21. Oktober 2018

Rezension: "Promise - Die Herzenskämpferin" von Maya Shepherd



Titel: Promise - Die Herzenskämpferin
Autor: Maya Shepherd
Verlag: Selfpublished
Preis: 3,99€
Seiten: 288


So gern ich auch zu Geschichten von Maya Shepherd greife, muss ich zugeben, dass mich die „Promise-Trilogie“ nie ganz überzeugt hat. Ich habe Probleme mit der Protagonistin, aber auch mit der generellen Story. Und trotzdem schaffte die Autorin es, dass der Drang, zu wissen, wie die Geschichte ausgeht, in mir bestehen blieb. Ich habe keine Ahnung warum und kann daher nur Vermutungen anstellen. Arras dürfte ein entscheidender Grund gewesen sein, denn der schweigsame und geheimnisvolle Charakter hatte seine Geschichte nach zwei Bänden einfach noch nicht erzählt. Es konnte doch nicht wirklich so sein, dass Nea zurück zu Miro geht…oder doch? Es gab durchaus Fragen, die ich mir vor dem Lesen gestellt habe und zum Glück wurden sie im abschließenden Band „Die Herzenskämpferin“ auch beantwortet. Für mich ist der dritte Teil auf jeden Fall das beste Buch der Reihe! Und dennoch bleibt sie hinter meinen Erwartungen zurück.

Polyora ist zurück. Das Leben von Milliarden Menschen schwebt erneut in Gefahr. Die einzige Hoffnung verspricht die Stadt Promise, in der es ein Gegenmittel geben soll. Nea begibt sich auf eine ungewisse Reise. Sie wird von dem geheimnisvollen Arras begleitet, der sich in Schweigen um seine Vergangenheit hüllt. Erst als Nea ihr Ziel erreicht, offenbart sich ihr eine Wahrheit, die schrecklicher ist als alles, was sie sich vorstellen konnte. Nicht nur ihre eigene Zukunft, sondern auch die der ganzen Menschheit steht auf dem Spiel. Doch wenn eines Nea gelernt hat, dann, dass es immer Hoffnung gibt, solange man nicht aufhört für das zu kämpfen, was man liebt.

Okay, beginnen wir beim Guten. Was hat mir besser gefallen, als in den beiden Vorgängern? Da muss ich eindeutig den Aufbau nennen. Die Handlung von „Die Herzenskämpferin“ ist spannender, als noch in Band eins und zwei. Die Geschichte ist generell stringenter und zielführender. Endlich kann Nea ihr Vorhaben umsetzen, nach Promise zu kommen und die Stadt spielt endlich eine Rolle. Außerdem ist das Setting von Promise gelungen. Es wird sehr dystopisch, auch wenn im Zuge dessen viele bekannte Elemente Einzug gefunden haben. Leider leitet mich das auch schon zu einem negativen Punkt über. Man konnte vieles an der Geschichte schon voraussehen. Denn gerade die Auflösung von Polyora und das Konzept von Promise erinnern an große, bekannte Dystopien. Vielleicht lag die Auflösung, die die Autorin wählte, auch einfach nah. Und dennoch fand ich sie zu stumpf. Das muss ich auch zu dem Umstand des Gegenmittels sagen, aber dazu später.
Obwohl die Handlung voraussehbar ist, ist sie gut umgesetzt und läuft auf ein spannendes und packendes Finale hin. Das Ende des Buches hat mir erstaunlich gut gefallen, was mich mit dem Abschluss auch versöhnt hat.
Die Charaktere von „Die Herzenskämpferin“ sind größtenteils bekannt, doch es gibt auch ein paar neue und wichtige Figuren. Nea steht weiterhin im Mittelpunkt. Um sie herum bleiben ihre Freunde, wie Miro, Kasia, Luica und die Zwillinge. Außerdem nimmt Arras wieder einen großen Teil ein – zum Glück! Denn Arras verleiht der Geschichte seine eigene Note und macht vieles besser. Seine Geschichte war ebenfalls zu erahnen und dennoch finde ich seine Figur mit Abstand am besten! Die neuen Figuren rund um Arras, die in Promise dazu stoßen, ergänzen die Geschichte gut. Auch wenn "der Bösewicht" etwas offensichtlich war. Nea als Protagonistin ist mir noch immer suspekt. Sie ist egoistisch, was in diesem Band noch einmal besonders deutlich wird. Und dennoch kann man eine Entwicklung zwischen Band eins und drei wahrnehmen. Diese ist durchaus zum Besseren hin geschehen. Trotzdem finde ich ihre Entscheidungen wenig nachvollziehbar. Andererseits hat Maya Shepherd eine Mädchenfigur entwickelt, die antagonistische Züge trägt und gerade deswegen gut in das Weltzertörungsszenario passt. Denn Nea ist keinesfalls eine gewisse Stärke abzusprechen. Für mich war entscheidend, für wen sie sich am Ende entscheided. Miro oder Arras? Werden überhaupt beide überleben? Ich fieberte auf diese Entscheidung hin. Denn hier konnte mich das Buch wirklich berühren. Für diese Fragen hat die Autorin durchaus plausible Antworten gefunden, mit denen ich leben kann. 
Womit ich nicht leben kann ist die Entwicklung rund um das Gegenmittel. Die Umstände, wie es in die Hände der kleinen Widerstandgruppe gelangt, fand ich logisch. Aber Achtung, kleiner Spoiler. Wie es reproduziert wurde, ist absolut unlogisch! Denn tatsächlich schafft es Kasia, die Lösung des Gegenmittels herauszufinden. Sie hat keine besonderen Chemiekenntnisse oder sonstige Erfahrung. Aber nach ein paar Tagen schafft sie es eben und es ist auch super easy das Mittel zu reproduzieren. Das ist doch nicht wahr?! Eine Frage, die monatelang die intelligentesten Forscher der Welt beschäftigt hat, wird von einer jungen Frau einfach so gelöst? Im entscheidenden Moment? Das war mir zu viel. 
Der Stil der Autorin ist in Ordnung. Er ist fließend und von vielen Dialogen geprägt. Es gibt ein paar kleine Fehler, wie etwa, dass der Imperativ von „nehmen“ als „nehme“ formuliert wird, statt „nimm“. Aber die Fehler sind unbedeutend und im Zuge des Selfpublishing einfach auszublenden. Sie stören den Lesefluss keineswegs. Maya Shepherd beschreibt das Setting super und auch ihre Charaktere habe sich entwickelt, was eindeutig für den Stil spricht. 
Ein kleines Highlight ist am Ende übrigens auch eingebaut. Ich war sehr dankbar, dass ein Charakter nicht vergessen wurde, der zum Schluss entscheidend ist. Und das hat mich auch erneut ein bisschen versöhnt.


Und so komme ich trotz vieler kleiner Kritikpunkte zu einer Bewertung von vier Spitzenschuhen für den Abschluss der Promise-Reihe. „Die Herzenskämpferin“ ist ein guter Abschluss und auf jeden Fall das beste Buch der Trilogie. Auch wenn die Handlungsidee nichts Besonderes ist und mir auch viele Charaktere nicht gefielen, ist die Botschaft, die hinter dem Buch steht, umso schöner. Es gefiel mir sehr gut, dass Maya Shepherd ihre Danksagung so formulierte: „Es war noch nie ein Mensch zu viel auf der Erde“, denn es unterstreicht die Leitidee. Die Reihe unterhält durchaus, hat mich aber auch oft etwas genervt. Macht euch selbst einen Eindruck und macht euch auf die Reise nach "Promise".


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