3. Dezember 2017

Rezension: "Vampires of Eden - Bluterwachen" von Sabine Schulter


Titel: Vampires of Eden
Autor: Sabine Schulter
Verlag: Dark Diamonds
Preis: 4,99€
Seiten: 320


Wenn man die Buchreihe „Melody of Eden“ gelesen hat, hat man sie ziemlich wahrscheinlich verschlungen. Sabine Schulter hat mit Eden und Melody zwei besondere Charaktere erschaffen und mit ihnen zusammen noch eine Reihe ungewöhnlicher Vampire. Ungewöhnlich im positiven Sinn, denn Scott, Rich, Scarlett oder Ivy kann man sich einfach nicht entziehen. Schulters Romane haben immer etwas Familiäres und wenn man sie beendet, trauert man oft einer neu gewonnen Familie nach. Endlich kann dieses Gefühl aber überwunden werden. Denn zur „Melody of Eden“-Reihe ist ein Spinn-Off erschienen, der jedes Fanherz höher schlagen lässt. Im Grunde hat man es mit einem Kurzgeschichtenband zu tun, in dem endlich die Vorgeschichten der bekannten Vampire zu finden sind. Für Liebhaber der Reihe ist es ein absolutes Muss, denn so kann man noch ein letztes Mal in die Welt von Eden und Melody eintauchen, kann ihre Liebe genießen und nebenbei noch einen viel tieferen Einblick in die verschiedenen Figuren gewinnen. Kennt man die Reihe nicht, hat man wahrscheinlich nicht das nötige Verständnis und dementsprechend weniger Spaß. Kennt man aber die Geschichte, wird man dieses Buch lieben! Es ist keinesfalls das beste der Reihe, aber das soll es auch gar nicht sein. Es ist einfach ein toller Zusatz, der mich mehr als einmal lächelnd zurück ließ.

Nach den dramatischen Ereignissen der letzten Monate kehrt ein wenig Ruhe auf den Polizeirevieren ein. Die perfekte Zeit also, um einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Denn wie sind die Rudelmitglieder um Melody und Eden überhaupt zu Vampiren geworden? Während Unruhestifter und Frauenversteher Rich vor seiner Verwandlung mit den Folgen des Krieges zu kämpfen hatte und Karis und Toja ihre Arbeit als Undercover-Agenten genossen, sah Ivys Leben in Paris weniger rosig aus. Und auch die anderen Vampire haben ihre ganz persönliche Lebensgeschichte zu erzählen…

