich der kleine Eremos.


Mich hat „Dark Age – Bedrohung“ absolut abgeholt. Ich bin in der spannenden Geschichte versunken, habe mitgelitten in der sich langsam entwickelnden und prickelnden Liebesgeschichte zwischen Nick und Liv und war am Ende absolut überwältigt. Das gesamte Buch gefiel mir von der ersten Seite an. Aber das rasante Finale hat es nochmal doppelt in sich. Habt ihr Lust auf tolle Figuren, eine tolle Geschichte und viele, viele liebevolle Details im Fantasybereich? Dann greift unbedingt zu diesem Buch! Ich vergebe natürlich 5 von 5 Spitzenschuhen!






27. Februar 2019

Rezension: "HoN - Verloren" von P. C. Cast & Kristen Cast



Titel: House of Night - Veloren 
Autor: P. C. Cast & Kristen Cast 
Verlag: Fischer FJB
Preis: 16,99€ 
Seiten: 496

Die „House-of-Night“-Reihe ist für mich Segen und Fluch zugleich. Die meiste Zeit über betrachte ich sie als Fluch. Denn allein die abnormale Länge von 12 Bänden ist mehr als eine Herausforderung. Auch das kindische Geplänkel, die unnötig sexistischen Andeutungen und viele, viele Charaktereigenschaften nerven mich immer wieder. Doch, wieso auch immer: Wenn ich eines der Bücher in der Hand habe, lese ich sie eigentlich ganz gern. Man muss nicht nachdenken und kann sich berieseln lassen. Und auch wenn ich immer wieder den Kopf schütteln muss, sind die Bücher durchaus spannend und voller Entwicklungen. Zwischenzeitlich hätte ich die Reihe beinahe abgebrochen, doch ich bin fast froh, es nicht getan zu haben. Denn Band 10 mit dem Titel „Verloren“ hat mir gut gefallen! Und deswegen geht unsere Hassliebe in die nächste Runde.


Neferet ist nicht mehr länger Hohepriesterin im House of Night in Tulsa. Nachdem sie sich ganz dem Bösen verschrieben hat, muss sie die Schule verlassen. Doch sie geht nicht, ohne eine Schneise der Verwüstung zu hinterlassen. Zoey und ihre Freunde wissen, dass die Schule nur dann weiterbestehen kann, wenn jetzt alle zusammenhalten. Denn Neferet wird mit allen Mitteln ihr Ziel weiter verfolgen: Sie will Zoey töten. Und mit Hilfe von Aurox könnte ihr das auch gelingen. Doch Zoey glaubt, in Aurox ihren Menschenfreund Heath entdeckt zu haben. Kann das sein? Er ist doch Neferets Werkzeug. Oder etwa nicht? Zoeys Grandma scheint ihm zu vertrauen…

