29. Oktober 2018

Rezension: "Liv & Leif - Die Wurzeln des Schicksals von Dennis Schank und Katja Hemkentokrax



Titel: Liv & Leif - Die Wurzeln des Schicksals
Autoren: Dennis Schwank & Katja Hemkentokrax
Verlag: digi:tales
Preis: 3,99€
Seiten: 300


Das digi:tales - Programm glänzt mit vielen besonderen Titeln. Unter diesen wurde auch die Geschichte von „Liv & Leif – Die Wurzeln des Schicksals“ viel beworben. Und wie ich nun mal bin, kann ich einem interessanten Klappentext, zusammen mit einem atemberaubenden und Liebe zum Detail beweisenden Cover einfach nicht widerstehen. Doch der Einstieg in die Geschichte fiel mir schwer. Sofort war klar: Hier geht es um Götter! Aber nicht um die viel verwendeten griechischen oder römischen, sondern um die nordischen. Hallo Thor, Loki und Co.! Man sollte sich keinesfalls vom Prolog abschrecken lassen, denn es wird nach und nach immer besser! Und auch wenn das Buch seine langgezogenen Passagen hat, hat es mich irgendwann stark gefesselt! Ein tolles und innovatives Thema, interessante Charaktere, besondere Schauplätze und natürlich etwas fürs Herz: „Lif & Leif – Die Wurzeln des Schicksals“ hat eine tolle Mischung, die manchmal nur unter der Komplexität der Sagenwelt leidet. Dennoch: gelungen!

Eigentlich läuft Livs Leben gerade ziemlich perfekt, als mit einem Mal alles aus den Fugen gerät. Nachdem sie in einen Verkehrsunfall mit dem überheblichsten Typen überhaupt verwickelt wurde, treibt dieser Leif sie fast in den Wahnsinn. Doch als ihre Mitmenschen plötzlich alle verrücktspielen, scheint der Vollidiot aus ihrer Schule als einziger noch normal zu sein. Verliert sie den Verstand oder alle anderen?
Die seltsamen Ereignisse überschlagen sich und Liv bleibt nichts anderes übrig, als dem Geheimnis gemeinsam mit Leif auf den Grund zu gehen. Schon bald sehen sie sich mit den Schreckgestalten der nordischen Mythologie konfrontiert, die ihre schlimmsten Albträume weit in den Schatten stellen. Sind sie bloß Schachfiguren in einem göttlichen Spiel um Leben und Tod? 
Um Odins Prophezeiung zu erfüllen, müssen Liv und Leif nicht nur die Grenzen ihrer Welt überschreiten, sondern es auch mit den sagenhaften altnordischen Göttern aufnehmen.