„Vampires of Eden“ gibt dem Leser sofort ein Gefühl von Nach-Hause-Kommen, wenn man die erste Seite aufschlägt. Denn es sind Melody und Eden, die ihn begrüßen, die endlich einen normalen Alltag zu finden scheinen und in dessen Beziehung man sofort wieder einen Einblick bekommt. Das Paar ist zu Besuch bei Edens Schwester und während die Verwandten sich schlafen legen, beginnt für Melody und Eden die Nacht. Die beiden haben endlich Zeit für sich und so nimmt die Geschichte ihren Lauf. Denn die neugierige Mel fragt Eden nun nach den Geschichten ihrer Rudelmitglieder – ihrer Freunde. Und der sonst so zurückhaltende Eden ist bereit sie zu erzählen. Ein Glück für uns!
Das Buch beinhaltet sechs Kurzgeschichten über sieben der beliebten Vampire. Man kennt Melodys und Eden Geschichte, doch nicht die ihrer „Familie“. Die Geschichten sind bis zu einem gewissen Zeitpunkt unabhängig voneinander und dennoch fehlt dem Leser niemals der Kontext. Jede Geschichte wird von einem sogenannten „Zwischenspiel“ eingeleitet, in dem Eden und Melody über die zuvor besprochene Geschichte reden und die nächste einleiten. Diese Zwischenspiele sind sehr liebevoll und mir haben sie wirklich gut gefallen. Sie sind sehr kurz, aber schaffen sofort die richtige Atmosphäre für das Kommende.
Was mir außerordentlich gut gefallen hat, ist die Reihenfolge der Geschichte. Was die vier Einheitsmitglieder betrifft, wird chronologisch erzählt. Natürlich handelt es sich also um die Geschichten von Scott, Scarlet, Rich und Ivy. Aber welche beiden Geschichten folgen noch? Es sind diejenigen von Kardia und die der Zwillige Toja und Karis. Mit den beiden letzten Geschichten hatte ich kaum gerechnet und gerade deswegen haben sie mich umso mehr überrascht. Denn diese beiden sind etwas weniger dramatisch, in gewisser Weise positiver und einfach absolut gut! Aber welche der sechs Geschichten meine liebste ist, kann ich nicht sagen! Ich schwanke zwischen der von Kardia – die frühere englische, extravagante Lady, die jegliche Konventionen für Liebe über den Haufen werfen würde – und der von Scott – dem familienliebenden Riesen, der stets mit seinem einfachen Leben zufrieden war. Aber auch die Geschichte von Scarlet hat mich beeindruckt und nachdem ich wusste, dass sie einmal eine unabhängige Frau mit einer Leidenschaft war, konnte ich diesen Charakter viel besser verstehen. Rich und Ivy hingegen haben sehr traurige Geschichten. Rich, der verwundet aus dem zweiten Weltkrieg zurückkehrte, muss erst einmal sein Leben ordnen, doch das bleibt ihm verweht. Besonders interessant an dieser Geschichte ist aber, dass zum ersten Mal ein Vampir, der zuvor bereits auftrat, auftaucht. Der Leser erkennt das natürlich sofort und trotzdem ist es mehr als interessant, die erste Begegnung der Blutgefährten Rich und Scarlet zu lesen! 
Ähnlich verhält es sich in der Geschichte von der kleinen Ivy. Schon als Mensch war dieses zuckersüße Mädchen etwas Besonderes. Ich finde, dass die Autorin hier genau den richtigen Ton gefunden hat, um Ivys Charakter zu verdeutlichen. Die Kleine tat mir am Ende so unglaublich leid, doch auch hier taucht das Rudel auf. Immer wenn Mitglieder des Rudels als Nebenfiguren agieren, fand ich das Szenario sehr beeindruckend. So entsteht ein interessanter Rollenwechsel, der dank der Kenntnis dieser Figuren aber toll verstanden wird.
Die Geschichten von Scott und Kardia haben mich, wie gesagt, sehr beeindruckt. Scotts Geschichte macht den Anfang und es ist ein toller Einstieg ins Buch. Kardias Geschichte hingegen ist die vorletzte und dennoch ist sie einfach anders, da ihre Verwandlung andere Hintergründe hat. Auch hier, Chapeau. Denn mit dieser Geschichte kann der gleiche Erzählrhythmus gebrochen werden. Denn logischerweise erzählt jede Geschichte davon, wie Menschen zu Vampiren wurden. Dementsprechend taucht irgendwann immer ein Wilder auf, die Menschen wissen nicht, womit sie es zu tun haben und dank irgendwelcher unterschiedlicher Umstände werden sie gebissen und verwandeln sich. Das ist im Grunde das Konzept der Geschichten. ABER: Jede Geschichte ist anders erzählt, immer geschieht die Verwandlung aus anderen Gründen, anderen Motiven und anderen Atmosphären. Und so muss ich sagen, dass trotz gleicher Grundstrukturen immer Abwechslung vorliegt. Dies ist bei Kardias Geschichte ganz besonders deutlich und das fand ich wahnsinnig toll! Denn mit dem neuen Lebensabschnitt geht hier in gewisser Weise auch eine Liebesgeschichte einher. Hach. 
Und dann darf man die Geschichte der Zwillinge nicht vergessen. Diese ist ebenfalls etwas ganz Besonderes, denn es geht um Geschwisterliebe. Mehr möchte ich gar nicht dazu sagen, doch Sabine Schulter schafft es wieder absolut die Emotionen herüberzubringen. Und das im gesamten Buch.
Emotionen, Spannung, Familienzusammenhalt, Liebe, Action….es gibt so viel, was ich an diesem Buch loben muss. Außerdem lässt es sich durch den Kurzgeschichtencharakter toll lesen und man kann immer wieder in eine neue Welt und ein anderes Zeitalter eintauchen. Man reist nach Kanada im 17. Jahrhundert, nach Paris in den 1970ern, aber auch nach Rumänien und Amerika und nicht zu vergessen nach London und Norwegen. Das Buch ist eine einzige gelungene Reise! Der Stil der Autorin ist wie immer warmherzig, flüssig, bildreich und absolut flüssig.



Ich kann wirklich nichts anderes tun, als dieses Spinn-Off jedem Leser der „Melody of Eden“-Reihe ans Herz zu legen. Man lernt so viel Neues über die bekannten Vampire, man bekommt tiefe Einblicke in die Charakterbildung von Scarlet und Co. und man wird erneut Teil dieser einzigartigen Familie. Jede Geschichte hat ihre Highlights und ihre Abgründe. Denn es geht immer um eine nicht umkehrbare Veränderung, die mehr als einschneidend ist. In diesem Sinne ist übrigens auch das Vorwort ganz besonders schön. 
Taucht ab in die sechs neuen Geschichte rund um die Mitglieder der Nachtpolizei, entdeckt neue Details in der Geschichte und entwickelt neue Gefühle und neues Verständnis für die Figuren. Habt ihr „Melody of Eden“ geliebt, werdet ihr auch dieses Spinn-Off lieben – wie ich. Ich vergebe 5 Spitzenschuhe und bin absolut glücklich über den Umstand diese sechs Geschichte zu kennen. Nur leider muss ich diese Familie erneut zurücklassen..



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