14. Juni 2016

Rezension: "Inspector Swanson und der Magische Zirkel" von Robert C. Marley


Titel: Inspector Swanson und der Magische Zirkel
Autor: Robert C. Marley
Verlag: Dryas
Preis: 10,50€
Seiten: 250

Das viktorianische London. Ein versuchter Mord. Ein sympathischer und alteingesessener Inspector. Und ein Fall voller Magie und Zauberei. Das ist „Inspector Swanson und der Magische Zirkel“ von Robert C. Marley. Für mich war es mein zweites Abenteuer an der Seite des cleveren Mr. Swanson und ich muss sagen, dass es mir sehr viel besser gefiel, als noch „DerFluch des Hope-Diamanten.“ Das Buch hat keine unnötigen Längen, sondern erzählt eine spannende Geschichte mit einer besonderen Kulisse voller Faszination. Ein paar kleine Schwächen konnte ich finden, doch alles in allem bietet der neue Fall des Inspectors super Unterhaltung.

Inhalt


London im Jahre 1894: Es ist die Zeit der großen Künstler. Gemeinsam mit seiner Frau besucht Donald Swanson, Inspector von Scotlad Yard, eine Zaubervorführung. Star der Show ist der große van Dyke, der mit einer gefährlichen Wasser-Entfesselungsnummer auftritt. Doch etwas geht schief. Nur knapp entkommt der Künstler dem Tode. Für Chief Inspector Swanson ist schnell klar: Das war kein Unfall – jemand hat es auf das Leben des Zauberers abgesehen. Doch der Fall bleibt nicht allein. Im Adelphi Theater ereignen sich weitere „Unfälle“ und bald schon fordert der erste sein Todesopfer. Doch wer steckt dahinter? Nur ein Zauberkünstler selbst besitzt das Können, solche Morde als Unfälle zu tarnen. Doch heißt das nicht, dass der Mörder direkt unter ihnen ist? Inspector Swanson und seine Helfer gehen der Sache auf den Grund. Können sie den Täter entzaubern?

Meinung


An diesem Buch hat mir vor allem ein Punkt besonders gefallen: Und das war das Thema des Zauberns. Robert C. Marley hat einen relativ schweren Stil. In seinem letzten Buch kam ich damit nicht so gut zurecht. Hier nun aber passt der Stil sehr gut zum Thema und macht die Illusion des viktorianischen Londons und der Zauberei selbst lebendig. Mir ist bewusst, dass Marley aufgrund von Authentizität so schreibt, denn die Sprache des 19. Jahrhunderts ist eine andere, als unsere heutige. Dennoch stolpere ich ab und zu im Lesefluss. Sonderlich störend ist das aber nach ein paar Seiten nicht mehr und man kann sich voll und ganz auf die Zauberei einlassen.
Ich finde, dass dem Autor hier ein tolles Werk gelungen ist. Er selbst schreibt im Vorwort, dass er sich „kurz gefasst“ hat und das hat er tatsächlich. Es ist nicht so, als wenn das Buch super dünn wäre. Aber die Handlung wird stringent erzählt. Das finde ich sehr abwechslungsreich und daher klasse! Die Seiten verfliegen und vor allem das Ende ist spannend erzählt. Des Weiteren ist die Handlung nie ganz durchsichtig und am Ende wird man als Leser auf jeden Fall überrascht. Man spürt richtig, dass Marley sich mit der Zauberei in gewisser Weise identifiziert – und wenn nicht Marley, dann auf jeden Fall unser Protagonist Swanson. Er hat eine Schwäche für die Zauberei und ist daher ebenso fasziniert, wie ich auch (nur, dass er eindeutig mehr Fachwissen hat). Inspector Swanson ist im Allgemeinen ein sympathischer und bodenständiger Protagonist. Er ist relativ gelassen und zielstrebig und geht die Ermittlungen mit einem klaren Kopf an. Sein Gehilfe Phelps ist ein weiterer Sympathieträger, auch wenn die beiden kein so großartiges Gespann wie etwa Holmes und Watson sind. Meines Erachtens kommt man um einen solchen Vergleich kaum umhin, auch da Marley Arthur Conan Doyle manchmal auftreten lässt. Dennoch ist so ein Vergleich eher hart.
Aber hier spreche ich eine weitere Komponente des Romans an. Auch wenn Conan Doyle diesmal nicht persönlich auftaucht, so haben wir doch die Ehre mit Oscar Wilde. Dieser Charakter gefällt mir sehr gut und sorgt im Buch für ein wenig Humor. Die anderen Charaktere sind zum Teil unscheinbar, zum Teil vielschichtig. Vor allem im Zauberer-Zirkel fiel es mir manchmal schwer die Männer auseinander zu halten. Viele von ihnen sind aber mit Sicherheit interessant.
Es gibt kleine Punkte, an denen ich mir einfach mehr gewünscht hätte. So dachte ich zum Beispiel, dass die Bauchredner-Puppe noch eine wichtige Rolle spielen würde. Und ich fand eine Szene sehr verwirrend, die in einem dunklen Raum spielt, in der sich jemand fragt, warum er dort ist. Am Ende des Buches macht das natürlich Sinn, doch in dem Zusammenhang eher weniger. Mein letzter Kritikpunkt ist der Titel und ein kleiner Teil des Epilogs. Durch letzteren ist mir nämlich erst aufgefallen, dass „der Magische Zirkel“ gar nicht vorkommt. Erst im Epilog wird er einmal erwähnt, nämlich dass er gegründet wird. Deshalb empfinde ich den Titel im Nachhinein ein wenig komisch, obwohl er die zauberhafte Atmosphäre gut einfängt! Ansonsten gefiel mir die Erzählart des Epilogs nicht sonderlich, da hier aus einer neutralen Perspektive stark vorausgegriffen wird. Das ergab für mich einen Stilbruch.
Erwähnenswert ist aber noch die tolle Aufmachung des Buches. Die rot eingefärbten Seiten überraschten mich anfangs, ergänzen das Cover aber toll. Des Weiteren sind kleine Illustrationen im Buch, die sehr schön anzusehen sind.

Fazit



Mich konnte „Inspector Swanson und der Magische Zirkel“ sehr gut unterhalten und ich hatte viel Freude im Zauber-Universum. Der Fall ist spannend und undurchschaubar. Der Stil ist ein wenig kompliziert, aber passend. Robert C. Marley lässt seinen liebenswerten Inspector durch das alte London wandeln und bringt uns allen ein Stück Zauberei näher. Ich vergebe 4 von 5 magischen Spitzenschuhen.






Vielen Dank an den Dryas Verlag für das schöne Rezensionsexemplar!



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