5. Juli 2016

Mein Monatsrückblick: Juni

Ihr Lieben,

es ist wieder ein Monat rum. Man glaubt es kaum. Eigentlich befinden wir uns mitten im Sommer, allerdings ist das Wetter bei uns im Norden zumindest nicht wirklich sommerlich, sondern eher durchwachsen. Aber wir wollen uns ja nicht beschweren. Der Juni war ein ganz guter Monat. Jedenfalls kann ich mich nicht beschweren. Aus privater Sicht wird alles langsam besser und der Stress lässt nun im Juli ein wenig nach. Im Juni hatte ich noch eine große Meisterschaft (, okay...im Juli kommt die nächste :D ) und meine letzte Uni-Prüfung. Beides ist aber überstanden und das auch erfolgreich. Von der Meisterschaft wird es demnächst noch ein Video hier geben, falls es jemanden interessiert, was bei Hip Hop Meisterschaften so passiert ;)

Nun aber zum buchigen Teil dieses Monatsrückblicks:



Insgesamt habe ich 9 Bücher und ein Hörbuch geschafft.


Origin: Schattenfunke - Jennifer L. Armentrout (448 Seiten) [Rezension]

Der kleine Prinz - Antoine de Saint Exépury (96 Seiten) [Rezension]

Nora: Ein Puppenheim - Henrik Ibsen (100 Seiten) [Rezension]

Fangirl - Rainbow Rowell (445 Seiten) [Rezension]

Inspector Swanson: Der Magische Zirkel - Robert C. Marley (250 Seiten) [Rezension]

Das Funkeln zwischen den Zeilen - Anna Davis (368 Seiten) [Rezension]

Sommer hinter Dornen - Regina Meißner (79 Seiten) [Rezension]

James Bond 007: Goldfinger - Ian Fleming (400 Seiten)  [Rezension]

Intrige (Hörbuch) - Robert Harris (625 Seiten) [Rezension]

Plötzlich Fee: Frühlingsnacht - Julie Kagawa (512 Seiten) [Rezension]


Seiten gesamt: 3323



Die Erwartungen an mich selbst sind glaube ich immer ein bisschen zu hoch. Ich dachte wirklich, dass ich jetzt im Sommer vielleicht noch eine Schippe drauflegen kann, aber das war mir nicht vergönnt. Wobei 10 Bücher schon wirklich richtig gut sind. Zumal viele der Bücher wirklich klasse waren. Mein absolutes und immerwährendes Highlight war auf jeden Fall der Klassiker "Der kleine Prinz". Falls es unter euch noch jemanden gibt, der das Buch bis jetzt auch noch nicht gelesen hatte, dann solltet ihr diesen Umstand ändern. Das Buch ist so bezaubernd und voller Fantasie, wie ich es selten erlebt habe. 
Ebenfalls grandios ist "Fangirl", mein einziges englisches Buch in diesem Monat (haha...als wenn es jemals mehr als eins im Monat wäre...). Es ist voller Witz und so lebendig, dass es ebenfalls nur zu empfehlen ist!
Mein absoluter und unangefochtener Flop war "Intrige" von Robert Harris, welches ich als Hörbuch hörte. Ein spannendes historisches Szenario, das unnötig verkompliziert und relativ leblos erzählt wird. Auch "Das Funkeln zwischen den Zeilen" war nicht berauschend, aber ganz nett. Etwas enttäuscht hat mich der letzte Teil der Plötzlich Fee-Reihe, aber dennoch war er ein schöner Abschluss. Ebenfalls so ein Mittelding war "Origin", allerdings hoffe ich da ebenfalls auf einen guten Reihenabschuss (, der immerhin schon bei mir zu Hause liegt).
Auf Abenteuerjagd begab ich mich wieder zusammen mit James Bond, dessen Bücher ich in letzter Zeit schmerzlich vernachlässigt hatte. "Goldfinger" hat etwas Episches und ist sehr zu empfehlen! Großartig war ebenfalls "Sommer hinter Dornen", eine niedliche Novelle für Zwischendurch. Ich kann sie nur jedem Märchenfan ans Herz legen. Überzeugen konnte mich auch das klassische Drama "Nora - Ein Puppenheim" von Henrik Ibsen. In der Literatur gilt es als DAS Emanzipationsdrama und das kann ich nur bestätigen. Bis zum Ende hin war es relativ lahm, aber dann war ich beeindruckt. Ich habe es übrigens für die Uni gelesen und mir mit meinem Kurs dazu eine Theaterinszenierung angesehen. Die war einfach nur grausam. Meiner Meinung nach völlig falsch interpretiert. Eine Grundthese, die wirklich nicht zu belegen war, so nach dem Motto: "Wir können sowieso nichts ändern...böse, böse Gesellschaft"... Aber okay...Modernes Theater und so.
Und last but not least wäre da noch "Der Magische Zirkel". Das war ein toller viktorianischer Krimi, den man wunderbar weglesen konnte. Kein Highlight, aber solide.


Insgesamt bin ich mit meinem Juni sehr zufrieden. Und ich hoffe wirklich, dass ab jetzt die entspannteste und schönste Phase des Jahres beginnen kann. Mein Semester geht heute in die letzte Woche und dann warten noch ein paar Kurztrips. Ich werde mit meinem Freund ein paar Tage nach Weimar fahren, werde die Deutsche Meisterschaft in Mannheim tanzen und zum Profi-Tennisturnier nach Hamburg fahren, wo ich hoffentlich ein paar tolle Matches sehen werde. Ich hoffe doch, dass zwischendurch auch ein paar tolle Lesestunden auf mich warten :)


Wie war euer Lesemonat so? Was gab es für Highlights und Flops? Vielleicht etwas dabei, was ich mir nicht entgehen lassen darf? :)

Eure Julia



4. Juli 2016

Rezension: "Plötzlich Fee: Frühlingsnacht" von Julie Kagawa


Titel: Plötzlich Fee - Frühlingsnacht
Autor: Julie Kagawa
Verlag: Heyne
Preis: 16,99€
Seiten: 512

„Plötzlich Fee“ – was für ein merkwürdiger Titel. Aber gerade wegen des Titels hat die Reihe mich angezogen und ich gab ihr eine Chance. Ein Fan wurde ich leider nie, doch der dritte Band gefiel mir gut. Nun griff ich zum Reihenabschluss „Frühlingsnacht“. Das Buch hinterlässt den gleichen Eindurck wie die gesamte Reihe: Ganz nett, aber kein Muss.