Was ich an der Reihe wirklich faszinierend finde, ist die zeitdeckende Erzählweise. Ich habe inzwischen zehn Teile aus der „House-of-Night“-Reihe gelesen. Und seit dem ersten Teil sind nur wenige Monate ins Land gegangen. Die Protagonistin Zoey ist noch nicht einmal ein halbes Jahr lang ein Vampir. Und seitdem hat sie nicht nur viele Menschen verloren, die ihr nahestanden, sondern musste sich auch immer wieder gegen das Böse stellen. 
Es ist absolut absurd, wenn man die Story zu hinterfragen beginnt. Unlogisch. Lächerlich. Ja, all das trifft zu. Und trotzdem wird die Geschichte gerade durch diese zeitdeckende Erzählweise so lebendig. Jedes Buch deckt zumeist nur wenige Tage ab, was schwer nachvollziehbar ist und im heutigen Dschungel der Jugendbücher sicher sehr selten, aber dadurch bleibt man im „Flow“. Man wird zum Teil der Geschichte und kann jederzeit sehr gut zu ihr greifen.  Außerdem knüpft jedes Buch unmittelbar an des Ende des letzten an, was ich wirklich gut finde.Die Bücher sind allesamt sehr umfangreich, doch man merkt kaum, dass man einen 500-Seiten Schinken liest, da sich viele Ereignisse überschlagen.
Zumindest trifft dies auf den zehnten Teil der Reihe zu. Tatsächlich habe ich meinen Tiefpunkt mit der Reihe überwunden und habe seit einigen Bänden wieder Spaß an ihr. Inzwischen freue ich mich sogar auf das Ende – ja, auch weil es dann endlich irgendwann vorbei ist. Aber auch handlungstechnisch ist die Geschichte deutlich stärker geworden! Mit dem Auftauchen der Figur Thanatos verändert sich der Mittelpunkt ein wenig. Das gleiche trifft auf Aurox zu. Die Finsternis ist ein Handlungselement, das erst seit drei Büchern dazu gekommen ist und mich durchaus irritiert hat. Andererseits sind die Seiten dadurch sehr klar und deswegen handelt es sich inzwischen um einen Kampf zwischen Gut und Böse. Beides wird auch durch die beiden Vampirsorten dargestellt, rot und lila. Doch rot zu sein, heißt nicht gleich böse zu sein. 
Auch in Zoeys vertrautem Umfeld verändert sich etwas. Der Bruch der Zwillinge bahnte sich schon im letzten Teil an, doch in „Verloren“ verfestigt sich der Bruch zwischen Erin und Shaunee. Ich finde es sehr schade, dass es diese Einheit nicht weiter gibt, aber es macht die Sache auch interessanter. Ebenso wie der Wandel, den Kalona durchmacht. Zoey selbst ist sich in diesem Buch wie immer sehr treu: naiv, verwirrt, egoistisch und ziemlich beschönigt. Sie weiß wie immer nicht, was sie fühlt – und für wen. Und dennoch ist sie schon reifer geworden. Ich diesem Buch hatte ich tatsächlich nur wenige Kritikpunkte gegenüber der Protagonistin. 
Es gibt inzwischen so viele Figuren, dass man unmöglich zu allen etwas sagen kann. Ich mag noch immer Aphrodite und Darius am liebsten, weiß nicht genau, was ich von Stark halten soll und sympathisiere durchaus mit Stevie Raes frecher Art. Viele Charaktere, wie etwa Kramisha bleiben aber im Hintergrund. Nur Shaylin tritt daraus nun deutlich hervor, was mir sehr gut gefällt! Ihre Gabe ist wirklich interessant und das Mädchen sehr sympathisch. Hier wurde die Clique wirklich sinnvoll erweitert. 
Und wenn ich bei den Charakteren bin, muss ich natürlich etwas zu der Gegenspielerin sagen: Neferet. Man kann sie nicht mögen. Sie ist grausam. Und wie sehr, verdeutlicht sich in diesem Teil. Die Ereignisse spitzen sich wahrlich zu und das führt in „Verloren“ zu einem rasanten Finale, in das Grandma Redbird verwickelt ist. Tatsächlich haben die Autorinnen den Spannungsbogen in diesem Buch gut hinbekommen. Ich habe immer wieder gern zur Geschichte gegriffen. Und ich bin sehr gespannt, was die letzten beiden Teile noch bereithalten.
Zwischendurch ist der Stil der Autorinnen wirklich verstörend. Es ist brutal und sexistisch. An einer Stelle wollte ich wirklich nicht weiterlesen. Auch das gekünstelt Jugendliche mag ich am Schreibstil einfach nicht. Aber wie ich auch sonst in den HoN-Rezis betone, vielleicht bin ich einfach zu alt für die Geschichte. Trotz Kritik muss ich zugeben, dass der Stil sehr fließend ist und man das Buch schnell weglesen kann. Das mag an den vielen Dialogen und der Vielfalt an Charakteren liegen – egal an was: Es beweist, dass an den Büchern doch ein wenig richtig gemacht wurde.


Der Begriff „Hassliebe“ trifft es eigentlich ganz gut. Ich hasse das Vokabular der HoN-Bücher und ich finde viele Handlungsstränge kindisch. Doch tatsächlich reift die gesamte Clique um Zoey herum und auch sie selbst. Die Bedrohung wird in diesem Band sehr greifbar. Gut gegen Böse. Kein Wunder also, dass die vielen (durchaus interessanten) Figuren zusammenhalten und den Kampf gegen Neferet bestreiten. „Verloren“ hat mir gut gefallen, denn es ist ein durchgehend spannendes Buch mit vielen Entwicklungen. Und deswegen vergebe ich vier von fünf Spitzenschuhen.





