27. Februar 2019

Rezension: "HoN - Verloren" von P. C. Cast & Kristen Cast



Titel: House of Night - Veloren 
Autor: P. C. Cast & Kristen Cast 
Verlag: Fischer FJB
Preis: 16,99€ 
Seiten: 496

Die „House-of-Night“-Reihe ist für mich Segen und Fluch zugleich. Die meiste Zeit über betrachte ich sie als Fluch. Denn allein die abnormale Länge von 12 Bänden ist mehr als eine Herausforderung. Auch das kindische Geplänkel, die unnötig sexistischen Andeutungen und viele, viele Charaktereigenschaften nerven mich immer wieder. Doch, wieso auch immer: Wenn ich eines der Bücher in der Hand habe, lese ich sie eigentlich ganz gern. Man muss nicht nachdenken und kann sich berieseln lassen. Und auch wenn ich immer wieder den Kopf schütteln muss, sind die Bücher durchaus spannend und voller Entwicklungen. Zwischenzeitlich hätte ich die Reihe beinahe abgebrochen, doch ich bin fast froh, es nicht getan zu haben. Denn Band 10 mit dem Titel „Verloren“ hat mir gut gefallen! Und deswegen geht unsere Hassliebe in die nächste Runde.


Neferet ist nicht mehr länger Hohepriesterin im House of Night in Tulsa. Nachdem sie sich ganz dem Bösen verschrieben hat, muss sie die Schule verlassen. Doch sie geht nicht, ohne eine Schneise der Verwüstung zu hinterlassen. Zoey und ihre Freunde wissen, dass die Schule nur dann weiterbestehen kann, wenn jetzt alle zusammenhalten. Denn Neferet wird mit allen Mitteln ihr Ziel weiter verfolgen: Sie will Zoey töten. Und mit Hilfe von Aurox könnte ihr das auch gelingen. Doch Zoey glaubt, in Aurox ihren Menschenfreund Heath entdeckt zu haben. Kann das sein? Er ist doch Neferets Werkzeug. Oder etwa nicht? Zoeys Grandma scheint ihm zu vertrauen…