Inhalt


Ash, der ehemalige Prinz vom Winterhof, hat seiner Geliebten die Treue geschworen. Doch Meghan ist die Königin des Eisernen Reiches geworden und in diesem kann er keinen Tag überleben. Es gibt nur einen Weg um mit seiner Herzensdame zusammen sein zu können: Er muss ein Mensch werden. Und so beginnt eine lange und beschwerliche Reise, auf der er aber von seinen Freunden begleitet wird. Der kluge Kater Grimalkin führt die kleine Truppe an, der natürlich auch der schelmische Puck angehört. Doch die drei bleiben nicht allein. Die mysteriöse Seherin und der Große Böse Wolf sind ebenfalls mit von der Partie und bereit dieses Abenteuer zu bestehen. Schafft Ash es bis ans Ende der Welt um eine Seele zu erringen und so zu Meghan zurückkehren zu können?

Meinung


Ich liebe die Cover der Plötzlich Fee-Reihe! Sie sind so wunderschön detailliert und verträumt, dass das Nimmernie noch viel glaubhafter wird. Der vierte Teil ist komplett in Pink- und Rosatönen gehalten und für mich das schönste Cover der Reihe. Ich habe mich sehr auf das Buch gefreut, auch weil ich wusste, dass es diesmal nicht aus der Perspektive von Meghan, sondern aus der von Ash verfasst ist. Ash blieb bisher immer relativ kalt, wenn auch absolut ideal. Das machte die Sache sehr interessant. Allerdings kann ich die Illustratoren nicht verstehen, dass sie ausgerechnet diesem Buch mit einem männlichen Protagonisten den weiblichsten Charakter verleihen. Also, ich bitte euch: Ash und Pink? Auch wenn das eine absolute Nebensächlichkeit ist, so hat sie mich doch gestört. 
Grundsätzlich ist die Geschichte sehr interessant und auch ein wenig isoliert vom Rest der Reihe. Unsere bekannten Helden, mit Ausnahme von Meghan, begeben sich auf eine neue Reise. Man kann den vierten Teil als Zugabe bezeichnen, der für die wahren Fans geschrieben wurde. Zu denen zähle ich leider nicht, dennoch gefiel mir der Gedanke, dass eine kleine Gruppe sich bis ans Ende des Nimmernie begeben muss, damit zwei Liebende zusammen sein können. Mit Meghan wurde ich nie ganz warm, weshalb ich die Konstellation gelungen fand. Dennoch fehlt die Eisenre Königin natürlich. Lediglich im Epilog taucht sie auf, der wiederum ist wirklich schön geworden! Ich finde es relativ mutig von Julie Kagawa den Erzählstil im letzten Band zu wechseln, aber für mich ist das ein Pluspunkt.
Auch die Reise selbst ist spannend. Puck und Grimalkin waren schon immer meine Lieblinge der Reihe und in diesem Buch nehmen sie einen großen Teil ein. Mir wurde noch einmal bewusst, wie unglaublich klug und arrogant Grimalkin ist. Dieses Mal bekommt er noch einen Gegenspieler zugewiesen, denn die Berühmtheit des „Großen Bösen Wolfes“ schließt sich der Gruppe an. Er will in dieser Geschichte eine Rolle spielen, um die Legende zu bleiben, die er ist. Ich bin eher der Hunde- als der Katzentyp, weshalb ich den Wolf von Anfang an in mein Herz schloss. Er spielt eine wichtige Rolle in diesem Buch und ich war dankbar für sein Auftauchen. Des Weiteren bietet er Grimalkin gern die Stirn, was relativ amüsant ist. 
Die Beziehung zwischen Puck und Ash wird noch verdeutlicht und man erfährt viel über ihre Vergangenheit. Auch, weil die Seherin auf den Plan tritt. Mir gefiel diese Wendung anfangs gar nicht, doch zum Ende hin macht sie Sinn. Ihr Charakter ist für mich dennoch völlig unsympathisch, auch wenn ich ihre Art verstehen kann. 
Eigentlich finde ich auch die Handlung gelungen. Die kleine Gruppe muss viele Risiken und Prüfungen auf sich nehmen um das Ende des Nimmernie zu erreichen. Dort muss Ash dann den Heldenparcours überstehen, der voller Gefahren steckt. So steigert die Autorin mit jeder neuen Gefahr zwar die Spannung, aber in gewisser Weise wird es auch nur eine Aneinanderreihung von Abenteuern. Der Heldenparcours war interessanter, da Ash vorgeführt wird, wie es wäre ein Mensch zu sein. Doch um das zu erklären wurde sehr weit ausgeholt und ich konnte die Zukunftsvisionen nicht richtig einordnen. Sie führen sehr weit von der Handlung weg. Außerdem bleibt der unnahbare Prinz trotz seiner Perspektive noch immer unnahbar. Das gefiel mir gar nicht. Er schwankt zu sehr hin und her, ist zu edel. Für mich zog sich die Handlung zu sehr hin, Ash war nicht präsent genug und die gesamte Sympathie wird auf den Rücken der Nebenfiguren ausgetragen. Mit dem Stil kam ich gut zurecht, dennoch ist er mir irgendwie zu kindisch. Wieder einmal musste ich mich fragen, ob ich für die Reihe nicht eigentlich zu alt bin. 
Hinten im Buch gibt es noch ein paar Extras, wie ein Interview mit der Autorin oder ein Leitfaden für das Nimmernie. Beides war sehr amüsant und auch im Buch selbst kann man manchmal schmunzeln.