2. Dezember 2018

Rezension: "HoN - Bestimmt" von P. C. Cast & Kristen Cast



Titel: House of Night - Bestimmt
Autor: P. C. Cast & Kristen Cast
Verlag: Fischer
Preis: 16,99€
Seiten: 544


Die „House of Night Reihe“ ist ein absolutes Langzeitprojekt. Irgendwann hatte ich mir mal vorgenommen, in jedem Monat ein Buch der Reihe zu lesen. Hätte das aber funktioniert, wäre ich bereits seit Mai diesen Jahres durch. Zum Teil kam einfach was dazwischen, zum Teil hatte ich aber auch keine Lust auf Zoey und Co. Denn obwohl ich finde, dass die Reihe besser geworden ist, nervt mich die Perfektheit der Protagonistin. Dennoch muss ich sagen, dass die Story des neunten Teils "Bestimmt“ gut ist. In den Vorgängern sind viele Handlungsstränge aufgemacht worden, so dass die Geschichte viele Ansatzpunkte bietet und so für jeden etwas dabei ist. Dadurch habe ich das Buch gern gelesen, auch wenn ich trotzdem lange gebraucht habe. Nicht alles ist super spannend, aber gerade das Ende wird wieder aufregend. Und damit passt sich auch der neunte Teil der Reihe gut an und wird zur unterhaltsames Lektüre.

Zoey ist wieder zurück im House of Night in Tulsa, gemeinsam mit ihrem Krieger Stark, der sie beschützt.
Doch nun wird ein Treffen mit der nach Rache dürstenden Hohepriesterin Neferet unausweichlich. Neferet ist noch immer mit den Mächten der Finsternis im Bunde, ihre Macht größer denn je. Ist Zoey wirklich sicher in diesem Haus? Und weiß sie, wer ihre wahren Freunde sind? Auch für Rephaim, der Stevie Rae nicht mehr aus den Augen lässt, entscheidet sich jetzt alles: Durch eine Gabe der Göttin Nyx hat er menschliche Gestalt angenommen und kann auf diese Weise endlich mit ihr zusammen sein. Doch wird er den Weg des Guten auch weiterhin gehen?

