22. November 2020

Rezension: "Oma, wie war's bei dir damals?" - Ein Buch zur Erinnerung

 


Titel: Oma, wie war's bei dir damals?
Autor: Monika Koprivova
Verlag: Familium
Preis: 29,90€
Seiten: 132

Meine Oma und ich haben eine schöne Tradition. Einmal die Woche besuche ich sie, sie kocht ein deftiges Mittagessen und danach gehen wir gemeinsam mit meinem Hund, den ich immer mitbringe. Nach dem großen Spaziergang setzen wir uns meistens an den Küchentisch und trinken noch einen Kaffee, bevor ich gehe.
Das geht schon ein paar Jahre so und ich genieße diese Zeit sehr. Meine Großmutter ist inzwischen 82 Jahre alt und hat dementsprechend viel erlebt. Sie ist keine der Frauen, die nicht gern über die Vergangenheit sprechen und wir haben auch immer mal wieder über ihre Jugend geredet.
Doch als ich das wunderschöne Buch „Oma, wie war’s bei dir damals?“ aus dem Familium-Verlag sah, dachte ich sofort: „Das ist etwas für mich und meine Oma!“ Denn es gibt so viel mehr, das man erfahren kann, wenn man gezielt nachfragt. Für mich steht eines fest: Dieses Buch ist ein absoluter Schatz, wenn man sich die Zeit dafür nimmt!

Das Buch „Oma, wie war’s bei Dir damals?“ ist ein einzigartiges Geschenk, das ein Lächeln im Gesicht aller Omas zaubert. Es handelt sich um ein offenes Buch für das Eintragen von Erinnerungen von der Kindheit bis in die Gegenwart. Die Oma kann alleine oder mit Ihrer Hilfe das Buch ausfüllen und somit auf eine Reihe von sorgfältig ausgewählten Fragen antworten. So entsteht eine Chronik, die für die Familie von unschätzbarem Wert ist.

Ich habe das Buch vor ungefähr vier Wochen bekommen und seitdem nehme ich es jede Woche zu den Nachmittagen mit meiner Oma mit. Nach dem Spaziergang setzen wir uns also an den Küchentisch und füllen jede Woche ein „Kapitel“ gemeinsam aus.
So komisch es klingen mag: Diese Zeit und diese gemeinsame Erfahrung sind einfach unbezahlbar!
Ich habe mich dafür entschieden, das Buch mit meiner Oma gemeinsam auszufüllen, statt es sie allein ausfüllen zu lassen. Ich empfinde diesen Weg als den deutlich schöneren, da man so in unglaubliche Gespräche kommt. Des Weiteren schreibe ich sehr viel schneller, als es meine Großmutter tut und ich kann gezielt nachfragen.
So gezielt muss dies aber meist gar nicht sein, da die Fragen des Buches wirklich toll sind. Wie ich eben schon anriss, ist das Buch in verschiedene Teile gegliedert. Es geht quasi chronologisch vor. Ganz vorn ist ein Stammbaum abgebildet, den man ausfüllen soll. Danach beginnen die „Schreibteile“. Der erste handelt von den Großeltern mütterlicherseits, danach die väterlicherseits. Es folgen Kapitel zur Mutter, zum Vater, zur eigenen Kindheit, zur Schulzeit, zu den eigenen Kindern, den Enkelkindern, besonderen historischen Ereignissen und dem ganz normalen Alltagsleben und Vorlieben. Jedes Kapitel besteht aus ca. 10 Seiten, auf denen unterschiedlich viele Fragen abgedruckt sind. Die Hälfte der Seiten sind allerdings sogenannte „Bildseiten“. Zum größten Teil sind diese leer, doch es gibt ganz viele kleine, liebevolle Details und kurze Sprüche. Diese Seiten dienen dem Einkleben von eigenen Fotos und Erinnerungen, die zum jeweiligen Kapitel passen. Aber auch wenn man sie freilassen möchte, sehen sie immer noch sehr schön aus! So, wie übrigens das gesamte Buch! Es ist absolut hochwertig gestaltet, beinhaltet nur bunte Seiten, hat ein schönes Schriftbild, dicke Seiten und tolle Details.
Auf der linken Seite jeder Doppelseite ist also immer Platz für eigene Fotos und auf der rechten stehen die Fragen. 