Fazit




Obwohl ich die Idee der Handlung und viele Nebenfiguren wirklich großartig fand, gefiel mir die Umsetzung nicht immer. Ash schwankt oft hin und her und wird natürlich von der Seherin beeinflusst. Er bleibt trotz der persönlichen Perspektive sehr unnahbar. Das Abenteuer ist im wahrsten Sinne des Wortes fantastisch (voller unbekannter Wesen und rätselhaften Prüfungen), doch die Autorin baute viele Schwenker ein, sonst kommt sie ja nicht auf 500 Seiten. Als Happy-End Buch gefiel mir der Reihenabschluss gut und auch der Fokus auf dem Menschlichen ist gelungen, doch so richtig nötig war die Geschichte leider nicht. Das Happy-End war außerdem von Anfang an zu durchschaubar. Ich vergebe 3,5 von 5 Spitzenschuhen.



3. Juli 2016

Meine Neuzugänge: Juni


Hallo ihr Lieben :)


Heute melde ich mich mit einem relativ kurzen Post. In der Kürze liegt die Würze und die Kürze hat einen Grund: Meine Neuzugänge. Der Juni war für mich ein Monat der Entbehrungen. Am 28.6 hatte ich die letzte und richtig große mündliche Prüfung in meiner Uni-Laufbahn. (Argh! Wieso bin ich denn schon bitte fast mit dem Studium durch???) Bis zu diesem Tag habe ich mir ein Bücher-Kauf-Verbot auferlegt. Das hat so semi-klasse funktioniert. Meine Absicht war es vor allem meine zwei Buchgutscheine, die ich hier zu Hause habe, nicht anzurühren. Immerhin das habe ich geschafft. Bei der Bücheraktion von Thalia konnte ich aber mal wieder nicht dran vorbei laufen, ohne dass ich drei Taschenbücher mitnahm. Jedes Mal denke ich mir bei der Aktion, dass ich nur drei Bücher mitnehme, wenn ich auch wirklich drei Bücher finde, die ich unbedingt haben möchte. Meistens finde ich dann zwei, die in diese Kategorie fallen und das dritte wird ein "Wird-schon-gut-sein"-Kauf. Vielleicht kennt ihr das ja.




Das ausschlaggebende Buch für meinen Dreierkauf war "Touchdown ins Glück" von Poppy J. Anderson. Ich habe den ersten Teil im Regal stehen und nachdem ich Teil zwei in diesem Haufen entdeckte, war für mich klar, dass er mit musste. Ich freue mich schon sehr auf diese locker-leichte Lektüre, denn mit Teil eins habe ich wundervolle Erfahrungen gemacht. Ebenfalls zur Kategorie "WILL ICH HABEN" gehört "Der große Gatsby" von F. Scott Fitzgerald. Da hat das Klassikerblut wieder durchgeschlagen. Das Buch ist sehr viel dünner, als ich erwartet habe und ich hoffe, dass ich bald zum Lesen komme. Das Ergänzungsbuch wurde dann "Ein letzter Brief von dir" von Juliet Ashton. Ich kenne es von Lovelybooks und glaube, dass es durchweg positiv ankam. Also auf ins Abenteuer.

Und dann sind da noch die kleine Novelle "Sommer hinter Dornen" von Regina Meißner, das ich bereits im Zuge einer Leserunde gelesen habe. Es war wirklich süß und sehr schön, also nur zu empfehlen, wenn ihr Märchenadaptionen mit Tempo mögt :) Vom Dryas-Verlag bekam ich noch das neue Abenteuer von Inspector Swanson, "Der Magische Zirkel", zur Verfügung gestellt, welches ich ebenfalls an einem Tag weglas. Ein gelungener viktorianischer Krimi, der mich mehr überzeugen konnte als sein Vorgänger.
Insgesamt sind also 5 neue Schätze bei mir eingezogen, von denen immerhin zwei bereits gelesen wurde. Karli, mein SuB, wird sich freuen, dass er nicht vernachlässigt wird. Fünf ist eine ganz annehmbare Zahl, wenn auch viel zu viel, wenn ich bedenke, dass ich ja Kaufverbot hatte. Der nächste Monat wird allerdings weitaus schlimmer werden, da bin ich mir sicher. Ich werde mich nämlich gleich auf mein Fahrrad schwingen und mindestens einen der Büchergutscheine vernichten. Whoop whoop!



Was ist im letzten Monat bei euch so eingezogen? Kennt ihr eines meiner neuen Büche rund könnt etwas empfehlen? :)

Eure Julia

2. Juli 2016

Review: "X-Men - Apocalypse"


Titel: X-Men - Apocalypse

Regisseur: Bryan Singer

Länge: 144 Minuten

FSK: 12

Produktionsland: USA

Erscheinungsjahr: 2016




Ich musste es googeln. Aktuell gibt es 9 (!) X-Men Filme, von denen der letzte derzeit noch im Kino läuft. Vor Wochen wollte ich ihn mir anschauen, da ich ein Fan der X-Men bin. Wie das aber so ist, schafft man es erst auf den letzten Drücker. „X-Men: Apocalypse“ hatte einen zerstörerischen und übertriebenen Trailer, der einem ein wenig die Lust auf den Film nahm. Diesem Actiontrailer entspricht der wirkliche Film aber nur in Teilen, denn er glänzt mit mehr Ruhe, als man erwarten würde. Ein guter Actionfilm für einen amüsanten Abend. Voraussetzung: Man sollte die X-Men schon kennen, sonst wird’s kompliziert.