Das Buch beginnt wieder sehr unvermittelt, gleichzeitig wird dem Leser aber gut vor Augen geführt, was zuvor geschah. Deswegen ist der Einstieg sehr leicht, auch wenn man ein paar Dinge vergessen haben sollte. Wirklich toll finde ich, dass die Geschichte kein großes Vorgeplänkel braucht und dass schon nach dem ersten Kapitel klar ist, wohin dieser Band führt. So wird direkt ein roter Faden gesponnen, der für den Leser leicht ersichtlich ist. Denn Zoeys Mutter ist ermordet worden (natürlich ist klar, wer das war) und 7 Tage nach dem Mord möchte Grandma Redbird ein Reinigungsritual auf ihrer Lavendelfarm veranstalten. Dass noch nie ein Ritual ohne Aufsehen von Statten ging, ist inzwischen jedem HoN-Leser klar und somit weiß man sofort, dass das Buch auf dieses Ritual hinarbeitet. Das fand ich wirklich gut. Und ebenso gut ist, dass der Weg dahin nicht langweilig oder künstlich verlängert ist. Über den letzten Punkt lässt sich vermutlich streiten, denn manche Handlungsstränge dümpeln natürlich trotzdem vor sich hin. Die HoN-Reihe erzählt schon seit dem ersten Band nahezu zeitdeckend und deswegen sind die Geschehnisse mal normal und mal aufregend. Es passiert auf jeden Fall einiges, auch wenn die Dauer des Buches lediglich fünf Tage beträgt.
Und das liegt natürlich an den vielen verschiedenen Figuren. Denn inzwischen – nach immerhin neun Büchern – hat beinahe jede Figur eine eigene Geschichte bekommen. In diesem Teil kommt sogar noch eine weitere hinzu. Der Leser konnte sich schon in den letzten fünf Büchern daran gewöhnen, dass nicht nur Zoey Erzählerin der Geschichte ist. Neben ihr gab es bereits Kapitel aus Neferets, Kalonas, Stevie Rays, Rephaims, Aphrodites, und Starks Sicht. Ab und zu kommt auch Damien zu Wort, oder auch Jack, Lenobia oder Heath. In diesem Buch werden noch die Figuren Aurox und vor allem Shaunee beleuchtet. Aurox ist ein neuer Charakter, weshalb auch seine Storyanteile neu sind. Aber Shaunee, einer der Zwillinge, wird nun nach langer Zeit erstmal beleuchtet. Das fand ich tatsächlich sehr spannend, auch wenn ihre Einstellung mir missfiel. Insgesamt gibt es in diesem Teil nämlich viele Veränderungen. Davon kann ich nicht jede nachvollziehen. Allerdings sind die Charaktere, wie man sie in Band eins kennenlernt, schon lange nicht mehr so. Ist Kalona gut oder böse? Auf wessen Seite steht Neferet? Wie hat sich Rephaims Leben gewandelt und was für ein Wesen ist Aphrodite eigentlich, wenn sie weder Mensch noch Vampyr ist? Alles nicht so einfach und den Überblick zu bewahren wird immer schwieriger. Aber trotz all dieser Kompliziertheit muss man den Autorinnen das Lob aussprechen, dass man beim Lesen nicht nachdenken muss. Die Lektüre ist einfach und gleichzeitig aufregend. Man geht jedes Mal wieder zurück in diesem komplexe Welt rund um Zoey und kann darin abtauchen. Diese Welt ist gewiss kompliziert, aber man hatte ja acht Teile Zeit, sich daran zu gewöhnen. Ich finde jedenfalls, dass die Reihe nach einem ziemlichen Durchhänger in der Mitte, wirklich rasant besser wird. „Bestimmt“ hat mich jedenfalls storytechnisch absolut überzeugt. Der alte Kampf zwischen Gut und Böse wird toll aufgemacht und es gibt ein rasantes Finale, das erneut nicht jeder überlebt. In den HoN-Büchern mussten schon viele Verluste hingenommen werden und das hört auch jetzt nicht auf. Das Abschlussritual ist jedenfalls wirklich toll geworden.
Und weil mir die Geschichte gefallen hat, kann ich auch über zwei Kritikpunkte hinwegsehen. Zum einen ist das der Schreibstil. Er ist in gewisser Weise gut und flüssig, aber meines Erachtens so wahnsinnig künstlich jugendlich und cool gehalten, dass es schnell nervt. Das Gelaber von ABF’s, oder angesagten Trends fand ich wirklich anstrengend. Aber offenbar stellt sich das Autorenduo so die 16,17-Jährigen der 2000er vor. Vielleicht waren sie ja auch so.
Der zweite Kritikpunkt sind eben diese 16,17-Jährigen. Jeder Charakter hat so seine Schwächen und ich habe kaum Favoriten, weil alle eine Macke haben, die mich persönlich stört. Ich mag wirklich Aphrodite und Darius inzwischen am liebsten, aber auch die erwachsenen Vampyre wie Lenobia (, die in diesem Buch übrigens auch tolle Handlungsteile ausschmückt) oder Thanatos sind sehr gelungen. Nervig ist nach wie vor Zoey, weil sie einfach jeder liebt und sie ja so eine tolle Frau ist. Sie hat großartigen Sex und jeder Kerl lechzt nach ihr. Das ist einfach unnötig. Gibt es vielleicht auch mal eine vernünftige Person, die sie nicht mag? Nein. Immer nur die fiesen Bösewichte halten sie für unausstehlich – und denen würde ich da sogar zustimmen. Aber gut, indem die Erzählperspektive so oft wechselt, umgehen die Autorinnen auch das Problem der unsympathischen Protagonistin. Sie wäre vielleicht gar nicht so unsympathisch, wenn nicht jeder sie so toll finden würde…aber gut. Nach neun Büchern kann man das wohl nicht mehr ändern.


