26. Juli 2017

Rezension: "Betrogen" von P. C. Cast & Kristin Cast


Titel: House of Night - Betrogen
Autor: P. C. Cast & Kristin Cast
Verlag: Fischer
Preis: 16,95€
Seiten: 512

Eine Reihe, die sich über zwölf Teile erstreckt hat etwas Abschreckendes. Auf Empfehlung habe ich dennoch mit der „House of Night“-Reihe begonnen. Sie ist schon ein paar Tage älter und hat ein typisches Jugendbuch-Fantasy-Thema: Vampire. Ich finde es immer wieder toll, wie Autoren fantastischen Wesen neu erfinden, ihnen innovative Eigenschaften zuschreiben oder eine ganz neue Welt konstruieren. Der erste Teil „Gezeichnet“ hat mich positiv überrascht und ich hatte auf jeden Fall Lust weiter zu lesen. Also widmete ich mich dem zweiten Teil „Betrogen“. Ich empfand das Buch als etwas schwächer gegenüber seinem Vorgänger, aber das Cast-Duo weiß seine Geschichte gut zu erzählen. Besonders zum Ende hin passiert sehr viel, das ständige Gefühls-Hin-und-Her der Protagonistin hat mich aber gestört. Ein solider zweiter Teil, der sich aber auf jeden Fall steigern lässt.

Zoey hat sich im House of Night eingelebt und gewöhnt sich an die enormen Kräfte, die ihr die Göttin Nyx verliehen hat. Endlich fühlt sie sich sicher und zu Hause, da passiert das Unfassbare: Menschliche Teenager werden getötet und alle Spuren führen zum House of Night. Als die Freunde aus ihrem alten Leben in höchster Gefahr schweben, ahnt Zoey, dass die Kräfte, die sie so einzigartig machen, eine Bedrohung sein können: für alle, die sie liebt.

Irgendetwas hat die Reihe an sich, das mir gefällt. Und ehrlich gesagt ist das nicht sofort ersichtlich. Denn was ich wirklich nicht leiden kann ist dieser Besonderheitsstatus von Zoey. Zoey ist ein Charakter, der für ein Jugendbuch absolut in Ordnung geht. Sie gehört nicht richtig dazu, ihr Zuhause ist kein solches und dann ändert sich plötzlich alles, da sie gezeichnet wird. Das Gesamtkonstrukt von „House of Night“ gefällt mir auf jeden Fall. Ich finde, dass das Konzept innovativ und außerdem logisch ist. Die beiden Autorinnen haben sich viele Gedanken zu ihrem Weltentwurf gemacht und deshalb ergibt in dieser Welt auch alles einen Sinn. Die Vampirgöttin Nyx existiert und leitete das Leben der Vampire an. Aber Zoey hat sie zu etwas auserkoren. Und das finde ich so nervig. Denn sie ist die Heldin. Der Jungvampir mit den Tattoos, den besonderen Gaben, den tollsten Freunden und dem heißesten Freund. Uuuuh….toll…
Ich finde dieses ganze Gehabe einfach unnötig. Es macht im Rahmen der Handlung Sinn und natürlich muss alles genau so sein, damit die Geschichte sich entwickeln kann. Nerven darf es den Leser dennoch. In „Betrogen“ nervte mich ein ganz anderer Umstand aber vielmehr, der auch mit Zoey zu tun hatte – ihre Gefühlswelt. Erst vor kurzem hat sie sich von ihrem menschlichen Freund abgewendet, weil sie ihn total doof fand und Eric ja der absolute Hammer war. Und plötzlich findet sie Heath gar nicht mehr so blöd, im Gegenteil. Und Eric ist im Moment ja nicht im HoN, deswegen vergisst man einfach mal, wen man besser findet. Ach ja und dann besteht da noch diese sexuelle Spannung zu einem ihrer Lehrer. Also wirklich. Das war too much. Ich hatte mich im ersten Buch so mit Eric und Zoey gefreut! Und dann plötzlich all dieses Zweifeln. Die Tatsache, dass Eric erst irgendwann bei Seite 270 wieder auftaucht, trug nicht zu einer Verbesserung bei. Zugeben muss ich aber, dass ich nicht nur den Charakter Eric, sondern auch Heath mag. Der Junge ist doch irgendwie herrlich normal. Und das scheint auch Zoey plötzlich so zu empfinden. Aber sie soll sich doch bitte mal entscheiden! Heath spielt in diesem Buch eine sehr große Rolle und das fand ich gut. Er ist außerdem ein lustiges Kerlchen und bringt Humor mit in das spannende Ende.
Spannend ist das Buch allemal, allerdings nicht von Beginn an. Ich habe wirklich gebraucht, bis ich in die Geschichte fand. Alles startet so langsam und beschäftigt sich mit unnötigen. Aber als Eric dann irgendwann endlich da ist, ändert sich das. In der Gegend sind zwei Morde geschehen und die Spuren führen zum House of Night. Außerdem wird Zoey Neferet gegenüber immer misstrauischer – zurecht, wie sich zeigt. Schon diese beiden Umstände machen das Buch spannend. Und emotional bleibt es. Es geht sehr viel um Freundschaft und ich finde Zoey Clique einfach toll. Damien und Stevie Rae sind auf jeden Fall meine Favoriten. Zu den Zwillingen finde ich leider keinen Draht. Umso schlimmer ist es, dass in diesem Buch etwas wirklich Grauenhaftes bezüglich Zoeys Freundschaften geschieht, was ich kaum fassen konnte. Es machte mich traurig und ich wollte das Buch weglegen. Aber natürlich las ich weiter. Mir gefällt diese Entwicklung wirklich nicht und ich bin gespannt, wie es um Zoeys Freunde weitergehen wird. Auf jeden Fall haben es die Autorinnen mit diesem Plottwist geschafft, mich zu überraschen – immerhin. Eine besondere Erwähnung ist sicher noch Aphrodite wert. Ich bin mir sicher, dass sie in den nächsten Bänden noch sehr wichtig werden wird, denn eine Besserung ist in Sicht. Darauf freue ich mich in der Tat.
Der Stil des Cast-Duos ist wirklich gut. Man kann das Buch sehr schnell lesen, da der Stil flüssig, bildreich und auch an den richtigen Stellen frech ist. Die beiden wissen einfach, wie sie ihre Geschichte am besten erzählen und deswegen tun sie es auch gekonnt.



„Betrogen“ startet schwach und wird dann deutlich besser! Die Geschichte ist am Ende sehr spannend, viele verschiedene Handlungsstränge werden immer wichtiger und das Buch weiß sogar zu überraschen. Es gibt tolle Charaktere – mekrwürdigerweise sind das meistens die männlichen -, Zoeys Status missfällt mir aber. Dafür fehlt mir die Identifikation mit diesem ach-so-tollen Jungvampir. Ich fand das Buch nicht so gut wie seinen Vorgänger, bin aber gespannt, wie sich die Geschichte entwickeln wird. Ich hoffe, dass das ganze Hin-und-Her abnimmt, bezweifle das aber, wenn ich bedenke, dass es 10 weitere Bände gibt. Für „Betrogen“ vergebe ich knappe vier Spitzenschuhe.




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