9. Juni 2020

Rezension: "Royal (Ebox) von Valentina Fast



Titel: Royal  (Alle 6 Bände in einer Ebox)
Autor: Valentina Fast
Verlag: Impress
Preis: 19,99€
Seiten: 1614


Während des Corona-Lockdowns hatte ich eine Menge Zeit. Also puzzelte ich den halben Tag und hörte dabei Hörbücher. Einige Buchhändler nutzen diese Zeit ebenfalls, um Leser durch Rabattaktionen zu gewinnen. Aufgrund einer solchen Rabattaktion stieß ich auf „Royal – Ein Königreich aus Glas“ von Valentina Fast als kostenlosen Hörbuchdownload. Das passte absolut zu meiner Stimmung, also lud ich es herunter.
Dass es sich bei „Royal“ um eine sechsteilige Reihe handelt, habe ich erst viel später bemerkt. Nämlich dann, als ich unbedingt wissen wollte, wie es mit Tanya und den vier Prinzenkandidaten weitergeht. Das Hörbuch hat mich wirklich überzeugt und das, obwohl die Handlung doch ihre ein oder andere Schwäche hat. Was war also die Lösung für mein Problem? Ach, es ist doch wirklich allzu schön, dass es heutzutage Eboxen gibt. Ich kaufte mir also die komplette „Royal"-Reihe als Ebox und muss gestehen, dass ich die Bücher verschlang. Obwohl es ein ewiges Hin und Her zwischen Tanya und den jungen Männern ist, hat mich die Reihe mitgerissen und begeistert. Und dann kam das Ende der Reihe – und das fand ich einfach nur schlecht.


Im Königreich Viterra, einem durch eine Glaskuppel vom Rest der Welt abgeschirmten Land, findet alle paar Jahrzehnte eine prunkvolle Fernsehshow zur Prinzessinnenwahl statt. Zusammen mit den schönsten Mädchen der Nation soll die siebzehnjährige Tatyana um die Gunst vier junger Männer werben, von denen nur einer der wahre Prinz ist. Sie alle haben royale Eigenschaften und eine geheimnisvolle Vergangenheit, aber wer ist wirklich königlich? Und wie weit wird Tatyana in der Auswahl kommen?