Wie erwähnt, ist der Prolog etwas abschreckend. Der Leser wird direkt in einen Krieg unter den nordischen Göttern gezogen, der aber kursiv abgedruckt ist. Was man da nun wirklich liest, ist lange unklar. Auch, weil der Prolog nicht nur wenige Seiten lang ist. Sollte man noch nie etwas von nordischer Mythologie gehört haben, kann es sein, dass man als Leser bereits hier abschaltet. Hat man aber ein wenig Vorwissen, und sei es nur durch verschiedene Marvel-Verfilmungen, findet man sich einigermaßen zurecht. Der Sinn dahinter bleibt trotzdem erstmal unklar und ich war wirklich froh, als der Prolog erst einmal vorbei war. Das Durchhalten lohnt sich: Denn der folgende Einstieg ist die Geschichte ist lockerleicht und sehr unterhaltsam. Der Leser lernt Liv und Leif kennen, wobei zuerst Liv im Fokus steht. Liv ist ein verrückter Charakter. Sie ist keine typische Jugendbuch-Heldin, die mit Schönheit und Stärke glänzt. Sie hat eigene, vielleicht auch sonderbare Seiten und wurde mir vor allem aufgrund ihrer Verpeiltheit und ihres missratenen Zeitmanagements sympathisch. Dennoch wurde schnell klar, dass mein Herz eher für Leif schlägt. Auch er ist kein typischer Jugendbuchcharakter. Er ist relativ arrogant und durchaus mal feige. Die Schwächen beider Protagonisten werden von Anfang an nicht verschwiegen, was mir gefiel. Sowohl Liv, als auch Leif werden dadurch authentisch und haben Raum, sich zu entwickeln. Und es sei vorweg genommen: Genau das tun die beiden auch. Die Entwicklung der Charaktere ist gelungen und nachvollziehbar. Liv und Leif wachsen an ihren Aufgaben und sind am Ende ein Team, das man anfangs nicht erwarten konnte. Außerdem gibt die Geschichte beiden Figuren auch genügend Zeit, das zarte Pflänzchen namens Liebe zwischen sich selbst zu entdecken, was mein Herz höher schlagen ließ. Ich mochte die Liebesgeschichte wirklich sehr! Anfangs ist sie überhaupt kein Thema, doch ihr Beginn ist wirklich gelungen.
Im Großen und Ganzen beschränkt sich die Geschichte beinahe auf diese beiden Figuren. Beide sind sehr verschieden, weshalb diese Protagonisten völlig ausreichen. Ich habe Liv immer etwas kritisch gesehen, Leif hingegen schlich sich sehr schnell in mein Herz. Umso mehr man aber über beide erfährt, desto realer werden die beiden. Natürlich gibt es noch viele weitere Nebenfiguren. Diese sind sehr interessant und haben den witzigen Vorteil, dass man über sie eigentlich viel mehr weiß, als über Liv und Leif – zumindest, wenn man Marvel-Fan ist. Dieses Figurenkonstrukt ist allerdings sehr rund und passt zur Geschichte. Die nordischen Götter- und Sagenfiguren haben zwar allseits bekannte Wesenszüge, Dennis Schwank und Katja Hemkentokrax haben dennoch ihre ganz eigenen Götter erschaffen. Und deshalb funktioniert die Geschichte auch.
Gelungen waren für mich einige Dinge im Buch, doch tatsächlich kamen diese vor allem zum Ende hin. Denn davor bietet das Buch viele Gelegenheiten zur Verwirrung. Das hat verschiedene Gründe. Da ist zum Beispiel die Komplexität der nordischen Mythologie. Sie ist keinesfalls so abgegriffen, wie beispielsweise die griechische. Als Leser weiß man relativ wenig über Odin und Co., daher muss man sich auf viel Neues einlassen. Das sind neue Sagenhelden, neue Wesen, mythische Figuren und Handlungsorte. All das kann den Leser schnell verwirren. Für manche Leser ist es vielleicht sogar abschreckend, sollten sie sich nicht für nordische Mythologie begeistern können. Kann man das aber, verliert man sich irgendwann in der Geschichte. Voraussetzung: Die merkwürdige Übergangspassage schaffen. Denn letztendlich müssen Liv und Leif einen Spagat zwischen zwei Welten bewältigen – der Menschen- und der Götterwelt. Der Übergang von der einen in die andere Welt ist etwas komisch, weil es lange offen bleibt, wo die beiden Charaktere sich nun befinden. Sind Liv und Leif aber erst in der göttlichen Unterwelt, nimmt die Geschichte an Fahrt auf! Hier haben die beiden Autoren sich richtig ausgetobt und all ihr Wissen miteingebracht. Mythologische Sagen werden mit fiktiven Elementen vermischt und so findet man sich in einer atemberaubenden Geschichte wieder. Liv und Leif treffen auf Odin und müssen eine Prophezeiung erfüllen. Doch das ist natürlich alles andere als einfach. Hier beginnt eine Anreihung von Abenteuern, die ein wenig an Percy Jackson erinnern, aber alle ihre eigene Note haben. Außerdem ist das Konzept am Ende absolut einleuchtend und alles ergibt einen Sinn!
Für mich wurde die Geschichte mit dem Betreten von Hels Reich um vieles besser und wirklich spannend! Ich mochte auch den „normalen“ Anfang wirklich gern, doch die Zwischenpassage verwirrte mich. Die Verwirrung ist am Ende gar nicht mehr vorhanden, so dass man sich voll und ganz auf das Abenteuer einlassen kann. Am Ende war ich so gefesselt von der Geschichte, dass ich das Finale mit offenem Mund las und danach dachte: „Das ist doch jetzt nicht euer Ernst!“ Die Autoren konnten mich emotional mitnehmen, was mich nach dem durchwachsenen Anfang sehr überraschte! Aber vor allem die mystische Welt mit ihren verschiedenen Settings ist gelungen! Und außerdem gibt es immer wieder lustige Passagen, die mich schmunzeln ließen. Der Humor ist gut dosiert und angemessen. 
Der Schreibstil ist an manchen Stellen etwas unausgereift und manchmal sehr ausschweifend. Das lässt sich auf die beiden Autoren zurückführen. Zwar ist nie erkennbar, wer was geschrieben hat, doch ein Fluss ist nicht immer vorhanden. Tatsächlich gab es vor allem vor dem Betreten der Unterwelt immer wieder Stellen, an denen ich abschweifte und müde wurde. Das konnte das Autorenpaar aber in den Griff bekommen, so dass das Ende in einem Rutsch lesbar ist und vor Spannung nur so trieft. Ich hoffe wirklich sehr, dass es eine Fortsetzung geben wird. Und wie man auf der Frankfurter Buchmesse erfahren durfte, wird daran bereits geschrieben, was mich sehr freut! Denn das Ende ist so gemein!


„Liv & Leif“ ist wirklich eine besondere Geschichte, der man vor allem eine Chance geben sollte, wenn man mal in eine andere Götterwelt entführt werden möchte! Das Handlungskonzept weiß am Anfang und ab der Mitte wieder zu überzeugen – dazwischen muss man sich auf Längen und Verwirrungen einstellen. Doch die sind es in meinen Augen absolut wert. Liv und Leif sind sehr gelungene Figuren, die mir vor allem wegen ihrer kleinen Macken sehr gefielen. Ich fiebere noch immer mit beiden mit und drücke ihnen die Daumen! Das Götterkonstrukt ist ebenfalls gut ausgearbeitet und macht wirklich Spaß. Dennoch hat „Liv & Leif – Die Wurzeln des Schicksals“ durch seine Komplexität so seine Schwächen. Mit denen kann ich aber auch im Nachhinein gut leben, weshalb ich mich sehr auf einen zweiten Teil freue. Für Band eins vergebe ich 4 Spitzenschuhe. Spannung, Liebe, Abenteuer und ein Hauch Frustration am Ende warten in diesem Buch auf euch. Begebt euch also auf eine sagenhafte Reise - im wahrsten Sinne des Wortes. 


