3. Mai 2018

Rezension: "Die Grimm Chroniken: Der schlafende Tod" von Maya Shepherd



Titel: Die Grimm-Chroniken: Der schlafende Tod
Autor: Maya Shepherd
Verlag: Sternensand Verlag
Preis: 8,95€
Seiten: 132


Mehrteilige Reihen sind für mich als Leser immer ein zweischneidiges Schwert. Natürlich überwiegen die Freude und das Gefühl, dass man länger Teil einer geliebten Welt sein darf. Aber diese Warterei… Viele warten ja einfach ab, bis eine Reihe vollständig erschienen ist, bevor sie diese starten. Aber wie sollte das bei den „Grimm-Chroniken“, aus der Feder von Maya Shepherd, möglich sein? Die Märchenreihe ist auf viele, kürzere Folgen konzipiert, dessen Anzahl bis heute noch nicht feststeht. Jede Folge der Grimm-Chroniken lässt sich in wenigen Stunden durchlesen. In dieser Zeit taucht man in eine neue Märchenwelt ein, die mit vielen innovativen Handlungselementen glänzt. Und man kommt nicht mehr von ihr los. Wie es sich bei einer guten Serie gehört, will man immer die nächste Folge sehen – oder hier, lesen. „Der schlafende Tod“ ist die dritte Folge rund um Will, Schneewittchen, Maggie, Mary und Dorian. Neue Handlungsfäden entstehen, neue Märchen werden eingebunden, neue Welten entdeckt. Und schwupps…ist es auch schon wieder vorbei. Die nächste Folge bitte!

Goldenes Sonnenlicht fiel durch die Scheiben direkt auf den Glassarg, in dem ein Mädchen schlief. Schwarzes glattes Haar lag ihr über die schmalen Schultern und reichte bis zu ihren Brüsten. Es glänzte seidig, als wäre es gerade erst gebürstet worden. Lange dunkle Wimpern umrahmten ihre geschlossenen Augen. Sie trug ein blütenreines weißes Kleid aus zarter Spitze. Wie sie dort lag, wirkte sie vollkommen friedlich, so als könne sie keiner Menschenseele etwas zuleide tun. 
Es herrschte eine andächtige Stille, die von Rumpelstein zerbrochen wurde. 
»Töte sie, Wilhelm«, forderte er mit kalter Härte. »Bohre ihr einen Pflock ins Herz. Nur so können wir sicher sein, dass sie wirklich tot ist.«


Bei langen Reihen wird eine Rezension mit der Zeit immer schwerer. Ein dritter Teil ist keinesfalls das Maximum, doch es fällt mir relativ schwer etwas zu „Der schlafende Tod“ zu sagen. Was könnte ich schreiben, dass ich über die „Grimm-Chroniken“ nicht schon gesagt habe? Ich werde nicht müde zu betonen, dass ich die Idee von Maya Shepherd einfach grandios finde. Eine Buchreihe, an eine Serie angelehnt, in der mit all den „Lügen“ der Gebrüder Grimm aufgeräumt wird. Alle Märchen in ein großes Ganzes zu verpacken ist eine tolle Idee, die ich sehr bewundere und die beim Lesen super viel Spaß macht! 
Durch die gegebene Kürze der Bücher, die immer um die 120 Seiten lang sind, dauert die Charakterentwicklung ein wenig. Doch die Figuren werden in der dritten Folge tiefschichtiger, man erfährt mehr über den tapferen Will, der noch so viele Geheimnisse lüften muss und auch über das schöne, schlafende Vampirmädchen, namens Schneewittchen. Schneewittchen tritt in „Der schlafende Tod“ als größerer Charakter zu Tage, was mir sehr gefiel. Man erfährt mehr über sie und über ihre gesamte Familie. Und trotzdem bleiben noch so viele unbeantwortete Fragen, die durch die zeitlichen Abstände entstehen. 
Das Buch wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, die alle zu einer anderen Zeit stattfinden. Einer der größten Handlungsstränge ist die Gegenwart – hier 2012 – in der Will, Joe und Maggie die Mission bekommen, Schneewittchen aufzuhalten. Ich mag dieses Dreiergespann sehr, auch wenn es in dieser Folge keine allzu große Rolle spielt. Joe ist witzig, verbirgt aber noch einige Charakterzüge. Maggie ist ein herzliches und lebensfrohes Mädchen, die man gern zur Freundin hätte. Mit der vordergründigen Position von Schneewittchen tritt Maggie allerdings ein wenig in den Hintergrund. Denn Will muss in Schneewittchens Traum und dort ist er auf sich allein gestellt. Will ist ein Charakter mit viel Potenzial und ich bin auf sein „wahres Ich“ sehr gespannt, von dem immer wieder angedeutet wird, dass es wichtig für die Geschichte ist. Was verbirgt Wills Vergangenheit? Der Junge ist mutig und willensstark und ich bin auf seine Rolle sehr gespannt. Sie wird wichtig sein, so viel ist klar. Schneewittchen und Mary sind weiterhin schwer einschätzbare Charaktere. Schneewittchen lernt man in ihrem Traum kennen, der Anfang des 19. Jahrhunderts spielt. Und dann wäre da der wichtige Handlungsstrang im 16. Jahrhundert, der von der großen Protagonistin und Ich-Erzählerin Mary erzählt wird. Als Leser bekommt man mindestens drei Versionen der Königin geliefert. Das unschuldige, wunderschöne und verliebte Mädchen; die liebende Mutter; und die böse Königin. Was geschieht zwischen den einzelnen Stadien? Was passiert in all den Jahrhunderten, die unausgefüllt sind? Eins ist klar: Maya Shepherd muss noch eine ganze Menge erklären, doch dafür hat sie ja noch weitere Folgen Zeit.
Mit jedem Buch wird die Spannung größer, die Fragen zahlreicher, die Figuren herzerwärmender. Man möchte wissen, wie sich das Gesamtkonzept erschließen wird und was wohl alles in der Märchenwelt passiert ist. Welche Rolle wird Will spielen? Wer ist gut oder böse? Und ist das Böse wirklich eine Ansichtssache? 
Die Märchenelemente sind wieder sehr gut mit modernen Ideen gepaart. Derzeit sind noch nicht allzu viele Märchen eingearbeitet, „Die kleine Meerjungfrau“ und „Blaubart“ scheinen aber demnächst eine Rolle zu spielen. „Schneewittchen“ ist in „Der schlafende Tod“ noch sehr zentral, doch ich bin sicher, dass die Reihe bald erweitert wird. Und darauf freue ich mich.
Der Stil von der Autorin ist wieder sehr gut. Der Prolog zu Beginn gefiel mir sprachlich wirklich gar nicht, aber wie soll man all die Geschehnisse auch sinnvoll zusammenfassen, ohne 100 Seiten zu schreiben?! Danach wurde es sprachlich wieder toll, märchenhaft und spannend. Das Buch ist wie seine Vorgänger auch, sehr gut aufgemacht und mit liebevollen Details versehen. Das Cover gefällt mir bei dieser Folge tatsächlich nicht so gut, allerdings passt es trotzdem sehr gut zum Inhalt der Folge.


Viel Spannung, viel Rätselhaftes und tolle Figuren, die sich in verschiedenen Zeiten durch die Märchenwelt kämpfen: so bildet sich das reinste Lesevergüngen! Das gesamte Konzept der „Grimm-Chroniken“ ist und bleibt atemberaubend und ich will jetzt schon die nächsten 10 Folgen haben. „Der schlafende Tod“ macht da weiter, wo sein Vorgänger aufgehört hat und übertrifft diesen. Mir sind die Folgen einfach viel zu kurz, weshalb ich nur 4,5 Spitzenschuhe vergebe. Und ich hebe mir das Maximum für die nächsten Folgen auf – denn das wird kommen.



