8. Juni 2016

Rezension [Klassiker]: "Nora. Ein Puppenheim" von Henrik Ibsen


Titel: Nora. Ein Puppenheim
Autor: Henrik Ibsen
Verlag: u.a. Reclam
Preis: 0,00€ kindle Version
Seiten: ca. 100

Jedes Stück, das man sich auf der Bühne ansieht, ist eine Interpretation des Stoffes. Diese These ist schwer zu wiederlegen, denn jeder Regisseur interpretiert den Text schon allein durch Kostüme und Bühnenbild, genauso wie jeder Schauspieler allein durch Lautstärke und Artikulation seine Rolle interpretiert. Um ins Theater zu gehen, muss man das Stück nicht kennen. Es sei denn, die Inszenierung ist so abgedreht, dass man sie ohne das Original nicht kennt. 
Lange Vorrede: Im Rahmen eines Seminars wird mein Kurs sich das Stück „Nora. Ein Puppenheim“ von Henrik Ibsen ansehen. Und weil wir mit einer abgedrehten Inszenierung rechnen, mussten wir uns den Text zu Gemüte führen. „LANGWEILIG!“, habe ich gedacht. Aber okay, ein Drama kann man sich schnell durchlesen. Anfangs wurde meine Meinung mehr als bestätigt, aber was sich Herr Ibsen besonders zum Ende hin hat einfallen lassen, ließ mich tief beeindruckt zurück.

Inhalt



Nora ist lebensfroh und naiv. Die junge dreifache Mutter singt und tanzt den ganzen Tag und macht ihrem Ehemann, der in nächster Zeit Bankdirektor wird, eine große Freude damit. Um nichts als die schönen Dinge im Leben scheint sich das Frauenzimmer Sorgen zu machen und die ernsten Angelegenheiten überlässt sie der Männerwelt. Doch sie gerät in eine missliche Lage. Vor ein paar Jahren handelte sie nicht ganz rechtens, um ihren Mann zu retten. Sie lieh sich eine große Summe Geld und muss diese nun zurückzahlen. Doch das kann sie nicht und es kommt noch schlimmer. Vom gesellschaftlichen Ausschluss bedroht, verstrickt sie sich in die Machenschaften des gedemütigten Krogstadt und steht so vor einer schweren Entscheidung, die ihr Leben und das ihrer Familie für immer verändern wird.

Meinung


Bei „Nora. Ein Puppenheim“ handelt es sich um ein dreiaktiges Drama aus dem Jahr 1879. Henrik Ibsen war mir kein Unbekannter, da ich bereits im Abitur ein anderes Stück von ihm lesen musste. Schon damals wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass „Nora“ das weitaus berühmtere Stück ist. Dies konnte ich zu Anfang überhaupt nicht verstehen. Wir haben es hier mit ein relativ klassischen Drama zu tun. Es gibt eine Einheit von Ort, Handlung und Zeit, was deutlich macht, dass es für die Bühne konzipiert wurde. Es gibt eine überschaubare Menge an Charakteren. Im Mittelpunkt steht die naive Nora. Sie geht dem Leser mehr als nur auf die Nerven. Sie ist ein Nichtsnutz und von relativ simpler Natur. Man traut ihr nicht einen ernsten Gedanken zu. Sie ist vernarrt in ihre Kinder und spielt einfach sehr gern. Ihr Ehemann Torvald liebt sie sehr. Nora ist der Sonnenschein seines Lebens und er empfindet wahre Freude an ihr. Die Kinder der beiden spielen keine große Rolle, ebenso wenig wie die Haus- und Kindermädchen. Der Doktor Rank hat eine Nebenrolle und Herr Krogstadt und Frau Linde sind noch von Bedeutung. Nora steht in Krogstadts Schuld, weshalb genau, ist hier nicht von Bedeutung. Er scheint ein fieser und verbitterter Charakter zu sein. Frau Linde ist Noras Freundin aus alten Tagen. Sie scheint charakterstark und tüchtig. Somit entwickelt sich ein relativ gegensätzliches Bild an Figuren. Zur genauen Konstellation muss nicht viel gesagt werden, da es ansonsten die Handlung stark verrät.
Der erste und zweite Akt bauen die Katastrophe auf und sind somit relativ langatmig. Ich hatte ein völlig anderes Ende erwartet, wie ich gestehen muss. Während ich die ersten zwei Drittel des Buches nur wiederwillig las, konnte mich der dritte Akt regelrecht packen. Nora „entpuppt“ sich als etwas völlig anderes, als jeder erwartet hat. Der Untertitel „Ein Puppenheim“ wird endlich deutlich und Ibsen gibt dem Leser mit dem dritten Akt mehr als nur eine Interpretationshilfe des Vorangegangenen. Ich war wirklich einfach nur beeindruckt. Ich persönlich rechnete mit dem Selbstmord von Nora, was einfach zu vorhersehbar gewesen wäre. Was diese Frau aber tut, ist für die damalige Zeit einfach undenkbar und ein wahrer Akt der Emanzipation. Das ganze Stück über habe ich Nora verabscheut und verurteilt und erst in den letzten Szenen hat sie sich meinen Respekt mehr als verdient. Ich kam aus dem Markieren von Zitaten gar nicht mehr heraus. Doch diese müsste man im Zusammenhang lesen, um genauso beeindruckt zu sein, wie ich. Ich werde mich noch ein bisschen damit beschäftigen müssen, wie Ibsen zu solch einer Idee im ausgehenden 19. Jahrhundert kam und auch wie das Publikum reagierte. Ich empfinde es als sehr mutig, wenn auch grausam auf einer anderen Ebene. Sprachlich ist das Stück übrigens okay. Es lässt sich fließend lesen, ist aber nun einmal ein Drama. Das heißt man muss mit Nebenbtext und einem anderen Stil rechnen. Vor allem am Ende haut Ibsen aber ein Glanzzitat nach dem nächsten raus.

