13. April 2023

Rezension: "Die Erben der Drachen" von Sabine Schulter


Titel: Die Erben der Drachen - Götterfluch
Autor: Sabine Schulter
Verlag: selfpublished
Preis: 4,99€ /14,99€
Seiten: 374

Eigentlich bin ich kein großer Fan von Drachen und auch in das High-Fantasy-Genre mache ich lediglich Ausflüge. Aber ich bin ein riesiger Fan von Sabine Schulter – und von Einzelbänden. Es war also trotzdem eine klare Angelegenheit, dass ich „Die Erben der Drachen – Götterfluch“ lesen würde. Denn auch wenn es nicht mein Favoritengenre ist, so empfand ich den Klappentext von Anfang an als spannend. Aber was ich dann bekam, übertraf all meine Erwartungen! Denn wenn ich ehrlich bin, verrät der Klappentext nicht annährend, wie gut diese Geschichte, das Setting und die Figuren sind! Ich kenne jedes Buch von Sabine Schulter. Und ich muss sagen: „Die Erben der Drachen“ ist eines ihrer aller, aller besten! ABER: Selbst wenn ich nicht die Autorin als Maßstab nehmen würde…für mich ist dieses Buch unabhängig davon ein absolutes Highlight und Must-Read!

Die 20-jährigen Zwillinge Fiha und Noss wachsen in dem Wissen auf, dass sie Schicksalskinder und Nachfahren der Meeresdrachen sind. Sie sollen ihre Heimat Kir`Les und den letzten noch lebenden Drachen vor einer gebrochenen Göttin retten. Doch Fiha glaubt nicht an die Prophezeiungen. Bis zu dem Tag, als Finsternis ihre gierigen Hände nach Kir`Les ausstreckt, Fischgründe versiegen und Fiha und ihr Bruder von grauenvollen Träumen heimgesucht werden.
Phersika, die wahnsinnige Göttin, erwacht und bäumt sich gegen ihre Fesseln auf. Um ihre Rache abzuwehren, ziehen Fiha und Noss los, um bei den Menschen nach ihren Gegenstücken zu suchen. Denjenigen, die ihnen die Macht verleihen, Phersika ein für alle Mal zu vernichten.

