25. Januar 2018

Rezension: "Infernale - Rhapsodie in schwarz" von Sophie Jordan


Titel: Infernale - Rhapsodie in schwarz
Autor: Sophie Jordan
Verlag: Loewe
Preis: 18,95€
Seiten: 384

Es ist eine Weile her, dass ich Sophie Jordans Buch „Infernale“ las. Doch es ist mir in Hinsicht auf einen Fakt in Erinnerung geblieben: Die Vorstellung, dass eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe ausgeschlossen wird. Denn das ist gar nicht so unrealistisch. Die Diagnostizierung eines „Mördergens“ ist eine interessante Idee und deswegen gefiel mir „Infernale“ ausgesprochen gut.
Allerdings las ich das Buch vor zwei Jahren. Und mit so viel Abstand ist es schwer, eine Reihe zu beenden. Nach großen anfänglichen Problemen konnte „Infernale – Rhapsodie in schwarz“ mich allerdings überzeugen. Davy hat sich entwickelt und trägt einen großen Teil zum Gelingen des Buches bei. Aber da ist noch wer anders, der die Geschichte gut macht! Ein gelungener, aber zum Teil auch eigenständiger Finalband.


Seit Davy positiv auf das Mördergen (HTS) getestet wurde, hat sie alles verloren: ihre Familie, ihre Freunde, ihre Zukunft – und was am schlimmsten ist, sich selbst. Denn obwohl sie verzweifelt dagegen angekämpft hat, ist sie doch zu dem geworden, was sie nie sein wollte: eine Mörderin. 
Eine Widerstandsgruppe und ihr Anführer Caden geben ihr ein neues Ziel. Und Caden weckt Gefühle in ihr, zu denen sie glaubte, nie mehr fähig zu sein. Aber die Schuldgefühle lassen Davy einfach nicht los ...


Ich hatte große Probleme auf den ersten Seiten von „Rhapsody in schwarz“. Zum einen wusste ich kaum noch etwas von der Endsituation aus Band eins. Das hatte zur Folge, dass ich die Charaktere (, abgesehen von Davy und Sean) nicht mehr kannte und mir wichtiges Vorwissen fehlte. Zum anderen ist die Geschichte in Band zwei beinahe völlig losgelöst von Band eins. Das klingt etwas merkwürdig, meint aber eine simple Sache. In Band eins ist Davy im Ausbildungslager gefangen und mit ihren Freunden gelingt ihr die Flucht. Band zwei beginnt dementsprechend in einem Unterschlupf. Davy und ihre Freunde wollen in ein Flüchtlingslager nach Mexiko. Man kennt weder den Schauplatz, noch die Atmosphäre. Und wenn man dann auch noch, wie in meinem Fall, die Figuren nicht mehr kennt, ist das schlecht.
Ein weiteres ganz großes Problem von mir, wurde gleich zu Beginn auffällig und der Klappentext deutet es an. Ich mochte die Liebesgeschichte zwischen Sean und Davy. Beide waren verzweifelt, beide hielten zusammen, auch wenn sie grundverschieden waren. Aber es war sympathisch und ein kleines bisschen romantisch. Doch schon auf den ersten Seiten entfernt Davy sich von Sean. Nach anfänglichem Liebesglück kann sie nichts mehr empfinden, als Verzweiflung und Unsicherheit. Sie lässt Sean nicht mehr an sich heran und  es gibt keine romantische Zuwendung. Das tat mir so unglaublich weh! Wie konnte denn ein so schöner Nebenstrang aus Band eins einfach durchgeschnitten werden?! Damit hatte ich sehr zu kämpfen. Doch die Lage besserte sich.
Denn nachdem ich akzeptiert hatte, dass Davy nicht mit Sean zusammenbleiben wird, konnte ich mich für die Geschichte zwischen ihr und Caden öffnen. Caden ist ein vollkommen unbekannter Charakter und ein Führer des Widerstands. Ich mag es, wenn neue Figuren dazu kommen. Allerdings mag ich es nicht, wenn sie gleich mehr als tragenden Rollen spielen. Und Caden ist unglaublich wichtig – für die Geschichte, für Davy und für „Infernale“. Für mich kam nun alles irgendwie zusammen und das ist auch der Punkt, den ich an der Reihe kritisieren möchte: Band eins und zwei sind vollkommen anders und existieren beinahe eigenständig voneinander. Sicher, sie ergänzen sich toll und gehören zusammen, man kann sicher  nicht alle Zusammenhänge verstehen, wenn man Band eins nicht kennt, aber der Fokus wird vollkommen anders gesetzt! Und das gefiel mir in Hinblick auf die Reihe nicht.Das Buch selbst wiederum fand ich wirklich toll! Aber ich musste akzeptieren, dass vieles aus „Infernale“ eben nicht mehr existiert.
Genug der Kritik. Ich sage die ganze Zeit, dass mir das Buch gefallen hat, kommen wir also vielleicht mal zu den Gründen dafür. Davy ist ein guter Grund. Sie ist unnahbar und irgendwie auch unsympathisch. Aber sie ist stark und macht eine tolle Entwicklung durch. Manchmal fand ich sie etwas unauthentisch, aber trotzdem passt sie einfach großartig in die Geschichte! Viel besser gelungen ist aber noch ihr Gegenpol – Caden. Ich mochte in bereits seit seinem ersten Auftritt. Er ist interessant und tiefgründig und bringt Davy dazu, wieder an das Leben zu glauben. Das war sehr schön zu beobachten. Auch ist die Liebesgeschichte zwischen den beiden toll! Ich fand es allerdings ein klitzekleines bisschen doof, dass Caden vom ersten Moment an unsterblich in Davy verliebt ist…Ts…Dass die Traumtypen sich in Dystopien immer so schnell festlegen…
Aber das ändert nichts an der tollen Chemie, die zwischen beiden herrscht. Auch die neuen Nebenfiguren, die Davy beim Widerstand kennen lernt, sind sehr gut gelungen! Zum Beispiel Marcus, aber auch Junie oder Tabatha haben alle ihre interessanten Seiten – die meisten davon sind aber überaus gefährlich. Und Gefahr ist sowieso ein dominantes Thema im Buch, das sehr gut umgesetzt wurde. Ich fand die Story spannend! Sie hat ihre Höhen und Tiefen, dich sie bleibt immer solide. Kurz vor Ende ging es mir ein bisschen zu schnell, aber das war schon okay. Insgesamt ist das Ende etwas zeitraffend und hektisch, aber im Endeffekt auch schön.
Der Stil von Sophie Jordan gefiel mir gut! Sie hat ein Händchen für ihre Protagonistin und lässt sie interessant erzählen. Davy ist wie gesagt nicht immer sympathisch, aber ein ganz besonderer Charakter. Und das kommt auch durch die Erzählweise durch. Wie auch in Band eins sind immer kleine Akten- oder Gesprächsausschnitte zu HRS vor die Kapitel geschaltet. So bekommt man eine Art Gesamtüberblick und auch nochmal einen anderen Zugriff auf die Geschichte.