2. Mai 2018

Rezension [Hörbuch]: "Wie Blut so rot" von Marissa Meyer



Titel: Wie Blut so rot
Autor: Marissa Meyer
Sprecher: Vanida Karun
Verlag: Silberfisch Verlag
Preis: 19,99€
Seiten: 432
Dauer: 11h 42m

Vor kurzem habe ich begonnen, die „Luna-Chroniken“ als Hörbuch zu hören. Es ist schon länger her, dass ich diese Reihe gelesen habe, doch es ist eine der wenigen, die mit jedem Band noch viel besser wird. Damals überraschte mich der zweite Teil „Wie Blut so rot“ sehr, denn er ist fesselnder, spannender und emotionaler, als „Wie Monde so silbern“. Damals konnte ich nicht aufhören zu lesen, daher begann ich das Hörbuch mit viel Vorfreude. Und diese konnte sich halten. Ich hatte vieles vergessen, doch die ungekürzte Version aus dem Silberfisch Verlag bringt dem Leser das Geschehen lebhaft vor Augen und lässt ihn wieder in die „Luna-Chroniken“ eintauchen. Die Geschichte rund um Cinder und nun auch Scarlet ist wirklich großartig und so auch dieses Hörbuch! Auch dank konstanter und abwechslungsreicher Lesung von Vanida Karun!

Zwei ganze Wochen ist Scarlets Großmutter nun schon verschwunden. Entführt? Tot? Die Leute im Dorf sagen, sie sei sicher abgehauen. Sie sei ja sowieso verrückt. Aber für Scarlet ist Grandmère alles - von ihr hat sie gelernt, wie man ein Raumschiff fliegt, Bio-Tomaten anbaut und seinen Willen durchsetzt. Dann trifft Scarlet einen mysteriösen Straßenkämpfer - Wolf. Er fasziniert sie; doch kann sie ihm trauen? Immerhin: Die reißerischen Berichte über Cinder und das Attentat auf Prinz Kai hält Wolf ebenso wie sie für Quatsch. Aber irgendein Geheimnis verbirgt der Fremde...

Schon mit „Wie Monde so silbern“ konnte mich die Sprecherin Vanida Karun von sich und ihrer Interpretation des Buches überzeugen. Zum Zeitpunkt des Hörens habe ich viele Hörbücher gehört und deswegen stach Karuns Interpretation sofort heraus. Als Leserin verwendet sie viele verschiedene Stimmen, die sie aber konstant durchhält. Schon im ersten Band waren Iko und Dr. Erlander toll gelesen, in „Wie Blut so rot“ kommen nun neue Charaktere hinzu, die allesamt eine eigene Interpretation bekommen. Diesmal gefiel mir die sanfte und tiefe Stimme von Wolf besonders gut, die zu meiner eigenen Vorstellung wunderbar passt. Auch der Traumaturg Jael ist interessant gelesen, auch wenn sich bei seiner Stimme meine Nackenhaare aufstellten. Doch gerade das ist doch ein Zeichen, dass die Sprecherin ihren Job absolut richtig gemacht hat! Ich habe schon ein wenig Kritik bezüglich Vanida Karun gehört, doch ich kann dem nur widersprechen. Sicher, an ein paar Stimmlagen muss man sich gewöhnen, doch für mich ist durch ihre Interpretation das Hörbuch so abwechslungsreich, dass es beinahe schon zum Hörspiel wird und somit sogar für eine jüngere Altersklasse geeignet ist. Ich lausche Karuns Stimme wirklich gern, denn mit ihr zieht sie mich wieder in ferne Galaxien.
Und diese Galaxien haben es in sich. Die Autorin Marissa Meyer hat eine wahnsinnig tolle Intertextualität geschafft, die mit so vielen Bezügen und Verwicklungen glänzt. Nach und nach verknüpft sie bekannte Elemente der Märchen mit einer Sci Fi Welt, als wäre es selbstverständlich. Es kommen immer neue Fakten und neue Märchen hinzu, alles ist irgendwie bekannt und doch vollkommen neu. In „Wie Blut so rot“ beginnt dieser unglaublich Geschichtenkosmos und es wird in „Wie Sterne so golden“ fortgeführt. Als Hörer verlagert sich das Setting der Geschichte vom asiatischen Staatenbund nach Frankreich. Man lernt Scarlet kennen, die mit ihrer Großmutter auf einem Bauernhof lebt, doch Scarlets Grandmère ist verschwunden. Scarlet tut alles, um herauszufinden, was mit ihr geschehen ist und auf diesem Weg begegnet sie Wolf. Wolf und Scarlet sind tolle Charaktere und waren immer meine Lieblinge der Reihe. Ich liebe ihre Szenen, die Anziehung zwischen diesen beiden verschiedenen Wesen. Und genau diese prickelnde und dennoch ruhige Chemie bringt das Hörbuch sehr gut herüber! Kann man Wolf trauen? Oder belügt er Scarlet? Sollte sie sich auf ihn einlassen? Schnell muss Scarlet herausfinden, dass ihre kleine Welt zu erschüttern droht, denn es gibt so vieles, von dem sie nie etwas ahnte! 
Die gesamte Geschichte rund um Scarlet ist super spannend! Sie und Wolf sind tolle Protagonisten, die etwas ganz Besonderes ausmacht. All die Geheimnisse, die auf den Plan treten sind so interessant, dass man immer wissen will, wie es weitergeht. Ich bin den beiden von Rieux nach Paris gefolgt, habe mich im alten Opernhaus bewegt (, in dem ich erst letztes Jahr war) und ihre Geschichte inhaliert. Zwischendurch kommt immer wieder Cinder an die Reihe, die den charmanten Captain Thorn kennengelernt hat, der ebenfalls zu meinen Lieblingen gehört. Ein humorvoller Charakter voller Schabernack, der der Geschichte Pepp verleiht! Cinder und Thorn passen überhaupt nicht zusammen und gerade das macht ihren Handlungsabschnitt so toll. Cinder entdeckt nach und nach ihre lunarischen Fähigkeiten und testet diese aus. Sie reift und lernt langsam, was das Schicksal für sie bereithält. Am Ende treffen beide Handlungsstränge zusammen, womit das Buch auch abschließt. Die Balance zwischen beiden Geschichten ist super und verknüpft bleiben sie trotzdem zu jeder Zeit. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Teil, der mein absolutes Lieblingsbuch der Reihe ist. 
Die Charaktere aus „Wie Blut so rot“ sind toll und so vielseitig und verschieden. Der Stil von Marissa Meyer ist sehr gut und fließend. Er passt toll zum Sci Fi Setting, bietet aber auch viel Romantik, Spannung und Schauder. Diese Geschichte geht einfach unter die Haut und Vanida Karun tut alles dafür, um genau diese Atmosphäre zu transportieren. Top!


„Wie Blut so rot“ hat meine hohen Erwartungen absolut erfüllt! Obwohl ich die Handlung kannte, bin ich wieder in der Geschichte versunken und konnte sie genießen. Emotionen und Witz werden von der Sprecherin Vanida Karun toll dargestellt und transportiert. Ich mag die Sprecherin sehr, denn sie bringt diese tolle und vielschichtige Geschichte akzentuiert und passend rüber. Ich habe die Geschichte von Scarlet und Co. Sehr gern gehört und freue mich darauf, noch tiefer im Universum von Marissa Meyer zu versinken, indem ich „Wie Sterne so golden“ als nächstes höre. Für „Wie Blut so rot“ vergebe ich volle fünf Spitzenschuhe.


