30. Oktober 2017

Rezension: "House of Night - Gejagt" von P. C. Cast & Kristin Cast


Titel: House of Night - Gejagt
Autor: P. C. Cast & Kristin Cast
Verlag: Fischer
Preis: 16,95€
Seiten: 576

Die „House of Night“-Reihe ist für mich zu einer persönlichen Herausforderung geworden. Zwölf Bücher, zwölf Monate – so mein Vorsatz. Und so las ich in diesem Monat Band 5 der Vampyrreihe mit dem Titel „Gejagt“. So nichtssagend die Titel der einzelnen Bände auch sind, sie passen durchaus zur jeweiligen Geschichte. So auch hier. Zoey und ihre Freunde sind die Gejagten, diejenigen, die wissen, was sich wirklich im House of Night zuträgt und die versuchen, die Situation zu retten. Durchaus ein spannender Plot, den man wunderbar lesen kann. Das Buch beinhaltet die altbekannten Schwächen (Tennie-Gesülz und Männerhäufung), mit denen ich inzwischen aber umgehen kann. Zoey bleibt nervig und dennoch lese ich die Bücher jeden Mal wieder ganz gern. Zu meiner eigenen Überraschung…
Zoey ist wieder mit ihren Freunden vereint und Stevie Rae und die roten Jungvampyre sind nicht länger Neferets Geheimnis. Aber eine dunkle Gefahr bedroht die neue Ruhe. Kalona, Neferets neuer Liebhaber, sieht umwerfend aus und hat das gesamte House of Night in seinen Bann gezogen. Und niemand scheint zu bemerken, welche Bedrohung von ihm ausgeht. Der Schlüssel, den es braucht, um seinen immer stärker werdenden Einfluss zu brechen, liegt in der Vergangenheit. Aber was, wenn diese Vergangenheit Geheimnisse offenbart, die Zoey nicht wissen will, und Wahrheiten, denen sie sich nicht zu stellen traut?
Beim Lesen der HoN-Bücher denke ich manchmal: „Wow, du bist schon auf Seite 250 und irgendwie ist noch überhaupt nichts passiert.“ Dabei ist das ein Trugschluss. Ich finde wirklich, dass die Handlung manchmal etwas zu wünschen übrig lässt und die Ereignisse ruhig etwas durchgeplanter von Statten gehen könnten, aber man wird trotzdem wunderbar unterhalten. Immer wieder gibt es den Showdown in den Büchern und eigentlich passiert ja doch immer etwas. Oftmals geschieht dies auf zwischenmenschlicher Ebene, aber gerade da hat Zoey ja immer wieder Bedarf. Mit dem Auftauchen von Kalona brachten die Autorinnen neuen Schwung in die Geschichte. Er ist ein neuer und bedrohlicher Aspekt, der die Geschichte um Neferet durchaus nach vorne bringt. Denn dass sie der eigentliche „Endgegner“ ist, ist ziemlich klar. Für mich verkörpert sie diesen auch sehr gut. Ihr Gegenüber hingegen lässt mich unbeeindruckt zurück. Ich hätte nie gedacht, dass ich eine Reihe weiterlesen möchte, von der ich die Protagonistin nicht mag. Denn ich finde Zoey wirklich unsympathisch. Und dieser Faktor, dass jeder sie liebt – egal ob freundschaftlich oder amourös – ist einfach absurd. Sie hat eine ganz besondere Stellung, keine Frage. Und ihre Macht ist es, die Neferet besiegen könnte. Und trotzdem benimmt sich dieses Mädchen immer wieder wie eine Schlampe, wie ein verquertes Teeniegirl, das immer im Mittelpunkt stehen muss. Gerade am Ende von Band 4 dachte ich, seien die Männergeschichten vielleicht geklärt. Denn dort hatte die statt drei Männern plötzlich keinen mehr. Aber nein. Die Anzahl ist wieder genau dieselbe und nur eine Besetzung hat sich geändert (nicht zu ändern, wenn einer der dreien stirbt). Zoey und ihre Männer sind der größte Störfaktor des Buches. Ich mag sie alle in gewisser Weise, wie Zoey ja auch. Aber mein Liebling bleibt Erik. Und dass sie jedem einzelnen Mann wehtut, ist ihr zwar bewusst, aber ignorieren kann sie es trotzdem. Das ist doch traurig. Und es vermittelt das vollkommen falsche Bild von selbstständigen jungen Frauen. Schön finde ich an Zoey aber, dass sie weiß, dass ihr Verhalten ziemlich unangebracht ist. Als sie einen dieser drei Männer küsst, obwohl sie es nicht sollte, denkt sie immerhin:
„Ich hätte mir gern eingeredet, dass meine seminuttige Reaktion daher rührte, dass sich in mir gerade so viel Stress und Angst angestaut hatten, denen ich entfliehen wollte […]. Die Wahrheit war nicht ganz so schmeichelhaft – aber na ja, es war die Wahrheit.“ (S. 459)