Meines Erachtens sind diese Fragen sehr schön ausgesucht. Eigentlich beinhalten sie nichts Spektakuläres und doch sind sie so formuliert, dass meine Oma immer sehr gezielt geantwortet hat ("Was hast du an deiner Mutter am meisten geschätzt?". Als Enkelin habe ich so beispielsweise etwas über die Geschwister meines Urgroßvaters erfahren, deren Namen ich zuvor noch nie in meinem Leben gehört hatte – dabei haben sie offenbar gleich um die Ecke gelebt. Aber es sind nicht nur solche „belanglosen“ Dinge, die man erfährt. Meine Oma hat aus längst vergangenen Zeiten Dinge erzählt, die ich sonst niemals erfahren hätte (, offenbar hat mein Urgroßvater sich selbst eine Yacht gezimmert, die er "Fidi von Bremen" nannte)! Und so habe ich unglaublich viel gelernt – auch über meine eigene Familie!
Meine Oma und ich sind noch lange nicht fertig mit „Oma, wie war’s bei dir damals“. Und doch hat uns dieses Buch schon so wundervolle Stunden geschenkt, mit denen ich nie gerechnet hätte. Man kauft hier nicht einfach nur ein Buch. Wenn man sich die Zeit dafür nimmt, dann schafft man unvergessliche Erinnerungen!
Ich habe Freunden und Bekannten von diesem kleinen „Projekt“ erzählt, das ich derzeit mit meiner Oma mache. Und ausnahmslos alle beneiden mich darum! Liebe Leser, wenn ihr noch eine Oma habt, die bereit ist, euch so viele Dinge aus dem eigenen Leben zu berichten, dann nehmt diese Chance wahr und setzt euch mit ihr gemeinsam an dieses wunderbare Buch! Übrigens gibt es auch die „Opa-Ausgabe“, solltet ihr in eurer Familie einen Großvater haben, der berichten kann, ist das vielleicht passender.
Meine Oma ist 1938 geboren und dementsprechend im Zweiten Weltkrieg großgeworden. Sie hat nur frühe Erinnerungen an diese Zeit, aber allein diese sind unfassbar. Wir haben ein sehr langes Gespräch über das Kriegsende geführt, was wir ohne dieses Buch niemals getan hätten – obwohl ich Geschichtslehrerin bin. Vieles weiß man über seine Großeltern, aber bei weitem nicht alles! Man bekommt ein ganz anderes Verständnis für das Leben der eigenen Großmutter und gewinnt so viele neue Einsichten. Mich hat dieses Buch wirklich zutiefst beeindruckt!

„Oma, wie war’s bei dir damals“ ist ein Geschenk! Ein Geschenk für die ganze Familie und das nicht erst, wenn es vollständig ausgefüllt ist. Das Geschenk daran ist die Zeit mit der eigenen Oma, die man gewinnt, indem man es gemeinsam mit ihr ausfüllt. Es ist keine Sache, die man zwischen Tür und Angel machen sollte. Meine Oma und ich sitzen jede Woche eine Stunde daran und kommen ins Tratschen und das ist eine unglaublich schöne Zeit! Meine Oma ist übrigens auch mit Feuereifer dabei! Sie hat bereits ihr Stammbuch beim Ausfüllen dabei gehabt, da sie die Vornamen ihrer eigenen Großeltern längst vergessen hatte. Ein anderes Mal hatte sie ein altes Fotoalbum dabei und wir haben uns parallel all die Tanten und Onkel angesehen, von denen ich zuvor noch nicht gehört hatte. Ich bin nun dabei diese Bilder einzuscannen, um auch die Bildseiten zu füllen.
Ich bin absolut überzeugt davon: Wenn Oma und ich dieses Buch beendet haben, dann haben wir einen wahren Familienschatz erschaffen, in den ich noch viele, viele Jahre lang blicken werde!
Ich bin einfach nur dankbar, „Oma, wie war’s bei dir damals“ mit meiner Oma zusammen ausfüllen zu können. Und deswegen vergebe ich ohne jegliche Kritik fünf Sterne und spreche den Appell aus: Wenn ihr Zeit mit euren Großeltern verbringen möchtet, dann gibt es keine bessere Möglichkeit, als euch dieses Buch zu besorgen!



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