1. Mai 2018

Rezension: "Unravel me" von Tahereh Mafi


Titel: Unravel me
Autor: Tahereh Mafi
Verlag: Harper Collins
Preis: 7,99€
Seiten: 496

Vor genau einem Jahr griff ich zum Reihenauftakt „Shatter me“ von Tahereh Mafi – auf Englisch. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich selten bis nie auf Englisch gelesen und hatte so meine Probleme mit dem Buch. Allerdings lag es auch an der Geschichte selbst. Mit der gefühlskalten und verängstigten Juliette kam ich nicht zurecht und die Handlung konnte mich kaum packen. Doch Band zwei schlummerte zu Hause im Regal und schaute mich immer wieder von der Seite an. Also gab ich dem zweiten Band „Unravel me“ eine Chance. In der Zwischenzeit habe ich ein paar wenige englische Bücher gelesen und fühlte mich in der Textsprache deutlich sicherer. Und siehe da: Band zwei gefiel mir deutlich besser. Das Buch legt einen tollen Start hin, doch der Leser muss mit Juliettes Gefühlschaos klar kommen und das ist nicht immer leicht. Die ein oder andere Wendung gefiel mir nicht, doch alles in allem ist „Unravel me“ für mich besser als sein Auftakt.

It should have taken Juliette a single touch to kill Warner. But his mysterious immunity to her deadly power has left her shaken, wondering why her ultimate defense mechanism failed against the person she most needs protection from.
She and Adam were able to escape Warner’s clutches and join up with a group of rebels, many of whom have powers of their own. Juliette will finally be able to actively fight against The Reestablishment and try to fix her broken world. And perhaps these new allies can help her shed light on the secret behind Adam’s—and Warner’s—immunity to her killer skin.


Juliette ist eine Art menschliche Waffe. Und damit musste sie in Band eins vor allem zurechtkommen. Niemand kann Juliettes Haut berühren, ohne einen elektrischen Schock zu bekommen und es besteht die Möglichkeit daran zu sterben. Was für eine Teenagerin die absolute Hölle ist, ist für das diktatorische Regierungssystem ein Segen und es will Juliette benutzen. Der wahnsinnige Warner versucht sie von seiner Seite zu überzeugen, doch Juliette gelingt mit dem Soldaten Adam die Flucht zu Omega Point – den Rebellen. Denn es gibt viele, die Fähigkeiten haben wie Juliette, nur sind die meisten nicht so tödlich. Ein weiterer wichtiger Punkt, den man vor Beginn des Lesens noch wissen wollte, ist dass es doch Menschen gibt, die Juliette berühren können. Und das sind ausgerechnet Adam und Warner. Den einen liebt Juliette, den anderen hasst sie. Oder?
Mein Gehirn musste diese ganze Vorgeschichte erst einmal wieder ausgraben, als ich „Unravel me“ begann. Ich erinnerte mich, dass mit die Liebesgeschichte zwischen Adam und Juliette gefiel und dass es da noch diesen brutalen Armeechef gab – Warner. Charaktere wie Kenji oder Castle hatte mein Gedächtnis beinahe vollkommen gestrichen. Doch zum Glück kam die Erinnerung zurück. Wie konnte ich auch einen herrlich humorvollen Charakter wie Kenji vergessen?! Der lustige Chaot sorgt für viel Witz, Ironie, aber auch Ernsthaftigkeit im Buch und hat daher eine absolute Paraderolle. Castle bleibt für mich immer ein etwas undurchschaubarer Anführertyp, mit dem Juliette durchaus Probleme hat. Adam ist der wundervolle und liebestolle Junge von nebenan, der nichts mehr will, als Juliette. Tja, und diese? Sie ist durch alles Geschehene in Band eins deutlich gereift. Oft hält sie sich noch immer für ein Monster, handelt naiv und schulmädchenhaft. Und eigentlich ist sie ja auch nur ein Mädchen, das viel zu viel Macht bekommen hat. Meiner Meinung nach entwickelt sie sich aber und beginnt vor allem, andere Menschen an sich heranzulassen. Das ist eine große emotionale Entwicklung, die mir gut gefiel. Die Liebesgeschichte zwischen ihr und Adam ist anfangs feurig und rasant, doch natürlich gibt es Probleme. Und das grundsätzliche ändert sich nicht: Was, wenn Juliette die Kontrolle verliert und doch ihre Liebsten verletzt? Das ist die Frage, mit der sie sich rumquält und mit der sie viele Handlungen rechtfertigt. Sie zieht sich zurück und es brach mir das Herz. Sind Adam und Juliette wirklich zu diesem Schicksal verurteilt? Juliettes Handlungen gefielen mir oft nicht, aber dennoch wohnt ihnen eine Grundspannung inne, die das Buch abwechslungsreich machen. Das Ziel scheint klar zu sein: Gegen das Reestablishment kämpfen. Und das haben Juliette und ihre Freunde vor. Sie stellen sich dem Chef, Andersen, entgegen, doch verläuft nichts, wie geplant. Und plötzlich steht Warner wieder im Mittelpunkt der Handlung. Warner war für mich immer das allerunsympathischste Charakter. Er tötet brutal, Gefühle anderer sind ihm egal, seine eigenen Interessen sind entscheidend. Und er hat sich in Juliette verliebt. Zwei Monster passen gut zusammen? Das scheint einer von Juliettes Gedankengängen zu sein, denn zwischen den beiden entsteht ebenfalls eine prickelnde Geschichte, die ich kaum ertragen habe.
Intrigen, Gefühlschaos und Tod sind zentrale Themen von „Unravel me“. Alles ist verworren und sollte tatsächlich „entwirrt“ werden. Es ist ein ständiges Hin und Her für den Leser. Doch unspannend ist die Geschichte keinesfalls. 
Ich finde den Stil von Tahereh Mafi ungewöhnlich. Im ersten Teil dachte ich noch, es würde an meiner mangelnden Erfahrung auf Englisch liegen, doch das ist nicht der Fall. Die Autorin liebt kurze und abgehackte Sätze. Sie mag Ellipsen, also Sätze, die unvollständig sind. Sie schreibt bildlich und wiederholt viele Worte, wenn sie das Geschehen unterstreichen sollen, wie etwa „I blink blink blink“ usw. Man erlebt durch ihren Stil Juliettes Innenleben gut und sehr emotional mit. Toll sind auch die durchgestrichenen Sätze im Buch. Dinge, die Juliette weiß und denkt, aber vor niemandem zugeben wollen würde. Verständlicherweise. Dieser Stil ist außergewöhnlich und irgendwie ein bisschen roh. Die Sprache ist leicht verständlich, ich brauchte dennoch den ersten Band, um mich an den gesamten Stil zu gewöhnen.
Die Figuren sind alles in allem gelungen, auch wenn mir zu manchen der Zugang fehlt. Mit Juliettes Entwicklung bin ich durchaus zufrieden, doch viele Wendungen, die sie hervorruft, gefallen mir nicht. Sie entscheidet sich meiner Meinung nach oft falsch, was zu einem ganz furchtbaren Ende des Buches führt. Der Anfang ist rasant, unmittelbar und toll. Das Ende ist einfach zum Kopfschütteln. In nächster Zeit habe ich nicht vor, den Finalband zu lesen, da mich Juliettes Handeln einfach so nervt. Allerdings scheint sie am Ende sehr stark zu sein. Ich weiß nicht, wie das Ganze enden soll, aber ich habe ein schlechtes Gefühl…


„Unravel me“ ist genauso verworren, wie der Titel vermuten lässt. Es gibt eine erstarkte Protagonistin, die mit ihren eigenen Gefühlen aber sehr zu kämpfen hat und sie deswegen oft falsch entscheidet. Das endet im Chaos und lässt nichts Gutes für „Ignite me“ vermuten. Die Figuren sind in Band zwei gut gelungen und ausgearbeiteter, als noch in Band eins. Zu einigen fehlte mir dennoch der Zugang. Lieblinge wie Kenji und Adam habe ich trotzdem und sie machen das Buch lesenswert. Der Stil von Tahereh Mafi ist außergewöhnlich, was mich wirklich beeindruckt hat. Insgesamt vergebe ich 4 Spitzenschuhen für das angerichtete Chaos.