Insgesamt konnte mich „Bestimmt“ wirklich überzeugen. Hat man Zeit und Lust lässt sich das Buch schnell weglesen. Aber auch wenn man, wie ich, länger braucht, unterhält die Geschichte dank ihrer vielen verschiedenen Perspektiven und Handlungssträngen gut. Das Chaos um die Finsternis, um Gut und Böse, um Zoey und ihre Freunde gegen Neferet wird immer komplexer, aber auch immer spannender. Die Grenzen sind fließend und ich bin gespannt, was in den letzten drei Büchern passieren wird. Ich vergebe 4 Spitzenschuhe für diese Geschichte und hoffe, dass das endlich erreichte Niveau auch bis zum Ende durchgehalten werden kann.


25. Juli 2018

Rezension: "Herz aus Schatten" von Laura Kneidl




Titel: Herz aus Schatten
Autor: Laura Kneidl
Verlag: Carlsen
Preis: 12,99€
Seiten: 464

Laura Kneidls Stern ist schon vor einer Weile am Autorenhimmel aufgegangen. Veröffentlichungen in mehreren großen Verlagen sind das Resultat ihrer wundervollen Arbeit. Und ich muss sagen, dass ich es dieser Frau sehr gönne! Sie ist ein wirklich lieber Mensch, der hart an seinen Geschichten arbeitet. Die neuste Geschichte, die mir von ihr in die Hände fiel, ist „Herz aus Schatten“. Es handelt sich um eine düstere Fantasygeschichte mit einer Prise Romantik, in der die Dunkelheit das entscheidende Element ist. Trotz kleiner Schwächen ist dieser Roman anders und unterhaltsam und daher absolut gelungen.

Seit Jahrhunderten wird die Stadt Praha von dunklen Kreaturen bedroht. Sie lauern in den Wäldern und gieren nach dem Blut der letzten verbliebenen Menschen. Als Bändigerin ist es die Aufgabe der 17-jährigen Kayla, die Stadt vor den Ungeheuern zu schützen. Mit ihren Fähigkeiten gelingt es ihr, einen Schattenwolf zu zähmen. Doch dann geschieht das Unfassbare: Der Wolf verwandelt sich in einen jungen Mann. Er kann sich nicht an seine Vergangenheit erinnern und immer wieder kommt seine monströse Seite zum Vorschein …