Darum geht's:


Die Welt hat sich verändert, Mutanten werden in der Gesellschaft nun weitestgehend akzeptiert. Doch ein legendärer Bösewicht schickt sich an, Menschen wie Mutanten zu unterjochen: der einst als Gott verehrte Apocalypse (Oscar Isaac), der älteste und mächtigste Mutant der Welt. Er ist unsterblich und unbesiegbar, weil er die Kräfte vieler unterschiedlicher Mutanten vereint – und er ist bei seinem Erwachen nach Tausenden von Jahren gar nicht glücklich darüber, wie sich die Welt entwickelt hat. Zur Verwirklichung seines Plans einer neuen Weltordnung bringt Apocalypse mächtige Mutanten unter seine Kontrolle: Magneto (Michael Fassbender), Psylocke (Olivia Munn), Storm (Alexandra Shipp) und Angel (Ben Hardy). Es ist an Raven (Jennifer Lawrence) und Prof. X (James McAvoy), ein Team junger Mutanten anzuführen, das sich Apocalypse in den Weg stellt…


Meine Meinung


Ich hatte bahnbrechende Action erwartet. Unnötiges Rumgeballer und zu viel Gewalt, wie es bei Marvel ja des Öfteren der Fall ist. Überrascht war ich, dass im neuen X-Men Film auch die leiseren Töne eine Rolle spielen. Man fragt sich doch oftmals, was noch alles kommen soll, da die Macher die Geschichte doch schon völlig ausgeschöpft haben. Handlungen und Wendungen erscheinen einem unlogisch und irreführend. Anders aber bei „X-Men: Apocalypse“. Der Film fügt sich samt seiner Handlung wunderbar in die Geschichte um die X-Men ein und erklärt meiner Meinung nach sogar einiges. Er verknüpft die drei alten Klassikerfilme mit den neuen Versionen, die seit 2011 gedreht wurden. Selbst Wolverine hat wieder eine kleine Gastrolle, die ebenfalls erklärend wirkt. Alles in allem vereint der Film verschiedenen Geschichten und macht den Kontext wieder stringent. Herrlich anzusehen sind dabei die altbekannten Figuren samt ihrer glänzenden schauspielerischen Leistung. Der Bösewicht Apocalypse ist hier für mich der blasseste geblieben. Doch Jennifer Lawrences Figur Raven  ist stärker und ehrlicher zu sich selbst geworden und sie wird von der Oscarpreisträgerin überzeugend gemimt. Mein Favorit Charles Xavier sorgt sogar für den ein oder anderen unerwarteten Lacher („Das war eigentlich mein Lieblingsbaum.“). James McAvoy bleibt seiner Umsetzung treu und spielt den rechtschaffenden Professor ebenso gut wie bisher. Michael Fassbender, der unumstrittene Star des Films, zeigt neue Facetten seiner Figur Magneto. Sein Schicksal war für mich das tragischste. Ich litt mit ihm. Die neuen/alten Figuren gefielen mir in ihrer Umsetzung ebenfalls sehr gut. Egal ob das Gene oder Scott waren – ihre Geschichte beginnt von neuem und man darf gespannt sein.
Der Film hat ein klares Ziel und verfolgt dieses auch mit actiongeladenen Szenen. Dennoch braucht er eine Menge Zeit, um erneut in den Kosmos einzuführen. Vor allem die erste Stunde zieht sich ein wenig dahin. Marvel benötigt diese Zeit jedoch oft und zumeist lohnt sich dies auch. Ich fand die finale Lösung gar nicht schlecht. Allerdings wird natürlich wieder ein Großteil unserer Welt zerstört. Das empfinde ich immer als ein bisschen unnötig, aber was will man machen, wenn wieder irgendwelche supermächtigen Bösewichte die Welt übernehmen wollen?! Etwas unpassend fand ich die Zerstörung des Vernichtungslagers (heute Gedenkstädte!) Auschwitz. Da hätte man ein wenig mehr Respekt haben können, auch wenn die Szene so gar nicht gemeint war. Es ist ja immer nett, dass man sieht, wie alles zerstört wird, aber der Aufbau dann ja keine Rolle mehr spielt. Aber egal.
Besonders beeindruckt hat mich übrigens die Vorschau, die einer Tunnelfahrt durch die Zeit gleicht. Hier hat sich die 3D-Brille bereits bezahlt gemacht und auf meinem Gesicht breitete sich leichtes Staunen aufgrund der Effekte auf. Die ersten Szenen waren sowieso sehr beeindruckend, was die Kulisse betrifft. Mit zunehmender Zeit wird das Setting dann etwas dunkler, aber immer noch beeindruckend.

Also...


Mir gefiel an diesem Film sehr viel und es fühlte sich ein wenig so an, als wenn man von alten Freunden etwas Neues hört. So soll es ja auch sein. Die Schauspieler sind überzeugend und die Handlung sehr schlüssig. Es ist immer ein bisschen schade, wenn ein anfangs übermächtiger Gegner doch relativ simpel besiegt werden kann, doch ich hatte es mir sogar noch schlimmer vorgestellt. Lediglich die Länge des Films ist etwas kritisch. Viele Handlungsstränge ziehen sich in die Länge und von der erwarteten Action gibt es dann doch nicht so viel. Ich hatte dennoch einen unterhaltsamen Abend, den ich mit 3,5 Sternen belohne.