27. April 2018

Rezension: "Helden des Olymp - Der verschwundene Halbgott" von Rick Riordan



Titel: Helden des Olymp - Der verschwundene Halbgott
Autor: Rick Riordan
Verlag: Carlsen
Preis: 10,99€
Seiten: 592

Alles, was Rick Riordan anfässt, scheint zu Gold zu werden. Mit der „Percy Jackson“-Reihe wurde er weltberühmt und verlieh vielen Kindern eine Heldenfigur. Auch ich liebe diese Reihe und ich bin Rick Riordan für seine Leidenschaft zur Mythologie wahnsinnig dankbar! Denn nicht nur die Griechen haben es ihm angetan, auch die Ägypter und natürlich die Römer. An die letztgenannten wollte ich mich nun wagen, also griff ich zum ersten Teil der „Helden des Olymp“-Reihe, mit dem Titel „Der verschwundene Halbgott“. Und obwohl ich mich in gewisser Weise in diesem Riordan-Universum wie zu Hause fühle, konnte mich der Reihenauftakt nicht immer fesseln. Es gibt viele neue Elemente und Figuren, aber auch Altbekanntes. Die Mischung ist gelungen, aber die hochgelegte Messlatte konnte das Buch leider nicht erreichen.

Jason erinnert sich an gar nichts – nicht einmal an seine besten Freunde Piper und Leo. Und was hat er in Camp Half-Blood zu suchen, wo angeblich nur Kinder von griechischen Göttern aufgenommen werden? Zu allem Überfluss gehören die drei Freunde laut Prophezeiung zu den legendären sieben Halbgöttern, die den Olymp vor dem Untergang bewahren sollen. Kein Problem – Leo treibt einen mechanischen Drachen als Transportmittel auf und los geht’s! Und dann gilt es auch noch einen seit längerem verschwundenen Halbgott zu finden, einen gewissen Percy Jackson ...

Am Anfang von „Der verschwundene Halbgott“ war ich einfach nur verwirrt. Ich hatte gehört, dass die Reihe so ähnlich sein soll, wie Percy Jackson, nur eben mit den römischen Göttern. Außerdem sagte man mir, dass auch Percy eine Nebenrolle spielt. In meinen Augen machte die erste Information Sinn und ich bekam Lust auf das Buch. Die zweite allerdings ließ mich ein wenig skeptisch werden. Ich liebe Percy Jackson als Figur und Held. Aber ich mag es nicht, wenn das Geschehen aus kompletten Reihen revidiert wird, nur damit man eine Fortsetzung schreiben kann. Um es direkt zu sagen, das ist auch nicht geschehen. Und trotzdem kam ich mit diesem Mischmasch nicht ganz klar. Percy taucht das ganze Buch über nicht auf – denn um irgendwen muss es sich beim „verschwundenen Halbgott“ ja auch handeln. Und trotzdem ist er allgegenwärtig. Annabeth spielt zu Beginn des Buches eine Rolle und einen kleiner Teil findet auch im Camp Halfblood statt. Das Setting ist dem Leser also bekannt – die Figuren sind aber neue. Das Konzept an sich ist logisch und macht Spaß. Warum nicht den Leser in eine bekannte Welt entlassen und diese mit neuen Figuren füllen?! Riordans Ansatz sorgte bei mir für Begeisterung. Aber die neuen Figuren konnten es irgendwie, trotz Sympathie, nicht ausfüllen. Und der Punkt, den ich bereits angerissen habe, dass man auf das vorher Geschehene durch diese Reihe einen neuen Blickwinkel bekommen muss, gefällt mir immer noch nicht. „Percy Jackson“ endet relativ offen und natürlich gibt es ungeklärte Fragen. Aber so große unentdeckte Welten daraus zu machen, war mir suspekt. Aber trotzdem muss ich auch den positiven Faktor benennen: Und das ist das Heimatgefühl, das schon auf den ersten Seiten einkehrt. Man kennt die Welt von Camp Halfblood, die Götter, ihre Kinder und die Aufträge, die diese bestehen müssen. Das Konzept bleibt auch in diesem Buch gleich.
Kommen wir also zu den Charakteren. Neben den Bekannten, wie Chiron, Annabeth und Rachel tauchen drei neue Protagonisten auf, aus dessen Sichten das Buch auch geschrieben ist. Das ist zum einen Piper, eine Rebellin und die Tochter eines Cherokee und der Aphrodite. Anfangs empfand ich für sie keine großen Sympathien, aber mit der Zeit wird Piper ernster und akzeptiert sich selbst. Der Prozess ist schön zu beobachten, dennoch kam ich mit ihrer Art nicht immer klar. Nummer zwei im Bunde ist Leo, ein wahnsinnig talentierter Handwerker und Techniker und somit kein anderer als der Sohn des Hephaistos. Leo war für mich absolut authentisch, herrlich witzig und interessant. Er muss seine Hände immer beschäftigen und hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, was ihn super sympathisch macht. Er war mein absoluter Liebling! Und sein Metalldrache namens Festus ist das perfekte Maskottchen für das Dreierteam. Und „Dreierteam“ deutet schon an, dass noch ein Protagonist fehlt. Hierbei handelt es sich um Jason. Er ist ein schwieriger Charakter, denn er erinnert sich an rein gar nichts. Außerdem scheint er nichts über die Griechen, aber eine Menge über die Römer zu wissen. Wenn jemand beinahe nichts über sich selbst weiß, ist es schwer die Leser zu gewinnen. Ich konnte mit Jason jedenfalls nicht allzu viel anfangen. Er ist der Leader und in gewisser Weise das Gegenbild zu Percy Jackson. Und tatsächlich ist er das große Mysterium des Buches. Man möchte seine Geschichte erfahren und bekommt immer nur kleine Stückchen.
Zusammen bilden die drei ein gutes Team. Natürlich erinnert es an Percy, Annabeth und Grover, ohne allerdings an diese drei heranzukommen. Aber wahrscheinlich ist das auch einfach nicht möglich. Zu dritt müssen sie einen Auftrag für Hera durchstehen und dabei erleben sie einen Haufen Abenteuer. Davon waren manche spannender, manche etwas träge. Dennoch ist der Aufbau gelungen und unterhaltsam. Man stolpert in eine bekannte Welt und entdeckt dennoch so viel Neues! Das Grundabenteuer ist ganz in der Percy-Jackson-Manier verfasst und der Höhepunkt von Anfang an das klare Ziel. Mir gefiel das Finale wirklich gut und da zog die Spannung auch ordentlich an! Vorher hatte ich allerdings nicht immer den Drang, weiterlesen zu wollen. Und das ist sehr schade. Jason, Piper und Leo konnten mich nicht richtig fesseln, aber was ich gelesen habe, war "ganz gut". Nur eben nicht packend, wenn man es so sagen kann. Aber ich verzeihe dem Auftakt diese etwas langgezogenen Elemente, denn eine neue Reihe muss erst mal Fahrt aufnehmen. Am Ende ist vieles klarer und trotzdem bleiben wahnsinnig viele Fragen. Für mich war die große Bösewichtin von Anfang an klar ersichtlich. Es wunderte mich sogar, dass die Halbgötter so lange gebraucht haben, um zu erkennen, gegen wen sie kämpfen sollen. Der Final Fight ist wie gesagt gelungen, danach ebbt die Spannung wieder etwas ab. Der Stil von Riordan bleibt ungebrochen gut. Manchmal schweift er allerdings ein wenig aus und die Auferstehung des ein oder anderen Bösewichts weniger hätte mir durchaus gefallen. Schön war allerdings, dass immer wieder bekannte Figuren aufgetaucht sind und so auch die Jägerinnen der Artemis eine Rolle spielen. Die Kapitel sind übrigens immer aus der Sicht eines Protagonisten erzählt, so dass man zum Innenleben von Piper, Leo und Jason eine Verbindung bekommt und für Abwechslung gesorgt ist. Außerdem trägt jeder so seine Geheimnisse mit sich rum, von denen der Leser so als erstes erfährt.


