1. November 2016

Rezension: "Zwischen Blut und Krähen" von Ann-Kathrin Wolf




Titel: Zwischen Blut und Krähen
Autor: Ann-Kathrin Wolf
Verlag: Impress
Preis: 3,99€
Seiten: 328

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“
Wer hat diesen Satz nicht schon viele Male gehört oder vorgelesen bekommen? „Schneewittchen“ war der erste Disney-Zeichentrickfilm überhaupt, weshalb er unglaublich berühmt ist. Aber ob das grimmsche Märchen den Zeichner überhaupt benötigt hätte, bleibt offen. Denn der Schneewittchen-Stoff ist auch so weltbekannt. Und zwar so sehr, dass es viele Adaptionen gibt. Und eine solche ist auch die „Mädchenherz-Reihe“ von Ann-Kathrin Wolf. Die Autorin schuf bereits mit dem ersten Teil „ZwischenSchnee und Ebenholz“ eine großartige und innovative Märchenwelt. Doch mit dem zweiten Teil „Zwischen Blut und Krähen“ hat sie noch einen großen Schritt nach vorn gemacht! Dieses Buch ist einfach wunderbar: stringent, spannend und romantisch. 
Mit anderen Worten: einfach märchenhaft.

Klappentext


**Spieglein, Spieglein an der Wand, wie schwarz ist Magie in diesem Land?**
Alexandra kann kaum fassen, wo sie sich befindet: auf Grimms Manor, bei der Bruderschaft des »Schneewittchens«. Es ist viel passiert, seit sie erfahren hat, dass Märchen nicht nur der Fantasie entspringen und ausgerechnet sie mit ihrem ebenholzschwarzen Haar und der schneeweißen Haut Teil ihrer Welt ist. Dennoch wird sie auf Grimms Manor alles andere als freundlich empfangen und sogar ihr sonst so treuer Wächter William Grimm scheint sich von ihr abzuwenden. Die Schatten der Märchen breiten sich spürbar aus, schwärzer als die Federn einer Krähe. Nur einer begegnet ihr mit offenen Armen: ein Prinz, um genau zu sein, IHR Prinz…

Meinung


Da der dritte Teil in ein paar Tagen erscheint und man ein bisschen Märchenhaftes im wahren Leben immer gebrauchen kann, griff ich zu „Zwischen Blut und Krähen“. Der erste Teil gefiel mir bereits wirklich gut und ich hoffte auf eine großartige Fortsetzung. Dass ich diese auch bekommen würde, konnte ja keiner wissen. Aber dieses Buch hat mich von der ersten Seite an überzeugt und konnte Schwächen aus dem Vorgänger beseitigen. 
Kritisiert hatte ich die Figur von Will, Alex Wächter. Er verhielt sich nicht sonderlich nett gegenüber Alex und schien keine hohe Meinung von ihr zu haben. Daher kam mir die Liebesgeschichte am Ende etwas merkwürdig vor. Auch in diesem Teil ist William noch immer kein Gentleman. Aber wo soll das auch so plötzlich herkommen… Will ist distanzierter als zuvor und dennoch fand ich das authentisch. Alex und er befinden sich nun auf Grimms Manor, dem Sitz der Bruderschaft des Schneewittchens. Hier gelten ganz andere Regeln, als in ihrer normalen Welt. Und denen muss auch Will sich beugen. Denn es ist verboten, der Erbin zu nahe zu kommen, wenn man ihr Wächter ist. Doch Alex scheint dies gar nicht richtig mitbekommen zu haben und bleibt in dieser Hinsicht das naive Teenagergirl. Aber das gefiel mir. Denn Ann-Kathrin Wolf baut an einem geschickten Zeitpunkt den Gegenspieler, Prinz Ian, in die Handlung ein. Ian ist ein netter und sympathischer Kerl, auch wenn er ein bisschen zu märchenhaft ist. Das kleine Eifersuchtsdrama fügt sich jedenfalls wunderbar in die Geschichte ein und sorgt so für den ein oder anderen Moment. Im Allgemeinen ist die Handlung ein absoluter Pluspunkt! Während Teil eins manchmal noch etwas sprunghaft ist, ist der Plot bei „Zwischen Blut und Krähen“ enger gefasst. Die Geschichte bietet mehr Logik und es gibt einen stringenten roten Faden, der sich durch das Buch zieht. So kann man die Geschichte richtig genießen – und das tat ich auch. Außerdem weiß man nun viel besser, wer der Bösewicht ist. (Obwohl ein paar Figuren noch zu meinen Wackelkandidaten gehören, wie etwa Edmund.) Die Figur des Krähenmannes gefiel mir in diesem Zusammenhang sehr gut und so wird auch der Titel viel deutlicher.
Aber nicht nur die Handlung ist gut gelungen. Man muss einfach sagen, dass sich alles in diesem Buch steigert. Viele Elemente, die in Teil eins aufgebaut werden, werden nun aufgelöst. Natürlich handelt es sich hierbei wieder um zauberhafte Märchenelemente, die durch Details beeindrucken. Besonders toll finde ich die Rolle, die Alex Kater Lancelot zugedacht wurde! Der kleine dicke Kater hat mein Herz bereits im Vorgänger erwärmt. Und auch Alex beste Freundin Lilly darf nicht fehlen. Sie ist ein weiterer Beweis für die geschlossene und gesteigerte Handlung. Für mich machte ihre Rolle absolut Sinn und ich freue mich darauf, wenn sie durch den Abschlussteil jagt. Ann-Kathrin Wolf deckt viele Dinge in diesem Buch auf, aber gleichzeitig legt sie genügend Schlingen, so dass Teil drei sehnlichst von mir erwartet wird. Ihr Schreibstil ist sehr angenehm und an den richtigen Stellen wird packend und spannend erzählt. Auch in diesem Buch dürfen die schönen Märchenzitate über den Kapiteln natürlich nicht fehlen. Sie passen wie die Faust aufs Auge zum Kapitelinhalt und sind so schön aufgemacht wie das Buch selbst. Lediglich ein paar winzige Tippfehler sind dem Lektorat entgangen, was ein klein bisschen schade ist, dem Buch aber auch nicht schadet.

Fazit




Mich hat „Zwischen Blut und Krähen“ wieder in eine bezaubernde Märchenwelt entführt, in der nicht nur eine Prise Romantik, sondern verdammt viel Spannung warten. Alex wird sich ihrer Rolle immer bewusster und der finale Kampf zwischen ihr und dem Bösen wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Die Autorin erzählt sehr schön und man merkt einfach, dass sie die Märchen liebt. Genauso wie ich ihre Geschichte. Und so vergebe ich die verdienten fünf Spitzenschuhe, mit denen sich in der Märchenwelt bestimmt was anfangen lässt.



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