26. November 2017

Rezension: "Chaoskuss" von Teresa Sporrer


Titel: Chaoskuss
Autor: Teresa Sporrer
Verlag: Impress
Preis: 3,99€/ 12,99€
Seiten: 312


Vor einiger Zeit hatte ich einen „Rockstar“-Roman von Teresa Sporrer gelesen und die Autorin für mich entdeckt. Als ich dann erfuhr, dass sie eine Reihe mit Bezug zur ägyptischen Mythologie schreibt, wusste ich, dass ich diese lesen muss! Ich liebe das alte Ägypten, war selbst zwei Mal dort, habe mir Tempel und Museen angeschaut und würde nur zu gern noch einmal das Land der Pharaonen bereisen. Mit „Chaoskuss“ wollte ich meine Leidenschaft ein wenig kompensieren und in alte Geschichte abtauchen. Anfangs gelang das noch nicht so gut, doch „Chaoskuss“ startet langsam und wird danach gewaltig! Sporrer hat für mich eine tolle Idee mit ganz vielen Komponenten gepaart, die meiner Meinung nach nie zusammen passen würden und heraus kam eine wahnsinnig gute Geschichte. Hexerei, Geister, Übernatürliche, Götter und das ganz normale Leben: „Chaoskuss“ ist ein toller Reihenauftakt, der mit mehr aufwarten kann, als nur einer tollen Jugendbuchliebe. Absolut gelungen!

Das Leben der 17-jährigen May wäre so viel einfacher, wenn sie sich nur mit den typischen Teenie-Problemen herumschlagen müsste. Doch May ist nicht wie die anderen – sie ist eine Hexe. Und trotzdem muss sie an ihrer Schule das normale Mädchen spielen. Immerhin ist sie nicht das einzige übernatürliche Wesen dort, weshalb es neben dem alltäglichen Highschoolwahnsinn auch Stress mit nervigen Vampiren, streitlustigen Walküren oder unzufriedenen Dämonen gibt. Aber dann lädt Noah – ein Mensch! – sie auf eine Halloweenparty ein und plötzlich scheint doch ein bisschen Normalität in Mays Leben einzukehren. Aber nicht für lange…