Insgesamt ist „Helden des Olymp – Der verschwundene Halbgott“ eine unterhaltsame Abenteuergeschichte, die mich aber nicht immer fesseln konnte. Das bekannte Setting erleichtert vieles, doch die neuen Figuren müssen sich erstmal beweisen. Der Stil von Rick Riordan ist wie immer lebhaft und spannend, manchmal aber auch etwas ausschweifend. Ein kleines bisschen mehr Humor hätte ich mir auch gewünscht, obwohl Leo und Trainer Hedge durchaus für gewisse Momente sorgen. Ich bin gespannt, wie es weiter geht, hatte von diesem Reihenauftakt aber etwas mehr erwartet. Und deshalb vergebe ich 3,5 Spitzenschuhe für Jason und seine Freunde.



20. April 2018

Mein SuB kommt zu Wort: Karli #24


Hallo ihr Lieben!


Heute ist es wieder soweit. Auch wenn es bei uns im Norden gerade eher nach dem 20. Juni aussieht und sich auch so anfühlt, schreiben wir den 20. April. Und das ist natürlich genau die richtige Zeit für das SuB-Interview. Im letzten Monat habe ich Karli beinahe vergessen, weil ich mich in Wien befand. Doch wir konnten via Ferngespräch das Interview trotzdem hinbekommen. Heute gibt es keine Ferngespräche, mein kleine SuB ist genau neben mir und absolut bereit, euch wieder etwas zu erzählen. Ist doch so, oder Karli? Na, wunderbar. Dann wünsche ich euch viel Spaß und weise noch auf Annas schönen Blog hin, die diese tolle Aktion noch immer als Schirmherrin begleitet und oft daran teilnimmt! Gerade ist sie leider krank, also gute Besserung an Anna und ihren lieben SuB!




1. Karli, wie groß bist du aktuell?

Hallo ihr netten Menschen da draußen und natürlich ein herzliches Hallo an alle SuBs :) Heute ist wieder unser Tag, juhu! Und das Wetter feiert uns quasi auch. Besser könnte es also nicht laufen. Oder doch? Wenn ich die Frage so ansehe, könnte es vielleicht doch ein klein wenig besser sein. So ein klitzekleines bisschen.
Im letzten Monat hatten Julia und ich eine besondere Situation und ich bin froh, dass ich wieder ganz real zu euch sprechen kann :) Unsere besondere Situation erstreckte sich übrigens auch auf die Chemie zwischen uns. Denn es lief gar nicht gut! Sie kam von der Leipziger Buchmesse mit einem Sack voller Bücher heim, die mir die Laune wirklich vermiest haben. So war ich von 150 auf glatte 167 Bücher angewachsen!! Ist das zu fassen? Aber ich wurde beruhigt und zwar von meiner Besitzerin höchstselbst. Sie hatte wohl einen kleinen Zahlendreher drin, weshalb ein paar Bücher doch wieder von mir weg wanderten. Außerdem gab es seit Wien keine Neuzugänge und Julia hat im Urlaub auch ein bisschen gelesen. Und tada...so kann ich euch heute eine etwas geringere Zahl nennen. Derzeit bin ich nämlich 152 Bücher groß. Ist immer noch viel. Aber seht ihr die kleinen Pfunde, die ich schon wieder abgenommen habe?! Ähm...Zentimeter, die ich kleiner bin, meine ich natürlich! ;) Gut so, Julia! Weiter geht's!


2. Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen - zeige mir deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel.



Die SuB-Pfelge läuft überraschend gut, wenn ich einen Blick auf meine Neuzugänge werfe. Die gibt es nämlich nicht! Julia hat zwar heute Buchpost vom diogenes-Verlag bekommen, allerdings haben wir abgesprochen, dass die erhaltene "Verlagschronik" mit über 800 Seiten kein Werk für mich ist. Wir nennen es ein "Nachschlage-und Blätterwerk" und deswegen gibt es nicht einen neuen Schatz bei mir. Manche von euch enttäuscht das vielleicht, mich begeistert es absolut! Ich fühle mich immer gut gepflegt, wenn Julia meine Größe möglichst gering hält. Und ganz ehrlich? Da ist noch Luft nach oben! Auch, was ihr Leseverhalten betrifft. Wien war zwar wieder ein Lichtblick und Anfang April lief auch alles sehr gut, aber inzwischen ist sie wieder schlurig geworden. Heute hat mich ein Buch verlassen und das war das fünfte in diesem Monat. Also nicht überragend...aber andererseits kann ich Julia auch gar nicht lange böse sein, weil sie ihr Jahresziel ganz gut im Blick hat. Durch die Schule schafft sie einfach nicht so viele Bücher und wenn es um die sechs oder sieben im Monat sind, reicht das vollkommen. 
Ich bin also zufrieden. Selten, dass ich so etwas sage, aber so ist es. Keine neuen Bücher, also keine Schätze zum Präsentieren. Aber dafür ein zufriedender und gut gepflegter Karli :)



3. Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil gelesen? War es eine SuB-Leiche, eine Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Reziexemplar und wie hat es deinem Besitzer gefallen (gerne mit Rezensionslink)?

Julia hatte heute Elternsprechtag und war daher nur kurz in der Schule. Gegen Mittag setzte sie sich dann auf die Terrasse und genoss das sonnige Wetter. Und was braucht man dafür? Ein gutes Buch. Vor wenigen Stunden hat sie also das letzte beendet und ehrlich gesagt, hat sie dafür wahnsinnig lange gebraucht. "Helden des Olymp - der verschwundene Halbgott" hat uns als letztes verlassen. Julia hat gerade ihre Griechenland-Einheit hinter sich und beginnt nun das Thema "Rom und Germanien" in der Schule. Und da passte das Buch gut in die Lektüre. Es lag seit letztem September bei mir, also tatsächlich schon ein Weilchen. Aber noch im Rahmen ;) 
Natürlich hat sie noch keine Rezension geschrieben - so schnell war sie früher vielleicht einmal, aber heute sicher nicht mehr. Es hat ihr wohl ganz gut gefallen. Rick Riordan weiß einfach, was er tut. Allerdings bleibt die Geschichte hinter der Ursprungsgeschichte von Percy Jackson schon deutlich zurück. Dabei sind sie ja in gewisser Weise verknüpft. Es war gut und sie wird weiter lesen, ein bisschen höher waren die Erwartungen aber schon.