27. Oktober 2018

Rezension: "Goddess - Ein Dolch aus Donner und Wut" von Andreas Dutter



Titel: Goddess - Ein Dolch aus Donner und Wut
Autor: Andreas Dutter
Verlag: Impress
Preis: 3,99€
Seiten: 306


Bis vor kurzem hatte ich noch nie etwas von Andreas Dutter gelesen, obwohl er ein sehr sympathischer Typ und längst kein unbeschriebenes Blatt mehr in der Autorenwelt ist. Als seine neue Reihe „Goddess“ herauskam, beschloss ich diesen Fehler zu beseitigen. „Ein Diadem aus Reue und Glut“ konnte mich zwar nicht ganz überzeugen, aber es hat eine tolle Handlungsidee, eine interessante Protagonistin und einen fiesen Cliffhänger. Also musste Band zwei schleunigst her. Aber leider war „Ein Dolche aus Donner und Wut“ eine riesige Enttäuschung! Der Cliffhänger wird in einem Nebensatz abgeschlossen, die Handlung ich absolut unlogisch und der Schreibstil wirklich nicht gut. Natürlich hat das Buch seine guten Momente, aber leider fand ich den Abschluss der Dilogie vollkommen überzogen und somit nicht gelungen.

Der Wettkampf um den Platz an Hiros göttlicher Seite ist noch lange nicht beendet. Denn Lanea hat die Wut vieler Götter auf sich gezogen, die sie allein für den Tod ihrer zu Staub zerfallenen Töchter verantwortlich machen. Obwohl die Hochzeitsvorbereitungen laufen, gibt es noch immer zahlreiche Konkurrenten um den Thron und Lanea findet sich bald in ein Netz aus Fallen und Intrigen verstrickt. Während sie herauszufinden versucht, wer es auf sie abgesehen hat, fühlt sie sich immer stärker zu Hiro hingezogen. Und dann ist da noch Cliff, den Lanea nach wie vor heimlich trifft und dem sie kaum widerstehen kann…

Ich weiß kaum, wie ich anfangen soll. Es ist keine Freude, eine schlechte Rezension zu schreiben und das Buch hat viele sehr gute Kritiken bekommen. Aber leider konnte der Autor mich überhaupt nicht überzeugen. Dennoch beginne ich beim Positiven.
Lanea ist eine gute, starke und interessante Protagonistin. Sie hat ihren ganz eigenen Kopf und hat auch bemerkenswerte Züge. Vor allem unterscheidet sie sich von vielen 0-8-15-Protagonistinnen der modernen Jugendbücher. Sie ist zwar schön, hat aber eine braune Hautfarbe, einen Lockenkopf und ein großes Problem mit ihrer Wut und ihrer Aggression. Sie ist unbeliebt und verliebt sich in den Bad Boy, der selbst eine ganz furchtbare Vergangenheit hinter sich hat. Lanea ist das reinste Plädoyer für Andersartigkeit und das finde ich sehr gut! 

26. Oktober 2018

Rezension: "Rebellin der tausend Sterne" von Rhoda Belleza



Titel: Rebellin der tausend Sterne
Autor: Rhoda Belleza
Verlag: cbj
Preis: 15,00€
Seiten: 416

Auf „Rebellin der tausend Sterne“ hatte ich mich in diesem Herbst besonders gefreut. Der Vorgänger war sehr interessant und hat auch dank seiner Unkonventionalität einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das von Rhoda Belleza entworfene Universum ist komplex und wahnsinnig kompliziert. Auch nach dem Lesen des zweiten Bandes hat man das Gefühl, nur einen Zentimeter der Galaxie kennengelernt zu haben. Und das verwirrt den Leser durchaus. Insgesamt liegt dem finalen Teil eine spannende Idee zu Grunde, doch vor allem zu Beginn weist „Rebellin der tausend Sterne“ sich ziehende Längen auf. Ich habe mit Rhee gefiebert, doch für Kara konnte ich mich nicht erwärmen. Das Buch hat mich allerdings sehr überrascht und am Ende unglaublich mitgenommen, so dass meine Gefühlswelt vollkommen auf den Kopf stand. Nicht jede Seite dieses Buches ist umwerfend und dennoch handelt es sich um eine besondere Reihe! Für Star Wars Fans durchaus die richtige Lektüre!

Rhee, zukünftige Herrscherin von Kalu, steht vor Erzfeind Nero, dem Medienstar, der sie ermorden lassen wollte. Schließt sie einen Deal mit ihm oder entlarvt sie Neros perfide Absichten und entfesselt somit einen Krieg, den sie im Alleingang kaum gewinnen kann? Doch am anderen Ende des Universums plant Aly, Rhees gesuchter vermeintlicher Mörder, Nero zu töten, sobald sich die Gelegenheit bietet. Gleichzeitig versucht Alys Freundin Kara, den Overwriter zu vernichten, mit dem Nero die Erinnerung aller manipulieren und sich das Universum untertan machen will. Von alledem ahnt Rhee nichts – und schon gar nicht, dass Kara ihre totgeglaubte Schwester Josselyn ist, und damit die wahre Thronerbin.