1. Juli 2016

Rezension: "Goldfinger" von Ian Fleming


Titel: James Bond 007 - Goldfinger
Autor: Ian Fleming
Verlag: Cross Cult
Preis: 12,80€
Seiten: 400

Wenn es um James Bond geht, kommt einem schnell die typische Titelmusik in den Kopf. Will man sich aber an einen bestimmten Bond-Song erinnern, platziert sich in meinem  Kopf immer das Lied „Gooooldfingeeer…dadaaaam“. Ich gebe zu: besonders gut lautmalerisch habe ich das grade nicht umgesetzt. Aber der Song ist wohl einer der berühmtesten und auch grandiosesten Bond-Songs, die es je gab. Auch der Film selbst ist ein Muss unter den Klassikern. Gert Fröbe, der gute alte deutsche Bösewicht in einer Paraderolle, das berühmte Töten, indem man das Mädchen mit Goldfarbe übersprüht, der Einbruchversuch in Fort Knox: Ein episches Bond-Abenteuer. Aber genug vom Film. Was hat das Buch zu bieten? Die Antwort? Absolut genauso viel!

Klappentext


Auric Goldfinger: grausam, schlau, frustrierend vorsichtig. Er betrügt beim Canasta und ist ein Gauner im großen Stil, der auch im alltäglichen Leben ständig krumme Dinger dreht. Er ist die Art von Mann, die James Bond hasst. Daher ist es ein Glück für Bond, dass er im Auftrag der Bank von England und des MI5 herausfinden soll, was der reichste Mann des Landes mit seinem unrechtmäßig erworbenen Vermögen vorhat – und in welcher Verbindung er zu SMERSCH steht, dem gefürchteten sowjetischen Korps, das Jagd auf Spione macht. Doch sobald er sich erst einmal in der Organisation dieses gefährlichen Verbrechers befindet, wird 007 klar, dass Goldfingers Pläne grandioser – und tödlicher – sind, als man sich je hätte vorstellen können. Er plant nicht nur den größten Goldraub in der Geschichte, sondern auch Massenmord …

Meinung


Mal wieder entführte mich Ian Fleming in die Welt des britischen Geheimagenten James Bond. Ich bin ein Fan der Bücher, auch weil der Cross-Cult-Verlag so wunderschöne Ausgaben gestaltet hat. Doch ich liebe die Reihe nicht, weil sie sich im Regal schön macht. Es ist noch sehr viel mehr. Eigentlich könnte ich viele Sätze aus meinen alten Bond-Rezensionen kopieren und einfügen. Doch so weit will ich mal nicht gehen. In diesem Abenteuer ist 007 wieder voll im Einsatz. Der etwas arrogante und nicht immer politisch-korrekt-agierende Lebemann  Bond, zeichnet sich durch bekannte Charakteristika aus. Immer in bisschen überheblich, rauchend, trinkend, selbstbewusst, unglaublich effizient und frauenliebend wandelt er durch die Weltgeschichte. Doch dieses Mal hat er einen mehr als ebenbürtigen Gegner: Auric Goldfinger. Es hat mich tatsächlich überrascht, wie genau sich der spätere Film an das Buch hält. Das Buch ist beinahe eine exakte Vorlage. Natürlich gibt es kleine Unterschiede, doch die Rahmenbedingungen stimmen. Bond lernt Goldfinger bei einem Kartenbetrugsfall kennen und löst diesen. Doch die Begegnung soll nicht die einzige gewesen sein. Wie Goldfinger selbst so schön bemerkt:
„Mr. Bond, es gibt ein Sprichwort in Chicago: ‚Ein Mal ist Zufall, zwei Mal ist Fügung und beim dritten Mal ist es Feindeinwirkung.‘ “ (S .6)
Und in diese drei Teile ist auch das Buch geteilt. Zufall, Fügung, Feindeinwirkung. Erwähnenswert ist hierbei für mich der zweite Teil, die Fügung. In diesem Abschnitt findet das Golfspiel zwischen Bond und Goldfinger statt. Niemals habe ich es erlebt, dass ein Autor ein Golfspiel über etwa 35 Seiten beschreibt und das Ganze episch wird. Ich habe nicht viel Ahnung von Golf und dennoch versteht es Fleming einfach unwichtige oder uninteressante Dinge ganz besonders zu machen. Ich denke, dass ist grundsätzlich eine Eigenschaft seines Stils. Er ist herb und manchmal auch derb, dadurch etwas maskulin. Aber er entführt den Leser in eine andere Zeit. Fleming fängt für mich das Zeitgeschehen der 50er und 60er Jahre immer wieder neu und authentisch ein, so dass jedes Buch seinen eigenen Charme hat. Hier geht der Charme vom vielen Gold und den interessanten Charakteren aus. Oddjob ist genauso kurios wie im Film und auch Miss Pussy Gallore ist überaus interessant. Nebenbei bemerkt ist sie lesbisch – aber wer wäre James Bond, wenn ihn das stören würde? So ziemlich niemand bleibt farblos. Die Handlung ist intelligent gestaltet und in einem gewissen Maße größenwahnsinnig. Aber gerade das macht die Geschichte um Goldfinger so besonders. Der vom Gold besessene Bösewicht, der im Buch auch noch Kontakte zur sowjetischen Organisation SMERSCH hat, mit der James Bond noch die ein oder andere Rechnung offen hat.

Fazit



„Goldfinger“ hat alles, was die Bond-Bücher ausmacht! Ein toller Stil, eine gelungene Handlung und fein ausgearbeitete Charaktere. Im Zentrum steht wie immer unser Liebling 007, der das Abenteuer waghalsig in Angriff nimmt. Er muss viele Prüfungen bestehen und letztendlich geht es wieder darum, dass er im Alleingang einen Teil der Welt retten muss. Fleming verwendet viel Feingefühl und Schliff für diese Geschichte und für mich war es ein wunderbarer Lesegenuss. Viereinhalb von 5 Spitzenschuhen.