Alles in allem ist „Infernale – Rhapsodie in schwarz“ ein gelungenes und spannendes Buch! Es hat eine tolle Liebesgeschichte und viele vielschichtige Charaktere zu bieten. Dennoch unterscheidet es sich stark von seinem Vorgänger und ist deswegen auch nicht der klassische Reihenabschluss. Es geht brutal, aber eben irgendwie auch realistisch zu und deswegen bleibt „Infernale“ immerhin seinem Stil und seiner Idee treu. HRS an sich kommt aber nur in einem anderen Zusammenhang vor, als früher. Band eins gefiel mir ein bisschen besser, denn der Fokus wird nun so stark verlagert. Doch die Liebesgeschichte ist glänzend und deswegen vergebe ich auch hier vier von fünf Spitzenschuhen - passenderweise in schwarz.



Kommentare:

  1. Guten Abend,

    ich habe den ersten Band von "Infernale" als Hörbuch gehört. Leider wird der zweite Teil vorerst nicht produziert, weil sich der erste zu wenig verkauft hat, obwohl die Produktion sehr gut war.
    Allerdings endet das Hörbuch an der Stelle
    ACHTUNG SPOILER -

    als der Mord passiert.

    SPOILER ENDE.

    Von einer Flucht ist da noch nichts in Sicht. Ich finde die Geschichte des ersten Bandes wirklich toll, zumal sie in sich eigentlich geschlossen ist. Deswegen habe ich mich noch nicht an den zweiten Teil getraut.

    Es freut mich, dass dir das Buch an sich gut gefallen hat.

    viele Grüße

    Emma

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  2. Liebe Emma!
    Oh wow, das hätte ich gar nicht mehr im Kopf O.o Danke,für den Hinweis! Es tut mir leid,wenn ich in der Rezi gespoilert haben sollte..
    Aber ich wusste es auch nicht mehr so genau und wahrscheinlich fiel mir auch deswegen der Einstieg so schwer... :/
    Das zweite Buch beginnt und sie haben es schön mal zu einem Unterschlupf geschafft. Und dann wollen sie eben rüber nach Mexiko...
    Ich finde die Geschichte des ersten Bandes auch echt toll! Was du sagst,passt ja ganz gut zu meiner Ansicht, dass Teil zwei irgendwie abgesondert von Band eins ist..
    Echt schade, dass es derzeit kein Hörbuch dazu gibt :(
    Aber das Buch lohnt sich auf jeden Fall!
    Danke für den lieben Kommentar!
    Viele Grüße,
    Julia

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