Kennt man Band eins, will man nach dem Lesen des Klappentextes sofort zum Finale dieser Dilogie greifen! Denn ganz ehrlich, der Klappentext ist umwerfend! Und so ähnlich verhält es sich auch mit der Idee der Autorin. Ich bewundere Rhoda Belleza für das Konzept der Reihe wirklich sehr. Sie hat etwas gewagt und eine Star-Wars-ähnliche Galaxie erschaffen, die aber doch ihre ganz eigene ist. Dabei wählt sie eine unkonventionelle Vorgehensweise. Denn schon in Band eins fehlt die Einführung in dieses Universum. Zwar gibt es in beiden Büchern ein Glossar, das einen guten Überblick über Personen und Planeten bietet, doch so richtig findet man sich trotzdem nicht zurecht. Mich hat das in „Herrscherin der tausend Sonnen“ überhaupt nicht gestört. Im Gegenteil – ich fand es erfrischend anders. Die Geschichte konnte man schließlich trotzdem genießen! Direkt zu Beginn des zweiten Teils tritt dieses Problem aber wieder in den Fokus. Es gibt eine Handvoll Planeten, die wirklich wichtig sind. Diese haben Bündnisse miteinander, oder führen Kriege. Es ist nicht ganz einfach, wieder in dieses Konstrukt zu finden, denn einen richtigen Einstieg ins Buch gibt es nicht. Es wird nahtlos an die Geschichte angeschlossen und dem Leser wird keine Zeit zum Verschnaufen gegeben. So ist ein flüssiger Übergang garantiert, erinnert man sich aber nicht so gut an manche Personen oder Planetenbündnisse, ist man als Leser aufgeschmissen. Das als Vorwarnung. Insgesamt finde ich das Universum der Autorin immer noch absolut umwerfend. Doch – ich kann den Grund nicht benennen – irgendwie fehlt der Zugang zu dieser Welt. Eine richtige Identifikation findet nicht statt. Man ist Zuschauer und Besucher, aber nie Beteiligter.

25. Oktober 2018

Rezension [Hörbuch]: Die Schwestern von Mitford Manor - Unter Verdacht" von Jessica Fellowes



Titel: Die Schwestern von Mitford Manor - Unter Verdacht
Autor: Jessica Fellows
Sprecher: Juliane Köhler
Verlag: Der Hörverlag
Preis: 12,95€
Seiten: 496
Dauer: 10h 49m


Ich suchte nach einem spannenden Hörbuch für eine sehr lange Autofahrt. Beim Stöbern fiel mir dann „Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht“ ins Auge. Das Cover ist wunderschön und suggeriert sofort den Charme der 20er Jahre. Und dann steht im Klappentext auch noch etwas von einem Mord, kleinen Detektivtätigkeiten und vielen Geheimnissen. Das Ganze auch noch mit einem Hauch Historischem durch die Verortung zwischen den Weltkriegen. Nach dem überzeugenden Klappentext fiel die Wahl sofort auf das Hörbuch. Der Anfang ist tatsächlich auch noch sehr gut gelungen und auch das Finale ist spannend. Doch dazwischen gibt es immer wieder Längen und Nebenschauorte. Die Spannung ist nicht konstant, aber das Hörbuch hat dennoch seinen Charme!

London, 1920: Für die 19-jährige Louisa geht ein Traum in Erfüllung. Sie bekommt eine Anstellung bei den Mitfords, der glamourösen und skandalumwitterten Familie aus Oxfordshire. Endlich kann sie der Armut und dem Elend der Großstadt entfliehen und dafür auf ein herrschaftliches Anwesen ziehen. Louisa wird Anstandsdame und Vertraute der sechs Töchter des Hauses, allen voran der 17-jährigen Nancy, einer intelligenten jungen Frau, die nichts mehr liebt als Abenteuer und gute Geschichten. Als Florence Nightingale Shore, eine Krankenschwester und Freundin der Familie, am helllichten Tag ermordet wird, beginnen Nancy und Louisa eigene Ermittlungen anzustellen. Schnell erkennen sie, dass nach den Wirren des Ersten Weltkrieges jeder etwas zu verbergen hat.

„Die Schwestern von Mitford Manor“ sind eine sechsbändig angelegte Buchreihe aus dem Piper Verlag. Sechs Töchter – sechs Bücher. Bei „Unter Verdacht“ steht die älteste Tochter Nancy im Vordergrund. Insgesamt muss man aber sagen, handelt es sich in erster Linie um eine Familiensaga und nur in zweiter um einen Kriminalfall.

22. Oktober 2018

Mein SuB kommt zu Wort: Karli #30

Hallo ihr Lieben!


"Zu spät, zu spät...wir sind schon viel zu spät" - das Kaninchen aus "Alice im Wunderland" singt in meinem Kopf heute wirklich in Dauerschleife. Dass sowohl mein Freund, als auch mein Liebling Karli andauernd in diesen Gesang mit einsteigen, hilft nicht wirklich. Aber gut. Beide haben ja recht. Denn Karli und ich sind tatsächlich wieder viel zu spät dran mit dem "SuB"-Interview. Aber andererseits finde ich, sind zwei Tage noch voll im Soll. Und ich war die letzte Woche mit meinem Kopf auch wirklich woanders. Aber dafür ist hier nicht der richtige Ort. Denn ich habe da jemanden in den Startlöchern, der unbedingt von seinem letzten Monat berichten möchte. Und das kann ich ihm wahrlich nicht abschlagen. Denn es wird Zeit für dich, Karli!



