26. Juni 2018

Rezension: "Elias und Laia - Eine Fackel im Dunkel der Nacht" von Sabaa Tahir



Titel: Elias und Laia - Eine Fackel im Dunkel der Nacht
Autor: Sabaa Tahir
Verlag: One
Preis: 17,00€
Seiten: 512

„Elias und Laia - Die Herrschaft der Masken“ war ein Buch, das von Anfang an zurecht gehypet wurde. Ein Setting wie aus tausend und einer Nacht, gepaart mit vielen brutalen Elementen und natürlich einer leicht erblühenden Liebesgeschichte: Das ist die Geschichte von der Maske Elias und dem Sklavenmädchen Laia. Band eins gefiel mir bis auf das Ende wirklich gut, Band zwei wurde angeschafft und erst einmal ins Regal gestellt. Und da blieb es. Bis die Geschichte wieder nach mir rief. Nach gut einem Jahr hatte ich viele Dinge vergessen, doch tatsächlich kommt man in „Eine Fackel im Dunkel der Nacht“ gut herein. Die Geschichte zieht den Leser sofort wieder in seinen Sog und auch wenn er nicht mehr ganz so stark ist, wie in Band eins, bleibt er konstant. Mich verfolgten Elias und Laia oft in Gedanken, denn die Story ließ mich nicht los. Die Geschichte verläuft nicht so, wie ich erwartet hatte. Die Wendungen sind aber interessant und spannend. Insgesamt ein toller, brutaler und vielseitiger zweiter Teil, der nach einem gigantischen dritten schreit.

Das Schicksal hat Elias und Laia zusammengeführt und sie im Widerstand gegen das Imperium vereint. Gemeinsam fliehen sie aus Schwarzkliff, um im Gefängnis von Kauf Laias inhaftierten Bruder aus seiner Zelle zu befreien. Mit seinem Wissen könnte er von großem Wert sein für die Rebellen. Doch werden Elias und Laia es schaffen, sich unbemerkt bis ans andere Ende des Landes durchzuschlagen? Immerhin ist ihnen Helena dicht auf den Fersen. Und als rechte Hand des Imperators hat sie einen klaren Auftrag: Die beiden Verräter zu finden - und zu töten.

