16. Dezember 2015

Rezension: "Allein mit dem Feind" von Alexandra Stefanie Höll


 


Titel: Allein mit dem Feind
Autor: Alexandra Stefanie Höll
Verlag: Edmont LYX.digital
Preis: 5,99 € (kindle Version)
Seiten: 340

Wie gut kennst du deinen Feind? Mit diesem Satz leitet die Inhaltsangabe zu „Allein mit dem Feind“ von Alexandra Stefanie Höll ein. Eine Inhaltsangabe, die meiner Meinung nach absolut verfehlt ist und nicht einmal annähernd mit dem Buchinhalt korreliert. In „Allein mit dem Feind“ geht es um eine Anreihung verschiedenster Ereignisse, die eigentlich auch nicht allzu viel mit Feinden zu tun haben. Der Schreibstil der Autorin ist wie immer sehr gut, doch ich habe schon weitaus Besseres von ihr gelesen. Wahrscheinlich war es gerade das, was mich an diesem Buch enttäuscht hat: Ich hatte zu hohe Erwartungen. „Allein mit dem Feind“ ist eine Mischung aus Romantik, Erotik und einer ordentlichen Dosis Thrill und Action (- was man so wohl eher weniger erwartet). Für mich gab es einiges Gutes, aber auch einiges, was ich zu kritisieren habe. Alles in allem ein unterhaltsames Buch mit kleinen (und großen) Schwächen.


Inhalt


(Ich benutze mit Absicht nicht die Inhaltsangabe des Verlags, weil ich sie wie gesagt eher unglücklich finde. Allerdings ist es auch sehr schwer, den Inhalt zusammenzufassen ohne zu viel zu verraten, weshalb ich verstehen kann, dass sie so gewählt wurde, wie es nun einmal ist).


Leonore und ihrer Großmutter gehört ein Gemüseladen in Florida. Doch wenn es nach dem mächtigen Geschäftsmogul Nathan Cole geht, dem quasi die halbe Stadt gehört, ist dies nicht mehr lange so. Er will das Grundstück für ein neues Gebäude kaufen, doch Leo stellt sich quer. Gemeinsam mit ihrem guten Freund Mateo schmiedet sie Pläne, wie sie an Nathan Cole herankommen  und ihn überzeugen kann, den Laden nicht kaufen zu wollen. Leo und Mateo schleichen sich auf Nates Geburtstagsfeier als Kellner ein – auf einer Yacht. Doch gerade als Leo die Chance hat mit Nathan zu reden, geschieht ein Unglück und die beiden gehen über Bord und stranden auf einer einsamen Insel. Und als wäre das nicht genug, scheint Nathan auch noch sein Gedächtnis verloren zu haben. Was also tun, wenn man allein mit dem Feind auf einer einsamen Insel strandet? Ganz sicher sollte man sich nicht verlieben….doch nicht nur das stellt ein Problem dar. Wie kommen die beiden von der Insel herunter? Und ist Nathan tatsächlich so anders, als Leonore es erwartet hat? Warum benimmt er sich ganz anders, als ein Geschäftsmann?
Als die beiden auf der Insel auch noch ein Drogenfeld entdecken, überschlagen sich die Ereignisse. Eine Geschichte beginnt (die übrigens kaum auf einer Insel spielt) , die sich um Liebe, Familie, Intrigen, Macht, Verwechslungen, Gewalt, Action und Drogen dreht. Eine Mischung aus verherrlichenden Liebesgeschichten, ernsten Themen dieser Welt und utopische Handlungsmotive. Unterhaltend, aber etwas unlogisch.