Das erste, was dem Leser bei „Herz aus Schatten“ auffällt, ist die düstere Atmosphäre. Bereits das Cover fängt es sehr gut ein und so ist man direkt in der zwielichtigen Welt von Kayla angekommen. Der Einstieg ins Buch fiel mir ein bisschen schwer und zwischendurch hatte es meiner Meinung nach auch seine Längen. Aber das Setting und der Weltentwurf sind wirklich grandios! Wie der Klappentext schon erzählt, lebt Kayla in einer Stadt, die von einer Mauer vor dem Wald außerhalb beschütz wird. In diesem Wald leben verschiedene Monster, die die Menschen angreifen. Die Bändiger haben durch ihre Gene die besondere Fähigkeit ein solches Monster an sich binden zu können und die Kontrolle über das Wesen zu übernehmen. Das Monster kämpft sein Leben lang auf der Seite des Bändigers, was aber keine Schoßhündchenbeziehung darstellt. Die Machtverhältnisse sind klar und so verhalten sich auch die Bändiger gegenüber den Monstern. Kaylas Vater ist der Chef der Bändiger und sie selbst will keine solche sein. Sie hat Angst vor den Monstern und noch mehr Angst hat sie davor, ein so gefährliches Wesen an sich zu binden. Denn die Monster leben in und von Dunkelheit, die zweifelsfrei auch auf die Bändiger abfärbt. Und dennoch beugt Kayla sich ihrem Schicksal…
Die Erklärung der Welt gelingt der Autorin wirklich gut. Die Szenerie konnte mich packen und ich fand den Anfang sehr spannend, als Kayla ein Monster an sich binden muss. Danach lässt das Buch ein bisschen federn, bevor es zum Ende hin wieder richtig Fahrt aufnimmt. Es herrscht eine solide Grundspannung, die für Unterhaltsamkeit sorgt.
Kayla ist eine gute Protagonistin, die nichts mit Klischees gemein hat. Sie ist stark und sehr rebellisch. Sie ordnet sich ihrem Vater nicht unter, sondern kämpft für das, was sie für richtig hält. Sie hinterfragt die Ordnung und geht ihren eigenen Weg, was ich sehr bewunderte. Die zweite Hauptfigur des Buches ist ihr Schattenwolf/verwandelter Mann. Kalya tauft ihren Wolf Lilek und staunt nicht schlecht, als er irgendwann kein Schattenwolf mehr ist. Dieser Plottwist, der schon vom Klappentext angekündigt wird, geschieht erst nach vielen Seiten. Das gefiel mir allerdings sehr gut, denn die Geschichte nimmt sich die Zeit, die sie für ihre Entwicklung braucht. Tatsächlich fand ich den ersten Teil sogar etwas spannender, als den, in dem Lilek zum Menschen wird. Und dennoch ist Lilek eine interessante Figur. Er erinnert sich an nichts und gemeinsam mit Kayla versucht er herauszufinden, was es mit den Monstern und den Menschen auf sich hat. Die beiden Protagonisten ergänzen sich gut und werden von tollen Nebenfiguren begleitet. Kaylas bester Freund Alexandr ist ein sehr sympathischer Kerl, der für viel Freude in der Geschichte sorgt. Auch Malek und „die wilde Jagd“ sind starke Charaktere. Hinzu kommt noch Kaylas Bruder Jakub und ihre Eltern. Das Konzept bricht schon allein mit Konventionen, weil Kaylas Eltern getrennt sind – und nicht etwa, weil der Vater eine neue Frau kennen gelernt hat. Kaylas Mutter hat ihn für eine andere Frau verlassen, was erfrischend anders ist und in diesem Roman von keinem Charakter hinterfragt wird. Diese kleinen Nuancen gefielen mir an der Handlung wirklich gut!
Insgesamt ist die Geschichte wirklich interessant, kurz vor Ende fehlte mir aber immer ein bisschen die Zielführung. Es geschieht relativ viel im Buch und das Ziel der Geschichte war für mich dadurch nicht erkennbar. Aber so schlimm, wie es sich anhört, ist es nicht. Man wird wunderbar unterhalten und ist vom Ende durchaus überrascht. Ich persönlich habe mit der Wende überhaupt nicht gerechnet, fand sie aber aufgrund der Logik sehr gut. Eine lange Zeit des Buches geht es um den Beziehungsaufbau zwischen Lilek und Kalya. Das geschieht zuerst als Mensch und Wolf und später zwischen Mann und Frau. Zwischen den beiden entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte, die wirklich schön ist. Die Liebesgeschichte ist gut verpackt und nicht das Hauptaugenmerk der Geschichte, was mir gut gefiel. Und dennoch gehört sie natürlich genau dorthin.
Der Stil von Laura Kneidl ist sehr schön und passt gut zum Genre. Die Autorin fängt die Düsternis sehr gut ein und hat ein Händchen für ihre Protagonistin, die auch dadurch gerade so authentisch wird.


„Herz aus Schatten“ besticht durch sein besonderes Setting und den tollen Weltentwurf voller Geheimnisse. Für mich hatte das Buch viel Innovatives in sich und daher hat es Spaß gemacht zu lesen. Die Charaktere sind sehr gut gelungen, allen voran die Protagonistin, die durch Frechheit zu glänzen weiß. Aber auch die Nebenfiguren sind toll. Laura Kneidls Stil ist sehr angenehm und lässt den Leser das Buch schnell verschlingen. Manchmal empfand ich den Beziehungsaufbau zwischen Lilek und Kayla etwas lang und die Zielführung zu schwammig, aber alles in allem konnte mich das Buch gut unterhalten. Ich vergebe vier leuchtende Spitzenschuhen für ein Buch voller Dunkelheit.