Fazit




Alles in allem hat mich „Nora. Ein Puppenheim“ mehr als überrascht. Ibsen hat hier seine ganze Kunstfertigkeit unter Beweis gestellt, indem er das Stück so enden lässt. Der Titel gefällt mir für dieses Drama wahnsinnig gut und ich muss sagen, dass es wirklich lesenswert ist. Es ist ein früher Akt der Emanzipation, der auch sprachlich glänzen kann. Ich hätte selbst nicht damit gerechnet, doch ich vergebe gerne 4 Spitzenschuhe. 




4. Juni 2016

Mein Monatsrückblick: Mai (Trauer, Liebe, Leselust: Auf was ich mich freue)

Hallo ihr Lieben!


Ich Mai war es sehr ruhig um mich und das spiegelte sich auch hier auf meinem Blog wieder. Das tut mir natürlich leid, aber es gab durchaus Gründe. Deshalb: Bevor ich zu meinem buchigen Monatsrückblick komme, muss ich ein paar Worte zu meinem privaten Monat loswerden...

"Alles neue bringt der Mai" - heißt es so schön. Auch für mich brachte der Mai so einiges Neues, aber das Wenigste davon war gut. Naja, ich will mal nicht so pessimistisch sein, der Mai ist normalerweise mein Lieblingsmonat. Doch in diesem Jahr wird es keinen düsteren Monat geben, als eben diesen. Das liegt für mich daran, dass ich am 06. Mai meinen geliebten Hund im Alter von 13,5 Jahren beerdigen musste. Auch jetzt, vier Wochen später, schleichen sich immer noch manchmal Tränen in meine Augen. Ich vermisse ihn einfach so sehr und nichts und niemand kann ihn ersetzen. Aber ich möchte diesen Ort nicht weiter zum Trauern benutzen, denn das Leben geht bekanntlich weiter. Und jeder von uns erlebt seine eigenen Schicksalsschläge. Dennoch ist das "Neue" was sein Tod mit sich brachte eine sehr harte Erfahrung...

Mein Bruder hat diesen Zustand nicht allzu lange ausgehalten. Man kann es sich schwer vorstellen, aber Caesar hatte für unsere Familie einen ganz besonderen Wert und er hielt sie irgendwie zusammen. Als er plötzlich nicht mehr da war, gab es für uns alle eine unglaubliche Leere. Mein Bruder ergriff die Initiative und schaffte uns spontan einen Hamster an. Ja, richtig gelesen. Natürlich kein Vergleich zu einem Hund, aber dennoch ein Lebewesen, auf das man sich konzentrieren kann. "Junior" ist ziemlich fidel und neugierig. Ich bin gespannt, wie er uns auf Trab halten wird.

Der Mai brachte auch den 6. Jahrestag mit meinem Freund. Seit wir 17 sind, sind wir ein Paar und tja...wenn man so früh anfängt, hat man mit 23 eben auch schon 6 Jahre voll. Für uns beginnt also nun das verflixte siebte Jahr, man darf gespannt sein. Der Tag, den wir verbrachten, war mehr als großartig und endete damit, dass sein Fahrrad gestohlen wurde. Wer weiß...vielleicht war das der Auftakt zum siebten Jahr. Solange es nur ein gestohlenes Fahrrad ist ;)

Tja, und ansonsten: Ich stecke wieder absolut im Stress, was das Tanzen betrifft. Eine große Meisterschaft steht bevor, an der nicht nur meine Formation, sondern auch ich selbst teilnehme. Ich tanze dieses Jahr eine Kategorie mehr als sonst. Und so gesellt sich zum Solo und Duo auch noch die Smallgroup. Aber dazu dann Mitte Juni mehr, wenn die Meisterschaft überstanden ist ;)


♥ 

17. 09.2002 - 06.05.216




Und jetzt geht es zu den Büchern. Ich konnte vor allem zu Beginn des Monats wenig lesen, da meine Konzentration einfach nicht vorhanden war. Ich musste erst einmal damit zurecht kommen, dass Caesar nicht mehr da ist. Und da helfen einem tolle Bücher auch nicht wirklich. Dennoch bin ich auf eine gute Zahl gekommen!


Insgesamt habe ich 7 Bücher und ein Hörbuch geschafft:


Mord im Pfarrhaus - Agatha Christie (272 Seiten)

Die 5. Welle - Rick Yancey (496 Seiten) [Rezension]

Rendezvous in Paris - Stephanie Perkins (448 Seiten) [Rezension]

Percy Jackson: Diebe im Olymp - Rick Riordan (456 Seiten) [Rezension]

Ein Sommer ohne uns - Sabine Both (245 Seiten) [Rezension]

Diabolus (Hörbuch) - Dan Brown 

Das Phyralit - Sabine Schulter (658 Seiten) [Rezension]

Dear Sister 1: Schattenerwachen - Maya Shephard (393 Seiten) [Rezension]


Seiten gesamt: 2968


Yeah. Sieben scheint so meine Durchschnittszahl zu sein. Schon wieder diese verflixte Sieben :D 
In diesem Monat habe ich damit begonnen meinen SuB mit ein bisschen Übersicht abzubauen. Abgesehen von "Das Phyralit", welches ich erst diesen Monat bekam, stammen alle Bücher von meinem SuB und zum Teil liegen sie dort auch schon ein bisschen länger. Ich finde eigentlich, dass ich auf eine recht breite Mischung blicken kann. Fantasy, Liebesdrama, Krimi und Jugendabenteuer: Ich bin zufrieden!
Mein Highlight ist wieder nicht ganz leicht zu bestimmen. Mein Flop hingegen schon, weshalb ich mal damit beginne. "Ein Sommer ohne uns" war mein Frühlingsflirt. Ich wollte dieses Buch unbedingt haben und war sehr, sehr glücklich, als ich es bei einem Gewinnspiel gewonnen habe. Da es auch nicht allzu viele Seiten hat, habe ich es sehr schnell lesen können. Und es war die reinste Katastrophe! Die Geschichte ist sinnlos und verworren, kindisch und viel zu sexbezogen. Mich konnte das Wenigste an diesem Buch ansprechen, weshalb ich es mit zwei Sternen bewertet habe. In meiner Rezension könnt ihr meine gesamte Aggressionsbewältigung nachlesen ;) Viel Spaß dabei!