4. Lieber Karli, die Aktion läuft seit zwei Jahren - wie schätzt du die Beziehung zu deinem Besitzer mittlerweile ein? Wie fühlst du dich selbst?

Frage vier, meine Lieblingsfrage :) Und heute wieder eine ganz besonders schöne! Seit zwei Jahren gibt es die Aktion also schon?! Wahnsinn! Glückwunsch an Anna! 

Wir sind noch keine ganzen zwei Jahre dabei, aber beinahe - wir haben einen Monat verpasst. 
Und ich muss sagen, dass ich durch "Mein SuB kommt zur Wort" so viel über Julia und auch mich selbst gelernt habe! Unsere Beziehung ist viel inniger geworden und selbst ihr Freund Max kennt mich inzwischen sehr gut. Ich bin Teil von Julias Alltag und immer präsent, wenn sie mit neuen Büchern flirtet. Daher schätze ich unsere Beziehung als sehr schön, aber intensiv ein. Ich habe sehr viel Spaß mit meiner verrückten Besitzerin und bin dankbar für all die Aufmerksamkeit. Ich fühle mich bei Julia pudelwohl, auch wenn ich seit dem Laufen der Aktion wahnsinnig angewachsen bin. Bei unserem ersten Interview war ich gerade mal 97 Bücher dick. Inzwischen bin ich um die Hälfte meiner damaligen Zahl angewachsen, aber trotzdem bin ich - unter uns gesagt - ein sehr zufriedener SuB. Das muss Julia nicht unbedingt wissen, aber ich hab sie schon ziemlich lieb...



Und schon wieder sind wir am Ende. Ich hoffe, dass euch das Interview gefallen hat und einige von euch verstehen können, dass ich mich über den Zustand keiner Neuzugänge sehr freue :) Ich finde, wir sind auf einem guten Weg! Am besten geht Julia gleich zurück auf die Terrasse, um ein neues Buch anzufangen ;) 

Habt einen wunderschönen Monat und bis zum nächsten Mal!

Euer Karli



Frage vier hat mir dieses Mal auch sehr gefallen, die Antwort meines kleinen Karlis entzückt mich aber noch viel mehr! Ich finde unsere Beziehung auch so wundervoll und der Kleine ist wirklich immer präsent! Selbst viele meiner Freunde wissen, wer mit Karli gemeint ist ;) Seinen Tipp mit der Terrasse werde ich jetzt leider nicht umsetzen können, aber ich versuche, diesen Monat noch ein, zwei Bücher zu schaffen. Für dich, Karli ;)

Wie sieht es bei euch aus? Was hat euer SuB erzählt? Ist eine Beziehung innig oder eher neutral? Ich bin gespannt!


Liebst, 
eure Julia

19. April 2018

Rezension: "Nicht nur ein Liebesroman" von Emma Mills


Titel: Nicht nur ein Liebesroman
Autor: Emma Mills
Verlag: Könisgkinderverlag
Preis: 18,99€
Seiten: 416


„Nicht nur ein Liebesroman“ war mein zweites Buch von Emma Mills und ich muss sagen, dass sie dank beider Bücher eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen ist. Ihre Bücher haben etwas Magisches! Sie sind bescheiden und authentisch, liebevoll, liebenswert und tiefsinnig. Und wem all diese Attribute noch nicht reichen, der sollte wenigsten dem herzlichen Humor nicht widerstehen können, der in ihren Büchern mitschwingt. Mit „Nicht nur ein Liebesroman“ ist Emma Mills wieder ein wundervolles Buch gelungen, in dem es wirklich nicht nur um eine Liebesgeschichte geht. Es geht um Freundschaft und Erwachsenwerden und ja, auch um die Liebe. Die Liebe zwischen Vater und Tochter, zwischen den besten und entfernten Freunden und natürlich zwischen Liebenden. „Nicht nur ein Liebesroman“ ist für mich nicht nur irgendein Roman, sondern eines meiner Lieblingsbücher überhaupt! Lasst euch von Emma Mills Fähigkeit Geschichten zu schreiben bezaubern und verliert euer Herz an Sloane und ihre Freunde!

Die siebzehnjährige Sloane hätte nie gedacht, dass sie nach ihrem Umzug von New York nach Florida so schnell Freunde finden würde – vor allem nicht in der glamourösen Vera und ihrem Zwillingsbruder, dem ernsthaften und stillen Gabe. Durch sie beginnt Sloane, sich ganz allmählich zu öffnen. Und lernt bei ihrer Suche nach einem verschollenen Bild schließlich sogar, wie viel Liebe im Leben und in ihr steckt ...