„Eine Fackel im Dunkel der Nacht“ hat ein wahnsinnig großes Setting und insgesamt drei Protagonisten. Die Geschichte spielt in einem fiktiven Land, dessen Regeln tödlich sind. Es gibt zahlreiche Orte und Personen. Beide beherbergen Schrecken und Angst. Insgesamt leben Elias und Laia in einer Welt, die sich nur die wenigsten unter uns wünschen würden. Und gerade die Brutalität macht die Geschichte so authentisch. Sabaah Tahir nimmt wenig Rücksicht auf die Gefühle des Lesers, lässt wichtige Personen sterben und grausame Schicksale erleiden. Doch ihr Gesamtkonzept ist brillant und gerade weil die Autorin Verluste und auch unerwartete Wendungen in Kauf nimmt, ist das Buch ähnlich spannend, wie sein Vorgänger.
Waren im ersten Band nur Laia und Elias die Protagonisten, so gesellt sich nun Helena noch als tragende Kraft hinzu. Die junge Frau ist nun Blutgreif und muss damit genauso gefühlslos handeln, wie der Name vermuten lässt. Ihr Auftrag? Elias fangen und töten. Dieser ist mit Laia gemeinsam geflohen und auf dem Weg nach Kauf. Dort ist das Gefängnis, in dem Laias Bruder Darin sitzt. Seine Freiheit kann die Freiheit aller Kundingen bedeuten, doch genau auf diese wird nun von der Kommandantin, Elias Mutter, Jagd gemacht. Wer Band eins nicht kennt, wird handlungstechnisch nun vollkommen überfordert sein. Alle anderen lecken vielleicht gerade Blut. Die Geschichte ist toll aufgebaut und die Autorin versteht es sehr gut, jedes Kapitel relativ spannend enden zu lassen. So möchte man immer wissen, wie genau dieser Handlungsstrang weitergeht, doch dann wechselt der Protagonist. Helena hat die kleinsten Anteile an der Geschichte, doch ihre sind wahnsinnig bedeutend. Sie mausert sich in diesem Buch zur wahren Heldin der Geschichte und nicht umsonst wird sie auch als „Fackel im Dunkel der Nacht“ bezeichnet. Sie ist hin- und hergerissen und gerade ihr Gefühlschaos macht ihre Kapitel sehr lebendig. Ich habe mit dem brutalen Blutgreif mitgelitten – und wie! Doch ich habe auch mit Elias gelitten, der mein Liebling der Reihe ist. Er ist ein liebevoller Kerl, der das Herz am richtigen Fleck hat. Er weiß zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, wo dies nicht immer einfach ist. Seine Charakterzüge sind edel, er ist gerecht und kämpferisch. Sein Schicksal hat mich in diesem Buch am meisten überrascht und ich weiß nicht, ob ich damit so recht einverstanden bin. Trotzdem bleibt seine Rolle interessant, bleibt nur zu hoffen, dass er sich nicht allzu sehr für die Welt und das Gute aufopfert. Und wenn man von Elias spricht, muss man natürlich auch noch Laia betrachten. Im gleichen Atemzug könnte man an die zarte Liebesgeschichte denken, die in Band eins aufgenommen wurde. Doch wer diese erwartet, wird enttäuscht. Elias und Laia hegen Gefühle füreinander, doch gerade Laia ist in dieser Hinsicht unberechenbar. Denn da wäre ja auch noch Kinan, der Rotschopf, den ich noch nie leiden konnte. Ihr Herz entscheidet sich und auch das kommt unerwartet. Mir war deutlich zu wenig von der Liebesgeschichte vorhanden und mit der Entwicklung zwischen Laia und Kinan war ich auch nicht einverstanden.
Doch generell sind die Charaktere absolut gelungen. Sie sind sehr verschieden, aber sehr ehrenwert. Jeder steht für gewissen Charakterzüge, die sich aber voneinander unterscheiden. Auch Izzy, die Kommandantin, die Masken, Köchin oder die Auguren sind sehr interessant und tiefschichtig. Für jede Figur gibt es in diesem Buch seinen Platz und das macht die Geschichte besonders.
Insgesamt muss man aber sagen, dass der rote Faden durchaus ein paar Bögen einlegt. Die Geschichte ist die meiste Zeit spannend, hat aber auch ein paar Längen. Aber trotzdem griff ich immer gern zum Buch. Es war nicht so, dass ich es nicht weglegen konnte, aber die Geschichte ließ mich trotzdem nicht los. Die Mischung der vielen Figuren, Themen und auch Gefühlen macht dsie besonders.
Der Stil von Sabaah Tahir ist wirklich gelungen. Allerdings hat das Buch auch sehr brutale Seiten, die nicht jedes zarte Gemüt erträgt. Menschen sterben. Die Tode sind brutal. Mehr brauche ich dazu nicht zu sagen. Es gibt magische Anteile an der Handlung, die nicht immer ganz authentisch kommen, aber sich trotzdem sinnvoll in die Geschichte fügen. Der Stil ist fließend, bildreich und anschaulich. Ich habe das Buch wirklich gern gelesen.


Mich hat „Elias und Laia – Eine Fackel im Dunkel der Nacht“ sehr gut unterhalten. Es gab unerwartete Wendungen, mit denen ich nicht immer einverstanden war, die aber interessant und sinnvoll sind. Ich hatte meine Gedanken oft bei diesem Buch, da mich die Geschichte in diesem großartigen Setting kaum losließ. Drei tolle Protagonisten, viele spannende Elemente und lauter offener Fragen machen dieses Buch sehr lesenswert. Ich bin gespannt, wie das große Ganze weitergehen wird und vergebe 4,5 Spitzenschuhe für diesen zweiten Teil.



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