Nicht wirklich gefloppt, aber doch ein bisschen enttäuschend war noch "Mord im Pfarrhaus" von Agatha Christie. Ich werde Miss Marple aber noch eine weitere Chance geben, da sie hier ja kaum zum Tragen kam. Aber die Bücher sehen einfach zu toll aus, als dass man schon aufgeben könnte. Außerdem habe ich Vertrauen in Frau Christie.
Der Rest der Bücher war wirklich gut! Positiv überrascht haben mich die Selfpublish-Autorinnen Sabine Schulter und Maya Shepherd. "Das Phyralit" ist der zweite Teil der Sin und Miriam-Reihe und ich fand ihn sehr viel besser als Teil eins. Er ist besser geschrieben, verlagert seine Handlung und legt mehr Wert auf die Geschichte. "Dear Sister - Schattenerwachen" war eine kleine Überraschung, die mir die letzten Maitage versüßte. Eine Mischung aus Fantasy und Thriller, eingebettet in ein Jugendbuch. Mir gefiel dir Mischung sehr gut und ich bin darauf gespannt, wie das ambivalente Verhältnis der Schwestern Winter und Eliza sich weiter entwickelt.
Etwas fürs Herz gab es in diesem Monat auch. Bisher liebte ich die Bücher von Stephanie Perkins und auch "Rendezvous in Paris" gefiel mir gut. Allerdings ist es das bis jetzt schwächste Buch der Autorin. Wer sich allerdings romantisch nach Frankreich träumen möchte, sollte zu dieser Lektüre greifen.  Bleiben noch "Percy Jackson: Diebe im Olymp" und "Die 5. Welle". Hätte ich das Buch von Rick Yancey zu einem anderen Zeitpunkt gelesen, wäre ich ihm sicher verfallen. So aber brauchte ich ein Weilchen. Es hat mich allerdings sehr beeindruckt und ich bin wirklich beruhigt, dass nicht nur der Film, sondern auch seine Buchvorlage es in sich hat. Meine Filmreview könnt ihr übrigens hier noch einmal sehen. Der ersten Teil der Percy Jackson-Saga war mein Highlight. Warum genau, fällt mir sehr schwer zu sagen. Aber Rick Riordan hat es einfach drauf. Diese Reihe werde ich auf jeden Fall zu Ende lesen.
Zu guter letzte noch mein erstes Hörbuch in diesem Jahr: Diabolus von Dan Brown. Mein Freund hatte das Buch bereits gelesen und mir gefiel es auch sehr gut. Die Geschichte war spannend, allerdings ein bisschen abgedreht. Ich bin ja nicht so technikaffin, daher habe ich nicht alles verstanden. Am Ende fand ich es auch ein bisschen zu patriotisch, pathetisch und die Handlungen des ein oder anderen Charakters einfach nur kitschig, aber okay....war nett zu hören :)


So sah der Mai bei mir aus. Was habt ihr so gelesen? Habt ihr irgendwelche schönen Tipps für mich? 



Ich habe im kommenden Monat noch zwei Dinge, auf die ich mich freue (haha, "kommender Monat" ist die völlig falsche Bezeichnung, wenn wir doch bereits Juni haben). Zum einen ist heute das neue Buch von Sabine Schulter erschienen. Es ist der erste Einzelband von ihr und auch das erste Buch, das etwas mehr in den Fantasy-Bereich wandert. Ich werde "Die Hüterin der Weltern" auf jeden Fall bald lesen. Im Moment ist es übrigens für nur 99 Cent bei amazon zu haben. Falls ihr Interesse habt...ich schlage mal ein bisschen die Werbetrommel ;) 




Und dann hat da noch der Lovelybooks-Lesesommer begonnen. Ich war bereits im letzten Jahr dabei und fand es einfach nur toll. Klar, es setzt einen auch immer ein bisschen unter Druck, aber ich werde mir das Ereignis auf keinen Fall entgehen lassen. Bin schon sehr gespannt, ob ich mein letztes Jahr toppen kann. Inzwischen kenne ich mich mit den Regeln besser aus, weshalb ich hoffe, dass meine Punkte zuverlässig zu mir kommen werden ;)



Was ist mit euch? Seid ihr auch beim Lesesommer mit dabei? Werdet ihr auch um jeden Punkt kämpfen? Oder was sind eure Projekte im Juni so?

Eure Julia





3. Juni 2016

Rezension: "Dear Sister I - Schattenerwachen" von Maya Shepherd


Titel: Dear Sister - Schattenerwachen
Autor: Maya Shepherd
Verlag: Selfpublish
Preis: 3,99€ (kindle Edition)
Seiten: 393

Manchmal fängt man ein Buch an, ohne so genau zu wissen, worum es eigentlich geht. Oft liegt das am nichtssagenden Klappentext, ab und zu aber auch daran, dass man den Klappentext schon länger nicht mehr gelesen hat. Und wenn alles gut läuft, offenbart sich die Nichtkenntnis des Inhalts als Glücksgriff. 
Und genauso ging es mir mit dem ersten Teil der "Dear Sister"-Reihe. Ich hatte das Buch schon ein Weilchen auf dem Kindle und finde das Cover wunderschön. Ohne große Erwartungen ging ich an die Geschichte und bin vielleicht auch deshalb mehr als positiv überrascht! Eine Geschichte über zwei völlig verschiedene Schwestern, die alles andere als zusammen halten. Dieses Szenario, gemischt mit etwas Mystischem und Fantasie, mit gruseligen Ritualmorden gewürzt und fertig ist die spannende Mischung aus der Feder von Maya Sheperd. Sehr gelungen!