Solltet ihr das SuB-Interview noch nicht kennen, schaut unbedingt bei Anna vorbei. Sie hat die Aktion ins Leben gerufen und sorgt ständig für tolle neue Fragen. Unser Kompliment!



1. Karli, wie groß bist du aktuell?


"Zu spät, zu spät..." - Oh, ich kann ja endlich aufhören zu singen. Na, sieh mal einer an! Es geht doch ;) Halli Hallo, ihr Lieben! Schön, dass ihr wieder mit dabei seid, auch wenn wir *hust* zwei Tage später dran sind, als geplant. Aber wie ihr Julias Einleitungstext schon entnehmen könnt, ist sie derzeit ein bisschen gestresst. Das übt sich natürlich auch auf ihr Leseverhalten aus. Aber ich kann es sogar verstehen. Die ganze Woche habe ich aus dem Bücherregal aus zugesehen, wie sie am Schreibtisch saß und ihren ersten Unterrichtsbesuch geplant hat. Das hat vielleicht Nerven gekostet...drückt die Daumen, dass er heute so läuft, wie er soll! 
Nun aber zu mir. Schließlich bin ich der eigentliche Grund des Interviews ;) Und ja...ich sehe ja auch, dass mir Fragen gestellt werden :P Ist ja gut! 
Aber ich will diese doofe Anfangsfrage wirklich nicht beantworten. Denn wie das im Leben so ist: Alles wird schlechter. Und so auch mein aktueller Stand. Ich muss in den letzten Monat einen Zuwachs verzeichnen, der mir gar nicht gefällt! Aber er lässt sich nicht aufhalten! Schließlich kamen da noch so viele Bücher nachträglich zum Geburtstag bei mir an :'( Und dann war ja auch noch die Frankfurter Buchmesse. Was wäre Julia für eine Bloggerin, wenn sie ohne Bücher heimgekehrt wäre?! In meinen Augen eine sehr effizientere, aber mich fragt ja keiner. 
Nun gut, all diese Dramen haben dazu geführt, dass ich erneut um ein Vielfaches angewachsen bin. Kleiner Reminder: Am 20.September war ich 141 Bücher groß. Und jetzt??? Oh, ich will es gar nicht aussprechen. Mein heutiger Stand sind doch tatsächlich 148 Bücher!!! Eine Katastrophe! Damit ist beinahe unser bisheriges Maximum erreicht...Es wäre auch alles nicht so schlimm, wenn Julia viel lesen würde. Tut sie aber nicht. Und schon haben wir das gerade geschilderte Problem...ts...



2. Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen - zeige mir deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel.

Drei? Echt schwer, da nur drei rauszusuchen, sind es doch so viel mehr seit dem letzten Monat. Aber gut. Ich habe mich entschieden. Zwei Bücher sind erst vorgestern eingezogen - immer noch nachträgliche Geschenke, kann man es denn fassen?! Und das dritte ist ein Rezensionsexemplar, über das sowohl Julia, als auch ich mich sehr gefreut haben. Tada: 



  

Der fünfte Teil der "Grimm Chroniken - Der goldene Apfel" wurde schon dringend gebraucht, denn Julia hatte sich Band sechs und sieben von der FBM mitgebracht, aber Band fünf fehlte. Nur gut, dass ihre Freundin bei den Geburtstagswünschen gut aufgepasst hat und direkt das richtige Buch verschenkte! Und nicht nur das. Julias Freundin musste gleich ein bisschen übertreiben (und zu wessen Lasten fällt das?! - Genau, zu meinen!). Denn sie verschenkte zwei Bücher. "Mord in Mesopotamien" kam noch hinzu. Ich kann es noch kaum fassen. Das Buch selbst finde ich wirklich wunderbar! Agatha Christie ist mir wirklich immer willkommen. Aber muss man denn gleich so übertreiben. Ach Menschen...
Das dritte Buch ist das Rezi-Exemplar. Und die ganz Fixen unter euch können "Tödliche Sonate" gleich als Hörbuch identifizieren. Der Klappentext des Buches ist wirklich spannend und wir freuen uns beide auf das Hören. Im Moment hören wir noch "Solo - A Star Wars Story", was auch klasse ist. Aber auf das hier freue ich mich besonders.



3. Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil gelesen? War es eine SuB-Leiche, eine Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Reziexemplar und wie hat es deinem Besitzer gefallen (gerne mit Rezensionslink)?