Immerhin. Einsicht ist der erste Weg zur Besserung. Ich bin ja gespannt, mit welchem Mann sie am Ende zusammen sein wird. Aber bis dahin gehen ja noch sieben Bücher ins Land – und mit irgendwas muss man diese ja füllen. Also: Männergeschichte, so viele wie nur möglich. 
Im Zitat wird auch ein anderer Kritikpunkt deutlich, den ich ansprechen will. Das Buch, ja die gesamte Reihe, hat doch einen deutlichen Teenie-Faktor und dementsprechendes Vokabular wird verwendet. Zoey und ihre Freunde sprechen sehr jugendlich („ABF“ usw…). Das steht manchmal im absoluten Gegensatz zu ihrem jeweiligen Verhalten, was ich schade finde. Aber wahrscheinlich entspricht das mehr der Realität, als ich wahrhaben möchte.
Noch immer bin ich kein Fan von den Zwillingen. Damien, Jack und Stevie Rae mag ich aber sehr gern. Der beste Charakter ist noch immer Aphrodite und ich finde es sehr gut, dass sie inzwischen einen so großen Teil der Handlung einnimmt. Auch Darius ist ein toller und sehr starker Charakter. Ich war froh, dass er in „Gejagt“ eine so große Rolle spielt und ich hoffe, noch viel mehr von ihm zu lesen. Erik und Heath haben ebenfalls große Handlungsteile. Ich hätte damit gar kein Problem, wenn es nicht dieses ständige Hin und Her geben würde. Dann lasst sie zusammen sein. Aber dann bleibt doch zusammen und trennt euch nicht immer am Ende eines Buches. So zumindest ist nicht alles an der Handlung innovativ, weil sich eben viel wiederholt. Kalona und Neferet habe ich als Charakter bereits gelobt. Auch der Anteil von Stark gefiel mir gut und ich bin auf seine Entwicklung gespannt. Insgesamt muss man sagen, lebt die Reihe durchaus von der Entwicklung der Figuren. Wer weiß, vielleicht macht Zoey ja auch mal eine durch. Die Hoffnung stirbt zuletzt. 
Das Geschehen in „Gejagt“ ist gut und spannend. Aber der ganze Männeranteil sollte reduziert werden. Der Schreibstil ist flüssig und man kommt unglaublich schnell voran. Allerdings ist er in manchen Teilen einfach viel zu gekünstelt jugendlich, was ich schade finde. Dennoch lässt sich die Reihe super lesen.


Meistens weiß ich nach dem Lesen nicht, was ich von einem HoN-Buch halten soll. Aber die Reihe hat trotz all ihrer Schwächen auch ihre Anziehungskraft. Und deswegen lese ich sie derzeit ganz gern. Man muss bei der Geschichte absolut nicht nachdenken, sondern kann sich berieseln lassen. Zoey ist kein guter Charakter, aber all die anderen machen das wett. So langsam haben die Autorinnen ein interessantes Szenario erschaffen, das handlingstechnisch Potenzial hat. Ich bin durchaus gespannt, wie es weitergeht. Und auch, welcher Mann Zoey als nächstes verlässt, weil sie einfach nicht die Finger von anderen lassen kann. Armer Erik. 
Ich habe lang überlegt, entscheide mich aber tatsächlich für 4 Spitzenschuhe. So sehr mich viele Facetten an der Geschichte auch nerven, so gut kann ich in ihr versinken und dieser Band war eine deutliche Steigerung. Mal gucken, was in „Versucht“ auf uns zukommt. Ich befürchte Grausames…



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