Inhalt


Als vor einem halben Jahr Winters berüchtigte Schwester Eliza verschwand, konnte diese endlich aufatmen. Was eigentlich so grausam sein sollte, war für Winter eine Befreiung. Immer ging alles nur um Eliza und egal was Winter tat, sie konnte den Schatten ihrer Schwester, die mehr als eine Verfehlung hatte, nie verlassen. Doch plötzlich scheint Eliza zurück zu sein. Genau zu der Zeit, als sich in der Gegend fürchterliche Ritualmorde ereignen. Aber nicht nur Eliza scheint wieder da zu sein, zeitgleich taucht auch der neue Musiklehrer Liam Dearing auf. Und obwohl Winter mit ihrer großen Liebe Lucas zusammen ist, fühlt sie sich doch zu Liam hingezogen. Außerdem benimmt Lucas sich seit Kurzem komisch. Empfindet dieser etwa immer noch etwas für Winters Schwester Eliza? Und hat diese etwas mit den Morden zu tun? Weshalb ist sie damals verschwunden? Bald schon gerät Winter zwischen die Fronten einer weit größeren Sache, als sie ahnt...



Meinung


Ich finde, dass der Autorin mit diesem Reihenauftakt ein wirklich gutes Buch gelungen ist. Das hat verschiedene Gründe. Obwohl "Schattenerwachen" vor allem im Fantasybereich anzusiedeln ist, ist es doch auch ein Jugendbuch. Es hat die typische Liebesbeziehung, aber diese steht nicht im Vordergrund. Genauso wenig wie eben das Fantasy-Ding an sich. Für mich war die besondere Beziehung der Schwestern Winter und Eliza das Spezielle. Des Weiteren gefiel es mir, dass das Buch wie ein Art Thriller beginnt. Die Kapitel haben keine Namen, sondern sind mit der Person überschrieben, aus dessen Sicht der Leser es verfolgt. Zumeist ist das Winter. Aber gerade zu Beginn gibt es auch kurze Abschnitte eines "anonymen Anrufers", der den Notruf über stattgefundene Morde informiert. Der Perspektivwechsel sorgt für Spannung, vor allem da man relativ lange nicht durch die Sache mit den Morden durchsteigt. Mit der Zeit lichtet sich das Geschehen aber und man kann erste Vermutungen äußern. Die Handlung ist komplexer, als man anfangs erwartet. Natürlich gibt es nur einen gewissen Kreis von Personen, die wichtig sind und dennoch bleiben die Geheimnisse der Geschichte lange bestehen.


Es gab einige Überraschungen. Besonders interessant fand ich es, dass meine Sympathien zu den Charakteren andauernd wechselten. Winter ist eine bodenständige Protagonistin. Sie ist lieb und lässt sich zu leicht ausnutzen. Dennoch ist sie sehr intelligent und lernt langsam sich zu behaupten. Seit Jahren ist sie in ihren Nachbarn Lucas verliebt, doch der hatte immer nur Augen für Eliza. Erst seit sie weg ist, hatte Winter eine Chance. Doch so richtig scheint es nicht zu laufen. Lucas ist es auch, bei dem meine Sympathien immer weiter den Bach runtergingen. Am Ende habe ich ihn richtig gehasst. Dabei ist gerade er eigentlich der "netteste" Charakter. Aber sein Wandel ist einfach so mies, dass es nicht anders ging. Auch Eliza ist ein schwerer Charakter. Ich kann verstehen, dass Winter sie nicht leiden kann. Aber seine Schwestern liebt man eben doch auf eine ganz andere Art und Weise - ob man will oder nicht. Eliza hatte viele Dinge im Leben getan, auf die man eigentlich nicht stolz sein kann. Aber sie ist so ein einnehmender Typ, dass jeder ihr zu Füßen liegt. Sie ist es natürlich, die das große Geheimnis des Buches trägt, aber ich möchte nicht spoilern. Zuletzt ist noch der zwielichtige Liam von Bedeutung. Er ist sehr schwer zu durchschauen, doch eines lernt man in dem Buch sehr schnell: traue niemandem. Und erst Recht nicht einem jungen und gutaussehenden Musiklehrer, der erst Interesse an dir zeigt, als er erfährt, wer deine Schwester ist. 


Der Stil von Maya Shepherd ist leicht, locker und fließend. Anfangs ist er auch noch sehr humorvoll. Ein Beispiel, kurz vor dem Ausflug von Winters Klasse:


"Es herrschte die typische Klassenfahrtsstimmung: eine Mischung aus Aufregung, pubertärer Hormonen und zu geringem Selbstwertgefühl." (11%)


Ach, wie wahr. Ein ganz spezieller und unauffälliger Humor, wenn man mich fragt. Man kann das Buch durch den Stil sehr schnell lesen und verfolgt gern die spannende Geschichte. Ab und zu schmunzelt man, manchmal leidet man aber auch richtig mit!



Fazit


Für mich ist "Dear Sister: Schattenerwachen" ein tolles Buch. Ich finde den ambivalenten Titel ("Geliebte Schwester" für zwei sich nicht so liebende Schwestern) super gewählt. Die Charaktere sind ungewöhnlich, aber stark. Die Fantasygeschichte ist nicht allzu ausgeschöpft, aber wir haben es hier ja auch mit einem ersten Teil zu tun, sodass die Geschichte zwischen Eliza und Winter noch viel Potenzial hat. Ich vergeb vier Spitzenschuhe.



2. Juni 2016

Meine Neuzugänge: Mai

Hallihallo, ihr Lieben!


Überall sind sie schon wieder zu sehen: Die Monatsrückblicke und Neuzugänge-Posts. Da auch ich auf diese Welle aufspringen möchte, kommt heute der erste Teil meiner Beiträge. Ich möchte euch gern meine Neuzugänge präsentieren, aber Achtung! Mein Monat war etwas merkwürdig.