Ach, diese Frage ist mir inzwischen ja nicht mehr so lieb. Aber keine Panik, Freunde. Das liegt nicht an der Frage, sondern an meiner lieben Besitzerin :P Denn irgendwie stimmen die Bücher, die mich als letztes verlassen haben, nie mit denen überein, zu denen es auch eine Rezension gibt. Komisch, oder? Aber aktuell ist der Stand der nachzuholenden Rezis tatsächlich sehr hoch. Julia muss noch vier Rezensionen nachholen. Naja...aber ich will es mit der Kritik auch nicht übertreiben...
Gestern hat mich ein Langzeitprojekt verlassen. Nämlich die Kurzgeschichtensammlung "Der Bund der Rothaarigen" von Arthur Conan Doyle. Julia hat glaube ich über zwei Jahre lang immer mal wieder eine Kurzgeschichte über den guten Sherlock Holmes gelesen und gestern kam dann die letzte. Aber ehrlich gesagt, ist gar nicht klar, ob es zu dem Buch eine Rezension geben wird. Denn Julia erinnert sich gar nicht mehr an die ersten Geschichten. :'D Dann wird es schwer, sie zu bewerten, nicht wahr?
Aber die letzte Rezension ist nicht sehr schwer zu benennen. Das war gestern "Promise - Die Herzenskämpferin". Das Lesen des Buches lag auch schon gute zwei Wochen zurück, aber...ach ja...das mit dem Beschweren wollte ich ja lassen. Also das Buch war ganz in Ordnung. Ich persönlich glaube aber einfach nur, dass Julia froh ist, die Reihe beendet zu haben.



4. Lieber Karli, welches Buch liegt besonders weit unten und/oder hinten auf deinem Stapel, weil deine Besitzerin es wirklich stiefmütterlich behandelt bzw. aufschiebt?

Habt ihr Zeit? Denn da gäbe es sicherlich so einige zu nennen. Im Grunde ist Julia die geborene Stiefmutter...Ich entscheide mich aber mal für ein Buch, bei dem ich es noch nicht kommen sehe, dass Julia es eines Tages liest. Nämlich das hier: 



Tatsächlich ist die Ausgabe auf dem Bild die neuere. Die in meinem Regal sieht ziemlich anders aus, was schon allein darauf schließen lässt, wie lange sie schon dort ist. Julia hat, seit ich mich erinnern kann, noch nie Interesse an der Geschichte gezeigt. Ich glaube, sie könnte euch nicht mal sagen, wovon das Buch handelt :/ Traurig, oder? Dabei rühmt sie sich doch immer damit, dass sie so gern Klassiker liest. Tja...wenn es dann um Thomas Mann geht, scheint die Klassikerliebe vorbei zu sein. "Die Buddenbrooks" stehen nämlich auch noch ungelesen im Regal...



Und schon sind wir wieder am Ende. Kaum zu fassen. Werden die Interviews eigentlich immer kürzer? Vielleicht sollte ich mit meinen Antworten noch weiter ausholen? Hm...das werde ich prüfen. Insgesamt liegt ein recht unbefriedigender Monat hinter mir. Aber ich glaube, ich muss mich einfach an neue Bedingungen gewöhnen. Jedes Buch, das von meinem Stapel wandert, ist ein Gewinn. Egal, wie viele gleichzeitig dazu kommen. Julias Leben hat sich durch ihr Referendariat einfach verändert und dafür möchte ich in Zukunft Verständnis aufbringen. Die Arme setzt sich schließlich gleich wieder hin und entwirft Stunden. Ich bin ja schon dankbar, dass sie (zwei Tage zu spät...*hust*) Zeit für mich gefunden hat ;)

Alles Liebe,
euer Karli


Puuh...das war ja ein Gefühlsritt. Erst macht er mich nach alles Regeln der Kunst fertig und dann ist er am Ende wieder niedlich. So kenne ich meinen Karli. Aber er hat auch wirklich recht. Seit meinem Referendariat komme ich kaum zum Lesen und meine Nackenverspannung hat sich durch das ständige Unterrichtsentwrüfeschreiben deutlich verstärkt. Aber ich werde mir Mühe geben, bis Weihnachten keine Bücher mehr anzuschaffen und auch ein paar zu lesen ;)

Was sagen eure SuBs so? Mussten sie auch schon berufliche Veränderungen mit euch durchleben und haben Verständnis gezeigt?


Liebst,
eure Julia

21. Oktober 2018

Rezension: "Promise - Die Herzenskämpferin" von Maya Shepherd



Titel: Promise - Die Herzenskämpferin
Autor: Maya Shepherd
Verlag: Selfpublished
Preis: 3,99€
Seiten: 288


So gern ich auch zu Geschichten von Maya Shepherd greife, muss ich zugeben, dass mich die „Promise-Trilogie“ nie ganz überzeugt hat. Ich habe Probleme mit der Protagonistin, aber auch mit der generellen Story. Und trotzdem schaffte die Autorin es, dass der Drang, zu wissen, wie die Geschichte ausgeht, in mir bestehen blieb. Ich habe keine Ahnung warum und kann daher nur Vermutungen anstellen. Arras dürfte ein entscheidender Grund gewesen sein, denn der schweigsame und geheimnisvolle Charakter hatte seine Geschichte nach zwei Bänden einfach noch nicht erzählt. Es konnte doch nicht wirklich so sein, dass Nea zurück zu Miro geht…oder doch? Es gab durchaus Fragen, die ich mir vor dem Lesen gestellt habe und zum Glück wurden sie im abschließenden Band „Die Herzenskämpferin“ auch beantwortet. Für mich ist der dritte Teil auf jeden Fall das beste Buch der Reihe! Und dennoch bleibt sie hinter meinen Erwartungen zurück.