Ich kann schon jetzt kein Geheimnis daraus machen, dass ich „Die Erben der Drachen“ liebe! Und dennoch habe ich gleich zu Beginn Kritik und das sogar in zwei Punkten. Beginnen wir bei äußeren Faktoren: das Cover. Ich finde es schön, keine Frage. Und die düstere Atmosphäre passt auch durchaus zur nahenden Dunkelheit, die die Welt von Fiha und Noss bedroht. Außerdem ist es schön und facettenreich gemacht. Aber dann hört es auch schon auf. Denn meiner Meinung nach, wird es der Geschichte einfach nicht gerecht. Und das liegt an einem simplen Punkt. Dieser allerdings geht einher mit meiner zweiten Kritik, nämlich dem Klappentext. Weder Cover noch Klappentext lassen nämlich die atemberaubende Kombination aus Unterwasserwelt und Wüstenreich vermuten, die „Die Erben der Drachen“ tatsächlich beherbergt. Dass Wasser eine große Rolle spielt, mag man wissen. Aber dass die Zwillinge tatsächlich in einer Stadt, die quasi unter Wasser ist, leben, kommt nicht heraus. Und viel trauriger ist, dass weder das Cover noch der Klappentext überhaupt andeuten, dass mehr als die Hälfte des Buches in einer Wüstenstadt spielt. Es kommen Gefühle aus 1001 Nacht auf und das gefiel mir so unglaublich gut! Ist meine Kritik also in irgendeiner Weise schlimm oder beeinflusst sie die Handlung? Absolut gar nicht! Ich finde nur, dass hier eine Chance verpasst wurde, diesem wundervollen Buch noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Denn ich persönlich habe noch nie zwei solch gegensätzliche Welten in einer besseren Symbiose gesehen! Ein Cover mit Wasser und Wüste hätte ich also einfach passender gefunden.
Und nun höre ich auch auf (ansatzweise) zu kritisieren und nehme euch mit in die wunderbare Welt dieses Buches. Herausragend ist für mich die Geschichte. Sabine Schulter war schon immer für innovative Weltentwürfe gut und hier hat sie sich übertroffen. Fiha und Noss sind Kaheyla. Dabei handelt es sich um ein Wasservolk, das in unterirdischen Höhlen unter Inseln wohnt und ständigen Zugang zum Meer hat (und braucht). Sie können an Land und unter Wasser atmen und sind somit eine Art Hybridgattung. Die Kaheyla haben ihren eigenen Glauben und Noss ist sogar Priester. Er ist ein sehr besonnener und vernunftliebender Charakter. Durch ihn bekommt die Handlung eine gewisse Ruhe und Beständigkeit. Ganz anders steht es um seine Schwester Fiha. Sie identifiziert sich nicht mit der Prophezeiung oder dem Glauben – sie ist eine Kämpferin. Ihre aufbrausende und kurzentschlossene Art sorgen für viel Feuer. Zusammen bilden die Zwillinge einen tollen Gegensatz, doch die beiden sind ein eingespieltes Team. Die Beziehung zwischen ihnen hat mir sehr gut gefallen. Die Autorin hat das Band, das zwischen Geschwistern besteht, sehr gut eingefangen und ich fühlte mich stark an meinen Bruder erinnert. Diese beiden interessanten Figuren aus dem Wasservolk sind die Protagonisten des Buches. Denn die beiden haben ein besonderes Mal und das seit Geburt an. Es zeichnet sie als „Schicksalskinder“ aus und somit ist es ihnen bestimmt, die Göttin Phersika zu besiegen und die Drachen zurück in die Welt zu holen. Als Leser wird man in die Handlung eingeführt, dass es vor vielen hundert Jahren einen Krieg zwischen der Göttin und den Drachen gab und dass letztere die Göttin einsperren konnten. Doch das Siegel des Gefängnisses löst sich und so sickert Dunkelheit in den Ozean. Um diese aufzuhalten, müssen Noss und Fiha die weiteren Schicksalskinder finden. Wo diese sind und wie viele es gibt, wissen sie nicht. Doch sie wissen, wo sie mit ihrer Suche beginnen müssen: bei den Menschen. Und so begeben die Zwillinge sich in die Menschenstadt Hoof. Ich habe mir diese Stadt wie Agrabah aus Aladdin vorgestellt. Sie liegt in der Wüste, hat aber einen Meerzugang. Sie wird von einem König regiert, der in einem Palast lebt und die Gassen werden von Diebesgilden beherrscht. Allein dieses Setting finde ich unglaublich spannend, denn ich liebe Wüstengeschichten. In Kombination mit dem Wasservolk ist es aber einfach nur grandios! Ohne zu viel von der Geschichte zu verraten, sei angemerkt, dass die Zwillinge Bekanntschaft mit dem Königshaus und den Diebesgilden machen und so auf tolle Figuren treffen. Da wären zum Beispiel die Prinzessin Malissa und ihre Zofe Alica und vor allem der Meister aller Diebe Asciir. Alle drei sind großartige Nebenfiguren, die der Handlung den richtige Pep verleihen.
Die Handlung selbst ist spannend. Anders kann ich es nicht ausdrücken. Wir haben Verfolgungsjagden, Liebesgeschichten, Nebenhandlungen und aufregende Kulissen. Lässt man sich auf die Geschichte ein, versinkt man in ihr. Es gibt einige Wendepunkte, so auch kurz vor Ende des Buches. Das Ende selbst kommt etwas überraschend, doch es gefiel mir gut. Ich war ehrlich gesagt traurig, dass es dann schon vorbei war. Und tatsächlich spielen Drachen eine viel kleinere Rolle im Buch, als ich gedacht hätte.
Zum Schreibstil von Sabine Schulter muss ich glaube ich nicht viel sagen. Sie ist eine tolle Autorin, die den Leser in ihre Welt mitnimmt. Für „Das Erbe der Drachen“ hat sie übrigens zwei und am Ende drei Perspektiven gewählt. Noss und Fiha erzählen die Geschichte im Wechsel. Erst ganz am Ende übernimmt auch Asciir einen Part. Das passt insgesamt super zur Geschichte, da die Zwillinge auch mal an verschiedenen Orten sind. Außerdem sind sie solch verschiedene Charaktere, dass man ihre Persönlichkeit so immer gut mitbekommt.

Ich kann gar nicht genau zusammenfassen, was mir an „Das Erbe der Drachen“ am besten gefallen hat. Es ist eine super spannende und aufregende Geschichte mit viel Abwechslung und tollen Elementen. Gerade das Wechselspiel von Unterwasser- und Wüstenwelt hat mir sehr gut gefallen. Des Weiteren sind die Charaktere super und die Nebenfiguren wirklich interessant. Ich hatte so viel Spaß am Lesen, dass ich gar nicht mehr aufhören wollte. Lasst euch keinesfalls vom Cover „abschrecken“, denn es schlummert so viel mehr in diesem Buch, als eine klassische Fantasy-Geschichte über Drachen! Nebenbei bemerkt: Ein Fantasybuch zu finden, dass kein Reihenteil ist, ist heute auch nicht mehr so leicht. Lasst euch dieses Highlight also nicht entgehen, das ich mit fünf Sternen bewerten muss.



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