Tadaaaaaa! Ich präsentiere die drei (!) Neuerrungenschafen:

  

Wahnsinn, oder?! Ich erwarte mir von euch durchaus jetzt ein paar mitleidige Blicke und Töne. Denn das, was ich hier als Neuzugäge präsentiere, hat den Namen ja eigentlich kaum verdient. Ich habe mir tatsächlich vorgenommen bis zu meiner letzten mündlichen Uniprüfung Ende Juni kein Buch mehr zu kaufen, was meine geringe Ausbeute erklärt. Das fällt mir ziemlich schwer, da ich zwei Gutscheine zu Hause habe, die nur darauf warten eingelöst zu werden, aber bevor ich diese Prüfung nicht bestanden habe, habe ich es irgendwie auch nicht verdient. Vielleicht kennt ihr das Konzept von Belohnung/Bestrafung von euch selbst ja auch ;)
Kurze Zeit hatte ich überlegt den Neuzugänge-Post einfach wieder auszulassen, aber das wäre ja auch geschummelt, schließlich habe ich durchaus drei Bücher einziehen lassen. Auch wenn ich nur eines davon haben wollte :D 
Wie ihr wahrscheinlich schon herausgefunden habt, habe ich lediglich "Das Phyralit" von Sabine Schulter wirklich haben wollen und auch bereits gelesen. Ich bekam es im Rahmen einer Leserunde, weshalb ich immerhin nicht gegen meine Belohnungsstrategie verstoßen habe. Man kann sich eben auch selbst recht schlau betrügen ;)
Die anderen beiden Bücher erinnern mit Recht an Schullektüre. Ibsens Drama "Nora (Ein Puppenheim)" muss ich im Zuge meines Seminars "Literarische Texte interpretieren und bewerten" lesen, da wir uns dieses Stück in ein paar Wochen im Theater ansehen werden. Wie das so ist, ist bei einem Klassiker Textkenntnis gefordert. Ich war eigentlich nur ziemlich froh, dass es das Buch als kostenlosen Download für den kindle gab und ich somit sehr glimpflich davon gekommen bin.
Ebenfalls kostenlos kann man sich die Lektüre von Martin Luther herunterladen. Kaum zu glauben, bei so einem Weltbestseller... (NOT). "Von der Freiheit eines Christenmenschen"....jaja...ihr werdet euch sicher fragen, was ich mit diesem Buch will. Und ich frage es mich eigentlich auch selbst ein bisschen. Ich habe mir dieses Werk eigentlich nur heruntergeladen, weil mein Ego es einfach nicht mehr ertragen hat. Dazu gibt es eine kleine Geschichte:
Der Vater meines Freundes ist Pastor und sein Onkel Geschichtsprofessor ist. Beide sind sehr intelligent und belesen - und besserwisserisch. Vor Jahren, als der Onkel mal zu Besuch war, haben die beiden eine Liste für mich zusammengestellt mit Büchern, die man im Leben gelesen haben sollte. Bei einem Gläschen Rotwein war das sicherlich eine ganz nette Zeitvertreibung am Abend. Tatsächlich weiß ich nicht mehr, wo diese Liste abgeblieben ist (, vielleicht habe ich sie auch willentlich vernichtet....wer weiß). Allerdings waren es ungefähr 150 Bücher, von denen ich nicht einmal 10 bis dahin gelesen hatte. Das allererste auf dieser Liste war das besagte Werk von Martin Luther. Mein Schwiegervater in Spe nimmt mich ganz gern mal auf den Arm (stellt ihn euch bloß nicht wie den klassischen Kirchenmann vor - oh nein!) und so darf ich mir seit Jahren anhören, dass - solange ich nicht "Von der Freiheit eines Christenmenschen" gelesen habe - ich ja keine Ahnung von Weltliteratur hätte, da dies ja der Ursprung der deutschen Literatur und Schriftlichkeit wäre. Schon klar, dass das nicht stimmt (oder zumindest diskussionswürdig ist) und dessen ist sich mein Schwiegervater auch sehr bewusst. Aber da ich immer leicht angefasst reagiere, wenn es um dieses Thema geht, macht es ihm einfach noch mehr Spaß mich damit aufzuziehen. Aber damit ist jetzt Schluss! Ich habe mir fest vorgenommen diese Diskussion nicht noch einmal aufkommen zu lassen, also werde ich jetzt dieses verdammte Buch lesen und dem Ganzen so ein für alle Mal ein Ende bereiten. (Okay, das war jetzt ein kleiner Ausraster, Richtung "ich will die Welt beherrschen"...sorry!) Daher musste das Buch nun einmal angeschafft werden. Ich bin sehr gespannt, wann ich es lese und was ich dann davon so berichten kann ;)


Mein Post hält sich heute ein wenig in Grenzen - schließlich gibt es auch kaum etwas zu zeigen. 
Was ist mit euch? Kennt ihr das auch, dass ihr erst ab einem bestimmten Punkt wieder Bücher kaufen wollt? Oder habt ihr auch so fiese Menschen in eurer Verwandtschaft, die euch mit gewissen Dingen aufziehen? 

Was haltet ihr überhaupt vom Thema "Bücher, die man im Leben gelesen haben muss? Das würde mich wirklich wahnsinnig interessieren! :)

Eure Julia

1. Juni 2016

Rezension: "Percy Jackson - Diebe im Olymp" von Rick Riordan


Titel: Percy Jackson - Diebe im Olymp
Autor: Rick Riordan
Verlag: Carlsen
Preis: 8,99€
Seiten: 456

Vor Jahren habe ich mir mal den Film „Percy Jackson - Diebe im Olymp“ angesehen und wusste tief im Hinterkopf, dass es eine Buchvorlage gibt. Allerdings gehörte das Buch immer zu den „will-ich-eines-Tages-auch-mal-lesen-Büchern“. Als ich es durch Zufall dann erstand, tauchte ich in eine völlig neue Welt ab. Der Roman von Rick Riordan erzählt eine tolle und mystische Geschichte, in einem sehr jungen Stil. Eine weitere, aber sehr coole, Adaption der griechischen Götter, die ich wirklich gern gelesen habe!


