14. Juli 2021

Rezension [Hörspiel]: Mansfield Park von Jane Austen

 


Titel: Mansfield Park
Autor: Jane Austen
Sprecher: Sophie Rois u.a.
Verlag: Der Hörverlag
Preis: 20,00€
Seiten: 416
Dauer: 4h 14 min.

Ich habe mich schon vor langer Zeit in die wundervollen Jane-Austen-Hörspiele aus dem Hörverlag verliebt. Das Grandiose an ihnen ist eben genau der „Hörspielcharakter“, denn man ERLEBT das Buch wirklich und befindet sich mitten in der Geschichte.
Deswegen musste auch das neuste verlegte Werk der großen Jane Austen in meinen Besitz überwandern und so legte ich mir das doch eher unbekannte Werk „Mansfield Park“ als Hörspiel zu. Ich habe auch dieses Hörspiel wirklich gern gehört, denn es ist sehr abwechslungsreich und toll gemacht. Ich muss aber gestehen, dass wenn man die Geschichte vorher noch nicht kennt, das Verfolgen der Handlung schwierig werden kann. Aber so oder so: Die Anschaffung lohnt sich auf jeden Fall – und das hat vielseitige Gründe.

In Mansfield Park wächst die aus schwierigen Verhältnissen stammende Fanny Price bei ihrer wohlhabenden Tante und deren vier Kindern auf. Dort wird sie mehr geduldet als geliebt. Nur ihr Cousin Edward begegnet ihr mit Zuneigung. Doch das beschauliche Landleben gerät aus den Fugen, als die Londoner Bonvivants Mary und Henry Crawford auftauchen und mit ihren Kabalen und durchtriebenen Verführungskünsten alles auf den Kopf stellen. 

Ich besitze die englische Original-Version von „Mansfield Park“, habe mich aber noch nicht daran getraut. Und deswegen wusste ich über die Geschichte nur das, was im Klappentext erwähnt wird und natürlich, dass dieses Buch nicht den Berühmtheitsgrad der Vorgänger aus Austen Feder erlangt hat. Aber ob berühmt oder nicht muss bekanntlich nichts heißen. Und so stürzte ich mich in Fannys Geschichte.
Der Einstieg in eben diese gelingt auch sehr gut. Der Hörverlag hat mit Sina Martens als Sprecherin für Fanny Price eine sehr ruhige Sprecherin gewählt, die einen tollen Job macht. Ich mochte die Authentizität, die Fanny durch Martens Stimme bekam. Fanny ist ein sehr ruhiger Charakter, der in sich gekehrt wirkt, aber durchaus ein gewisses Selbstbewusstsein und Gerechtigkeitsempfinden hat. Ich mochte es, dass man dieser Rolle die Verunsicherung gut angehört hat, da dies gut zur Protagonistin passt. Fanny ist nicht unbedingt jemand, der groß Aufsehen macht. Sie steht dafür für Beständigkeit. Und das Kennenlernen dieser Rolle gelingt dem Hörspiel sehr gut. Die Anfangsszenarien kann der Hörer gut verstehen und nachvollziehen. Doch spätestens als die Geschwister Crawford in Mansfield Park auftreten, wird es verwirrend. Die Besetzungsliste dieses Hörspiels beinhaltet 21 Charaktere, was schon allein ein Indiz für die Unübersichtlichkeit ist, die mich irgendwann erfasste. Ich konnte vor allem die männlichen Rollen irgendwann nicht mehr ganz auseinander halten. Das allerdings ist auch meine einzige Kritik am Hörspiel. Kleinreden kann man sie kaum. Der einzige Lösungsweg ist meines Erachtens, dass man die Geschichte vor dem Hören schon kennt. Dann hat man sicher keine Problem, die einzelnen Rollen auseinanderzuhalten. So wurde es für mich allerdings schwierig.
Nichtsdestotrotz habe ich der Geschichte gern gelauscht. „Mansfield Park“ ist zwar keineswegs so aufregend und spannend, wie andere Austen-Werke, aber die Handlung ist dennoch vielseitig. Mir hast das komplette Theaterszenario unglaublich gut gefallen und auch die späteren Liebesentwicklungen empfand ich als sehr spannend. Zur wunderbaren Grundlage des Romans gesellen sich in diesem Hörspiel aber wieder eine tolle äußerliche Aufmachung und vor allem eine tolle und künstlerische Inszenierung. Beginnen wir bei letzterem. Die Sprecher machen allesamt einen tollen Job. Hervorheben möchte ich noch Sophie Rois, die den Part der Erzählerin übernimmt. Sie hat eine sehr angenehme Stimme und schafft es gleichzeitig, viel Gefühl in die Erzählung zu legen. Dank Rois betrauert man manche Charaktere manchmal oder man freut sich zusammen mit ihnen. Auch ihre kommentierende Art mochte ich sehr. Die anderen Sprecher sind ebenfalls gut besetzt. Einige Rollen sind allerdings sehr kurz. Ziemlich spannend finde ich auch, dass in diesem Zusammenhang eine ganz besondere Sprecherrolle in der Liste auftaucht: „Mops“. Ja. Es gibt einen Mops in dieser Geschichte, der immer mal wieder bellt. Das hat offenbar Magdalena Arelt übernommen. Allein dieser Fakt hat mich sehr erheitert. Das Hörspiel ist aber nicht nur dank guter Sprecher gut inszeniert, sondern auch aufgrund des Zusammenspiels untereinander sowie der musikalischen Untermalung. Man fühlt sich beim Hören einfach so, als würde man Teil der Austen-Zeit sein und es fühlt sich ganz real an.
Fehlen noch ein paar Worte zur äußerlichen Aufmachung. Was soll ich da groß sagen? Die Austen-Hörspiele sind einfach wunderschön und passen toll zueinander. Mit gefällt das gelbleuchtende Cover richtig gut und außerdem passt es auch gut zur Handlung. Im Booklet lässt sich wieder ein mehrseitiger Aufsatz aus der Feder von Julika Griem finden, die sehr genau erklärt, warum „Mansfield Park“ im Vergleich zu anderen Austen-Werken nicht unterschätzt werden sollte und was genau Fanny Price zu einer tollen Protagonistin macht. Der Aufsatz lässt sich gut lesen, auch wenn er an der ein oder anderen Stelle etwas abschweifend ist.

Alles in allem bietet „Mansfield Park“ einfach eine tolle Komposition aus klassischem Werk, das zeitgetreu inszeniert wurde und hochwertig eingespielt worden ist. Auch wenn man mit der Geschichte von „Mansfield Park“ nicht ganz so viel anfangen kann, lohnt sich dieses Hörspiel. Ich bin jedenfalls nun noch neugieriger auf das Original und werde mich bald daran wagen. Für das schöne Hörspiel aus dem Hörverlag vergebe ich 4 Sterne. Die Vielzahl an Sprechern kann verwirrend sein, dennoch ist dieses Hörspiel einfach nur zu empfehlen.



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