 


28. Juni 2016

Rezension: "Intrige" (Hörbuch) von Robert Harris




Titel: Intrige
Autor: Robert Harris
Verlag: Random House Audio
Preis: 3,99€
Seiten/ Dauer: 625/ 6:53 Min.

Vor Jahren las ich ein Buch von Robert Harris, das sich mit dem Leben des griechischen Redners Cicero befasst („Imperium“). Ich habe es geliebt. Umso begeisterter war ich, als ich das Hörbuch „Intrige“ geschenkt bekam, das ebenfalls aus der Feder von Mr. Harris stammt. Diesmal das Thema: Die Dreyfus-Affäre Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich. Eine spannende, aber bürokratische Geschichte, die in der Realität wahrscheinlich explosiver war, als es in diesem Hörbuch geschildert wird. Die Handlung an sich gefiel mir. Doch durch ausschweifende Erzählungen, unsympathische Entscheidungen, einen nicht sehr überzeugenden Vorleser und die vielen, verwirrenden, französischen Namen bleibt das Hörbuch leider nur mittelmäßig.

Klappentext


Am 22. Dezember 1894 wird der französische Hauptmann Alfred Dreyfus wegen Landesverrat zu lebenslanger Haft verurteilt und verbannt. Ein Justizirrtum, wie er beteuert und wovon auch der neue Geheimdienstchef Picquart zunehmend überzeugt ist. In den Wirren der Dreyfus-Affäre, die ganz Europa erschüttert, rollt er den Fall neu auf. Weshalb er bald selbst zwischen die Mühlräder der Macht gerät und das Ziel dunkler Machenschaften wird 

Meinung


Ich bin mal wieder gezwungen mir eine traurige Wahrheit einzugestehen. Obwohl ich in der Theorie studierte Historikerin bin, hatte ich zuvor noch nie von der Dreyfus-Affäre gehört. Traurig, aber wahr. Das war aber nur ein Grund mehr, warum ich mich auf das Hörbuch „Intrige“, gelesen von Hannes Jaenicke, gefreut habe. Es handelt sich um eine lange und komplizierte Geschichte. Das liegt natürlich vor allem am Ursprung. Es gefällt mir sehr, dass Harris sich immer mit historischen Zweifelsfällen auseinandersetzt, seine eigene Note mit hineinbringt und Geschehnisse aus der Vergangenheit in Romanform den Lesern näher bringt. So hat das Ganze noch einen bildenden Charakter. Durchaus habe ich während des Hörens etwas gelernt. Doch vor allem war ich verwirrt. Der manchmal sehr grobe, manchmal sehr feine Stil von Harris ist gelungen. Wird einem das Buch aber vorgelesen, macht das die Sache unnötig kompliziert. Das große Problem lag für mich an der Vielfalt der Namen. Die Hauptbühne des Romans bildet die französische Regierung Ende des 19. Jahrhunderts. Der Protagonist Marie-Georges Piquart, der Chef des Geheimdienstes wird, ist ein vernünftiger und rechtschaffender Mann. Er ist kein sympathischer Charakter, aber er tut das Richtige. Auf der politischen Bühne spielen nun aber eine Menge andere Figuren noch eine Rolle. Und die haben alle sehr glatte französische Namen. Spätestens ab CD 4 steigt man als Hörer nicht mehr so richtig durch, wer denn jetzt eigentlich wer ist und welche Funktion diese Figur in der Regierung innehat. Wer ist nochmal welcher Meinung? Wer ist Freund, wer Feind? Das Wichtige kann man als Hörer natürlich trotzdem verstehen, dennoch verkompliziert das die Sache. Als Historikerin finde ich es gut und richtig, dass die wahren historischen Persönlichkeiten aufgegriffen werden und der Roman sich an die Quellen hält, aber als Hörerin war mir das Ganze zu viel. Und außerdem zu dröge. Denn die Geschichte hat keine durchgehende Spannungskurve. Vor allem zu Beginn braucht sie viel Zeit um in Fahrt zu kommen. Piquart beschreibt manchmal in eine Art Tagebuchform, wie er die Geschehnisse erlebt. Dazu gehört dann auch, welche Straße er wann lang gegangen ist – was einfach völlig unnötig ist. Beschreibungen dieser Art finden sich zu Hauf. Das macht das Hören manchmal langweilig. Allerdings ist es nicht durchgehend so. Man wird als Leser ebenfalls verdammt wütend, weil die Lage der Geschichte so ungerecht ist. Man fiebert in gewisser Weise mit. Und da ich den Ausgang der Dreyfus-Affäre nicht kannte, war es für mich durchaus spannend. Das Ende aber war unbefriedigend. 
Ein Wort noch zum Vorleser: Obwohl er als emotional brillant beschrieben wird, fand ich ihn eher monoton. Andererseits bringt er die Persönlichkeit Piquarts gut herüber. Leider machte es die Sache für mich nicht besser. In den fast 7 Stunden sorgte die Art des Vorlesens durchaus manchmal dafür, dass ich müde wurde.

Fazit


Eine Geschichte mit viel Potenzial und noch viel mehr Komplikationen. Ein erschwertes Hören und ein Vorleser, der nur in seiner Verkörperung des Protagonisten glänzen kann. Die Dreyfus-Affäre scheint die reinste Bürokratie-Intrige gewesen zu sein und das empfand ich durchaus als interessant. Es gibt Höhen und Tiefen, doch grundsätzlich ist die Geschichte in die Länge gezogen. Ich komme auf 2,5 Spitzenschuhe, da es sich für mich zwar um interessante Allgemeinbildung, aber nicht um ein Hörvergnügen gehandelt hat.