Klappentext


Percy versteht die Welt nicht mehr. Jedes Jahr fliegt er von einer anderen Schule. Ständig passieren ihm seltsame Unfälle. Und jetzt soll er auch noch an dem Tornado schuld sein! Langsam wird ihm klar: Irgendjemand hat es auf ihn abgesehen. Als Percy sich mit Hilfe seines Freundes Grover vor einem Minotaurus ins Camp Half-Blood rettet, erfährt er die Wahrheit: Sein Vater ist der Meeresgott Poseidon, Percy also ein Halbgott. Und er hat einen mächtigen Feind: Kronos, den Titanen. Die Götter stehen Kopf - und Percy und seine Freunde vor einem unglaublichen Abenteuer ...

Meinung


Natürlich kommt man nicht umhin den Film mit dem Buch zu vergleichen, wenn man ersteren zuerst kannte. So habe ich es auch hier getan. Ich verstand damals nicht, dass viele die Verfilmung ganz grauenhaft fanden, kann es aber verstehen, dass man so denkt, wenn man vorher schon Fan der Buchreihe war. Ich mag den Film dennoch und es lassen sich auch einige Parallelen finden, allerdings nicht alle. Zum Buch:
Percy, der Träger der gesamten Handlung, ist ein toller Charakter. Das Einzige, was ich an ihm irgendwie unpassend fand, war sein Alter. Denn der gerade einmal 12-jährige ist alles andere als ein Kind. Ich liebe Percys Humor. Allerdings ist auch gerade das der Grund, weshalb ich ihn einfach nicht seinem Alter entsprechend empfand. Oftmals urteilt er bereits so abgeklärt und erwachsen über Situationen, dass man das Kindliche vermisst. Andererseits kommen dadurch auch Passagen zu Stande, die mich als Leser vor Lachen fast umkippen ließen. Ich hatte eine Menge Spaß mit Percy und seinen Freunden, denn Rick Riordan hat einen sehr humorvollen Erzählstil. Obwohl die Kapitel immer sehr kindliche Überschriften haben, triefen sie geradezu vor Ironie und ließen mich oft Schmunzeln. Der Autor erzählt die Geschichte sehr fließend und bildreich. Riordan hat eine tolle Welt erschaffen, in der sich die griechischen Götter wunderbar wiederfinden könnten. Mir gefielen die Handlungsorte und auch der Aufbau der Geschichte. Ich hatte ein wenig das Gefühl, als wenn Percy, der gemeinsam mit seinen Freunden Grover und Annabeth auf Mission gehen muss, viele kleine Geschichten erlebt. Natürlich hat das Ganze ein Ziel, aber ich finde, dass es sich um viele, kleine, aneinandergereihte Abenteuer handelt. Somit erleben die drei Freunde sehr viel. Die Bindung zwischen den dreien fand ich toll. Richtige Freunde haben sich eben nicht immer lieb und deswegen gefielen mir die Kabbeleien zwischen Annabeth und Percy. Und Grover, der Satyr, ist eine so liebenswerte Figur! Annabeth, die weise Kämpferin, ist da von ganz anderem Kaliber. Aber an Grover kommt einfach nichts heran! Er ist so wunderbar tollpatschig und hält die Geschichte so immer auf Trab. 
Auch gefiel mir, wie die Götter aufgetreten sind. In der Welt von Rick Riordan ist einfach alles stimmig und in dieser müssen viele Abenteuer erlebt werden. Die Geschichte ist spannend und hat eine sehr späte Wendung. Ich musste mich allerdings fragen, warum die griechischen Götter sich in Amerika angesiedelt haben. Haben sie denn kein Heimweh nach Griechenland? Das ist das Einzige, was ich als wenig sinnvoll erachtet habe. Aber ist solch eine Frage wirklich angebracht, wenn ein Teil der Handlung in der Unterwelt spielt?!


Fazit 



„Percy Jackson - Diebe im Olymp“ ist ein Buch, das richtig gute Unterhaltung zu bieten hat. Eine Geschichte über eine Mission und drei junge Menschen, die dabei zu Freunden werden. Sie erleben spannende Abenteuer und finden so auch viel über sich selbst heraus. Der Stil des Autors ist für mich die Kirsche auf der Spitze, da er vor allem mit sehr viel Humor glänzt. Nur wegen der etwas unstringenten Handlung, ziehe ich einen halben Spitzenschuh ab und lande somit bei 4,5 Spitzenschuhen. Ich freue mich sehr, diese Reihe weiterzulesen.




30. Mai 2016

Rezension: "Das Phyralit" von Sabine Schulter

 

Titel: Das Phyralit - Die Geschichte von Sin und Miriam 2
Autor: Sabine Schulter
Verlag: Selfpublish
Preis: 3,99€ (kindle-Version)
Seiten: 658


Sie sind selten geworden, doch es gibt sie noch: Reihen ohne Cliffhänger! Kein dramatisches Ende, bei dem nicht klar ist, ob der Lieblingsprotagonist sterben, oder ob er noch einmal aus der Asche auferstehen wird. Es gibt auch Reihenauftakte, die abgeschlossen sind und die man trotzdem gern weiterverfolgen möchte. So ist es auch bei der Reihe um „Miriam und Sin“ von Sabine Schulter. Nachdem ich „Die Erwachte“ (die Rezension findet ihr hier) als einen gelungenen Reihenauftakt empfunden habe, griff ich nun zu „Das Phyralit“. Der zweite Teil ist eine deutliche Steigerung zu seinem Vorgänger, der seinen Handlungsort und seinen Schwerpunkt verlagert. Man gerät tiefer in die magische Welt um die Wächter und lernt neue Seiten kennen. Trotz Abgeschlossenheit: lesenswert!