Dass der Königskinderverlag sehr viel Wert auf die Gestaltung seiner Bücher legt, ist bekannt (, umso trauriger, dass es keine weiteren Bücher aus diesem Verlag geben wird). Aber mit „Nicht nur ein Liebesroman“ haben die Designer sich wieder selbst übertroffen. Wie schon „Jane & Miss Tennyson“ ist auch der zweite Roman von Emma Mills in Pink- und Türkistönen gehalten. Auf dem Cover prankt eine Frauensilhouette in hellbeige und in dessen Mitte lassen sich filigrane Vögel finden. Das Cover vermittelt einen Eindruck von Freiheit und Verträumtsein. Ich habe es sofort geliebt! Nimmt man den Buchumschlag ab, bleibt das Buch ebenso liebevoll gestaltet. Die Vögel lassen sich zu Beginn jeden Kapitels finden und auch auf dem Buchrücken sind sie. Ebenso wie ein zauberhaftes Zitat über die Liebe sich über Vorder- und Rückseite erstreckt. 
„Es ist einfach so, weil es so ist. Es gibt die Liebe einfach.
Weil es gar nicht anders geht.“
Das Zitat und das Äußere des Buches vermitteln wunderbar, worum es in diesem Buch geht: die Liebe. Aber nicht die amouröse Liebe, wie sie in jedem Buch zu finden ist, sondern um die Liebe in jeglicher Erscheinungsform – die Liebe an sich. 
Die Liebe ist auf jeden Fall das zentrale Element des Buches, allerdings merkt man das als Leser gar nicht immer. Denn die Liebe findet Emma Mills auch in den kleinsten Dingen dieser Welt und erst später wird deutlich, dass sie doch immer präsent war.
Die Protagonistin des Buches ist Sloane. Sie ist mit ihrer Familie von New York nach Florida gezogen, was ihr aber ganz recht war. Sie hat eine kleine, quirlige und liebenswerte Schwester, für die sie alles geben würde. Auf den ersten Blick scheint ihre Familie ganz normal zu sein, erst später kommen Details ans Licht. Wie etwa, dass Sloanes Vater ein berühmter Autor von Liebesromanen ist und derzeit eine Schreibblockade durchlebt. Die Beziehung zwischen Sloane und ihrem Dad ist einmalig und wundervoll. Sloanes Dad ist so etwas wie ihr bester Freund. Er ist vernünftig und gleichzeitig wahnsinnig verrückt und komisch. Er bringt Leben in die Geschichte und verbreitet verquerte Ansichten über die Welt, die man vielleicht sogar teilen muss. Sloane ist eine großartige Protagonistin. Sie ist talentiert und witzig, was aber auch nicht von Beginn an erkennbar ist. Bescheidenheit und Humor machen sie aus. Sie zweifelt wie jeder Teenager an sich und sucht noch ihren Weg. Auf genau diesem begegnen ihr die Zwillinge Vera und Gabe. Vera ist ein kleiner Social-Media Star und sie ist eine der bewundernswertesten Personen des ganzen Buches. Sie ist auf ihre eigene Art ein bisschen verrückt, sehr selbstbewusst und dennoch verletzlich. Sie ist die ideale Freundin für Sloane und hat keine Angst, diese Freundschaft zu vertiefen. Vera ist ein absolutes Vorbild und das in vielerlei Hinsicht. Sie ist für Sloane da und steht zu ihrem eigenen Selbst. Außerdem verbirgt sie ein tragisches Schicksal, so dass auch die Tiefen des Lebens Einzug in diese Geschichte finden. Es ist nie Thema des Buches, dass Vera mit einem Mädchen zusammen ist. Es wird oft erwähnt und sie redet ganz offen darüber, aber gleichgeschlechtliche Liebe wird nie zum Thema gemacht. Um es mit Mills Worten zu sagen: „Es gibt sie einfach.“ Und diese Einstellung fand ich wahnsinnig toll! Keiner stört sich an diesem Umstand, denn so ist das Leben. 
Auch Frank ist ein ganz wunderbarer Charakter, den man nie richtig einzuschätzen lernt und der auch eine Randfigur bleibt. Und dennoch wertet er mit seinen „Frank Santer Presents“ Partys das Buch absolut auf! Und dann wäre da noch Gabe, Veras Zwillingsbruder. Er ist eine sehr starke Persönlichkeit, die aber nach außen hin immer nur Ruhe präsentiert. Doch unter der Oberfläche geht eine ganze Menge ab. Ich mochte den ruhigen Gabe, der trotz seiner introvertierten Art Teil der Clique ist und viel Humor besitzt. In weitere Rollen sind noch Aubrey und Remy zu finden. Sie spielen für die Clique eine wichtige Rolle, auch wenn Aubrey immer ein bisschen blass bleibt. Remy hingegen ist voller Energie, etwas anders, aber so phänomenal.
Durch all diese tollen Figuren entwickelt sich auch Sloane zu derjenigen, die sie eben ist. Anfangs war sie eine Einzelgängerin, die angeblich genau wusste, was sie will und der ein paar Dinge in den Schoß fielen. Doch durch die Menschen, die sie kennenlernt, lernt sie zu vertrauen und sich auf ihre Freunde zu verlassen. Sie lernt, wie viel schöner das Leben mit Freunden ist und dass man für seine Träume einstehen muss. „Der Traum“ ist übrigens ein gutes Stichwort für das Buch. Hierbei handelt es sich um besagtes Bild aus dem Klappentext, auf dessen Suche sich Sloane begibt. Dieser Handlungsstrang ist einfach wunderbar und endet ganz anders, als man erwarten würde.
Insgesamt ist „Nicht nur ein Liebesroman“ gerade wegen seiner Bodenständigkeit so wundervoll. Es geht um das ganz normale Leben von Teenagern. Man liest und liest und liest und will gar nicht aufhören, obwohl man gar nicht richtig benennen kann, wo die Anziehungskraft liegt. Für mich lag sie in den Figuren und all dem, was sie zusammen erleben. Jeder Charakter hat eine Aufgabe, die er großartig erfüllt. Und trotzdem erscheint alles eben so normal. Deswegen ist auch das Buch an sich gar nicht wirklich abgeschlossen. Es endet. Aber das Leben geht weiter. Denn es handelt sich eben nicht nur um einen Liebesroman. Man hat als Leser das Gefühl, dass man für kurze Zeit Teil einer sehr schönen Geschichte war, aber dass das Leben der Figuren noch weitergehen wird.
Der Schreibstil von Emma Mills ist ebenso zauberhaft wie die Entwicklung ihrer Figuren. Man glaubt, in diesem Buch gefangen zu sein. Sie hat Sloane genau richtig getroffen und als Erzählerin der Geschichte, ist sie authentisch und reif. Und dennoch regt das Buch eben zum Träumen an!
Der Aspekt der „Liebesgeschichte“ kommt übrigens relativ kurz. Es ist nicht schwer herauszufinden, an wen Sloane langsam aber sicher ihr Herz verliert. Und dennoch spielt diese Geschichte nur eine untergeordnete Rolle zwischen all den freundschaftlichen Entwicklungen. Und trotzdem seufzte ich glücklich auf, als ich das Buch schloss. Für mich ist es ganz einfach zu beschreiben: Und zwar als „Perfekt“.


Wenn ihr bodenständige Geschichten liebt, in die das wahre Leben samt all seine Höhen und Tiefen Einzug gefunden hat, dann seid ihr bei „Nicht nur ein Liebesroman“ genau richtig. Euch erwartet keine einfache Liebesgeschichte, sondern eine liebevolle Geschichte über Freundschaft und das Leben. Und beides hat so seine Höhe- und eben Tiefpunkte. Emma Mills hat keine Angst, beides zu schildern. Und so entsteht eine atemberaubende Geschichte, die ich wirklich nur empfehlen kann. Tiefgründige und authentische Figuren, gepaart mit jeder erdenklichen Form der Liebe ergibt genau das: Nicht nur einen Liebesroman. Ich vergebe für ein absolutes Lesehighlight natürlich die vollen fünf Spitzenschuhe.


14. April 2018

Rezension: "Luca und Allegra - Liebe keinen Montague" von Stefabnie Hasse



Titel: Luca und Allegra - Liebe keinen Montague
Autor: Stefanie Hasse
Verlag: Impress
Preis: 3,99
Seiten: 213

Vor einer Weile gab es ein kleines Ebook-Sale bei Carlsen und da musste ich unbedingt zuschlagen. Denn schon lange stand die Ebox von „Luca und Allegra“ auf meiner Wunschliste und der Zeitpunkt war einfach perfekt. Ich habe mich riesig auf den ersten Band gefreut. Von Stefanie Hasse habe ich bereits ein paar Bücher gelesen und ich empfinde ihre Geschichten immer als angenehm und schön. An „Luca und Allegra – Liebe keinen Montague“ hatte ich relativ hohe Erwartungen. Ich war vor dem Lesen in einem kleinen „Romeo und Julia- Fieber“, das mich für das Buch stark motivierte. Sofort tauchte ich auch in die schöne Geschichte ab, anfangs hatte ich aber so meine Probleme. Viele Stereotypen treffen aufeinander, unrealistische Handlungselemente haben Einzug in die Geschichte und ich wurde nicht so recht warm mit Allegra. Doch ab der Mitte besserte sich all das und das Ende hat mich förmlich überrumpelt und umgehauen! Insgesamt ist „Luca und Allegra“ ein liebevolles Abenteuer, das am Ende zu überraschen weiß, mit ein paar Stereotypen aber gern noch abschließen könnte.