Polyora ist zurück. Das Leben von Milliarden Menschen schwebt erneut in Gefahr. Die einzige Hoffnung verspricht die Stadt Promise, in der es ein Gegenmittel geben soll. Nea begibt sich auf eine ungewisse Reise. Sie wird von dem geheimnisvollen Arras begleitet, der sich in Schweigen um seine Vergangenheit hüllt. Erst als Nea ihr Ziel erreicht, offenbart sich ihr eine Wahrheit, die schrecklicher ist als alles, was sie sich vorstellen konnte. Nicht nur ihre eigene Zukunft, sondern auch die der ganzen Menschheit steht auf dem Spiel. Doch wenn eines Nea gelernt hat, dann, dass es immer Hoffnung gibt, solange man nicht aufhört für das zu kämpfen, was man liebt.

Okay, beginnen wir beim Guten. Was hat mir besser gefallen, als in den beiden Vorgängern? Da muss ich eindeutig den Aufbau nennen. Die Handlung von „Die Herzenskämpferin“ ist spannender,

20. Oktober 2018

Rezension [Klassiker]: "Lieber Daddy Long Legs" von Jean Webster



Titel: Lieber Daddy Long Legs
Autor: Jean Webster
Verlag: Königskinder Verlag
Preis: 18,99€
Seiten: 258

Die wunderschöne Aufmachung des Romans „Lieber Daddy Long Legs“ von Jean Webster aus dem Königskinder Verlag stand schon lange auf meiner Wunschliste. Ich gebe zu, dass das Cover und die verspielte Art entscheidende Gründe für den Wunsch waren, doch auch der Klappentext klang sehr schön. Und als ich das dünne Büchlein dann endlich Mein nennen konnte, begann ich schnell mit dem Lesen. Vielleicht zu schnell. Denn für diese besondere und liebevolle Geschichte sollte man sich mehr Zeit, als nur einen Tag, nehmen. Denn dann kann die wundervolle und starke Protagonistin Judy sich erst richtig entfalten und zieht den Leser in ihre Welt. Schließlich beinhaltet ein einseitiger Briefroman eine gewisse Monotonie, auch wenn Jean Webster dieses Problem ganz wundervoll gelöst hat, indem man dennoch den Eindruck eines Dialogs hat. Mich hat der Roman wunderbar unterhalten, auch wenn das große Geheimnis schnell durchschaubar ist. Er ist perfekt für ein paar süße Stunden, doch nehmt euch auch bewusst Zeit dafür!

Fast 18 Jahre hat Judy Abbott im Waisenhaus gelebt. Wegen ihrer literarischen Begabung wird sie nun von einem geheimnisvollen Wohltäter aufs College geschickt. Der Mann möchte namenlos bleiben, Judy soll ihm aber jeden Monat einen Brief über ihre Fortschritte schreiben. Voller Begeisterung stürzt sich Judy in dieses unbekannte Leben. Mehr als einmal im Monat schreibt sie „Mr Smith“, denn sie hat ja sonst niemanden auf der Welt, mit dem sie ihre Erlebnisse teilen kann. Briefe voller Witz, über Hüte und Literatur, über neue Freundschaften und immer öfter auch über den sympathischen Jervis Pendleton.