Klappentext


Selbst zwei Jahre, nachdem Miriam und ihre Wächter gegen die Suchenden-Königin in München gewonnen haben, ist noch immer unklar, woher der Kristall stammt, den die Suchenden benutzten, um den magischen Bäumen ihre Energie zu rauben. Jedoch bleibt der Fall in München nicht der einzige. Immer häufiger tauchen die Kristalle in den Händen der Suchenden auf, die diese Macht unkontrolliert einsetzen und vereinzelt sogar Bäumen den Tod bringen. Um diesen Missbrauch zu beenden, reisen Miriam, Sin und ihre Wächter nach Ägypten, denn sie sind die einzigen, die nicht nur die Fähigkeit besitzen, mit den dortigen Bäumen zu reden, sondern sie auch zur Verfügung stellen wollen. Tatsächlich scheinen dort alle Fäden zusammenzuführen und Miriam lernt nicht nur Unglaubliches über ihr verändertes Blut, sondern auch viel über die Geschichte der magischen Bäume.

Meinung


Der Klappentext spiegelt die Geschichte von „Das Phyralit“ ziemlich gut wieder, weshalb ich ihn hier eingefügt habe. Oftmals finde ich die Inhaltsangaben nicht so gelungen, aber hier hätte ich es nicht besser formulieren können. Wichtig sind für mich zu Beginn zwei Punkte. Erstens: Die Handlung spielt zwei Jahre nach dem ersten Teil. Das erscheint mir unglaublich sympathisch. Bei vielen Reihen hat man das Gefühl, als wenn jedes Jahr gezwungenermaßen etwas unglaublich Wichtiges und Unumstößliches passieren müsste. Ich finde diese Ruhe, die die Autorin so erst einmal erschaffen hat, sehr erfrischend. Die Protagonisten, die wir schon aus Band eins so gut kennen, leben eben auch ihr ganz normales Leben. Etwas schade fand ich nur, dass sich eben diese in einer doch relativ langen Zeit kaum verändert haben. Alle Figuren handeln noch genauso, wie sie es auch in Teil eins tun würden, vielleicht mit Ausnahme der blonden Wächterin Thunder. Sie hat sich wirklich toll entwickelt und ist dem Leser ans Herz gewachsen. Bei den anderen Figuren habe ich eine gewisse Entwicklung vermisst.
Punkt zwei: Die Handlung wird nach Ägypten verlegt. Ich fand den Ortswechsel richtig gut. Bereits in „Die Erwachte“ wird das Land des Öfteren erwähnt, da es für das Volk der Limare eine besondere Bedeutung hat. Es gefiel mir gut, dass der Ursprung der magischen Bäume in Ägypten liegt und auch, dass man über diese viel mehr erfährt. Die Kulisse ist neu und bietet viel Spannung. Miri, Sin und all die anderen treiben sich auf einem großen Wächterstützpunkt herum, der sehr interessant ist. Hier lernen wir außerdem viele neue Gesichter kennen.

Es gibt verschiedene Handlungsstränge im Buch. Im Allgemeinen muss ich sagen, dass diese Reihe viele Details über die persönlichen Beziehungen der Charaktere beinhaltet. Das unterscheidet die Reihe ein wenig von anderen erfolgreichen Jugendbuchreihen. Ich finde, dass es die „Sin und Miriam-Reihe“ auszeichnet und interessant macht, allerdings weise ich auch darauf hin, dass dadurch gewisse Längen in der Handlung entstehen. Die Figuren wachsen einem so viel mehr ans Herz, allerdings kann das auch nervig sein. Dennoch gibt es viele Dinge, die in „Das Phyralit“ passieren. Allen voran die Suche nach dem blauen Kristall, bei der Miri und ihre Wächter mithelfen sollen. Allerdings lernt man auch viel über die magischen Bäume und die Geschichte der magischen Welt. Genauso steht nun das Volk der Limare und dessen verschiedene Ansichten im Mittelpunkt – denn warum schützen sie eigentlich die Erwachten? Die Handlung ist nicht immer stringent, aber es passiert immer wieder etwas Neues. Besondern zum Ende hin wird die Spannung gesteigert und endet in einem actiongeladenen Finale.
Positiv überrascht haben mich, wie auch in Band eins, die Nebenfiguren. Die ägyptischen Jäger, die Miriam an die Seite gestellt werden, sind eine lustige Truppe. Sie harmonieren sehr gut mit Miriams Wächtertrupp. Des Weiteren lernt man Sins und Fires Vaters kennen. Und das absolute Highlight: Alerand – der goldene Drache. Miri hat zum Ende des ersten Teils ein neues Haustier bekommen. Der Drache ist so unglaublich wunderbar, dass ich es gar nicht in Worte fassen kann. Ich hätte zumindest auch gern ein Exemplar, das sich ständig um mich sorgt und mit dem ich kuscheln kann.
Obwohl ich ein großer Fan der Nebenfiguren bin, finde ich Miriam und Sin weiterhin nicht perfekt gelungen. Das liegt ganz genau an diesem Punkt: Sie sind einfach zu perfekt. Sie lieben sich abgöttisch, führen seit über zwei Jahren eine harmonische Beziehung, haben viele Freunde, sehen toll aus, sind erfolgreich im Beruf, lieben ihre Geschwister und jeder liebt die beiden….was soll ich sonst noch anfügen? Hier ein kleiner Eindruck:
„Du bist eine tolle Person“, sagte sie schließlich. „Ich kann nun verstehen, wieso dich Sin so abgöttisch liebt.“ Verlegen winkte ich ab. „So toll bin ich gar nicht. Ich habe genügend Eigenschaften, die ziemlich nervend sein können.“ Tiger lachte. „Und bescheiden bist du auch noch.“ (74%)

Das empfand ich dann doch als ein bisschen zu viel. Aber nach einer Weile kann man darüber ganz gut hinweg sehen. 
Der Schreibstil ist flüssiger als in Teil 1, weist aber immer noch viele Wiederholungen auf. Ich kann auch hier nur noch einmal sagen, dass das Buch schon ein paar Tage älter ist und Sabine Schulter ihren Stil inzwischen verfeinert hat. Dennoch ist er fließend und jung.