27. Juni 2016

[Universität:] Ist Lesen eigentlich Bildung? Persönliche Prüfungsvorbereitungen und andere Geschichten


Hallo ihr Lieben :)


Heute möchte ich mit euch ein paar Gedanken teilen. Grundsätzlich nichts Neues, aber thematisch begebe ich mich doch in eine ungewohnte Richtung. Morgen habe ich meine allerletzte große Uni-Prüfung. Schon allein das ist beängstigend. Noch beängstigender wird es aber, wenn man während der Prüfungsvorbereitung merkt, dass das Thema tatsächlich irgendwie relevant ist. Ungewohnt...zumindest in meinem Studiengang. Für die, die es nicht wissen: Ich studiere Deutsch und Geschichte auf Lehramt, befinde mich im 10. Semester und nach der kommenden Prüfung liegen lediglich eine unbedeutende Hausarbeit und meine Masterarbeit (,die wohl leider weniger unbedeutend sein wird) noch vor mir. Im Masterstudiengang ist es leider so, dass die Erziehungswissenschaften immer entscheidender werden (im Gegensatz zu den Fachwissenschaften, die immerhin zumeist Spaß machen: Stellt euch hier vor, ihr dürft euch mit Literatur beschäftigen und in EW geht es dann darum, wie ungerecht das ganze Leben ist [LANGWEILIG!] - nur so für eure Vorstellung). Man bildet uns nun also als tatsächliche Lehrer/innen (wir wollen hier mal bei wissenschaftlichen Gender-Standarts bleiben) aus. Was übrigens auch Zeit wurde. 
Meine aktuelle Dozentin ist wahnsinnig gut. Die erste, bei der ich EW-Vorlesungen manchmal aufgepasst habe. Vielleicht liest die gute Frau diesen Eintrag ja noch, also: Kompliment, Frau Jergus! Dennoch war das Prüfungsthema nicht ganz leicht: Wir durften uns nämlich etwas aussuchen. Das klingt nett, ist aber doch relativ hart, wenn man den gesamten erziehungswissenschaftlichen Kosmos zur Verfügung hat. Grrr... Aber so kommen wir immerhin zum Thema:



Was ist für euch eigentlich Bildung?


Denn letztendlich ist das so die zentrale Frage meiner Prüfung geworden. Euch mit dem ganzen Theoriegedöns zu langweilen, wäre eher zwecklos (und eben auch langweilig), deshalb beschränke ich mich auf ein Minimum (, was hoffentloch nicht zu lang wird). Denn wie ich ja sagte - so richtig schlimm wird es beim Lernen erst, wenn man es irgendwie selbst als sinnvoll erachtet :D


(Exzerpieren macht Spaß, nicht wahr?!)

Was ist Bildung?

Ich muss zugeben, dass ich über die Definition von "Bildung" nie so richtig nachgedacht habe. Ist halt so ein Begriff, der sich in unserem Wortschatz etabliert hat. Es gibt ihn ja auch wie Sand am Meer. Stellt euch nur mal all die verschiedenen Gebrauchsweisen vor: Bildungswesen, Allgemeinbildung, Gruppenbildung, Einbildung....wer soll sich da noch eine Meinung bilden können? (Achtung, Wortwitz).
Alle Leute, die ich befragt habe, sagten mir, dass Bildung eigentlich immer etwas mit Schule zu tun hat - dass es um Wissen geht, das vermittelt werden soll. Andere fügten noch hinzu, dass man aber auch selbst Dinge lernt, die dann zur Allgemeinbildung gehören. All das finde ich ziemlich einleuchtend und vielleicht würdet ihr das ja auch so sehen?
Völlig falsch! Wenn man einen Blick in wissenschaftliche Literatur wirft, dann ist das alles irgendwie ganz anders. Ha! Wäre ja auch gelacht, wenn es mal einfach sein könnte ;) 

Bildung hat keine Definition.

Es gibt zu viele Bedeutungen und Verwendungen, als dass man sagen könnte "DAS ist Bildung!" Es handelt sich vielmehr um ein riesiges und komplexes Konstrukt, das je nach Interpretation variiert. Aber halt: Wissensaneignung ist schon ein wichtiger Bestandteil. Doch zentral ist das Ich. Das Selbst, wenn man so will. In meiner Prüfung setze ich mich mit drei verschiedenen Bildungstheorien auseinander. Zwei der werten Herren dürftet ihr kennen: Platon, Wilhelm von Humboldt und Hans-Christoph Koller. Letzterer ist wohl den wenigsten ein Begriff (und ganz ehrlich: Wenn ihr euch nicht grade mit transformatorischen Bildungsprozessen auseinandersetzen wollt, müsst ihr den Mann auch nicht kennen). Alle drei Theoretiker haben ganz nette Sachen in Zusammenhang mit Bildung geschrieben. Denn Achtung: Bildung ist Arbeit am Selbst! Oh ja, liebe Freunde. Für Humboldt ist es beispielsweise die Wechselwirkung zwischen dem Ich und der Welt (quasi dem Ich und dem Nicht-Ich), die Begegnung mit dem Neuen. Bei Platon (vielleicht sagt dem ein oder anderen das "Höhlengleichnis etwas - wenn nicht, auch nicht so tragisch. In der 11. Klasse dachte ich immer, es würde "Höhengleichnis heißen, weil ich nun wirklich nicht verstand, was Bildung mit Höhlen zu tun haben soll) geht es um Entfesselung. Hier bestreitet der Mensch mit Hilfe von Zwang und Gewalt einen Aufstieg. Von der Welt des lediglich Scheinenden zur Welt des Seienden (klingt komplizierter, als es ist). Lustig ist hier nur, dass man diesen Weg anfangs gar nicht gehen will. Man muss ihn aber aushalten. Ergebnis des Ganzen ist dann eine Umkehrung des eigenen Blicks. Nachdem man sich also mit dem Fremden auseinandergesetzt hat, sieht man die Welt mit anderen Augen - die alte Sichtweise ist verworfen - man hat einen Prozess durchgemacht. Der Prozess ist es auch, der bei Koller im Mittelpunkt steht, Vielleicht ist es euch auch schon selbst aufgefallen, aber irgendwie sprechen die Theoretiker alle davon, dass man das Selbst verändert. Und das passiert angeblich nur, wenn man einen Bildungsprozess durchmacht. Viel witziger ist noch, dass man sich nur bildet, wenn man auf das Fremde/Neue (Achtung, das Fremde ist natürlich nicht als alles "Nicht-kennende" zu definieren, wäre ja gelacht) antwortet. Oh ja. Laut Theorie gerät der Mensch in eine Krise, wenn er Problemen begegnet, die er mit normalen Mitteln nicht zu lösen weiß. Er sucht nach neuen Mitteln und Wegen und bildet so vielleicht neue Meinungen und Handlungen für sein Ich aus. 
Das Ganze war jetzt so die Kurzdarstellung des Inhalts. Wenn ihr Fragen habt: Hey - die müssen nicht geklärt werden. Bildung ist schließlich ein endloser und immer wiederholbarer Prozess, daher ist eine Klärung allen Wissens gar nicht nötig (und auch nicht möglich).