Zuerst muss ich einen beschämenden Fakt zugeben. Ich bin ein großer Liebhaber von Klassikern und ich wusste nicht, dass „Lieber Daddy Long Legs“ genau ein solcher ist. Ich hielt Jean Webster für eine zeitgenössische Autorin und war begeistern von dem authentischen Zeitgeist, den sie in dem Roman einfängt. Erst nach dem Lesen erfuhr ich, dass der Königskinder Verlag hier ein Werk von 1912 neu verlegt hatte. Und plötzlich machte so vieles Sinn! Ich habe die Geschichte auch so sehr genossen, doch mit dieser Hintergrundinformation kann man Judys Charakter einfach viel besser verstehen. Das Jahr, in dem das Buch spielt, wird nicht genau genannt, denn die Briefe sind lediglich bis zum Monat datiert. Trotzdem ist mir mein Fehler ziemlich peinlich. Also: Wir haben es mit einem Klassiker zu tun.
Und einem sehr dünnen dazu. Die Autorin hat meines Erachtens eine besondere Geschichte erschaffen. Man kennt Briefromane, auch einseitige Briefromane. Doch selten ist eine Frau die Autorin von solchen und schon das allein macht das Buch interessant. 
Der Einstieg gelang mir sehr gut. Er erfolgt in Form eines normalen Kapitels, in dem über Judys bisheriges Leben im Waisenhaus berichtet wird. Und dann kommt der Tag, an dem sich alles ändert und sie erfährt, dass sie auf die Universität gehen darf! Wohl gemerkt, eine Universität nur für Frauen. Doch was für ein Schritt in ein neues Leben! Judy – eigentlich Jerusha – ergreift ihre Chance und beginnt mit dem Ziel eine große Schriftstellerin zu werden, das Studium. Von nun an erfährt der Leser nur noch etwas über Judy, ihre Freunde und ihre Erfahrungen in Form von Briefen – Briefe an den mysteriösen Mr. Daddy Long Legs. Judy hat ihren Gönner selbst so benannt, denn sie sah ihn nur ein einziges Mal von hinten und alles, was sie noch weiß, sind seine langen Beine. 
Wie man an diesem Spitznamen schon merken kann, ist Judy eine sehr selbstbewusste und humorvolle junge Frau. Um viele Konventionen weiß sie einfach nicht, doch sie ist eine ehrliche Haut. Und da sie nie eine Antwort von Daddy Long Legs erwarten muss, schreibt sie genau das, was sie denkt und was sie bewegt. Judys Briefe sind so authentisch und herzergreifend, dass man sich vollkommen in ihnen verlieren will. Man hat es immer nur mit ihr als Erzählerin zu tun und wird gleichzeitig zum neutralen Beobachter ihres Lebens. Zwar bekommt der Leser lediglich Informationen von ihr und über sie, doch trotzdem stellt sich ein Gefühl ein, als wäre man dabei. Die Briefe sind nicht alle weltbewegend spannend, aber die meisten sind wahnsinnig amüsant. Man liest das Buch mit einem kleinen Schmunzeln im Gesicht. Manchmal liegen viele Wochen zwischen den Briefen, manchmal nur wenige Tage. Das gewählte Medium finde ich absolut großartig und Judys Art Briefe zu schreiben, hat etwas Künstlerisches. Und dennoch ist der Stil recht simpel, wenn man sich einmal an die Tonart des frühen 20. Jahrhunderts gewöhnt hat. Ich fand ihn einfach nur großartig, weil er so humorvoll und bildlich erzählend ist. Judy fertigt übrigens auch kleine Zeichnungen zu ihren Briefen an, die ebenfalls im Buch abgedruckt sind.
Judys Leben plätschert manchmal nur so dahin und sie ist selbst auf der Suche. Allerdings kann man von Anfang bis Ende eine interessante Entwicklung der Figur wahrnehmen. In Nebensträngen spielen auch die Themen Politik, Feminismus und Familie eine Rolle. Schließlich muss Judy über etwas schreiben. Und worüber soll man an jemand Fremdes schreiben, wenn nicht über sich und seine Ansichten? Tatsächlich hat man aber nie das Gefühl, als wenn Daddy Long Legs jemand Fremdes ist. Und natürlich ist es Ziel des Buches, zu erfahren, wer sich hinter diesem Synonym versteckt. Es ist übrigens auch nicht so, dass Daddy nie handelt. Er schreibt keine Antwortbriefe. Doch er beschenkt Judy etwa zu Weihnachten, schickt Blumen, wenn sie krank ist oder organisiert ihre Feriendomizile. So entsteht doch ein gewisser und humorvoller Austausch. Doch das große Geheimnis, wer denn nun der geheime Gönner ist, ist schnell erkannt. Auch, weil es wenige Alternativen gibt. Und dennoch gefiel mir die Auflösung außerordentlich gut. 
Es gibt nicht viele Figuren im Roman, schließlich handelt es sich um eine große Sammlung von Briefen. Judy ist eine großartige Protagonistin: stark, selbstbewusst, humorvoll, politisch orientiert und dennoch kritisch mit sich und der Welt. Daddy Long Legs scheint jemand zu sein, der die Fäden gern in der Hand hält und dennoch hat er etwas Liebevolles an sich. Judys Freundinnen spielen keine allzu große Rolle, sind aber nette Nebenfiguren. Doch insgesamt geht es um eine einseitige Beziehung, die sich nach und nach entwickelt. Das Ende des Romans passt sehr gut und ist ein toller Abschluss. Ich habe das Buch an nur einem Tag gelesen und mit einem Lächeln zugeklappt. 
Diesen einen Tag will ich aber nicht unbedingt empfehlen. Man sollte sich mehr Zeit für Judys Briefe nehmen, da man sie sonst nicht richtig genießen kann. Irgendwann wird es zu viel, zu gleich. Ich habe zwischendurch immer kleine Pausen machen müssen. Schließlich beinhaltet der Roman mehrere Jahre. Und wenn diese binnen weniger Stunden an einem vorbei ziehen, kann der Bezug fehlen. Aber auch so bleibt der Roman sehr kurzweilig. Er bietet allerdings tolle Unterhaltung!


Ich habe die Geschichte von der ersten Seite an geliebt! Ich bewundere Judy, ihre Art das Leben zu sehen und ihre Eigenschaft so ehrlich mit sich und der Welt ins Gericht zu gehen. Die Gefühle, die durch die Briefe der jungen Frau hervorgerufen werden, sind bezaubernd! Judy entführt den Leser mit einfachen Briefen in ihr Leben und lässt ihn mitleiden und mithoffen. Der Briefroman ist trotz seiner Einseitigkeit wundervoll und sehr unterhaltsam. Der Humor in jedem einzelnen Brief ist fantastisch und ich hatte viel Spaß mit Judy und Daddy Long Legs. Lediglich die Einfachheit des Geheimnisses lässt mich etwas an meiner Bewertung abziehen und so komme ich auf 4,5 von 5 Spitzenschuhen. Der Roman hat einen wundervollen Inhalt und wen das nicht überzeugt – die Aufmachung ist auch einfach überragend!