Fazit




Auch wenn ich wieder ein bisschen zu meckern habe – und das auch noch an den Protagonisten – ist „Das Phyralit“ eine tolle Steigerung zu Teil eins. Das Buch hat sowohl Spannung und Action zu bieten, als auch viele romantische Passagen fürs Herz. Alle lieb gewonnen Figuren sind wieder mit dabei und werden sogar noch ergänzt. Mir gefiel die Handlung viel besser als in „Die Erwachte“. Ich finde, dass die Geschichte an Reife gewinnt und ich habe das Buch gern gelesen. Allerdings gibt es immer noch Punkte, die noch nicht geklärt sind und so freue ich mich nun auf den Reihenabschluss. Für das Geheimnis um die blauen Kristalle vergebe ich vier Spitzenschuhe.




27. Mai 2016

Rezension (2015): "Hörst du den Tod" von Andreas Götz


Titel: Hörst du den Tod
Autor: Andreas Götz
Verlag: Oetinger
Preis: 16,99€
Seiten: 336

Ein Thriller zum Miträtseln, zum Nachdenken und Zittern. „Hörst du den Tod“ von Andreas Götz ist ein Jugendthriller, dem ein ziemlich interessantes Thema zu Grunde liegt: Das Hören.

Inhalt


Der 17-jährige Linus ist etwas Besonderes, auch wenn er das gar nicht möchte: Er hört nahezu alles. Sein Gehör ist unglaublich ausgeprägt und auch sein Vater hat dieses Talent in ähnlicher Weise. Als Linus Mutter spurlos verschwindet, versucht er sich keine Sorgen zu machen, schließlich haben sich seine Eltern vor kurzem erst getrennt. Doch als ihn und seinen Vater Audiodateien erreichen, wird die böse Vorahnung Gewissheit. Vera ist entführt worden und der Entführer schickt nichts als Geräusche. Es geht ihm nicht um Lösegeld, aber um was dann? Als auch noch Linus Freundin Lucy verschwindet, beginnt ein Spiel gegen die Zeit. Doch kann Linus seinem Patenonkel und BKA-Beamten Frank trauen? Was hat Lucys Familie damit zu tun? Und ist auf den Audiodateien wirklich der Tod zu hören, womöglich der Tod seiner Mutter?


Meinung


Andreas Götz hat mit seinem Thriller „Hörst du den Tod?“ wieder mal einen guten Jugendthriller geschaffen. Für mich persönlich war das Thema des Hörens wirklich interessant. Sich vorzustellen, ein Mensch kann die leisesten Geräusche hören, ist schon unglaublich. Und dann auch noch Aufnahmen auf denen jemand stirbt…?! Das Thema hat mich also schon mal gereizt.
Im Roman sind aber neben dem Hören und der Entführung, noch ganz andere und verschieden Themen verarbeitet. Liebe, Freundschaft, Scheidung, Familie, Psychologie, Musik und Sex. Nicht unbedingt alles in gleichem Maße, aber es ist doch eine Menge zu finden.

Die Charaktere des Buchs sind gut gezeichnet. Auch wenn ich nicht unbedingt die größte Nähe zu ihnen empfunden habe, sind doch viele Details verarbeitet und vor allem die Familienverhältnisse sind interessant. Der große Unbekannte ist ebenfalls ein guter (im fiesen Sinne) Charakter. Er ist ziemlich schlau und spielt sein ganz eigenes Spiel. Oft ist man von seinem Denken (, denn es gibt auch Kapitel aus seiner Sicht) angewidert und geschockt, aber es macht die Sache auch spannender. Ich persönlich bin bis zur Auflösung nicht drauf gekommen, wer der Bösewicht ist. Wie bereits erwähnt, ist aber auch das Thema von Familie und auch von Gesellschaft mit in den Thriller eingebunden. In diesem Zusammenhang hat es mir besonders gefallen, dass Linus und Lucy von Anfang an zusammen waren und nicht zuerst eine ausführliche Liebesgeschichte erzählt wurde. Die Liebesgeschichte findet so auf einer Art Nebenbühne statt und kommt dennoch nicht zu kurz.
Der Stil des Autors ist flüssig und leicht lesbar. Dennoch ist er nicht anspruchslos. Ich finde, dass Götz durch seinen Stil immer eine bestimmte Spannung aufbaut und sie auch durchhält, wenn sie auch manchmal etwas extremer hätte sein können. Das Buch ist in einer Art Countdown geschrieben. Es wird heruntergezählt, bis zu dem Tag, an dem Linus Mutter sterben soll. Außerdem sind innerhalb der Kapitel kleine Abschnitte, die nach Uhrzeiten angeordnet sind. So ergibt sich ein lockeres Schriftbild, das einen guten Überblick vermittelt. Die Geschichte an sich ist spannend und das Ende kam für mich in gewisser Weise unerwartet. Gute Charaktere, tolle Idee und eleganter Stil. Das Cover ist übrigens auch wirklich überzeugend und absolut passend zum Inhalt. 

Fazit


„Hörst du den Tod?“ ist in erster Linie spannend und der Leser verfängt sich immer wieder in dem Netz, das der große Unbekannte spinnt. An manchen Stellen hätte die Story etwas besser ausgearbeitet sein können, aber schon alleine das Thema und die vielen verschiedenen Untergeschichten machen das Buch toll. Von mir gibt es verdiente vier Spitzenschuhe.