Was ich an der Reihe wirklich faszinierend finde, ist die zeitdeckende Erzählweise. Ich habe inzwischen zehn Teile aus der „House-of-Night“-Reihe gelesen. Und seit dem ersten Teil sind nur wenige Monate ins Land gegangen. Die Protagonistin Zoey ist noch nicht einmal ein halbes Jahr lang ein Vampir. Und seitdem hat sie nicht nur viele Menschen verloren, die ihr nahestanden, sondern musste sich auch immer wieder gegen das Böse stellen. 
Es ist absolut absurd, wenn man die Story zu hinterfragen beginnt. Unlogisch. Lächerlich. Ja, all das trifft zu. Und trotzdem wird die Geschichte gerade durch diese zeitdeckende Erzählweise so lebendig. Jedes Buch deckt zumeist nur wenige Tage ab, was schwer nachvollziehbar ist und im heutigen Dschungel der Jugendbücher sicher sehr selten, aber dadurch bleibt man im „Flow“. Man wird zum Teil der Geschichte und kann jederzeit sehr gut zu ihr greifen.  Außerdem knüpft jedes Buch unmittelbar an des Ende des letzten an, was ich wirklich gut finde.Die Bücher sind allesamt sehr umfangreich, doch man merkt kaum, dass man einen 500-Seiten Schinken liest, da sich viele Ereignisse überschlagen.
Zumindest trifft dies auf den zehnten Teil der Reihe zu. Tatsächlich habe ich meinen Tiefpunkt mit der Reihe überwunden und habe seit einigen Bänden wieder Spaß an ihr. Inzwischen freue ich mich sogar auf das Ende – ja, auch weil es dann endlich irgendwann vorbei ist. Aber auch handlungstechnisch ist die Geschichte deutlich stärker geworden! Mit dem Auftauchen der Figur Thanatos verändert sich der Mittelpunkt ein wenig. Das gleiche trifft auf Aurox zu. Die Finsternis ist ein Handlungselement, das erst seit drei Büchern dazu gekommen ist und mich durchaus irritiert hat. Andererseits sind die Seiten dadurch sehr klar und deswegen handelt es sich inzwischen um einen Kampf zwischen Gut und Böse. Beides wird auch durch die beiden Vampirsorten dargestellt, rot und lila. Doch rot zu sein, heißt nicht gleich böse zu sein. 
Auch in Zoeys vertrautem Umfeld verändert sich etwas. Der Bruch der Zwillinge bahnte sich schon im letzten Teil an, doch in „Verloren“ verfestigt sich der Bruch zwischen Erin und Shaunee. Ich finde es sehr schade, dass es diese Einheit nicht weiter gibt, aber es macht die Sache auch interessanter. Ebenso wie der Wandel, den Kalona durchmacht. Zoey selbst ist sich in diesem Buch wie immer sehr treu: naiv, verwirrt, egoistisch und ziemlich beschönigt. Sie weiß wie immer nicht, was sie fühlt – und für wen. Und dennoch ist sie schon reifer geworden. Ich diesem Buch hatte ich tatsächlich nur wenige Kritikpunkte gegenüber der Protagonistin. 
Es gibt inzwischen so viele Figuren, dass man unmöglich zu allen etwas sagen kann. Ich mag noch immer Aphrodite und Darius am liebsten, weiß nicht genau, was ich von Stark halten soll und sympathisiere durchaus mit Stevie Raes frecher Art. Viele Charaktere, wie etwa Kramisha bleiben aber im Hintergrund. Nur Shaylin tritt daraus nun deutlich hervor, was mir sehr gut gefällt! Ihre Gabe ist wirklich interessant und das Mädchen sehr sympathisch. Hier wurde die Clique wirklich sinnvoll erweitert. 
Und wenn ich bei den Charakteren bin, muss ich natürlich etwas zu der Gegenspielerin sagen: Neferet. Man kann sie nicht mögen. Sie ist grausam. Und wie sehr, verdeutlicht sich in diesem Teil. Die Ereignisse spitzen sich wahrlich zu und das führt in „Verloren“ zu einem rasanten Finale, in das Grandma Redbird verwickelt ist. Tatsächlich haben die Autorinnen den Spannungsbogen in diesem Buch gut hinbekommen. Ich habe immer wieder gern zur Geschichte gegriffen. Und ich bin sehr gespannt, was die letzten beiden Teile noch bereithalten.
Zwischendurch ist der Stil der Autorinnen wirklich verstörend. Es ist brutal und sexistisch. An einer Stelle wollte ich wirklich nicht weiterlesen. Auch das gekünstelt Jugendliche mag ich am Schreibstil einfach nicht. Aber wie ich auch sonst in den HoN-Rezis betone, vielleicht bin ich einfach zu alt für die Geschichte. Trotz Kritik muss ich zugeben, dass der Stil sehr fließend ist und man das Buch schnell weglesen kann. Das mag an den vielen Dialogen und der Vielfalt an Charakteren liegen – egal an was: Es beweist, dass an den Büchern doch ein wenig richtig gemacht wurde.


Der Begriff „Hassliebe“ trifft es eigentlich ganz gut. Ich hasse das Vokabular der HoN-Bücher und ich finde viele Handlungsstränge kindisch. Doch tatsächlich reift die gesamte Clique um Zoey herum und auch sie selbst. Die Bedrohung wird in diesem Band sehr greifbar. Gut gegen Böse. Kein Wunder also, dass die vielen (durchaus interessanten) Figuren zusammenhalten und den Kampf gegen Neferet bestreiten. „Verloren“ hat mir gut gefallen, denn es ist ein durchgehend spannendes Buch mit vielen Entwicklungen. Und deswegen vergebe ich vier von fünf Spitzenschuhen.





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