Auch wenn der Klappentext nicht von ägyptischer Mythologie spricht, ist es kein Geheimnis, dass die Handlung einiges damit zu tun hat. Daher braucht ihr keine Angst vor Spoilern zu haben.
Ich wollte „Chaoskuss“ schon vor einiger Zeit lesen, kam aber nicht dazu. Bereuen tue ich es nicht, denn inzwischen sind alle Teile der Reihe herausgekommen, so dass ich sie ganz bald durchsuchten kann und das ist ein wahrer Vorteil! Denn die Geschichte hat mich total gepackt.
Das hat vielerlei Gründe. Zum einen liegt das an der super sympathischen Protagonistin May. Sie ist absolut humorvoll und charmant! Ihr Humor ist ein bisschen schwarz, ein bisschen sarkastisch und durch diesen düsteren Einschlag so herzerwärmend! May macht für den Leser nie ein Geheimnis daraus, dass sie eine Hexe ist. Eine begabte, aber eine ohne völlig ausgereifte Kräfte. In Mays Welt müssen Hexen Verantwortung für all die Übernatürlichen in ihrer Umgebung übernehmen. Und auf Mays Highschool gibt es mehr Übernatürliche, als man meinen kann. Dadurch hat May eine gewisse Verantwortung, obwohl sie von ihren eigenen Fähigkeiten nicht vollkommen überzeugt ist. Das Konstrukt wird am Anfang gut erklärt, der Leser braucht aber vielleicht ein bisschen Zeit, um sich daran zu gewöhnen. Denn Teresa Sporrer schickt wirklich einiges in den Ring. Da sind eben nicht nur die Hexen, sondern auch die Dämonen, Vampire, Gestaltwandler, Walküren oder Banshees. All diese Geschöpfe haben schon viele Fantasy- oder Jugenbücher gefüllt und es gleich mit allen aufzunehmen, ist schon gewaltig. Aber der Mut der Autorin wird belohnt! Vielleicht meint man anfangs, dass all das gemeinsam nicht gut gehen kann, das Gegenteil ist aber der Fall. Die Chemie stimmt und das Gesamtkonstrukt ist umwerfend! Auch immer noch, als zwei weitere Wesen Einzug in die Handlung finden. Nämlich ein Gott und ein Geist. Ich weiß nicht, wie Teresa Sporrer es geschafft hat, dass all das harmoniert, aber das tut es! Und daraus entsteht eine tolle Geschichte.
Eigentlich ist May ein sehr, sehr starker Charakter, der aber auch seine Schwächen hat. Ich fand sie super authentisch. Ein Charakter, mit dem man leiden und lieben kann! Und beides habe ich getan. Neben der jungen Hexe stehen noch viele andere Figuren im Mittelpunkt. Mays Umfeld wird von ihrer Familie bestimmt, also ihrer Mutter, ihrer Großmutter und ihrer Tante – allesamt Hexen. Alle drei Charaktere haben Tiefgang und tolle Eigenschaften. Sie sind liebevoll ausgearbeitet und fügen sich toll in die Handlung! Auch mochte ich Mays beste Freundin und ebenfalls Hexe Viv sehr gern. Sie ist so eine Mischung aus talentierter Hexe und Teenie-Kreisch-Girl, was eine sehr sympathische Figur ergibt. Außerdem natürlich der gute Gott, den ich ein paar Mal erwähnt habe. Das Chaos, das auch im Titel vorkommt, hat natürlich etwas Negatives. Und gerade das macht die Handlung aus. Denn oft wird erwähnt, dass es nicht nur „gut“ und „böse“ gibt und das wird an eben diesem Gott sehr deutlich. Ich fand ihn ehrlich gesagt sehr cool. Und grausam. Und lustig. Und niedlich. Und schrecklich. Also, er hat ziemlich viele Seiten, viele Facetten und manchmal weiß man nicht, mit welcher Seite man es gerade zu tun hat. Aber definitiv bringt er Schwung in die Sache und verlagert die Handlung gekonnt. Der letzte wichtige Charakter ist Noah, ein echt blöder, cooler und liebenswerter Typ. In genau dieser Reihenfolge. Man schließt Noah nach und nach ins Herz, ebenso wie May auch. Die Geschichte zwischen den beiden ist wahnsinnig gut. Sie hat die richtigen Herzensmomente und ist dennoch zum Scheitern verurteilt. Ich fragte mich so oft, wie das wohl ausgehen soll. 
Und das führt mich zum Ende des Buches. Der Anfang der Geschichte baut sich nur langsam auf, bis es eben immer spannender wird und alles ans Licht kommt. Für mich hat das tatsächlich relativ lange gedauert. Das Ende ist dann sehr rasant und passend. Aber auch ungewöhnlich erzählt. Denn gerade wenn es spannend wird, bricht die Geschichte ab und wird anders weitererzählt. Das fand ich anfangs komisch, gefiel mir im Nachhinein aber ganz gut. Das Ende an sich macht auf jeden Fall Lust auf mehr, denn erst nach dem Lesen des ersten Teils hat man die Geschichte so richtig für sich entdeckt. Und jetzt darf es weitergehen.
Der Schreibstil von Sporrer ist wirklich klasse. Und sie hat ein tolles Gespür für ihre Figuren, was sie immer wieder unter Beweis stellt. Es gibt viele Dialoge im Buch, aber das hat mir sehr gut gefallen und dadurch wird die Geschichte locker. Insgesamt bewundere ich das Ideenreichtum der Autorin!



Für mich ist dieses Buch wirklich vielseitig. Es hat mehr als nur einen Fantasyaspekt, sehr interessante Figuren und viele Werte wie Familie oder Verantwortung spielen wichtige Rollen. Hinzu kommt das Chaos, aber auch eine zarte und zum Scheitern verurteilte Liebesgeschichte. Es hat einfach alles! Manchmal ist die Erzählstringenz nicht ganz gegeben, aber das ist zweitrangig. Die Themen sind toll, der Stil ist gut und auch wenn das Buch nur langsam Fahrt aufnimmt, ist es ab dem Mittelteil absolut hervorragend und ebenso ungewöhnlich. Ich vergebe 4,5 Spitzenschuhe und freue mich riesig auf ein weiteres Abenteuer mit May und all ihren Problemen. Wie sie die wohl bewältigen wird?!



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