2. Januar 2016

Rezension: "Voll erwischt" von Ellen Sommer


Titel: Voll erwischt
Autor: Ellen Sommer
Verlag: Ellen Sommer Verlag
Preis: 7,96€
Seiten: 256 

Ein schüchternes Mädchen. Eine neue Schule. Ein toller Typ. Eine vorprogrammierte Liebesgeschichte mit vielen Komplikationen! Hinzu kommt noch ein kleiner Touch vom Mystischen und fertig ist der Roman „Voll erwischt“ von Ellen Sommer. Ein leichtes Jugendbuch, das eine wirklich gute Idee samt Grundgerüst hat, das aber leider ein paar zu viele Schwächen für mich aufwies.

Inhalt


Die 17-jährige Lille zieht für ein Jahr zu ihrer Großmutter nach Wuppertal, da ihre Eltern beruflich unterwegs sind. An ihrer neuen Schule läuft alles besser als gedacht, sie schließt Freundschaften und schnell ist sie auch Mitglied des Handballteams. Und dann wäre da noch der süße Chris, auf den sie seit dem ersten Tag ein Auge geworfen hat.  Auch Chris scheint an Lille interessiert zu sein. Doch sein Leben ist alles andere als einfach und seit seinem schweren Motorradunfall ist er nicht mehr derselbe. Dennoch nähern sich die beiden an. Doch Lilles Großmutter ist strikt gegen den Umgang mit Chris. Doch warum? Können Lille und Chris dennoch glücklich werden?

Meinung


„Voll erwischt“ ist ein Roman, der sich mit den Themen jedes Jugendlichen beschäftigt. Ein Großteil der Geschichte spielt in der Schule der Protagonisten, was wohl jeder von uns kennt. Als Leser begleitet man Lille in ihrem Alltag, der mit Schule, Handball, ein paar Jungs und ihrer Großmutter gut gefüllt ist. Im Grunde hat mir das Buch gefallen, aber irgendwie habe ich dann doch ein bisschen viel zu meckern.
Beginnen wir mit den Charakteren. Das Buch ist aus drei verschiedenen Perspektiven geschrieben. Es gibt die Sicht von Lille, Chris und Sara. Lille nimmt den größten Teil der Geschichte ein. Sie beschreibt sich selbst als „schüchtern“ handelt aber alles andere als dementsprechend. Meiner Meinung nach ist sie sogar ziemlich selbstbewusst und dazu noch hübsch. Okay, sie wird schnell rot, aber da kann sie ja nun einmal wenig für. Sie ist sportlich, jeder Junge dreht sich nach ihr um und sie findet schnell Freunde. Ach…und sie ist intelligent. Also wohl kaum eine kleine graue Maus. Manchmal hat Lille mich ein wenig genervt, da einige ihrer Kommentare etwas eingebildet und oberflächlich waren. Aber vielleicht ist das Geschmackssache. Chris hingegen gefiel mir besser, auch wenn er ein bisschen zwischen Bad-Boay-Image und Softie hin und her schwankt. Er ist ziemlich schnell unsterblich in Lille verliebt und man verfolgt mit, wie sich seine Gedankenwelt mit ihr füllt. Auch er ist sportlich, beliebt und er kann auch noch unglaublich gut zeichnen. 
Vielleicht merkt man, worauf ich hinaus möchte: Diese Jugendlichen sind ein bisschen zu perfekt. Klar, beide haben auch wirklich ernst zu nehmende Probleme, aber mir persönlich wurde das zu wenig beleuchtet. Gut wiederum finde ich, dass die Liebesgeschichte von Chris und Lille im Fokus steht. Ich habe die gemeinsamen Szenen gern gelesen und die Entwicklung ihrer Beziehung war spannend. Ja, auch ich habe wirklich mitgefiebert. Die Chemie zwischen beiden stimmt einfach und es ist doch immer schön, Buchpaaren beim Verlieben zuzusehen! Dennoch: Am Anfang flirten beide ziemlich heftig miteinander und am nächsten Tag sind sie mehr als verliebt. Mir ging das Ganze etwas schnell. Das trifft übrigens auch auf andere Stellen des Buches zu. Vor allem auf das Ende. Aber ich will ja nicht zu viel verraten.
Noch ein paar Worte zu den Nebenfiguren. Sara ist die beste Freundin von Lille an der neuen Schule. Sie ist sehr sympathisch und cool. Mir gefiel sie recht schnell. Sie ist impulsiv und genießt es zu leben, auch wenn sie es mit ihrer Familie nicht leicht hat. In ein paar Kapiteln sind auch Absätze aus Saras Sicht zu lesen. Auch wenn ich die Perspektivwechsel im Allgemeinen gut finde, war Saras einfach überflüssig. Sie sind kurz und irgendwie unpersönlich. Wenn man Chris und Lilles Perspektive liest ist das anders. Man lernt beide anders kennen und die detaillierte Sicht liefert tolle Einblicke. Die anderen Nebenfiguren sind gut. Da wären die Handballmannschaften samt Trainer und die Klassenkameraden. Lilles Großmutter war anders, als ich es erwartet hatte. Mit ihr kommt wohl das Geheimnis des Buches ins Spiel. Moira ist eine ziemlich kluge Frau.

Es fällt mir etwas schwer zum Punkt zu kommen. Die Idee des Buches (, die ich hier natürlich nicht erwähnen kann) ist gut, denn der Hauch Mystisches ist ziemlich cool. Nur leider etwas unausgereift. Jedenfalls wird er nur am Anfang und Ende aufgegriffen. Sehr schade! Das Ende kommt dann auch etwas plötzlich. Allerdings soll es einen zweiten Teil geben. Auf den freue ich mich, denn ich hoffe, dass das Thema etwas mehr miteingearbeitet wird!
So ist „Voll erwischt“ leider nur ein netter Jugendroman, wenn auch mit viel Potenzial. Zwischenzeitlich empfand ich die Handlung etwas schwach, in der abgesehen von der Liebesgeschichte der rote Faden fehlte (,obwohl es ihn ja eigentlich gibt!!). Der Schreibstil ist gut, aber auch hier stolperte ich über ein paar schlacksige Formulierungen, die den Lesefluss störten. Ebenfalls etwas gestört habe ich mich an den Absätzen im Buch. Auf jeder Seite sind mindesten 1-2 leere Zeilen, die eher wahllos gesetzt wurden.

Fazit



Ich habe wirklich ein schlechtes Gewissen, dass meine Rezension so unglaublich negativ klingt, aber man soll ja auch bei der Wahrheit bleiben. Die Wahrheit ist aber, dass mir das Buch dennoch gefiel. „Voll erwischt“ dreht sich um zwei junge Menschen, die zusammen sein wollen und denen das Schicksal ein paar Streiche spielt. Aufgrund der guten Idee werde ich auch den zweiten Band gerne lesen. Allerdings hätte man ein paar Dinge besser lösen können. Von mir gibt es drei Spitzenschuhe für ein Buch über die Jugend, in dem sich viele wiederfinden können.





Vielen Dank an Ellen Sommer für das schöne Exemplar und die süßen Goodies! Die Leserunde war trotzdem toll und ich bin sehr dankbar, dass du meine Kritikpunkte so gut aufnimmst! :)

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