Quelle: https://bildungsstreikwuppertal.files.wordpress.com/2009/12/kompaktseminar.png

Fassen wir nochmal zusammen:

  • Bildung ist Arbeit am Selbst und führt zu neuen Denkweisen und Handlungsmustern
  • Es ist ein langer und schwieriger Prozess und man muss bereit sein, sein eigenes Weltbild in Frage zu stellen
  • Man eignet sich Wissen an und verortet sich selbst in der Welt
  • Das Neue und Fremde spielt hier den zentralen Auslöser von Bildungsprozessen


Kommen wir aber zur entscheidenden Frage: 


Warum erzähle ich euch das alles?



Zum einen natürlich, weil es unglaublich viel Spaß macht. Nein, Scherz. Aber es hilft natürlich bei der Prüfungsvorbereitung ;) Und außerdem habe ich mich gefragt, ob wir Lesesüchtigen uns in einem ständigen Bildungsprozess befinden? Ist das so? Was meint ihr?
Begeben wir uns nicht ständig in neue Welten und eignen sie uns auch an? Ändert sich unsere Weltsicht nicht manchmal durch Geschichten, die wir kennengelernt haben? Oh, und manchmal lernen wir natürlich auch etwas aus unserer Lektüre, oder nicht?

Ist Lesen eigentlich Bildung?

Aber viel extravaganter wäre noch die Frage: Ist Lesen = Bildung? Denn eigentlich ist der Prozess nach wissenschaftlichen Ansätzen doch zu stumpf, oder? Einfach nur Lesen hat ja scheinbar nichts mit Bildung zu tun. Wie arbeiten wir denn an unserem Selbst, indem wir lesen? Tut ihr das? Oder entspannen wir uns beim Lesen nicht vielmehr, als dass wir Denken wollen? Aber hey...müssen wir Denken, um uns zu bilden? 
Oh...so viele ungeklärte Fragen. 


Ich zumindest würde schon behaupten, dass unser Hobby zur Bildung beiträgt. Oder? Ich fühle mich jedenfalls oftmals schlauer, wenn ich sagen kann: "Ich kenne Goethes Faust". Und auch andere würden mich deswegen sicher als "schlau" bezeichnen. Nach Humboldt allerdings würden sie damit zeigen, wie dumm sie eigentlich sind. Denn Aneignung ist ja nicht gleich Bildung. Bildung wäre es, wenn ich sagen würde, dass ich durch Goethes Faust eine völlig andere Weltsicht gewonnen habe (, was gelogen wäre, aber egal). 
Vielleicht haltet ihr mich für dämlich oder noch viel schlimmer, für besserwisserisch, weil ich diesen Post schreibe. Aber ich habe für mich gemerkt, dass "Bildung" ein Komplex ist, der viel zu schwer zu definieren ist. Und ich finde, dass man Bildung in den verschiedensten Lebensbereichen finden kann. Und da würde Herr Humboldt mir sicher zustimmen. Wir Leser und unsere literarischen Helden begegnen andauernd neuen Dingen oder dem Fremden. In jeder Geschichte wartet etwas Fremdes auf uns. Nach Horkheimer (ihr könnt euch ja mal den Spaß gönnen und die ganzen alten Kerle, die ich hier erwähne googlen - sorgt sicher für Erheiterung :D ) muss man sich auf das Fremde einlassen und sich ihm völlig hingeben. Und hey: Das tun wir ja wohl absolut, oder??? Ich gebe mich meinen Geschichten zumindest sehr, sehr gerne hin! Und ihr? Also lasst uns anstoßen! Denn wie betreiben ein Hobby, das tatsächlich einen Sinn hat. Wir arbeiten an unserem Selbst und bilden dies aus. Es geht nicht um Wissensaneignung, sondern um die Reaktion auf das Fremde. Und wir weichen dem Fremden nicht aus. (Interessante Gegenfrage wäre: Tun wir das, wenn wir ein Buch abbrechen?) 




Ich denke, ich habe meine Gedanken nun genug mit euch geteilt und sollte zurück an meine Lernunterlagen. Doch gerade war es Zeit für mich, meine abstrusen Gedanken mit euch zu teilen. Vielleicht hat ja jemand bis hierhin durchgehalten und möchte eine gebildete Meinung dazu abgeben ;)
 Mich interessiert alles, was ihr zu dem Thema sagen wollt!
Wünscht mir Glück für morgen! Ich würde mich freuen! :)

Eure Julia