Meinung



Grundsätzlich habe ich kein Problem damit, wenn Geschichten nicht logisch sind. Ganz im Gegenteil. Ich schalte meinen Realitätsbezug ganz gerne mal ab und lasse mich von Büchern entführen. Leider befürchte ich, dass ich nur so kritisch mit diesem Buch umgehe, weil meine Erwartungen einfach zu hoch waren. Ich bin kein Fan davon nur zu kritisieren, aber ich beginne dennoch mit den kritischen Punkten.
Ich kam von Anfang an nicht gut in die Geschichte rein. Mir fehlte der Identifikationsfaktor bei der Protagonistin Leonore. Sie ist nett, aber mehr auch nicht. Nathan Cole ist der absolute Bösewicht, aber zum Glück gibt es an seiner Persönlichkeit auch etwas sehr Positives. Dieses Positive hat mir gut gefallen, auch wenn ich finde, dass „es“ ebenfalls etwas sprunghaft ist. Das Buch hat ein großes Geheimnis, das einfach nicht in die Inhaltsangabe mit herein darf, allerdings auch schon innerhalb weniger Seiten aufgedeckt wird. 
Die Liebesgeschichte finde ich grundsätzlich gut. Wenn man auf einer einsamen Insel strandet, kann ich mir gut vorstellen, dass die Gefühle verrücktspielen und man sich binnen weniger Tage in jemanden verlieben kann. Die Erotik kommt nicht zu kurz, auch wenn man mit einigen Vorurteilen zurechtkommen muss. Grundsätzlich gilt aber, dass die Liebe zwischen Leo und Cole sehr absolut ist. Die Worte, die diese beschreiben sind zwar schön, aber ich persönlich bin mir nicht sicher, ob man auch Jahre später noch auf eine Berührung reagiert, als wenn es der erste Tag wäre (belehrt mich gern eines Besseren…). Zu den anderen Charakteren bleibt nicht viel zu sagen. Die Nebenfiguren sind liebevoll gestaltet, allerdings stehen sie meiner Meinung nach manchmal zu sehr im Mittelpunkt.

Mein großer Störfaktor war die Verlagerung der Geschichte. Ich bin der Meinung, dass sie ihren Fokus verliert. Nicht nur Leo verliebt sich, sondern auch Mateo – und zwar in die Schwester von Nathan. Diese Geschichte ist mehr als nur eine Nebenhandlung, weshalb ich sie ein bisschen too much fand. Die Geschichte verlagert sich auch in dem Sinne, dass am Ende die Thrill-Elemente stark überwiegen. Das finde ich nicht schlimm, sorgt sogar für eine gewisse Spannung, allerdings finde ich die Aktion in Kolumbien naiv, unlogisch und auch gesetzeswidrig. Ich persönlich kam damit leider nicht klar.
Gut gefallen hat mir aber auch ein wenig ;) Der Schreibstil ist sehr flüssig und man kommt gut durchs Buch. Der Stil ist lebendig und es werden viele Bilder im Kopf gemalt. Auch finde ich, dass man sich mit dem Buch ganz gut entspannen kann. Man schaltet ab. Allerdings nicht in dem Maße, wie ich es bei anderen Büchern erlebt habe. Die Handlung ist zwischenzeitlich sehr spannend und die Erotikszenen sind ebenfalls gut. Der Bösewicht der Geschichte fehlt auch nicht und das Figurenkonzept gefällt mir auch. 
Allerdings sind das alles recht technische Sachen. Das Highlight war für mich der Epilog, der wunderbar zum Titel und der Geschichte passt und in welchem die Romantik auch zurückkehrt (allerdings ist der Epilog vielleicht etwas spät dafür…).

Fazit




Alles in allem ist es schwer meine Meinung zu erfassen. Ich glaube, dass Alexandra Höll wirklich schon bessere Geschichten geschrieben hat, dass sich andere Leser aber sicher in der Geschichte verlieren können. Ich persönlich konnte das nicht, da mich zu viele Details gestört haben. Dennoch erscheint es nicht so, als wenn das Buch 400 Seiten hätte. Ich möchte mich eigentlich gar nicht rechtfertigen, aber mehr als „ganz ok“ war das Buch für mich nicht. Die Handlung hat Gutes und Schlechtes, die Charaktere haben Gutes und Schlechtes, das Buch hat Gutes und Schlechtes….
„Allein mit dem Feind“ unterhält seine Leser. Dennoch sind der Titel und die Inhaltsangabe nicht gut gewählt. Man bekommt etwas ganz anderes, als man erwartet. Ich vergebe 3 Spitzenschuhe für einen durchwachsenen Lesespaß.



1 Kommentar:

  1. Ich kann dich nicht eines Besseren belehren, sowas finde ich in vielen Büchern auch sehr überzogen. Natürlich brauchen viele von uns beim Lesen ihre Portion Kitsch, aber ein bisschen Realitätsnähe ist auch nicht verkehrt. :D

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