Ich habe noch nie eine Rezension für eine komplette Ebox geschrieben. Die offensichtliche Schwierigkeit ist wohl, die Meinung über sechs Bücher in eine Rezension zu bekommen. Um es ein wenig zu vereinfachen, unterscheide ich im Folgenden nicht zwischen den einzelnen Bänden, sondern spreche über die gesamte Reihe.
Ich hatte einen tollen Start in die Welt von „Royal“. Den ersten Band hörte ich als Hörbuch, was ich wirklich nur empfehlen kann. Die Sprecherin Yara Blümel hat die perfekte Stimmung für das märchenhafte und romantische Setting. Sie verleiht der Geschichte definitiv den richtigen Touch und ich bin überzeugt, dass es auch ihrer liebreizenden Stimme geschuldet ist, dass ich die Reihe weiter verfolgt habe. Aber eigentlich blieb mir auch keine Wahl. Ich las also die fünf Folgebände als Ebook.
Märchenhafte Geschichten und royale Plots haben mich schon immer interessiert. Natürlich hat mich „Royal“ auch sofort an „Selection“ erinnert, aber das fand ich nicht schlimm. Es gibt durchaus Unterschiede, sodass eine eigene Geschichte entsteht. An Valentina Fasts Stelle würde ich diesen Satz wohl nicht mehr hören können. Sich an einem Prinzessinnenwettbewerb zu orientieren ist zwar nicht besonders originell, aber hat auf jeden Fall etwas. Und die Autorin macht eine solide Geschichte daraus.
Insgesamt bin ich aber wahnsinnig zwiegespalten, was die komplette Reihe betrifft. Kommen wir zunächst zu allen positiven Punkten der Reihe.
Ich habe die Bücher wirklich gern und sehr schnell gelesen. Die Seiten flogen oft nur so dahin und ich wurde gut unterhalten. Da die sechs Einzelbände recht wenige Seiten umfassen, habe ich immer wieder das nächste Buch zwischen meinen eigentlichen Leseplan geschoben. Ich konnte nicht anders. Ich war süchtig nach der Auswahl der Prinzessin, wollte wissen, ob es wirklich so offensichtlich sein kann, wie man denkt und was mit den Figuren passiert. Innerhalb eines Bandes wird oft nur eine geringe Zeitspanne betrachtet, sodass man gar nicht merkt, dass man schon bei Band vier ist. Des Weiteren gibt es viele liebenswerte Nebencharaktere in den Büchern. Da wäre zum Beispiel Tanyas Freundin Claire, die zwar ziemlich aufgedreht ist, ihr Herz aber am rechten Fleck hat. Letzteres hat ganz sicher auch ihr Favorit Fernand, der auch schnell mein Favorit wurde. Ich habe ihn mir immer als eine Art lieben Teddybären vorgestellt, der immer für dich da ist. Außerdem wären da noch die Palastangestellten, die ebenfalls alle sehr gelungen sind. Und dann wäre da noch die Handlung selbst. Man mag von einem Prinzessinnenwettbewerb halten, was man will, aber ich fand ihn schon toll. Nicht umsonst sind Fernsehshows wie „der Bachelor“ in unserer TV-Welt so beliebt. Warum nicht also auch im Buch? Ein weiterer positiver Punkt ist außerdem der Schreibstil von Valentina Fast. Sie schreibt sehr genregerecht, flüssig, bildreich und romantisch. Man kann ihrem Stil gut folgen und er passt wunderbar zur Geschichte.
Aber dann sind da auch noch so ein paar mittelgute bis schlechte Dinge an der Reihe.
Als mittelgut würde ich den Fakt einschätzen, dass man sich viele Storyturns als Leser bereits denken kann. Ein richtiges Geheimnis ist es am Ende nicht, wer der Prinz ist, was schon schade ist. Des Weiteren hat mir Tanya als Protagonistin immer schlechter gefallen. Zu Beginn der Geschichte ist sie noch sehr stark und eigensinnig, was ich als positiv bewertet habe. Dann wird aber immer weiter drauf eingegangen, wie besonders und großartig Tanya ist, dass sie sich von allen anderen Kandidatinnen unterscheidet und so viel begabter und beliebter ist, weil sie ja so bescheiden ist. Genau. Mich hat Tanya eigentlich am Ende sehr genervt und auch das Hin und Her, das ihr Herz und somit auch der Leser durchleben, ist auf Dauer sehr anstrengend. Es gibt allerdings mehrere Personen, die mich genervt haben, zum Beispiel auch Phillip oder Charlotte. 
Manche Handlungselemente empfand ich des Weiteren als unlogisch. Dass sich der Mittelpunkt der Geschichte verlagert, finde ich grundsätzlich gut. Geht es zunächst nur um den Wettbewerb, folgt ein Geheimnis um das große Ganze. Das gefiel mir durchaus. Ich finde aber, dass dieses große Ganze nicht sehr glücklich gelöst wurde. Der letzte der sechs Teile hat dann ein sehr merkwürdiges Setting, was mir nicht so gut gefiel.
Mit all diesen Dingen hätte ich aber eigentlich ganz gut leben können, denn ich bin ganz ehrlich: Mich haben die ganzen Handlungsschwächen nicht gestört. Ja, vieles ist unlogisch. Ja, die Protagonistin ist überperfekt und alle vier jungen Männer sind ihr erlegen. Aber die Bücher machen so Spaß! Jedes Mädchen kann hier ihre Prinzessinnenträume ausleben und Abenteuer oder Freundschaft, vielleicht sogar Liebe erleben. 
Aber dann kam das Ende.
Und ich war so enttäuscht. Ich habe mich wirklich veräppelt gefühlt. Da hatte ich über 1500 Seiten und sechs komplette Bücher gelesen, um an diesen Punkt zu kommen? Wirklich jetzt? Natürlich kann ich nicht spoilern, warum genau ich vom Ende der kompletten Reihe so enttäuscht war. Aber lasst mich sagen, dass der finale Kampf seine Opfer kostet. Und diese Opfer erhalten ein zum Teil wirklich unangebrachtes Ende. Ich habe mich wirklich gefragt, warum Valentina Fast diesen Schritt gemacht hat, wo die Reihe doch sonst in jedem kleinen Detail ein „Happy End“ anstrebt. Mir hat diese plötzliche Ernsthaftigkeit die komplette Reihe ein bisschen zerstört und ich habe wirklich eine ganze Weile gebraucht, bis ich darüber hinweggekommen bin.



Aber obwohl es eine Weile gedauert hat, bis ich das Ende der „Royal“-Reihe verarbeitet hatte, blicke ich überwiegend positiv auf die Reihe zurück. Valentina Fast hat sicher nicht jeden Handlungsstrang optimal aufgelöst und dadurch zum Teil überperfekte Szenarien erschaffen. Einige wichtige Figuren sind recht unsympathisch, während die Nebenfiguren schnell mein Herz gewinnen konnten. Und das Ende wird der Geschichte einfach nicht gerecht.
Doch trotz all der Kritik habe ich die Reihe unglaublich gern gelesen und bin immer gern nach Viterra gereist. Die Geschichte hat Charme und auch das gewisse Etwas. Ich kann über viele Dinge hinweg sehen, wenn das Lesevergnügen gegeben ist. Und ich habe „Royal“ sehr gern gelesen. Eine Bewertung fällt für sechs Bücher natürlich schwer. Letztendlich pendeln sich die Einzelteile so zwischen 3 und 4 Sternen ein, weshalb ich für die komplette Ebox 4 Sterne vergebe. Ich höre mal auf meine kleine innere Prinzessin ;)




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