Maskenbälle, unsternbedrohte Familiengeschichten und verfluchte Liebespaare kennt Allegra höchstens aus ganz alten Büchern, aber mit der Realität haben sie für sie nichts zu tun. Das ändert sich grundlegend, als sie bei einem Kurzurlaub am Gardasee erfährt, dass ihr Hotel von Nachfahren der Capulets geführt wird. Anscheinend ist ihre Fehde mit den Montagues auch nach Jahrhunderten noch intakt. Als sie aus purer Neugier die andere Seite des Sees erkundet, beginnen sich die Ereignisse unwillkürlich zu verdichten. Denn Allegra trifft auf Luca Montague und damit auf ihr magisches Schicksal…

Ich liebe das Cover. Schon bei Erscheinen des ersten Bandes erregte das Buch meine volle Aufmerksamkeit. Leider kam ich zeitnah nicht zum Lesen, Band zwei erschien bereits und ich wartete auf die Ebox. Ich hatte eigentlich nie viel übrig für die Geschichte von Romeo und Julia, verfolgt mich der Name doch schon mehr als genug. Beim ersten Lesen des Weltklassikers verstand ich nicht so recht, was alle an diesem Buch finden. Doch dann schaute ich mir in diesem Jahr das Ballettstück, aufgeführt vom Bolschoi-Ballett, im Kino an. Und ich war verzaubert. So verzaubert, dass ich am gleichen Abend das Buch noch einmal las und all die Magie in der Geschichte entdeckte. Und da war doch noch was?! Zum Glück hatte ich die Adaption aus der Feder von Stefanie Hasse bereits auf dem Reader und so kam ich endlich zum Lesen.
Cover: bezaubernd, Klappentext: interessant und die Autorin ist als eine gute bekannt. Konnte also nichts schief gehen, oder? So dachte ich. Und dennoch war ich vom Beginn des Buches überrascht und fand nur schwer in die Geschichte. Das hatte verschiedene Faktoren. Mein größtes Problem war Allegra. Ich mag die Protagonistin inzwischen, denn im Laufe der Geschichte entwickelt sie sich sehr positiv. Doch die Ausgangslage war mir deutlich zu stereotypisch. Gleiches kann ich von ihrer Freundin Jen behaupten. Allegra und Jen sind beide wunderschön (Jen modelt sogar beruflich), wenn auch vollkommen verschieden. Beide sind nett und freundlich, genießen das Leben und alles ist irgendwie viel zu gut. Ja, Allegra hat noch keine richtige Liebe erlebt und lebt allein bei ihrer Mutter, aber mir war das alles zu einfach. Immer dieses „schön und erfolgreich“. Ehrlich gesagt nervt es mich immer mehr, wenn die Charaktere in einem Buch so sind. Auch wenn die beiden am Gardasee auftauchen, sind einfach alle hin und weg von ihnen. Die Jungs schauen ihnen hinterher, ihr Zimmer wird einfach so geupgradet und keiner weiß, warum. Es ist einfach wahnsinnig unlogisch. Aber gut, diese mysteriöse Situation gehört natürlich zur Story, die sich so langsam erst aufbaut. Trotzdem. Mir haben Ecken und Kanten gefehlt. Doch die kamen zum Glück noch. 
Jen spielt zwar eine relativ wichtige Rolle, vor allem am Ende, doch natürlich ist Allegra die wichtigere. Jen konnte mich auch ehrlich gesagt zu keiner Zeit überzeugen. Allegra schon. Sobald sie erfährt, wer sie ist, welcher Familie sie angehört und was das Schicksal für sie bereithält, reift sie. Außerdem trifft sie auf Luca Montague und zusammen sind die beiden wirklich hinreißend. In der ersten Szene war Luca bereits geheimnisvoll, aber irgendwie auch gefährlich. Die Szene auf dem Maskenball war dann mein absolutes Highlight. Hier kommen die beiden sich näher und das Setting ist traumhaft. 
Insgesamt muss man aber sagen, geht die Sache mit der großen Liebe sehr schnell. Die Liebe kommt plötzlich und ist unwiderruflich. Ich musste mich kurz mit dieser Heftigkeit der Gefühle abfinden, aber ich fand es gelungen. Und zwar aus dem Grund, dass es im Original ganz genauso, wenn nicht noch heftiger, ist. Romeo und Julia kennen sich vor ihrem gemeinsamen Tod nicht länger als ein paar Tage. Und diese Liebe ging als eine der größten der Literatur in die Geschichte ein. Warum bei Luca und Allegra also anders vorgehen? Ich verstand die Autorin hier sehr gut und die Liebesgeschichte fand ich ebenso großartig. Auch in unserer Welt muss es die wahre Liebe auf den ersten Blick geben und ich finde es schön, dass Stefanie Hasse an diesem Element festgehalten hat. 
Luca ist meines Erachtens ein sehr herzlicher Charakter, über den man aber nicht allzu viel erfährt. Sein Aussehen ist im Buch immer sehr präsent, doch darauf kommt es Allegra eigentlich nicht an. Ich hätte mir dennoch gewünscht, mehr über Luca zu erfahren. Ein wirklich gelungener und aufbrausender Charakter ist allerdings Alessandro. Er ist eine Naturgewalt, die für viel Freude im Buch sorgt! Auch der Pater gefiel mir gut und die Figur des Dunklen fand ich ebenfalls toll gewählt. Und dann wäre da noch der geheimnisvolle Trip, der erst im zweiten Teil des Buchs auftaucht, der aber so herzlich, humorvoll und herrlich ist, dass er mir im ersten Teil sehr fehlte! 
Der zweite Teil des Buches ist anders, als der erste. Denn Allegra will den Fluch der Familien Montague und Capulet brechen und begibt sich auf die Prüfung der Liebe. Diese Idee fand ich sehr interessant und gut umgesetzt. Sie ist innovativ und dennoch bleibt die Autorin in einem gelungenen Adaptionskonzept. Trip begleitet Allegra auf dieser Prüfung und es ist spannend, acrionreich und dennoch lustig. Dass Stefanie Hasse allerdings die griechische Mythologie mit einfließen lassen musste, finde ich nach wie vor nicht so gut. Ich denke, es hätte auch ohne funktioniert. Die Kombination funktioniert aber dennoch.
Das Finale macht in meinen Augen wahnsinnig viel wett. Ich hatte wirklich nicht mit dem Ausgang der Geschichte gerechnet und ich rechne Stefanie Hasse dieses Ende hoch an. Ich bin gespannt, wie sich im zweiten Teil alles auflösen soll, doch mich konnte Hasse wirklich beeindrucken! Es ist liebevoll, herzzerreißend und passend. Mit diesem Ende verzeihe ich viele Kleinigkeiten, die ich vorher kritisiert habe!
Insgesamt hat die Autorin die Adaption gut durchgezogen. Das Buch ist in Akte und Szenen unterteilt, statt in Kapitel, was mit sehr gefiel! Die Figuren lassen sich wiedererkennen, auch wenn Allegra nicht so naiv ist, wie Julia und Luca nicht so leichtlebig wie Romeo. Die wichtigen Werte des Originals sind gut verpackt und dennoch gibt es genügend Innovation. Und letztlich gefiel mir der Handlungsort. Auch wenn es eben nicht der des Originals ist, passt er gut zur Atmosphäre. Diese empfand ich auch als gelungen mit all dem italienischen Flair. Der Schreibstil von Hasse ist sehr frisch und modern. Er ist flüssig und an den richtigen Stellen magisch. Die italienischen Namen und Ausdrücke gefielen mir ebenfalls sehr gut.


„Luca und Allegra – Liebe keinen Montague“ hat wirklich viel Gutes! Die Geschichte hat Märchen- und Mythologieaspekte, eine interessante und ungewöhnliche Liebesgeschichte, es gibt Action und Spannung und auch einen Fantasyanteil. Die Mischung ist sehr interessant und als „Romeo und Julia“-Adaption durchaus gelungen. Mich haben die anfänglichen und stark auftretenden Stereotypen in Bezug auf die Protagonistinnen genervt, ebenso wie die heitere Ausgangslage. Aber die Autorin hat den Dreh noch bekommen. Diese kleinen Stereotypen tauchen zwar immer mal wieder auf, aber das Ende macht alles wett und beeindruckt sehr! Ich vergebe 3,5 Sterne für diesen Dilogie-Auftakt und bin auf das Finale mit all seinen Wendungen gespannt.